Raubritter

Eine milde Märznacht beginnt zu weichen. Noch läßt der Waldkauz seine jauchzende Balzarie hören, noch tönt das „Guuk“ des Käuzchens aus den Kopfweiden am Bachufer. Doch bald verstummt das nächtliche Konzert. Im Dorfe kräht ein Hahn, bald antwortet ein zweiter, der östliche Himmel schmückt sich mit rosigen Tinten. Vom Kirchendache begrüßt der Hausrötel den erwachenden Tag mit seinem komischen Liede, am Bachufer erwacht das Rotkehlchen und schnickst traumverloren. Jetzt erwacht auch der Frühwind und fährt flüsternd durch das Laub der Steineiche, dann knarrt er ein wenig mit ihrem losen Aste, bläst in den Kobel des Eichhorns, verkündet ihm einen neuen Tag und eilt weiter, andre Schläfer zu wecken. Zum Spechtloch bläst er hinein, aber die Meise will noch nichts vom Aufstehen wissen, auch der Feldspatz im hohlen Apfelbaume plustert sich nur noch etwas mehr auf beim Morgengruß des Windes und schilt leise über die Störung. Und weiter eilt der lose Geselle. Dort nimmt er der Waldmaus das dürre Eichenblatt weg, unter dem sie eben eine keimende Nuß zerknabbern wollte, dann wirbelt er ein wenig im Stangenholze und verdirbt Langschwanz, dem Fuchs, die Jagd. Stampfend schlüpft das Kaninchen in den Bau, das noch rechtzeitig die Witterung des Schleichers in das wachsame Näschen bekam. Rastlos weiter eilt der Wind hinaus auf die Wiese, jagt die Nebelschwaden durcheinander, kost der jungen Magd des Försters die Wangen und spielt mit ihren Löckchen, dann geht es zum Feldgehölz. In den Fichten schlafen die Goldhähnchen und wollen geweckt sein, einer Elster ist eine wichtige Botschaft auszurichten, und vor allem der Herr Baron muß begrüßt werden, der dort seine Wohnung hat.

Ärgerlich über den dummen Wind, der ihm so unzart die Nackenfedern zaust, öffnet der Sperber seine gelben Augen. „Wahrhaftig, es ist schon ganz hell, die Sonne geht schon auf“, so denkt er. Er schüttelt sein Gefieder, reckt die runden Fittiche, fächert den gebänderten Stoß, ordnet die rostbraunen Federn der Brust, juckt in den blaugrauen Schulterfedern und bringt einige quälende Federläuse zur Ruhe, — der Herr Baron macht Toilette. Jetzt wäre eigentlich ein kleines Frühstück am Platze, aber wo ist das am leichtesten zu holen? Die Lerche, die sich soeben singend von der Scholle aufschwingt, wäre ja ein ganz guter Bissen, aber sie ist zu schnell in den Wolken verschwunden, und man muß sich mächtig anstrengen, um sie zu fangen. Meisen wieder sind leicht zu fangen, wenn sie über freies Feld fliegen, aber das tun sie selten; die Sperlinge im Dorfe sitzen noch im Weinspalier an der Pfarre und machen Frühkonzert, sehr fraglich, ob man da einen kriegt. Aber halt, an der Feldscheune waren gestern Ammern und Finken, dort ist es nicht allzu schwer, einen plumpen Finken zu fangen. Zur Not wimmelt es dort von Feldmäusen, sie schmecken zwar nicht besonders, aber sie machen auch satt. Also auf zur Feldscheune!

Mit einem raschen Schwunge wirft sich der Sperber von seinem Aste, und tief am Boden streicht er dahin, quer über die Felder zunächst, dann am Raine entlang. Gedeckt durch einen Rosenstrauch, kommt er ungesehen in die Nähe, aber als er sich in jähem Bogen unter die vermeintlichen Opfer stürzen will, findet er sich in seiner Berechnung betrogen: keine Ammer, kein Fink, nicht einmal eine lumpige Maus ist zu sehen. Geduldiges Abwarten verhilft vielleicht eher zu einem Frühstück. Dort der Balken ist ein schönes Ruheplätzchen, die Sonne scheint so warm dorthin, und versteckt sitzt man dort auch; dort setzt sich der Sperber hin und reckt und räkelt sich in der Sonne. Sein Sonnenbad gefällt ihm so, daß er fast seinen knurrenden Magen vergißt. Eine wispernde und raschelnde Feldmaus erweckt kaum seine Aufmerksamkeit. Doch plötzlich ruckt er zusammen. Gääb, gääb, lockt es aus der Luft. „Ei, fette Böhämmer“, denkt der Sperber und sitzt stockstill. Wirklich, eine Schar Bergfinken kommt im hüpfenden Bogenflug herbei und schwenkt über der breitgewehten Spreu. Gierig funkeln die gelben Augen des Strauchritters auf dem Balken, tief zwischen die Flügelbuge eingezogen ist der Kopf, jeder Muskel in den langen gelben Fängen (Beinen) strafft sich. Jetzt nahen sich die arglosen Finken wieder und lassen sich einzeln auf der Spreu nieder, da fährt in brausendem Fluge der Todfeind unter sie. Erschreckt stieben die Fremdlinge aus Lappland auseinander; doch zu spät. Ein prächtiges Männchen mit schwarzem Kopf, rostgelber Brust und schneeweißem Bürzel bildet ein gutes Ziel. Schon ist der Räuber neben ihm, jetzt eine kurze Drehung, ein sicherer Griff von der Seite her, und ein letzter Angstlaut des Opfers erstirbt unter dem furchtbaren Drucke.

Der glückliche Jäger eilt mit seiner Beute einem verborgenen Fleckchen zu, um ungestört kröpfen (fressen) zu können. Dort am Raine, wo Rainfarn und Disteln mit ihren überwinterten dürren Stengeln sich über die Ackerfurche neigen, kann keine Krähe so leicht dem Schmause zuschauen; dort läßt sich der Sperber nieder. Hastig rupft er die langen, schwarzen Schwanzfedern, die Schwungfedern, die gelben Unterflügelfedern ab, dann verschlingt er Kopf mit Schnabel, auch die Beine des Bergfinken wandern in den Kropf, dann etwas von den Eingeweiden, ein wenig Brustfleisch, und der Räuber ist für den Augenblick gesättigt.

Die warme Luft, der Sonnenschein, das leckere Mal, dies alles stimmt den Sperber froh; er schwingt sich auf und schraubt sich hoch und höher, um sich an Flugspielen zu ergötzen und ein wenig nach der Gattin auszuschauen, die im Nachbarrevier den Winter über der Jagd oblag. Ja, besonders fest sind außer der Brutzeit die ehelichen Banden der Familie Sperber nicht, aber jetzt fühlt der Gatte das Herannahen der Minnezeit in allen Gliedern, es treibt ihn fort, die Gemahlin zu suchen. Doch, siehe da, auch sie scheint die gleichen Empfindungen zu hegen; dort naht sie in raschem Fluge. Sogar zum Spielen ist sie heute aufgelegt, in elegantem Bogen stößt sie auf den Herrn Gemahl, der gewandt ausweicht, dann selbst zum Angreifer wird. Hin und her geht das Necken, oft durch längeres Kreisen unterbrochen. Voller Stolz ruht das Auge des Männchens auf seinem Weibchen. Wahrhaftig, eine stattliche Schöne! Fast doppelt so groß wie ihr Gemahl erscheint sie; die lichte Brust ist mit schmalen, dunklen Binden verziert, der Rücken in stumpfes Grau gekleidet.

Doch lange hält die Lust zum Spielen nicht an; eine trübe Wolke schiebt sich vor die Sonne, die Luft geht etwas kühler, und eilig entfliehen alle Liebesgedanken. Vor dem Mai denken ja die Sperber noch nicht an Nestbau und Kindersegen. Ein neuer Jagdzug beginnt. Frau Sperber hat bis jetzt noch nicht viel im Magen. Einen Sperling schlug sie im Pfarrgarten; doch sie hatte nur eben erst mit dem Frühstück begonnen, da schob sich zu einem offenen Fenster ein schwarzes Rohr heraus, ein Knall ertönte, und dicht neben ihr spritzte die Erde auf — da war sie eilend geflohen und hatte den Sperling liegen lassen. Pastors Hans aber hatte ärgerlich sein Teschin beiseite gestellt; wieder war seine schöne Trommeltäubin ungerächt geblieben, die gestern Madame Sperber eben noch erwischte, als sie sich im Schlage vor dem hitzigen Verfolger retten wollte. Da hatte kein Pfeifen, kein Schreien des Besitzers etwas genützt, der geworfene Stein pfiff weit vom Räuber durch die Luft, der mit seiner schweren Beute mühsam dem Walde zustrebte. Hei, das war ein Streich, eines starken Sperberweibs würdig, noch heute freute es sich über die ohnmächtige Wut des Menschenkindes; aber allzuoft darf man die Tauben nicht heimsuchen, denn wenn die Klagen zu des Försters Ohren dringen, dann ist die Gefahr groß.

Deshalb soll der nächste Beutezug hinausgehen aufs Feld. Dort beginnt der Stoppelklee sich von den Schäden des Winters zu erholen. Plumpe Feldmäuse knabbern an den jungen grünen Blättern, Lerchen suchen dort nach Räupchen, Stare laufen hastig mit nickendem Kopfe durch die Pflanzen, um Eulenraupen und Regenwürmer zu suchen oder einen hurtigen Laufkäfer zu haschen. Dort ist Aussicht auf einen guten Braten.

Wie ein erfahrener Jäger pürscht Frau Sperber den Jagdgründen zu, geschickt benutzt sie jede Deckung, vorsichtig weicht sie jeder Begegnung mit Amsel oder Meise aus; denn die warnenden Angstlaute verraten weithin jedem Kleinvogel das Nahen des Feindes, zu fangen sind dabei die Warner im dichten Gestrüpp fast nie. So eilt das Sperberweibchen tief am Boden jetzt durch das Tal dahin, jetzt überspringt es förmlich die Schneeschutzmauer, um ein Stück dem Schienenstrange der Eisenbahn zu folgen, jetzt ein kurzer Bogen, und unbeweglich blockt (sitzt) der Räuber auf einer hochgestellten Egge. Langsam wandern die gelben Augen über das Feld, keine Bewegung entgeht der Beobachterin. Da, was ist das, dort an der feuchten Stelle, wo der Klee schon kräftig zu sprossen beginnt? Dort hüpft es, dann rennt es wieder, dann zerrt es etwas aus dem Boden, das sieht doch beinahe aus wie Drosseln. Da gilt kein Zaudern. Mit einem kräftigen Sprunge wirft sich der Sperber in die Luft, um wie ein Blitz aus heiterem Himmel unter die Ahnungslosen zu fahren. Doch schon ist er bemerkt. Mit lautem „Tuiik, schack schack“ fliehen sie dem Walde zu. Als Wacholderdrosseln oder Krammetsvögel verraten sie sich durch diesen Ruf.

Fast haben sie schon das schützende Holz erreicht, da hören sie die Flügelschläge des Verfolgers dicht hinter sich. Ein prachtvolles Männchen mit aschblauem Kopf und Bürzel ist schon längst als Opfer erkoren. Mit angstbeschleunigten Flügelschlägen saust es dahin, dicht hinter ihm der Sperber. Jetzt bietet die dichtbelaubte Krone der Steineiche etwas Aussicht auf Rettung, ein enger Durchschlupf bietet sich der Drossel, doch auch der Räuber schwingt sich hindurch, er schleudert sich förmlich mit seinem lange Stoße vorwärts, die kühnsten Schwünge, die schärfsten Kurven führt er ebenso gewandt aus, wie der verfolgte Singvogel. Jetzt geht die tolle Jagd durch das Stangenholz; zwar stehen die Erlen dicht, kaum scheint ein rascher Flug hindurch möglich, in rasender Eile schießt die Drossel dahin, doch dicht hinter ihr eilt der Tod. Jetzt lockt der dichte Fichtenhorst. Mit letzter Kraft wirft sich das gehetzte Opfer hinein in eine dichte Krone, doch zu spät. Mit weitvorgestreckten Fängen saust auch der Sperber in die Zweige hinein. Hier, wo sie sich geborgen glaubte, fassen die langen Krallen die Drossel, in krampfhaftem Drucke schließen sich die langen Sperberzehen, und ein kleines Herz hört auf zu schlagen. Ein hastiges Mahl beginnt. Die rostgelben Brustfedern mit dem dunklen Schaftstriche, die weißen Bauchfedern werden über den Boden verstreut, ein paar rostbraune Flügelfedern kommen dazu, und dann wandern große Bissen in den leeren Kropf, bis er strotzt, und nur kärgliche Reste bleiben zurück für Igel und Spitzmaus.

Doch was ist unterdessen mit den Finkenüberresten geworden, die Herr Sperber am Raine zurückließ? — Quer über die Felder fliegt ein Vogel der Feldscheune zu. Sollte das Sperbermännchen nach erfolgloser Jagd zurückkehren zu den früher verschmähten Resten seiner Beute? Doch nein, ein Sperber ist das nicht, der dort fliegt; viel weicher und weniger kraftvoll sind die Flügelschläge, die Flügel sind schmal und spitz, keine Lerche oder Ammer verrät Angst und Besorgnis vor diesem Raubvogel. Doch jetzt unterbricht er seinen Flug, mit raschen gleichmäßigen Flügelschlägen hält er sich an einem Punkte, sanft schwebt er nieder und fußt. Ein Turmfalk ist es, der zur Mäusejagd auszog und jetzt sich bei den verschmähten Überresten vom Sperbermahle niederläßt, um sich daran gütlich zu tun. Sieh dich vor, harmloser Vogel, daß dich kein Forstmann bei deinem Tun belauscht. Er weiß nicht, daß du nur nahmst, was ein ärgrer Räuber übrig ließ, und fällt dann das Todesurteil über dich und deine Sippe. Zwar würdest du sicher gern dann und wann auch mal Vogelfleisch essen, wenn — nur die Trauben nicht so hoch hingen. Aber mit deinen Flugtalenten braucht dich kein Singvogel zu scheuen, du mußt wohl oder übel mit Mäusen zufrieden sein, wenn du nicht mal einen Maulwurf ertappst, oder ein junges Kaninchen sich fürwitzig am Tage aus dem Baue wagt, so daß du es haschen kannst. Kein einsichtsvoller Weidmann wird dir so einen Gelegenheitsdiebstahl übel nehmen, belebst du doch mit deinem anmutigen Flugbild die Landschaft, ob du nun im Freien rüttelnd den lästigen Nagern und brummigen Mistkäfern nachstellst oder hoch über dem Hasten der Großstadt deine Flugspiele ausführst um die Spitze der Peterskirche. Deine Paarungsrufe, so unschön sie auch einem musikalischen Ohre erscheinen mögen, bringen Abwechslung in das Knattern der Benzinfahrzeuge und das Klingeln der Straßenbahnen. Und was für einen prachtvollen Anblick bietest du dar, wenn du dich aus der Nähe belauschen läßt. Wie anmutig drehst du dein aschgraues Köpfchen mit den dunklen Augen, wie fein stimmt das Rostbraun der Flügel zu dem Aschgrau des Schwanzes, den die schwarze Endbinde ziert. Geh! Tummle dich mit deinem rostbraunen Weibchen, jagt euch und wiegt euch im blauen Äther, voller Freude wird das Auge des Naturfreundes auf euch ruhen. Grüßt den Wald von mir und Wiese und Bach und Feld, der ich euch nur mit dem Auge folgen kann. Grüßt auch euren großen Vetter von mir, den Bussard, dessen Leumund womöglich noch schlechter ist als eurer.

Er ist ja viel zu groß, um als harmloser Mäusevertilger angesehen zu werden. Auf seinen langsamen, fast plumpen Flug gibt niemand acht, auch die stumpfen Krallen, die er zum Mäusefangen, aber niemals zur Hasenjagd verwenden kann, vermögen vielen Jägern seine Harmlosigkeit nicht zu beweisen. Dort kreist er über dem Felde, schwerfällig rüttelnd macht er Halt und stößt. Doch die Maus ist rascher, eilig ist sie im Loche verschwunden. Doch bald guckt sie wieder hervor, rasch fährt sie ein paarmal aus dem Loche heraus und sofort wieder zurück. Dann hält sie die Umgebung für sicher, der große braune Fleck auf dem Maulwurfshaufen stört sie nicht mehr, hastig beginnt sie an der jungen Saat zu knabbern. Da ist plötzlich ein Schatten über ihr, sie quiekt noch einmal auf und ist erfaßt und verschlungen.

„Der Posten war günstig“, denkt der Mauser und wackelt in komischen Schritten auf seinen Maulwurfshaufen zurück. Vorsichtig dreht er den runden Kopf mit den braunen Augen bald nach rechts, bald nach links; da huscht wieder eine Maus in einer „Fahrt“ dahin. In großen Sätzen eilt er ihr nach, immer mit den Flügeln schlagend und balanzierend. Ein sicherer Griff, die Schädelknochen brechen unter dem Schnabeldrucke des großen Räubers, und auch diese Maus ist besorgt und aufgehoben. Während der Bussard noch schluckt und schlingt, beginnt auf einmal seine bisherige Warte sich zu bewegen: der Maulwurfshaufen hebt sich, und Erdbrocken rollen von ihm herab. Mit vorsichtigen Schritten nähert sich der Raubvogel dem wachsenden Hügel. Da schiebt sich plötzlich das kleine Stummelschwänzchen des emsigen Maulwurfes ein klein wenig aus der Erde hervor, und schnell springt der Bussard zu. Doch es ist zu spät, nur ein Erdballen zerkrümelt unter dem Griffe; erschreckt flüchtet der schwarze Pionier in seine tiefsten Gänge, der erfolglose Jäger aber breitet ärgerlich seine Schwingen und schwebt dem Walde zu.

Auf dem höchsten Zacken der uralten Eiche blockt er und übersieht sein Jagdrevier. Er sieht dem Sperber zu auf seinen Beutezügen, er folgt dem rüttelnden Turmfalken mit den Augen; die Jagd der beiden interessiert ihn nicht. Der Turmfalk macht nur kleine Beute wie er, und dem Sperber etwas wegnehmen zu wollen, ist eine etwas gefährliche Sache, da er auch zu Fuß ein geschickter Fechter ist. Aber wenn ein Wanderfalk in sausendem Fluge der Taube nachstürmt oder der Wildente, dann heißt es aufpassen. Ein Leichtes ist es, dem raschen Jäger die Beute abzunehmen; denn gewandt ist er nur in der Luft, am Boden kann oder will er nicht einmal mit einem Mauser streiten. Oft läßt er sein Opfer fallen, sobald Krähen oder ein Bussard ihm nur nacheilen und sucht eine andre Beute zu schlagen. Doch heute zeigt sich kein Wanderfalk.

Vor dem wartenden Räuber tummeln sich furchtlos die Meisen in der Birke. Die Schwanzmeise schaukelt kopfunter an dem dünnen Zweige, die Blaumeise trillert ihr Frühlingslied, und die Sumpfmeise zetert „zie-tä-tä tä“, weil ihr der Wind einen leckeren Bissen fortgeblasen hat. Allzeit munter und fidel ist dieses Völkchen. Ob gestern der Sperber ein unvorsichtiges Mitglied der Bande schlug, ob ein Wiesel im Sprunge eine badende Freundin erwischte, „heute wieder lustig!“ lautet die Parole. Und der denkende Mensch, er handelt nicht anders; wenn auch ein Erdbeben Tausende vernichtet und die Mitwelt bei dem entsetzlichen Unglück schaudert — nach wenigen Wochen herrscht doch der Karneval mit seinem Freudentaumel, als sei nichts vorgefallen.