Siebente Szene

Die Vorigen. König (und die) Königin

König

Was gibt es nun wieder?

Sancho

Eine Ministerkrise! Der Parteigeist ist los!

König

Sei den Parteien zu Willen!

Sancho

Es ist nicht möglich, beiden Parteien zugleich zu Willen zu sein!

König

Nein, das ist freilich nicht möglich! Ist es der Brunnen, der wieder spukt? — Wißt ihr was, Leutchen, ich geh’ jetzt meiner Wege!

Königin

Nein, du mußt bleiben!

König

Ich muß? Was redest du da?

Königin

Welche Sprache! Welcher Ton!

König

Du willst mir wohl meine niedrige Herkunft vorrücken, daß ich ein Schmied war. Da muß ich dich doch daran erinnern, was du gewesen! Was bist du! (Regt sich mehr und mehr auf.) Dirne, Metze! (Er schlägt mit der einen Hand auf die andere.)

Königin (sinkt um)

So also liebtest du mich!

St. Peter

Mir scheint, ich bin geradenwegs in die Hölle geraten! (Ab.)

(Es dunkelt.)

König (auf den Knien neben der Leiche)

Tot ist sie, o ihr Himmel, sie ist tot.
Du holder Engel, der das Leben mir versüßte!

Sancho

Hier wird es mehr und mehr ungemütlich. Ich geh’ jetzt auch, so erspare ich, gegangen zu werden! (Ab.)

Don Quixote

Ich fange an zu glauben, daß, was nie gewesen, das Beste ist. — Dulzinea! — Dulzinea! (Ab.)

Däumling

Weißt du, Aschenbrödel, du bist ein prächtiges kleines Weibchen. Du fällst doch nicht gleich in Ohnmacht, wenn ich gegen dich grob bin, wie diese großen Prinzessinnen!

Aschenbrödel

Nein, da mach ich’s besser. Ich geb’s zurück!

Däumling

Und bei Geschenken und Gegengeschenken erhält sich die Liebe am längsten. Komm, gehen wir. Mir sind solche Szenen in der Seele zuwider! Hier wäre unstreitig ein gutes Land, aber es ist ein schlechtes Volk, das doch eine bessre Regierung verdiente! (Ab, Arm in Arm mit dem Aschenbrödel.)

Achte Szene

König (an der Leiche der) Königin. Arzt. Sankt Peter

König

Unsel’ges Leben, oh, und grimmer Tod!

Der Arzt

Hast wieder ’mal was Schönes angerichtet!

König

Ja, was hab’ ich denn eigentlich getan? Kann ich dafür, daß man ihr kein Wort sagen darf!

Der Arzt

Weißt du, Schmied, ich glaube, es ist am besten, daß sie dahin ist. Da schwärmst du immer am meisten für sie. Und Engel werden wir ja doch erst, wenn wir tot sind!

König

Leider, daß dem so ist! Aber nur einmal noch, wenn sie wiederkehrte! Wie wollte ich mich dann zusammennehmen!

Der Arzt

Einmal noch? — Nein! Nie wieder!

St. Peter

Hört, meine lieben Freunde! Aufrichtig gesagt, ich fange an, dieser Wanderung hier herzlich müde zu sein, und wenn ich so sehe, wie der Schmied immer nur Spektakel macht, so fürchte ich, daß wir gänzlich das hohe Ziel aus den Augen verlieren . . .

Der Arzt

Das Ziel? Ach ja, das war das Himmelreich! Wir kommen sicher noch dahin, nur müssen wir eben erst durchs Fegefeuer. Sag, Schmied, bist du der Erdenwanderung auch schon müde?

Der König

Ob ich es bin! War’s schier von allem Anfang!
Und seit ich tiefer nun ins Aug’ geblickt
Dem Menschen und dem Leben, widert’s mich!
Das Große ist mir nicht genügend groß,
Das Kleine wieder dünkt mich allzu klein,
Und hat hier unten man bankrott gemacht,
Dann eben sehnt das Herz sich nach dem Oben!

Der Arzt

Man sagt, der Teufel wird im Alter Mönch,
Verlangt dich etwa nach dem Schoß der Kirche?

Der König

Du hast’s vielleicht erraten; in den heil’gen Stand
Wünscht’ ich als Knabe schon dereinst zu treten.

Der Arzt

Wohlan, zwei Fliegen schlagen wir mit einem Schlag.
Erhält doch Petrus so des Himmels Schlüssel,
Die dort in Rom verwahrt der heil’ge Vater,
Auf daß er bind’ und löse, ihm von jenen
Zum Erbe einst gegeben, die die Kirche
Erbauer auf dem Fels — so heißt es doch?
Auf denn zum letzten Male, über’n letzten Steg,
Es gehet über Rom zum Himmel unser Weg!

(Die Szene beginnt sich zu verändern; der Vorhang fällt.)

Fünfter Akt

(Eine Kapelle der Peterskirche in Rom, von den Seiten her Musik und Gesang. Rechts das Erzstandbild Petri.)