Nachtrag.
Einige Notizen über die Familien der drei Hauptpersonen des Prinzenraubes:
a.) des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen.
b.) des Ritters Kunz von Kauffungen.
c.) des Köhlers Georg Schmidt, vorzüglich nach dem Prinzenraube.
a.) Des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen Familie.
Kurfürst, Friedrich der Sanftmüthige, Vater der beiden geraubten Prinzen Ernst und Albrecht lebte nach dem Prinzenraube noch 9. Jahre, starb den 7. Septbr. 1464 zu Altenburg im 54. Lebensjahre und wurde im Dome zu Meißen beigesetzt. – Ernst und Albrecht regierten nach dem Willen des entschlafenen Vaters nun gemeinschaftlich; außer, daß Ernst nach dem Rechte der Erstgeburt die Kurwürde und das mit verbundene Herzogthum Sachsen allein erhielt. Zwanzig Jahre regierten sie gemeinschaftlich und vermehrten ihre Macht durch verschiedene neue Besitzungen, besonders aber durch die Entdeckung der Silbergruben zu Schneeberg 1471. und die Erbschaft ihres Oheims, des Herzogs Wilhelm III. von Thüringen (Bruder ihres Vaters), welcher den 17. Septbr. 1482 ohne männliche Nachkommen starb, indem sie dadurch Besitzer seines ganzen Landes wurden.
Zwistigkeiten, die dadurch geschahen, daß Herzog Albrecht mit einigen Beamten[69] unzufrieden war, denen Kurfürst Ernst sein ganzes Vertrauen schenkte, traten ein; so kam denn eine gänzliche Theilung der Länder den 26. August 1485 zu Leipzig zu Stande. Dem sächsischen Rechte gemäß vollführte die Theilung der ältere Bruder; der jüngere Bruder dagegen hatte die Wahl. Zum Verdruß des älteren Bruders wählte Albrecht die meißnischen Länder und Ernsten blieb Thüringen. Doch die Oberhoheit über den Bergbau blieb gemeinsam.
So wurde das Haus Sachsen in die ernestinische und albertinische Linie getheilt, wodurch sie nun die Stammväter der beiden noch jetzt bestehenden Linien wurden.
Allein die Kurwürde kam 62 Jahre später durch die Gefangennehmung des unglücklichen Kurfürsten Johann Friedrich d. Großmüthigen den 24. April 1547 in der Schlacht bei Mühlberg von Kaiser Karl V. an die jüngere, albertinische Linie, indem er seiner Würden und Länder gänzlich entsetzt wurde, und sein Vetter, Herzog Moritz, der jüngern Linie angehörig, vom Kaiser solche erhielt.
Bei dieser Linie blieb die Kurwürde bis zum 11. Decbr. 1806, wo der damalige Kurfürst Friedrich August III. sie mit einer Königswürde vertauschte.
Kurfürst Ernst starb den 26. August 1486 in Kolditz und wurde im Dome zu Meißen begraben. – Vermählt war er mit der Tochter des Herzogs Albrecht II. v. Baiern und zeugte mit dieser sechs Kinder, als vier Prinzen Namens: Friedrich der Weise, Albrecht, Ernst und Johann der Beständige und zwei Prinzessinnen Namens: Christiane und Margarethe.
Sein Sohn Albrecht ward im Jahre 1482 zum Erzbischof v. Mainz gewählt, starb zwei Jahre darauf in einem Alter von 20 Jahren; Ernst ward Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halberstadt; Friedrich erhielt nach dem Tode seines Vaters die Kurwürde, als ältester Sohn; und Johann folgte Friedrichen nach dessen Tode auf dem Throne. Von den beiden Prinzessinnen wurde die älteste an den König Johann von Dänemark, die jüngste an den Herzog von Braunschweig vermählt. – Herzog Albrecht indessen, der den Beinamen, der Beherzte, erhielt, starb den 12. Septbr. 1500 im 58. Jahre seines Alters zu Emden und wurde ebenfalls im Dome zu Meißen beigesetzt. – Vermählt war er mit der böhmischen Prinzessin Sidonia, Tochter Georg Podiebrads, König von Böhmen. Mit dieser zeugte er vier Kinder, eine Prinzessin und drei Prinzen Namens: Georg der Bärtige, Heinrich der Fromme und Friedrich; von denen die beiden ersten ihrem Vater hintereinander in der Regierung folgten; Friedrich aber zum Hochmeister des deutschen Ordens gewählt, starb im Jahr 1510 zu Rochlitz.
b.) des Ritters Kunz von Kauffungen Familie,
vor und nach dem Prinzenraube.
Das adeliche Geschlecht derer von Kaufungen findet man in der sächsischen Geschichte seit 1283[70], wo Heinrich von Coufungen als ein Dominus vorkommt, dessen Söhne: Tunzold und Heinrich, sehr das Kloster Buchau bei Leisnig plagten.
Ihr Stammschloß war Kauffungen, ein Rittergut im Königreich Sachsen, im Leipziger Kreisdirectionsbezirke im Amte Borna, entfernt vom Amtsbezirke, mitten im Schönburgischen, auf der rechten Seite der Mulde, Wolkenburg gegenüber, 1½ Stunde südlich von Penig entfernt gelegen.
Tunzold von Coufungen (der Obige) ein Ritter, aber doch nur des Unarc von Waldenburg Castrensis, verkaufte 1298 an jenes Kloster Nauenhain bei Geithain.
1357 schrieben sich Kunz und Heinrich von Kauffungen auch Herren zu Waldenburg und mögen diese Herrschaften wohl unterpfändlich besessen haben. – Dietrich von Kauffungen auf Brane (Mittelfrohna?) war 1357 einer der vornehmsten Zeugen bei dem vom Chemnitzer Kloster geschlossenen Kauf der Herrschaft Rabenstein; auch erscheint 1411 Jost von Kauffungen als Schiedsrichter zwischen dem Kloster Remsa und den Dynasten von Schönburg. In Remsa ruhen auch noch mehrere Kauffungen z. E. obiger Tunzold, der es mit 400 Fl. dotirte, wofür es 9 Scheffel Zins vom Glauchauer Stadtrath erkaufte. 1444 stiftete, Erich, Dietrich und Hanns v. Kauffungen eine Vicarie beim Remser Magdalene-Altar, welche der Abt von Bürgel zu conferiren bekam, die aber 1469 vom Naumburger Bischof zur Georgenkirche im Dorfe Remse geschlagen wurde. 1493 verkaufte Jobst von Kauffungen einige Güter an die Anna von Schönburg. Das Geschlecht besaß auch Kirschbaum (ohne Zweifel im bair. Voigtl.) und starb nicht schon mit dem Prinzenräuber in Sachsen aus, sondern erst 1585 mit Haubold von Kauffungen zu Chemnitz. Des Prinzenräubers Verwandte galten alle für Ritter von ächtem Schrot und Korne. Kunzens Gemahlin war eine geborne Anna von Einsiedel, Schwester Hildebrands von Einsiedel, der Hofmarschall des Kurfürsten Friedrich d. Sanftmüthigen war. Sein Bruder Dietrich von Kauffungen, war ein angesehener Ritter im Osterlande, seiner Mutter Bruder war Caspar von Schönberg, Bischof von Meißen. Kunzens Schwester heirathete einen aus dem Geschlechte derer von Schleinitz, dessen Sohn hieß Hugold oder Haubold von Schleinitz,[71] und die Herrn von Schönberg auf Sachsenburg Frankenberg waren seine nächsten Vettern.
Uebrigens, daß der Prinzenräuber das Rittergut Kauffungen wirklich besessen, zeigt sein Schein über den Interimsbesitz vor Schweikartshain. Außerdem besaß er Kahlenberg, Kohren, Eisenberg oder Isenburg in Böhmen, und nach einigen Geschichtsforschern die kleine Burg Streitwald bei Kohren.
Kurz vor dem Prinzenraube war er bei Friedrich V. von Schönburg zu Gaste; denn unter den Zeugen von dessen Contracte mit Elisabeth, Herrin von Gitschin kommt auch Kunz von Kauffungen auf Eysemberczie vor.[72]
Kunzens Söhne waren kurz vor dem Prinzenraube nach Böhmen gebracht worden, wo sie später in den Besitz des vom Vater erkauften Schlosses Isenburg kamen.[73]
Kunzens Vetter, Hans von Kauffungen und dessen Söhne: Haubold und Jost, wendeten sich kurze Zeit nach dem Prinzenraube ebenfalls aus den sächsischen Landen, und es bekannte Hans von Kauffungen, daß er seine Besitzungen, Wolkenburg und andere sich von dem Kurfürsten »geurlaubt« zugleich auch versprochen habe, für sich und seine Söhne nie wider den Kurfürsten zu handeln; eben so sagte er sich von aller Geldschuld los, die er etwa noch an den Kurfürsten zu fordern haben könnte. Dieß Versprechen bekräftigten Vater und Söhne Kauffungen durch einen Eid, und stellten darüber eine Urkunde den 7. Novbr. 1455 zu Grimma aus, im Beisein mehrerer hohen Beamten z. B. Hildebrands von Einsiedel und anderer Räthe. Ob ein Zusammenhang hinsichtlich der in der Urkunde berührten Thaten Kunzens auch mit diesem Kauffung stattgefunden, ist zweifelhaft und eher zu verneinen; daß der Kurfürst auch hierbei den Namen des Sanftmüthigen gerechtfertigt, und ob die Urkunde, und was sie bezeugt, so ganz das Ergebniß des freien Willens der Aussteller war, darüber ist ein Bedenken nicht zu entfernen.[74]
In Schlesien hat die Familie von Kauffungen, wie ein Denkmal an der Außenseite der Hauptkirche zu Goldberg[75] ausweist, noch im 17. Jahrhundert geblüht; doch dürfte dieß ein anderes Geschlecht sein, als das sächsische, da auch bei Hirschberg[76] ein (2 Stunden langes) Dorf Kauffungen[77] (mit 9 Rittergütern) liegt, so wie ein Flecken Kaufungen in Kurhessen[78], woher einige Geschichtsforscher das sächsische Geschlecht leiten wollen.
c.) des Köhlers Georg Schmidt Familie nach dem Prinzenraube.
Die Nachkommenschaft des Köhlers Georg Schmidt führte, was schon im Laufe der Geschichte des Prinzenraubes auseinander gesetzt worden ist, den Namen Triller. Mancher von dieser Familie gelangte zu großen Ehren, vorzüglich Caspar Triller, welcher eine mühsame Genealogie des Trillerischen Geschlechts schriftlich hinterließ, die er 1539 angefangen und bis 1612 fortgeführt hatte. Diese Schrift führt Triller in seinem sächsischen Prinzenraube an, indem er sie selbst aus den hinterlassenen Schriften Caspar Trillers hat. Er sagt: daß er in Sangerhausen, wo er in der St. Ullrichskirche begraben liegt, ansehnliche Vermächtnisse gestiftet habe, unter andern hätte er den Trillerschen Tisch im Convict auf der Universität zu Leipzig gestiftet, auch wäre er mit seinem Bruder Michael am 28. Jan. 1592 vom Kaiser Rudolph in den Adelstand, mit Schild und Helm versehen, erhoben worden.
Das von Trillersche Wappen ist noch bekannt und ist mit folgenden Insignien geschmückt:
Ueber dem Helm zeigt sich der halbe Leib eines Köhlers, welcher mit beiden Händen einen Schürbaum[79] hält, als wolle er mit selbigem zuschlagen. Im Wappenschilde selbst sieht man im linken Felde einen gelben Löwen, der in seinen Branken einen Zschörper, oder großes Kohlenmesser hält. Im rechten Felde aber erscheint ein goldfarbner Löwe, welcher einen doppelt gekrümmten Schürhaken[80] in seinen Branken hat und in einem untern Felde ist ein schwarzer Bär, der auf den Traum deutet, welchen die Kurfürstin vor dem Prinzenraube hatte.[81]
Die Familie ist jetzt sehr ausgebreitet, sie schreiben sich sowohl von Triller, als auch blos Triller. – Schreiter a. a. O. erwähnt einen Johann Samuel Triller, Tuchmachermeister und Bürger in Saalfeld, welcher im Jahre 1803, als ältestes Mitglied der Familie, männlicher Linie, das Gnadenkorn aus dem Rentamte Zwickau zu erheben hatte. Dieses Gnadenkorn bezieht gegenwärtig, wie schon oben einmal gedacht worden ist, der Herr Pastor Triller zu Nägelstädt bei Langensalza in Thüringen.
Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg R. Böhme lith W. Bischert gedr.
Das Denkmal am Fürstenberge.