KRANK

Die Leichentücher können mich nicht hüten,

Die Kissen, die wie weiße Spiegel blenden,

Sie helfen nur die Augen mir entblüten —

Mein Kopf wird leer, ein Kranz von hohlen Händen.

Warum hat man die Brust mir so gefeuert?

Mit meinem Schrei will ich euch niederstechen

Oh, alle euch, die ihr voll List erneuert

Das Blut des Lebens, furchtbar zum Erbrechen.

AUFSCHREIENDER KÜNSTLER

Hingeworfen bin ich in Welt!

Kühnheit und Zerrissenheit!

Doch mein So-Wildsein ist Traurigkeit,

Nur Finsternis ist erhellt.

Was kann uns unendlich heben?

Nichts. Wir altern immer, sind nie gesundet.

Wir sterben das Leben,

Alles Leben ist tödlich verwundet.

Doch ich habe ja Kühnheit in mir!

Ich könnte ja kühn sein!

Wohin aber können wir

Aufjauchzend streben?

— Es ist dumm, kühn zu leben.

Alle Pyramiden sind Wahnsinn und Stein.

Zerfetzt die Schönheit in meinem Gesicht!

Ach, alle Hände sind zu zahme Tiere.

Ich will mein verblühendes Blühen nicht!

Leben ist Aas, mit dem ich mich beschmiere!

Lach’ ich über mein Atmen?

Ich sollte besser Stein sein.

Doch einmal jetzt muß ich noch schreien

Aus dieser Erde heraus, dieser Grube,

Und mit Knochen und Gebeinen

Mich hinwerfen und schreien!!

— — — — —

In die Wände meiner engen Stube

Will ich mich weinen.

TRÜBE LUFT

Wach auf! Aug’ über dem Tag!

Wundes Vogeltier, müde zum Schlag.

Aug’ ist ohne Blick, Welt ohne Blick,

Mensch kann nicht mehr auf, ist nur ein Stück.

Könige, thront ihr auch, seid nur Gewimmel,

Punkte überall, Kreise und Himmel.

Hoffen zerflog in Luft, Menschelein hilf!

Schlacke schuf ein Schalk, Chaos und Schilf.

Qualen sind im Schlamm, Kraft ohne Mut,

Feuer flackt und ertrinkt im hohlen Blut.

Was uns ist, ist nicht, zieht immer vorbei,

Jedes Ding ist morsch und dennoch neu.

Schultern biegen sich gähnend zurück,

Immer wimmert ein Greinen um Glück.

Wach auf! Aug’ über dem Tag!

Wundes Vogeltier, müde zum Schlag.

DUDELSACKWEISE DES STERBLICHEN

Ins Grau des Tages bin ich hingestellt.

Die Lebensstraße ist im Staub ein Strich.

Allglück zerstürzt in die Novemberwelt.

Nie war ein Blühen, das nicht bald erblich.

Das Himmelsfenster kann ich nicht zerschlagen.

Ich bin versperrt. Ich kann nur Schritte tun.

Ich muß wie einen Sack mich weitertragen,

Muß nachts im Bett wie eine Leiche ruhn.

Mein Tod bezuckt mein Dasein heimlich fern;

Er grinst in meinen Rücken sein Plaisir:

Wie man sich schindet ohne Ziel und Kern

Im Sterbetaghemd — niemand weiß wofür.

Man trippelt sich die müden Sohlen wund

Am Gängelband des Lebens. Gram und Graus

Und Lust und Last sind täglich der Befund.

Wir sind in Uns und können nicht heraus.

Wir können nicht die Erde höher heben.

Die Frage krächzt: Was soll der Wille wollen?

Wir blicken nichts vom Leben als das Leben.

Wir sind die Erde, fahrend und verschollen.

ERMATTUNG

Der Tag war schwül.

Ich schließe meine Augen wie ein gelebtes Buch.

Die Bilder sind zu Ende,

Zu wenig und zu viel —

Ich bin nur noch der Fluch

Aus einem Zorn.

Und keine Wende wird sein,

Die wie ein helles Horn

Zum Aufschwung bliese —

Ich klage wie ein Riese

Und bin klein.

VERNUNFT

Zerrissen ist das Tiefste, das wir sind,

Und dennoch nur mit seinem Selbst vereint.

Solch Leid hat keine Tränen ... wie ein Kind,

Das am Ersticken ist, bevor es weint.

Das Niedrige ist nichts, das Große ist zu groß,

Die Weisheit sagt: Hoffen ist hoffnungslos.

Wir sind des Lichts umnachtete Begleiter.

Ist nicht das Leben wie ein Gnadenbrot?

Ob Ja, ob Nein: Es reißt und peitscht uns weiter,

Das All des Glücks versagt sich unsrer Not.

Und ob wir weinen oder traurig lachen:

Wir können uns nicht ungeboren machen.

Auch kühnste Trunkenheit ist nicht Erfüllung.

Was nutzt das bißchen Zuversicht der Brust?

Der höchste Himmel selbst ist nur Umhüllung

Von fahlen Dingen, keine Götterlust.

Die Schöpfung ist ein Zirkel, irr umkreist,

Ein Schattentanz, der keinen Ausweg weist.

O ERDE!