Fünfte Szene
Die Vorigen. Don Quixote
Don Quixote
Eure Majestät sollten einen Entschluß fassen, denn die Flamme des Aufruhrs wächst und droht um sich zu greifen.
König
In welchem Maße? Du siehst immer alles im Großen, Don Quixote. — Um was handelte es sich doch? Ja, richtig, das Volk begehrt Arbeit, und das Volk begehrt eine Abänderung beim Brunnen! Und du siehst dich also nicht imstande, diese Fragen in ihrem Zusammenhange zu lösen?
Don Quixote
Nein, Eure Majestät!
Verzeiht, liebe Königin, aber ich muß ein wenig regieren, um zu Tische Appetit zu bekommen! — (Zum Volke.) Gibt es jemanden hier, der diese Nuß mit einem Griff zu knacken vermag, so soll er Staatsminister werden!
Sancho (reckt die Hand in die Höhe)
König
Sancho! Nun wohl, so sprich! Aber sprich weise, und vor allem, kurz!
Sancho
Ich hab’ mir die Sache so zurechtgelegt, nichts für nichts, und etwas gegen etwas! Die Mißvergnügten stehen von ihrer Forderung nach Arbeit ab, dafür wird der Brunnen der allgemeinen Benutzung überlassen.
König
Sehr schön! Man pflegt das einen Kompromiß zu nennen!
Don Quixote
Weißt du denn aber auch, Waffenträger, ob die Mißvergnügten auf den Kompromiß eingehen?
Sancho
Was? Man ladet die Opposition zu einem Korruptionsdiner und verleiht dem Führer ein Portefeuille.
In diesem Falle sehe ich mich genötigt, mein Mandat in die Hände Eurer Majestät zurückzulegen. Ich trage das Bewußtsein davon . . .
Sancho
Doch nicht den Sieg!
König
(hebt die Krone von dem Brunnen und reicht Sancho den Schlüssel)
Hier ist der Schlüssel zum Düngerbrunnen! Pumpt nun, Leutchen! Doch gebt acht, daß ihr euch nicht bespritzt!
Das Volk
Ei!
König
Nachdem der Grund zur Unzufriedenheit nunmehr behoben ist, hoffe ich, du wirst gut regieren, Sancho, auf daß das Land künftighin vor Zerwürfnissen bewahrt bleibe.
Sancho
Eure Majestät! Da nunmehr aller Anlaß zur Unzufriedenheit hinweggeräumt ist, wird das Volk alsbald wieder in jene beseligenden Träume gelullt sein, aus denen es jüngst in so unliebsamer Weise aufgestört worden ist! Schlummere, Volk!
(Er macht mit den Händen einige hypnotische Gebärden.)
König
Ist das ein Staatsmann, dieser Sancho! Ist das ein Staatsmann! (Ab mit der Königin.)
Sechste Szene
Die Vorigen (ohne den König und die Königin)
Don Quixote
Du bist ein Schurke, Sancho!
Sancho
Der König bediente sich des Wortes Staatsmann in einem ganz anderen Sinne!
Don Quixote
Bist du nun zufrieden?
Sancho
Nun bin ich zufrieden!
Don Quixote
Müssen aber deshalb auch schon alle andern zufrieden sein?
Sancho
Ich hoffe, sie sind es bereits! Ich weiß, daß sie es sind!
Das Volk
(das der Däumling unter der Hand bearbeitet hat, beginnt zu lärmen)
Sancho
Weshalb lärmt das Volk?
Die allgemeine Unzufriedenheit, das Klassenbewußtsein, der Zeitgeist und ich, wir haben uns in unsern — Wünschen dahin geeinigt . . .
Sancho
Womit seid ihr unzufrieden?
Däumling
Mit allem! Mit dem Bestehenden, dem Gegenwärtigen und Zukünftigen!
Sancho
Das ist doch merkwürdig, daß man nie und nimmer zur Ruhe kommen kann, daß es ewig nur Hader und Unzufriedenheit geben muß! Wolltet ihr mir nur gehorchen, nur tun, was ich euch sage, der Himmel wäre auf Erden! Du bereitest mir Kummer mit deinen übertriebenen Forderungen, Däumling, schweren Kummer! Das Volk hatte es so gut, als es nur immer wünschen konnte: weshalb es unglücklich machen?
Das Volk (lärmt)
Don Quixote
Jetzt kehrt sich der Spieß gegen dich, Spitzbube!
Sancho (zum Däumling)
Was begehrt denn aber das Volk? Detailliere! Detailliere!
Ja, seht, einige möchten den Brunnen gesperrt haben!
Sancho
Hat man nicht eben erst verlangt, daß er geöffnet werde?
Däumling
Jawohl! Wieder andere wünschen eben auch, daß er geöffnet sei!
Sancho
Alle Wetter! O, du kleiner, großer Schelm! Ich beuge mich vor dem Meister, der die Parteien ins Leben rief.
Däumling
Teile und herrsche!