I
Was bleibt dem Menschen, wenn nicht ein Erbarmen,
Das wundertätig greift in Angst und Stöhnen?
Ihr Mächtigen der Welt, von Millionen Armen
Seid ihr umfleht nach Hilfe und Versöhnen.
Noch sind die Ebenen von Qual und Qualm vernebelt.
Noch herrscht peitschlustig eine Dünkelbrut,
Die jedes Aufschwung-Atmen niederknebelt,
Verliebt in ihre eigne Wüstlingswut.
Kein Schimpf beirrt ihr närrisches Genießen.
Getreten liegt der Geist. Aufwollende Gedanken
Sind eingekäfigt müde in den Schranken.
Des Hergebrachten blöder Götze ist gepriesen.
Aus goldnen Schüsseln schlürfen sie Erquickung,
Indes, hohl in den Nächten, die Entblößten wandern.
Sie spinnen sich in lüsterne Verzückung —
Was kümmert sie der Aufschrei in den andern?
Doch bleibt, in Not und Nacht, der Schrei nur nach Erbarmen?
Wird nicht Tumult, Alarm? Aus Angst und Stöhnen
Ein Zornsignal? Und von Millionen Armen
Des schmerzgeeinten Wollens donnerndes Erdröhnen?
Europas Häuptlinge! Marschälle und Magnaten!
Zwingt selbst die Tat hervor, die um die Menschheit wirbt!
Da eurer Untertanen Leib, versklavt, verraten,
In Schlacht und stumpfer Wüterei verdirbt.
Verdammt, ihr selbst, die Eigenlust, die Kraftgebärde!
Und kommt starkmild herab die stolzen Stufen,
Die Macht als Mittel nur, begnadet und berufen,
Für eurer Völker frohe Fahrt und Erde.
Und ihr, Entehrte unter Willkürtritten,
Bleibt nicht zum Rachesprung gekrümmt, zerquält im Fluchen!
Ward auch der Aufwärtsweg von Bergen schwer geschritten:
Erkennt die Kommenden, die euer Antlitz suchen.
Und jene Harten, unbewegt im Bösen,
Laßt sie nicht eher los, umringt sie mit der Bitte,
Bis sich die Herzen wie in Harfen lösen,
Aufklingend mild, hinknieend eurer Mitte.