II
Noch ist es Orgelwehn.
Noch ist der Flugblick ausgesandt,
Nur um zu spähn.
Und nur von fernem Küstenland
Durchdringt ein Stoß die Luft:
Fanfarenstoß und Marsch.
Denn für ein Anderswerden,
Erhebung und Erhellung, Kampf ohne Krieg, Sieg ohne Mord,
Aufstürmt ein Menschenozean —
Zwar dumpf noch wie ein Wahn,
Doch wissend tief: Tat wird getan!
Wenn ferner, Thronende, zu euch auf prunknen Sesseln
Gefühl, fürbittend, nicht hinauf kann dringen,
Auftosen wird das Blut: Galeeren nicht und Fesseln
Sind stark genug, Vulkane zu bezwingen!
Bewegung wogt empor: Ein Sturm von Schreien zerreißt die Nacht!
Glaubt ihr, die Trauer bliebe ewig lahm,
Am Grab der Hingeopferten, hilflos in Gram?!
Schon ballt sich eine Riesenvölkermacht.
Und aus dem Grund der Gassen, wachsend, hebt ein Heer
Nach Licht, Kindheit und Frohheit Leib und Flügel auf;
Umkreist die Städtethrone wolkenschwer,
Raubaugenwild, unwankelbarer Lauf.
Posaunen tönen, eh’ der Schlag geschieht:
Zerschleudert euren Haß und öffnet der Erneuung
Das ganze Auge! Seht, die gleiche Fülle blüht
Den Tausenden! Bekennt euch zur Befreiung!
Dann ringen Rassen edel um die Höhe.
Kein Fleischzerkrallen wühlt den Tag in Blut.
Kampf heißt jetzt Glück, das weithin auferstehe,
Rein wie ein junger Gott, durchhellt von Mut.
Raubhändel, Blutbrunst, Krieg, die Jünglingsschlächter, -schänder
Sind fern, dumpfdüstre Vorzeit, Tierischkeit.
Kampf ist Beglückung jetzt. Umschlungen sind die Länder.
Der Führer Sicht und Wille erdenweit.
Erkannt habt ihr den Feind und seid Gefährten.
Nun seiet Gläubige, um Wollende zu sein!
Laßt eure Tat erstrahlen den Beschwerten.
Durchglühung eine euch wie goldner Wein!
Und so, von Licht umbrandet und dem Morgenmeer,
Erwacht ihr zu des Daseins Fest und Spiel.
O Bund der Bünde! Der das Menschenheer
Zum Ruhme führt aus kläglichem Gewühl.
Völkerlegion! Geschart dem Flammenzug
Der Jünglinge des Lichts! Chorbrausend brecht die Stille
Und reißt die Starrgesinnten in den Flug,
Daß euer Recht und Rhythmus sich erfülle!
Mitatmende der Zeit, dem Menschenkreis gesellt:
Seid ihr einander Freund, habt ihr gesiegt!
Die Brust berauscht von Weiten, erdhaft starker Welt,
Schallt euer Lied, das in die Freiheit fliegt!
O WÄR’ SCHON MORGEN FRÜH!
Bin ich ausgestoßen
Aus dem Maß des Großen?
Ist nicht Geweihtheit
Über dem Abend, bereit?
Wie, wenn dem Blick sich erfüllte,
Was das Leben mir singe?
Oh, wie oft hüllte
So bange Spannung die Schwinge.
Und wird all’ meine Wirklichkeit,
Die wie Lüge, ertappt, sich selbst bedrängt,
Ein Kind sein, das willigweit
Die Welt stets von neuem anfängt?
Schon hebt ein Tatglaube an
In meiner Stimme — wie Melodie
Sicher und süß, der Ruf „Voran“.
O wär’ schon morgen früh!
Daß ich nicht trauernd mehr, verhangen,
Mein Leben wie Sünde begehe,
Daß immer ein Neuanfangen
Über die Erde wehe.