Neunte Szene

Der Hoberg-Alte. Der Arzt (tritt auf).

Der Arzt

Nun, Riese, wie verbringst du deine Zeit?
Befindest du dich wohl in deiner Stellung?

Der Hoberg-Alte

O schauerlich, so auf Ruinen sitzen
Und einsam brüten über sein Geschick!

Der Arzt

Das sprichst du wahr. Nun graut dir selbst,
Da alles du zerschmettert und zerstört.
Aus grünem Tale schufst du eine Wildnis,
Zerstörtest freventlich der Kleinen Glück,
Die Freude fanden an dem Schlichten, Kleinen . . .

Der Hoberg-Alte

Ja, schwatz’ nur zu; ich glaube doch, die Zwerge,
Sie hätten’s ebenso gemacht.
Ja, wärst du selbst hier auf der Höhe . . .

Der Arzt

Das bin ich; ja und höher noch.
Vergißt auch du, daß nur durch mich
Du thronest, wo du thronst!

Der Hoberg-Alte

Das woll’n wir sehn. Stürz, Berg, hernieder!

(Es poltert im Berge, doch lockert sich kein Stein.)

Der Arzt

Ja, poltre nur, das rührt mich nicht,
Ist der Effekt doch abgebraucht.
Doch gibst du gute Worte, läßt sich reden,
Und Freunde sind wir wie vordem.

Der Hoberg-Alte

Ja, Doktor, eh’ ich sitze bis zum Jüngsten Tag,
Ergeb’ ich mich und bitte um Pardon.

Der Arzt

(schleudert eine Kugel gegen den Hoberg-Alten, der unter zuckenden Blitzen seine Form verliert, worauf der Schmied hervortritt)

Bist endlich nun zufrieden, armer Tor,
Nachdem du auf den Höh’n gesessen,
Geseh’n wie klein es ist hier unten?
Fand’st du im Lebensgarn des Fadens Anfang?
Genügt dir das, was du gelernt?
Nein, du bist mißvergnügt, nichts ist dir recht,
Und darum will ich dich zum Lande führen,
Wo nichts zu wünschen übrig bleibt, sag’, willst du?

Der Schmied

Aus dieser Welt der Mängel und Gebrechen
Laß ich mich gerne führen, Herr; doch eins!
Nicht einsam will ich wieder wandern.

Der Arzt

Du hast ja mich, den Ritter, den Apostel!

Der Schmied

Ja, ja! Doch fühlt der Mann sich stets allein,
Fehlt ihm ein Weib!

Der Arzt

Oho! Oho!
Wie lang ist’s her, daß du sie steinigtest.
Die Niederste der Niedern in ihr sah’st?

Der Schmied

Mich reut es tief, könnt’ es was helfen!
Sie war die Beste von den Besten,
So stolz, so von Berechnung frei,
Nicht machtverliebt noch feil für Gold . . .

Der Arzt

So scheint dir’s jetzt, seit sie gestorben ist,
Doch wenn sie wiederkäme, sprächst du anders.

Der Schmied

Versuch’ es nur, und Besserung gelob’ ich.

Der Arzt

Versuchen wir’s denn noch einmal — — —
Laß nun in jenes sel’ge Land uns wandern,
Wo man für sich nicht lebt, nur für die andern,
Wo Stube ist der Wald, die Wiese Saal,
Wo in den Bächen Milch und Honig fließen,
Wo dir ins Maul gebrat’ne Tauben schießen,
Wo nie ein Tag durch Müh’ und Plag’ zu lang,
Das Leben eitel Tanz und nur Gesang,
Das als Schlaraffenland bekannt,
Die Pforte öffnet uns dies Wunderland.

Vierter Akt

(Eine Landschaft im Schlaraffenland. An den Bäumen hängen allerlei Eßwaren, Früchte und dergleichen. Drei Bäche kommen aus dem Hintergrunde hervor. In dem einen fließt Milch, in dem andern Honig und in dem dritten Sirup. — Mit der leichten bunten Tracht wilder Volkstämme bekleidete Menschen liegen schlafend oder schlummernd der Länge nach hingestreckt. In der Mitte der Bühne ein niederer römischer Speisetisch mit Ruhebetten ringsum. Rechts ein Ziehbrunnen, der gesperrt und oben mit einer königlichen Krone versehen ist. Der Däumling und Aschenbrödel liegen am Sirupbache.)