VIII.

Während General Gomez Spanien durchzog, ward die Ruhe in den Nord-Provinzen selten durch unbedeutende Operationen unterbrochen; beide Heere schienen, auf den Erfolg der Expedition gespannt, ihre Kräfte sparen zu wollen, da sie ja rasche Entscheidung herbeiführen konnte. General Garcia, commandirender General des Königreiches Navarra, bestand einzelne Kämpfe gegen die Fremdenlegion, indem er durch rasche Bewegungen irgend einen der festen Punkte des Feindes überraschte und zerstörte, um bei der Annäherung der Hülfs-Colonnen in die Gebirge sich zurückzuziehen. Cordova aber war nach der verunglückten Unternehmung bei Arlaban auf Pamplona marschirt, um das Bastan-Thal, dessen Bewohner er der constitutionellen Regierung geneigt wähnte, zu besetzen, dem General Evans die Hand zu reichen und dadurch, die Carlisten von der französischen Gränze, abschneidend sein Blokade-System zu vervollkommnen. Die Nachricht von der Vernichtung der Division Tello durch Gomez und von dem Abmarsche Espartero’s zur Verfolgung der Expedition zwang ihn, da Villareal am 28. Juni Peñacerrada in Alava angegriffen, in Eilmärschen dorthin zurückzukehren. Villareal, die Belagerung dieser Veste aufgebend, zog nach Navarra und griff am 4. Juli die Linie von Zubiri an, ward aber, da er ein Fort derselben genommen hatte, von der Fremdenlegion und einigen spanischen Bataillonen zum Rückzuge genöthigt.

Nach dem fehlgeschlagenen Versuche des Feindes gegen Fuenterrabia begnügte sich der carlistische Feldherr, durch Bedrohen der verschiedenen Punkte auf den entgegengesetzten Theilen des Kriegsschauplatzes die Christinos zu erschöpfenden Märschen zu zwingen; er griff am 1. August mit funfzehn Bataillonen und sechs Geschützen die Linie von Zubiri nochmals an, und wurde nach achtzehnstündigem hartnäckigem Kampfe auf das Ulzama-Thal geworfen, wo die Fremdenlegion durch empörende Ausschweifungen sich hervorthat und mehrere Dörfer niederbrannte. Die folgende mehrmonatliche Waffenruhe war nur durch die Operation Oraa’s auf Estella am 12. und 13. September unterbrochen. Cordova hatte, da durch die Ereignisse von la Granja auf Verlangen trunkener Sergeanten die Constitution verändert, seine Entlassung eingereicht und sich nach Frankreich begeben, worauf der Oberbefehl dem General Espartero und, da dieser krank war, interimistisch dem General Oráa übertragen wurde, der durch eine glänzende Waffenthat sich hervorthun wollte. Er vereinigte 16000 Mann und griff das von vier navarresischen Bataillonen vertheidigte Estella an. Die Christinos gelangten wiederholt bis auf die Höhen, welche die Stadt beherrschen und warfen Granaten in sie, wurden aber stets mit dem Bajonnett zurückgestürzt und zogen sich, nachdem sie 800 Mann geopfert, auf ihre Linien, kräftig von den Tirailleurs und dem aufgestandenen Landvolke verfolgt. — In der ersten Hälfte Octobers fanden in den Linien von San Sebastian einige Scharmützel ohne Erfolg Statt, so wie am 8. die Engländer von der Stellung von Amezagana mit Verlust abgewiesen wurden.

Bilbao, die bedeutendste Stadt Vizcaya’s, reich durch ausgebreiteten Handel, an dem schiffbaren Flusse Durango, der, mit dem Nervion vereinigt, einige Stunden entfernt in das Meer strömt, war noch in dem Besitze der Christinos; jeder Versuch, sich ihrer zu bemächtigen, hatte stets kraftvolle Anstrengungen der Feinde zum Entsatze veranlaßt, der große Führer der Carlisten, General Zumalacarregui fiel vor ihren Mauern. Villareal wollte Bilbao erobern, so ganz Vizcaya reinigen und den feindlichen Colonnen das Eindringen in die Provinz ohne solchen Anhaltspunkt unmöglich machen; zugleich sollte die Wegnahme der blühenden Hafenstadt von außen her als conditio sine qua non und Gewährleistung wichtiger Unterstützung gefordert sein. Ihre Eroberung mußte den Carlisten großes moralisches Übergewicht geben, da die Constitutionellen sich gewöhnt hatten, auf der Behauptung dieser Stadt wie auf einer Lebensfrage zu bestehen; sie hätte bewiesen, daß die carlistische Armee nicht nur in ihren Gebirgen, sondern auch im regelmäßigen Kriege dem Feinde schon überlegen war. Daher sah, wer in Europa Interesse für eine der Partheien hegte, mit Spannung auf diese Belagerung. Sie wurde am 24. October 1836 von drei und zwanzig Bataillonen unter Villareal und Eguia eröffnet, indem die bisher blokirte Stadt eng eingeschlossen und zwei Batterien gegen sie errichtet wurden.

Bilbao war nur von einer Mauer umgeben, welche durch mehrere vorliegende Forts und befestigte Klöster gedeckt wurde; 7000 Mann vertheidigten sie. Doch beruhete die Stärke der Stadt in ihrer Lage, da sie durch den schiffbaren Fluß, dessen Mündung das feste Portugalete beherrscht, mit dem Meere in Verbindung steht, von wo aus sie leicht mit allem Nöthigen versehen und kräftig unterstützt werden konnte — hauptsächlich durch die englische Flotte, welche ja seit dem Monate März durch ihre Mitwirkung den Carlisten so unheilsvoll geworden war. Auch war es unzweifelhaft, daß die Hauptarmee unter Espartero Alles thun würde, der bedroheten Stadt Hülfe zu bringen. In der That zog sie schon Ende Octobers über Valmaseda herbei, weshalb die Artillerie zurückgezogen und die Belagerung in eine strenge Blokade verwandelt wurde, während Villareal den andringenden Feind beobachtete; zwei der am meisten avancirten Außenwerke waren bereits genommen.

Nachdem vier Ausfälle der Besatzung gänzlich mißlungen, ward die Belagerung am 7. mit neuer Kraft aufgenommen, zwei vorgeschobene Werke, das Fort Bandera und ein Kapuziner-Kloster wurden genommen, am 10. S. Manez mit 300 Mann und sechs Kanonen erstürmt. Zehn Batterien wurden gegen die Stadt oder längs dem Ufer des Flusses etablirt, um dort die Hülfe der englischen Kriegsfahrzeuge zu verhindern, die, so oft sich Gelegenheit bot, die carlistischen Truppen beschossen,[24] und wiewohl das schlechte Wetter die Arbeiten sehr verzögerte, konnten die Batterien am 17. ihr Feuer eröffnen. Ein Ausfall ward mit Verlust abgewiesen, am 27. erstürmten ein Bataillon von Castilien und die Compagnien des Fremden-Bataillons mit höchster Bravour das feste Kloster San Agostin unmittelbar an der Mauer und von 600 Mann vertheidigt. Der Sturm gegen die offene Bresche wurde unternommen. 1100 Mann gelangten bis in die hinter der Bresche aufgestellte Batterie und tödteten die Artilleristen neben ihren Geschützen, wurden aber, da die anderen Colonnen, anstatt mit Kraft nachzudringen, regungslos stehen blieben, von der feindlichen Reserve wieder aus der Stadt vertrieben und litten viel. Die Carlisten begnügten sich fortan, die Stadt zu bewerfen und richteten ihr ganzes Streben darauf, das Durchdringen Espartero’s zu verhindern, da der in Bilbao täglich zunehmende Mangel, falls die Entsetzung mißlang, die Garnison zur Capitulation zwingen mußte.

Espartero war mit 20000 Mann von dem Thale von Mena nach Portugalete gezogen, worauf Villareal in den Gebirgs-Stellungen sich befestigte und am 27. und 28. November die Angriffe des Feindes abschlug, welcher der Brücke über den Nervion sich zu bemächtigen suchte. Am 30. November passirten die Christinos den Fluß auf einer Schiffbrücke, welche ihnen die englischen Marine-Truppen geschlagen, und griffen auf dem rechten Ufer, da Villareal ihnen dahin gefolgt war, am 4. und 5. December die Stellung von Asua an; mit Nachdruck empfangen und nach starkem Verluste kehrten sie am 6. auf das linke Ufer zurück, wo die Carlisten ihnen gegenüber sich verschanzten, dazu einen Theil ihres Belagerungsgeschützes verwendend, wodurch sie die Einnahme der Stadt ganz von der Niederlage Espartero’s abhängig machten. Umsonst suchte dieser vorzudringen: er ward nach vergeblichen Scharmützeln am 12. und den folgenden Tagen genöthigt zu weichen, zog sich am 15. nach Portugalete zurück und ging am 19. und 20. December nochmals mit 19 Bataillonen und zwei und zwanzig Geschützen auf das rechte Ufer des Nervion über, wo wieder Villareal seine Stellung ihm gegenüber mit dem Belagerungsgeschütz deckte. Espartero gab die Hoffnung des Durchdringens auf,[25] als die Ankunft der Divisionen, welche Gomez nach sich gezogen, ihm ein furchtbares Übergewicht verlieh. Nachdem am 22. und 23. leichte Scharmützel Statt gehabt, stürmten am Weihnachtsabend die Christinos nach dem Plan des General Oráa die carlistische Stellung, während 2000 Jäger in Kähnen den Fluß hinauffuhren, die Flanke der Belagerungsarmee zu gewinnen. Von einem entsetzlichen Schneesturm begünstigt, erstürmten die Feinde nach kurzem Kampfe die Brücke von Luchana, gegen die sie ihre ganze Artillerie concentrirt hatten. Die Fahrzeuge gelangten bis dahin und bemächtigten sich nach furchtbarem Blutbade der Batterie, welche noch das Debouchiren der Truppen verhinderte, worauf diese den Fluß passirten und die Stellung auf den Höhen von Cabras und Arriaga stürmten. Drei Mal gelangten die christinoschen Massen bis auf die Höhen, drei Mal stürzten die Carlisten mit dem Bajonnett sie hinunter: beim vierten Angriff behauptete sich Espartero im Besitze der Stellung, und die Belagerungsarmee zog in Unordnung auf Durango zurück. Am ersten Weihnachtstage zog das siegreiche Heer in die gerettete Stadt ein, in der solches Elend herrschte, daß der Gouverneur am 24. dem anfragenden Generale durch den Telegraphen meldete, wie er nur noch einen Tag sich halten könne.

Der Jubel der Christinos war unendlich: die Folgen so entschiedenen Sieges mußten groß sein und er zeigte unzweifelhaft, wie die Carlisten noch nicht in geregeltem Kampfe den überlegenen Massen ihrer Feinde entgegentreten durften. Die Hoffnung derselben, ohne weiteres Blutvergießen der wichtigen Stadt sich zu bemächtigen, war ihnen verderblich geworden, da sie gewiß früher sie genommen hätten, wenn seit dem Anfange Decembers kräftig der Angriff fortgesetzt wäre. — In der Action am 24. verloren die Christinos etwas über 2000 Mann, die Carlisten nur 600, büßten aber ihre schwere Artillerie, drei und zwanzig Geschütze, ein, da der Fuß hoch liegende Schnee die Fortschaffung unmöglich machte.[26] Espartero, der noch unentschlossen beim Beginn des Kampfes unwohl in Portugalete sich befand und erst, als der Kannonendonner ertönte, seiner Armee nacheilte, verdankte seinen Sieg der Entschlossenheit und dem Talente des Chefs des Generalstabes, General Oráa, und vor Allem, wie sein Bericht anerkennt, der thätigen Mitwirkung der englischen Marine. Er wurde zum Grafen von Luchana ernannt. Villareal verlor den Oberbefehl, welcher dem Infanten Don Sebastian und unter ihm, als Chef des Generalstabes fungirend, dem General Moreno übertragen wurde.


Während der ersten Monate des Jahres 1837 wurden von den Christinos die größten Vorbereitungen getroffen, um im Frühjahre die Operationen mit entscheidender Energie beginnen zu können; denn Entscheidung wollte Espartero herbeiführen, indem eine allgemein combinirte Bewegung sämmtlicher Streitkräfte nach dem Innern der baskischen Provinzen diese unterwerfen, die carlistische Armee erdrücken und vernichten sollte. Er selbst stand gegen Ende Februars mit 28 Bataillonen in Bilbao, von wo er über Durango in das Innere von Vizcaya vordringen würde, während Evans, durch die Division Rivero auf 21 Bataillone verstärkt, von San Sebastian aus Hernani und Tolosa nähme und Guipuzcoa besetzte, Sarsfield aber mit 19 Bataillonen von Pamplona aus die Thäler Ulzama und Bastan unterwürfe, Evans die Hand reichte, dadurch die carlistische Armee von der Gränze abschnitte und sie zwischen die drei Corps zusammendrängte. Zugleich operirte die Division des Ebro-Thales — de la rivera —, jetzt fast ganz aus Cavallerie bestehend, im südöstlichen Navarra an der Arga und dem Ebro, und die Division Alaix, 12 Bataillone stark, stand bei Vitoria in Alava, so die gänzliche Umzingelung und Einzwängung der Carlisten vollendend. Dieser Plan schien in der That, wenn er gewandt und kräftig durchgeführt wurde, die Vernichtung der Carlisten nach sich führen zu müssen, und allein so hätte das Ende des blutigen Kampfes durch Waffengewalt mögen vorbereitet werden. Dazu war die Nordarmee jetzt stärker, als sie je zuvor es gewesen: außer den zahlreichen Besatzungen und den Freicorps zählten jene fünf mobilen Colonnen 80 Bataillone, welche durch eine neue Rekruten-Aushebung auf ihren vollständigen Etat gebracht waren.

Der Infant that, so viel feine Schwäche gestattete, um mit Festigkeit den drohenden Sturm zu empfangen. Er selbst stand mit funfzehn Bataillonen im Ulzama-Thale Sarsfield gegenüber, da dessen Vereinigung mit Evans ganz besonders verderbliche Folgen hätte haben müssen, Guibelalde mit neun Bataillonen hielt die Linien gegen die Divisionen Evans und Rivero besetzt, während Goni mit 11 Bataillonen das Hauptcorps Espartero’s beobachtete. Die übrigen Truppen waren in Alava und dem südlichen Navarra vertheilt, gegen die beiden dort drohenden Divisionen sie zu decken.

Am 10. März eröffnete Evans, nachdem er eine hochtönende Proclamation an die Guipuzcoaner erlassen, den Feldzug, da er auf Hernani vordrang und mit einem Verluste von 800 Mann die Höhen von Amezagana erstürmte, welche durch leichte Verschanzungen gedeckt waren; er blieb dort stehen, das Vorrücken der andern Colonnen erwartend. Auch zog Espartero am folgenden Tage von Bilbao auf der Heerstraße vorwärts und besetzte Durango nach unbedeutendem Gefechte, und Sarsfield wandte sich an demselben Tage über Izarzan auf das Ulzama-Thal und drang bis zu dem Engpasse de las dos hermanas. Evans griff nach leichtem Scharmützel in den vorhergehenden Tagen am 15. März von Neuem an und entriß nach blutigem Kampfe den Fuß vor Fuß der Übermacht weichenden Carlisten das Fort und die Höhen von Oriamendi nebst vier Kanonen; am 16. trieb er wieder langsam die carlistischen Bataillone vor sich her, und schon standen die Briten auf der Höhe, welche unmittelbar Hernani beherrscht; der Erfolg war nicht mehr zweifelhaft. Da stiegen in eiligem Zuge von den Gebirgen die Schaaren herab, mit denen der Infant den Seinen zu Hülfe eilte; neun Bataillone, zwei Escadrone und vier Geschütze von seinem Corps führte er nach ermüdendem Marsche auf das Schlachtfeld. Er stürzte sich sofort auf die siegenden Massen der Anglochristinos, umging, während er einen Scheinangriff auf den rechten Flügel richtete, die linke Flanke, warf sich mit dem Bajonnette auf die nächsten englischen Bataillone, zerstreute sie und rollte den ganzen linken Flügel auf. Panischer Schrecken ergriff die Feinde. Die Flucht der englischen Bataillone riß die ihnen zunächst stehenden spanischen fort, und da nun auch das carlistische Centrum mit Kraft vorwärts drang, lösete sich die ganze feindliche Armee in schimpflichster Verwirrung auf und floh nach San Sebastian zurück, von den Siegern auf dem Fuße verfolgt. Nur ein Detachement englischer Marine-Truppen, welches in der christinoschen Armee sich befand, blieb geschlossen und rettete den größten Theil der Artillerie, mit der es unerschütterlich fest sich zurückzog. Die Carlisten, deren Verlust 740 Mann betrug, nahmen vier Geschütze; die Engländer verloren etwa 900 Mann an Todten und Verwundeten — 500 Todte von der Legion wurden auf dem Kampfplatze gezählt —, ihre spanischen Bundesgenossen aber 1300 Mann und 100 Gefangene.

Die Folgen so glorreichen Sieges waren unberechenbar. Die große combinirte Bewegung, welche den Untergang der Carlisten herbeiführen sollte, war ganz mißglückt, denn Evans, der in sechs Tagen fast 5000 Mann geopfert hatte, um dann schimpflich in seine frühere Stellung getrieben zu werden, konnte nicht an Wiederaufnahme der Offensive denken, da seine Truppen für den Augenblick ganz demoralisirt waren.[27] Espartero, nachdem er ganz Vizcaya durchkreuzend am 15. bis Eybar vorgedrungen, zog sich auf die Nachricht von der Niederlage Evans’s und der Annäherung des Infanten eiligst auf Durango und am 21. nach Bilbao zurück. Die Generale Goni, Guergué und Urbiztondo hatten theils die Gebirge besetzt, durch welche die Straße sich hinzieht, und belästigten von dort aus den Marsch, theils drängten sie mit Nachdruck dem weichenden Heere nach. Mehrere Male machte dieses Front gegen die Verfolger, ruhigeren Rückzug sich zu erkämpfen, aber immer mehr eingezwängt und in dem schmalen Thale der Heerstraße sich verwickelnd, bildete es zuletzt einen großen unbehülflichen Knäuel, der nur durch die Festigkeit der Arriere-Garde vor Vernichtung geschützt wurde, so daß die Armee, nachdem sie in der Operation 2800 Mann eingebüßt, Bilbao erreichte. Sarsfield, da ein heftiger Schneefall sein Vorrücken gehindert hatte, war unter dem Vorwande von Krankheit nach Pamplona gegangen, dem General Ulibarren das Commando übertragend. Zu seiner Beobachtung ließ der Infant, da er nach Guipuzcoa eilte, die von Evans errungenen Vortheile zu hemmen, den General Zariategui zurück, der die feindliche Colonne, da sie über das Ulzama-Thal auf der Straße nach Tolosa vorrückte, in dem Engpasse de las dos hermanas warf und mit Verlust von 1100 Mann nach Pamplona trieb.

So hatte die große mit 68 Bataillonen von drei Seiten aus gegen die baskischen Provinzen unternommene Operation mit einer Niederlage geendet, die den Christinos 9000 Mann gekostet hatte; die Scharte von Bilbao war glänzend ausgewetzt. Espartero benutzte den Monat Mai, zu neuem Angriffe sich vorzubereiten, der von San Sebastian, in dem Herzen der vereinigten Provinzen, ausgehen sollte. Der König rüstete sich gleichfalls mit höchster Thätigkeit: er wollte an der Spitze der Seinen in das Innere des Königreiches ziehen, seine Hauptstadt, die zum Sitze des usurpatorischen Gouvernements geworden, sich erobern und so den Krieg enden, der von ihr ausgehend, von ihr aus unterhalten wurde.

Nachdem die Anglochristinos am 4. Mai das Dorf Loyola genommen, — wozu wieder die englische Marine die Schiffbrücke über den Urrumea schlug — ging Espartero mit zwanzig Bataillonen zu Schiffe nach San Sebastian und übernahm dort den Oberbefehl. Mit 36000 Mann und 40 Feldgeschützen griff er am 15. Mai Hernani an und nahm es nebst Andoain nach geringem Widerstande der Carlisten; der König hatte schon seine Kerntruppen in Navarra für die Expedition vereinigt. Am folgenden Tage wandte sich Evans mit 12000 Mann gegen Irun, welches von vier Compagnien mit hoher Bravour vertheidigt wurde; erst am 17. nahm er die die Straße beherrschende Redoute und drang in die Stadt ein. Die Garnison behauptete sich hartnäckig gegen die stets wiederholten Stürme, die Häuser wurden mit dem Bajonnett genommen und wieder genommen. Am Nachmittage ergaben sich vierhundert Mann, da ein festes Gebäude, in welches sie zuletzt sich geworfen hatten, schon halb erstürmt war; zweihundert wurden nach der Capitulation von den Feinden, erbittert über ihren Verlust, niedergestochen. Evans griff dann Fuenterrabia an, dessen Garnison, 300 Mann stark, ohne Widerstand capitulirte, da sie sich hülflos abgeschnitten sah.

So hatte Espartero endlich die große Heerstraße den Carlisten genommen und es blieb ihm nur übrig, die Linie längs der Gränze zu etabliren, um den Provinzen die Verbindung mit Frankreich abzuschneiden und sie ganz auf die eigenen Hülfsquellen zu beschränken. Die Nachricht von dem Abmarsche der königlichen Expedition und ihren Fortschritten in Aragon zwang ihn, die Ausführung des wichtigen Planes aufzugeben: er zog am 29. Mai von Hernani durch das Ulzama-Thal nach Pamplona, lebhaft von einigen ihn beobachtenden Bataillonen harcelirt, wobei er mehrere hundert Mann, unter ihnen den General Gurrea, einbüßte. Der Krieg in den Nordprovinzen ward für einige Zeit zur Nebensache.

[24] Die Präcision des Artillerie-Feuers jener Schiffe ging so weit, daß bald zwei oder drei Personen nicht mehr vereinigt dem Strande zu nahen wagten, da selbst ein so kleines Ziel nicht selten getroffen wurde.

[25] In seinen Briefen an seine Gemahlinn nach Logroño erklärte er die Lage der Armee für ganz hoffnungslos, den Entsatz unmöglich.

[26] Mein braver Camerad, Bernhard v. Plessen, früher Lieutenant in königl. Preußischem Dienste, ward gefangen, da er seine Batterie nicht verlassen wollte und bis zum letzten Augenblicke feuerte. Er fiel, kaum ausgewechselt, in der königlichen Expedition 1837.

[27] Um die Größe jenes Sieges, den Moreno durch seine geschickten Dispositionen herbeiführte, die furchtbar verwirrte Flucht der Anglochristinos und ihre Muthlosigkeit ganz zu würdigen, muß man die Berichte der Officiere von der britischen Legion lesen.