XVI.

Don Basilio Garcia war, wie ich früher erwähnte, von der Hauptarmee der Nordprovinzen in den letzten Tagen des Jahres 1837 entsendet worden, um in der Provinz Cuenca und in la Mancha,[41] zu deren commandirendem General er ernannt war, zu operiren, die dort existirenden zahlreichen Carlisten-Guerrillas zu vereinigen und durch bessere Organisation dem Feinde sie furchtbar zu machen. Er sollte daher zuerst nach Aragon ziehen, da Cabrera Befehl hatte, eine seiner Divisionen Don Basilio zu untergeben. Oráa vereitelte, indem er in Daroca sich aufstellte, den Versuch der Division, von Calatayud aus nach Cantavieja durchzudringen, und schob sie, auf der Straße nach Teruel ihren Marsch cotoyirend, nach der Provinz Cuenca, wo wir am 13. Januar 1838 auf die Verfolgungs-Division Uribarri trafen und, von der Übermacht erdrückt, geworfen wurden.

Von Aragon abgeschnitten wandte sich Don Basilio in forcirten Märschen nach der Mancha und erreichte die Sierra von Toledo, wo er sofort eine kleine gegen Palillos operirende Colonne ganz vernichtete. Wenige Tage später begegnete er, ohne daß einer der beiden Anführer von des andern Expedition Kunde gehabt hatte, dem Corps des Brigadier Tallada von der Armee Cabrera’s; es war von Chelva zu einem Zuge nach der Mancha und Andalusien abmarschirt. Don Basilio wünschte, daß diese Division sich ihm anschließen möge, weßhalb er, da Tallada, dessen Truppen weit zahlreicher waren, gar keine Neigung zeigte, ohne besonderen Befehl Cabrera’s sich ihm unterzuordnen, so weit nachgab, daß sie gemeinschaftlich die Leitung des Corps übernehmen wollten, bis Cabrera entschieden habe, welche seiner Divisionen dem königlichen Befehle gemäß zu Don Basilio’s Disposition gestellt sei. Die beiden Chefs durchzogen darauf die Mancha, überstiegen die Sierra morena und drangen in das Königreich Jaen — Andalusien — vor, wobei Tallada durch gelegentliche Eigenmächtigkeiten seine Selbstständigkeit schien darthun zu wollen.

Am 3. Februar stand seine Division, 3500 Mann Infanterie in fünf Bataillonen und 300 Pferden stark, in Baeza, die der Nordarmee, nur 1600 Mann Infanterie und 140 Pferde, in dem drei Viertelstunden entfernten Ubeda, nahe dem Guadalquivir, als Don Basilio die Nachricht erhielt, daß General Pardiñas, der das Commando der Colonne Uribarri’s übernommen, verstärkt durch die mobilen Truppen der Mancha über den Paß des Despeñaperros die Sierra morena überschritten habe und zum Angriffe heranziehend in la Carolina angekommen sei. Er ließ sofort den Brigadier Tallada auffordern, entweder durch einen forcirten Marsch dem Feinde entgegenzugehen und ihn überrascht anzugreifen, oder, was er selbst rieth, durch einen Nachtmarsch in den Rücken der Christinos sich zu werfen, den Paß des Despeñaperros zu besetzen und so, Andalusien und die Mancha zugleich bedrohend, jeden Umstand zu benutzen. Tallada antwortete, seine Truppen bedürften der Ruhe, und wies auch den Antrag, eine concentrirte Stellung bei Ubeda zu nehmen, mit dem Bemerken ab, daß er dafür einstände, daß der Feind gar nicht an einen Angriff denke.

Bei Tagesanbruch ertönte zugleich mit der Nachricht, Pardiñas sei wenige tausend Schritte von den Vorposten entfernt, lebhaftes Feuer von Baeza her. Don Basilio sandte einen Adjudanten an Tallada mit der Bitte, nur eine halbe Stunde sich zu halten, da er zu seiner Hülfe herbeifliege. Der Adjudant fand die ganze schöne Division in furchtbarer Unordnung, wie eine große Heerde von den feindlichen Massen vor sich her gejagt, Tallada selbst außer sich[42] und erhielt von ihm, da er ihn aufforderte, seine Leute zu sammeln, die Antwort, wie er nicht einmal für sich, geschweige für seine Leute einstehen könne. Erst als die Bataillone der Nordarmee mit Festigkeit den Sturm der Christinos ausgehalten hatten und selbst durch kraftvolle Bajonnettangriffe sie zurückdrängten, kam er in Etwas zur Besinnung und ordnete sein Corps zu geregelterem Rückzuge, dem die Division Don Basilio’s deckend sich anschloß, zwei Stunden weit bot sie unter stetem Feuer dem Andrange der feindlichen Infanterie und Cavallerie die Stirn, bis diese, ohne einen Gefangenen ihr abgenommen zu haben, die Verfolgung einstellten. Pardiñas schrieb die Rettung des Corps Tallada’s, welches 300 Gefangene einbüßte, der bewundernswürdigen Bravour der Truppen Don Basilio’s zu.

Dieser drang in die Provinz Murcia ein. Entsetzliche Leiden warteten dort der Freiwilligen, indem Regen und Schnee Wochen lang ununterbrochen auf sie herabstürmten und die Gebirge ungangbar machten; die Lebensmittel fehlten mehr und mehr, die Leute marschirten bald barfuß, und ihre Uniformen hingen in Fetzen herab. Da trennte sich Tallada eigenmächtig von dem Expeditions-Corps, um nach Valencia zurückzukehren: er ward am 27. Februar, da er eben den Jucar überschritten hatte, von Pardiñas in Castriel überfallen, nach der gänzlichen Vernichtung seiner Division gefangen und der Gerechtigkeit gemäß erschossen. Don Basilio aber, da die geringen Streitkräfte, welche ihm blieben, durch die Drangsale täglich mehr zusammengeschmolzen waren, wandte sich wieder nach der Mancha und vereinigte sich mit den dort hausenden Partheigängern.


Drei Cabecillas hatten sich in diesem Theile Neu-Castiliens besonders hervorgethan: Jara hatte einige tausend Mann Infanterie gebildet, d. h. Bauern gesammelt, die nicht exercirt und ohne Uniform größtentheils mit Büchsen und Jagdflinten bewaffnet waren; Orejita führte ein Bataillon und etwa funfzig Pferde; Don Vicenta Rojero — Palillos genannt — commandirte mehrere Escadrone Reiter, deren Zahl den Umständen nach zwischen sechshundert und tausend schwankte. Diesen Chefs schlossen sich mehrere Partheigänger an, die gewöhnlich in Estremadura sich aufhielten, aber häufig nach der Mancha hinein streiften und gleichfalls 800 bis 1000 Pferde vereinigen konnten.

Alle diese verschiedenen Banden nannten sich Carlisten und wollten für eifrige Verfechter der Religion gelten, während sie die Sache, welche sie zu vertheidigen vorgaben, durch fluchwürdige Excesse schändeten. Ich spreche nicht davon, daß sie die Feinde, welche in ihre Hände fielen, unbarmherzig opferten: sie thaten Recht daran. Wie konnten Männer anders verfahren, die, weil sie schwächer waren, durch die Gegner von den Wohlthaten jedes Vertrages ausgeschlossen wurden, die Alles, was ihnen angehörte, ihnen nahestand, getödtet, verwüstet und vernichtet sahen? Früher habe ich erzählt, durch welche Gräuel die Christinos den Aufstand in diesen Provinzen zu unterdrücken suchten; sie konnten nach solchen Schauder erregenden Thaten nie Schonung erwarten. Nein — wenn jene Männer, zur Raserei getrieben, mit Feuer und Schwerdt gegen die Liberalen das Werk der Rache übten, handelten sie nur gerecht und erfüllten ihre Pflicht; denn da wäre Milde und Verzeihen zur verächtlichen, unvermeidliches Verderben nach sich ziehenden Schwäche geworden.

Aber Entehrung häuften sie auf sich selbst, und sie schändeten die Sache, für die sie zu kämpfen vorgaben, indem sie ihrer Rache Wuth von den Erbärmlichen, die sie hervorgerufen, auf das ganze Menschengeschlecht ausdehnten und — zu Räuberbanden sich erniedrigten. Von ihren Gebirgen aus — denn auch die Reiter hatten ihre Zufluchtsorte in den schroffsten Gebirgen gesucht, welche die prachtvollen Pferde mit erstaunlicher Ausdauer auf und ab kletterten — durchstreiften sie die umliegenden Provinzen, mordeten und brannten; sie plünderten die Reisenden und die Waaren, welche nur in großen Convoys mit Bedeckung von Truppen transportirt werden konnten, schleppten die Gefangenen in ihre Schlupfwinkel und ermordeten sie, wenn nicht bald reiches Lösegeld aus ihren Händen sie rettete. Auch die unglücklichen Bauern blieben nicht verschont. Ihre Ernte wurde häufig zum Futter abgemähet und fortgebracht, wenn nicht gar muthwillig zerstört, die Maulthiere auf dem Felde aufgefangen und erst gegen Auszahlung großer Summen herausgegeben. So sanken diese Banden zu verzweifelten Räubern im ganzen Sinne des Wortes herab, die, wo sie erschienen, Tod und Elend in ihrem Gefolge führten. Die Carlisten, d. h. die Männer, welche in den regelmäßigen Heeren für die Aufrechthaltung der Rechte ihres Königs ehrenvollen Kampf kämpften, wollten natürlich nie jenen Schaaren der Mancha den Ehrennamen von Carlisten zugestehen. Die Christinos aber benutzten schlau die von Jenen verübten Gräuel, um den Anhängern Carls V., unter deren Namen sie verbreitet wurden, den Abscheu der Welt zu erregen.

Übrigens waren diese Banden doppelt furchtbar, durch die hohe individuelle Bravour, durch welche sie, wiewohl nicht organisirt und ohne Disciplin, nicht selten den gegen sie operirenden Truppen verderblich wurden. Vor Allem zeichnete die Cavallerie Palillo’s durch seltene Todesverachtung, ja Verwegenheit sich aus und erwies dem Expeditions-Corps während der kurzen Zeit, die es mit ihm vereinigt blieb, wiederholt große Dienste. Die Bewaffnung der Reiter bestand in Säbel, Pistolen und dem Trabuco, jenem gefürchteten Carabiner, dessen Lauf von der Schwanzschraube zu der Mündung allmählich sich erweitert und mit einer Handvoll Kugeln, oft funfzehn bis zwanzig Stück, geladen wird. Er kann nur auf geringe Entfernungen gebraucht werden und wird neben der rechten Seite frei auf dem linken Arm ruhend abgedrückt, da der Rückstoß anderes Anlegen nicht erlaubt; seine Wirkung ist ungeheuer, indem die Geschosse wie die Cartätsche einen Streukegel bilden, der Alles vor sich niederreißt. Die christinosche Cavallerie ward bei dem Anblicke der Trabucos, mit denen die Palillos unbeweglich bis auf wenige Schritt ihre Annäherung abzuwarten pflegten, von panischen Schrecken ergriffen, und es sind Beispiele vorgekommen, daß ein Mann, mit dieser Waffe versehen, eine Straße oder eine Brücke mit Erfolg gegen feindliche Detachements vertheidigte.

Solche waren die Banden, welche Don Basilio um sich vereinigen, denen er Ordnung und Kriegszucht einflößen, die er an regelmäßigen, ehrenvollen Kampf gewöhnen und dadurch der Sache nützlich machen sollte, der sie dem Namen nach angehörten. Leider war er nicht der Mann für so schwierigen Auftrag, der eisernen Willen, Entschlossenheit, Kraft und — Glück erforderte. Don Basilio besaß keine dieser Gaben. Im Anfange freilich, da er nur den Eingebungen der wahrhaft ausgezeichneten Männer folgte, die ihn umgaben, des Marquis von Santa Olalla, seines Secretairs, des Oberstlieutenant Alcalde, des Obersten Fulgocio und so vieler anderer Chefs, die fast ohne Ausnahme auf diesem für die Division so glorreichen wie unglücklichen Zuge getödtet wurden oder in Gefangenschaft fielen; da waren seine Maßregeln trefflich, und der Erfolg schien sie krönen zu wollen. Er nahm das schon von Gomez eroberte Almaden und in wenigen Tagen fünf andere kleine Forts[43], an denen alle Versuche der Partheigänger gescheitert waren, wodurch er ihre Achtung vor seiner überlegenen Macht erzwang. Dann erließ er strenge Strafbefehle gegen Jeden, der ein Vergehen gegen die Disciplin oder die geringste Erpressung und Beleidigung der Einwohner sich zu Schulden kommen ließe. Wer des Diebstahls überwiesen war, wurde ohne Gnade erschossen, wer ohne Erlaubniß auf eine Stunde sein Corps verließ, wurde erschossen; die Christinos selbst rühmten, daß Don Basilio mit ihren Generalen gemeinschaftlich auf die Banditen Jagd mache, die bisher jene Provinzen infestirten.

Da er so den ersten, dringendsten Schritt gethan, um die Räuber in Soldaten umzuschaffen, strebte er, möglichst sie zu organisiren und zugleich zu überwachen, indem er viele seiner besten Officiere unter die Corps von Palillos, Jara und Orejita vertheilte. Auch wollte er Einigkeit und Combination in ihre Operationen bringen und hoffte, wenn er einigermaßen an militairisches Handeln sie gewöhnt, um seine kleine Division als den Kern ein furchtbares Corps zu bilden, welches im Innern Castiliens, im wahren Centrum der Monarchie, von entscheidendem Einflusse auf den Krieg werden mußte. So weit war Alles gut.

Bald jedoch verdarb die Schwäche des Generals, der unglückliche Gang der Ereignisse und die Abneigung der Cabecillas, was die Kraft kaum erreicht hatte und nur Kraft erhalten konnte. Orejita war der einzige unter den Chefs der Mancha, welcher wahrhaft das Beste der Sache im Auge hatte und daher mit Eifer die Pläne des Generals adoptirte; bald ward er auf einem Zuge durch den südlichen Theil der Sierra Morena von überlegener Zahl überrascht, sein noch nicht ganz ausgebildetes Bataillon von der feindlichen Cavallerie niedergeritten und vernichtet, er selbst mit fast allen seinen Officieren getödtet. Jara und Palillos dagegen beugten sich nur gezwungen augenblicklich unter die Zucht, die Don Basilio etablirt hatte; ein Jeder suchte den Andern zu verdrängen und bei dem General herabzusetzen, da sie, Beide das Commando in Anspruch nehmend, die höchste Eifersucht und selbst Haß gegen einander hegten, der verschiedene Male blutige Streitigkeiten unter ihren Truppen erzeugt hatte. Beider Streben aber war auf Unabhängigkeit und auf Abschütteln der lästigen Controle gerichtet, die seit der Ankunft der Expeditions-Division auf jeder ihrer Bewegungen lastete.

Die Lage Don Basilio’s war in der That schwierig; anstatt aber mit nie rastender Thätigkeit und Energie lediglich dem ihm vorgesteckten Ziele nachzugehen, anstatt auf jede Art die beiden Anführer zur Einigkeit und zum Befördern der einzigen, endlichen Sieg verheißenden Kriegsart zu bewegen, gab er bald dem Einem, bald dem Andern Gehör, begünstigte den gerade Gegenwärtigen und regte dadurch die Leidenschaften immer mehr auf. Vielleicht mochte er glauben, durch Intrigue und Schlauheit leichter sie zu bändigen, als mit Gewalt, da daraus wohl offene Widersetzlichkeit ihrer Schaaren gegen ihn und folglich gänzliches Fehlschlagen des Zweckes seiner Expedition hervorgehen konnte. Nach und nach gewann Jara, der listig und fein ihm zu schmeicheln wußte, sein Vertrauen und nahm ihn gegen den geraden, derben Palillos durch vielfache Verleumdungen ein, bis dieser, über die wiederholt erlittenen Zurücksetzungen erbittert, zur großen Freude seiner Reiter ganz von Don Basilio sich trennte. Da machte der General unkluger Weise die Spaltung auf immer unheilbar, indem er laut drohete, Palillos zu erschießen, wenn er seiner habhaft würde. Palillos sprach die gleiche Drohung gegen den General aus und that entschieden feindselige Schritte gegen die Division, fing auch sein altes Plünderungswesen von neuem an. Don Basilio ließ mehrere Reiter, die er zerstreut getroffen, füsiliren; Palillos drohte Repressalien auszuüben: offener Krieg war im Begriffe auszubrechen. Da erkannte Don Basilio, daß der Zweck des Zuges ganz verfehlt und nun unerreichbar sei, daß längeres Verweilen in der Mancha der Sache nur noch schaden könne. Er entschloß sich schweren Herzens, das Unmögliche aufzugeben und die Rettung der Trümmer seines braven Corps zu versuchen. Es sollte nur in der Vernichtung das Ende seiner Leiden finden.

Am 26. März hatte die Miniatur-Division in Valdepeñas auf der großen Heerstraße von Madrid nach Sevilla und Cadix ein glorreiches Gefecht bestanden, da sie vom General Flinter, seit seiner Auswechselung nach Gomez Expedition commandirender General der Mancha, mit 5000 Mann am Mittage angegriffen wurde; die Christinos hatten alle Zugänge der Stadt besetzt und mehrere Gefangene in den Häusern gemacht, ehe — unglaubliche Nachlässigkeit des Generals! — die Nachricht ihrer Annäherung bekannt wurde. Dennoch brachen, als endlich der Generalmarsch sie aufschreckte, die Bataillone compagnieweise, wie sie einquartiert waren, durch die Feinde sich Bahn, formirten sich auf dem Felde in Sturm-Colonnen und kehrten sofort zum Angriffe zurück. Bis zur Mitte der Stadt drangen sie mit aufgepflanztem Bajonnett vor, so den größten Theil der Gefährten rettend, welche, da sie vorher das freie Feld nicht hatten erreichen können, aus den Fenstern der Häuser die Feinde niederschossen. Nur dreißig Mann Infanterie und fast die ganze Escadron der Legitimität, welche vom Feinde in ihrem Quartier überrascht war, fielen in die Hände der Christinos, wogegen die Division auf dem Rückzuge, den sie unverfolgt bewerkstelligte, vierzig Gefangene fortführte.

Mehrere Wochen hindurch wurde das Corps in höchst aufreibenden und schwächenden Märschen umhergeschleppt, während Don Basilio noch immer die Ausführung seiner Pläne in Bezug auf die Cabecillas hoffte. Täglich fanden Gefechte mit den überlegenen Feinden Statt, stets rühmlich, und die Truppen, schon auf 1300 Mann geschmolzen, zeichneten sich fortwährend durch herrliche Standhaftigkeit und Muth aus, die leider ihr Führer nicht so kräftig benutzte, wie die Lage der Dinge unumgänglich erheischte. Er scheute sich, mit dem Feinde zusammenzutreffen, da Erfolg doch nur durch entschlossenes Angreifen auch der größten Schwierigkeiten unter solchen Verhältnissen möglich wurde. Da kam die Trauerkunde von dem Tode Orejita’s; der Bruch mit Palillos entschied sich; bald langte Jara an — ohne Corps: seine Brigade war durch eigene Schuld in ungünstigster Stellung angegriffen, zersprengt, vernichtet. Jara ward sofort verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Don Basilio aber, nun ganz auf sich beschränkt, wandte sich mit den 1100 Mann, die ihm blieben, von vier feindlichen Divisionen gedrängt und selbst von Palillos angefeindet, nach Estremadura und drang in die Provinz Salamanca ein, von wo er wohl mit dem in Alt-Castilien operirenden Corps des Grafen Negri in Verbindung zu treten hoffte.

In der Nacht vom 3. zum 4. Mai ruhte Don Basilio in Vejar, keines Angriffes gewärtig, da der Feind am Morgen jenes Tages siebenzehn Meilen entfernt war; Pardiñas aber, der am nächsten ihn verfolgte, marschirte die ganze Nacht hindurch und war, von Einwohnern von Vejar geführt, der Stadt nahe, als die Diana die Carlisten zum Weitermarsch rief. Bei dem Klange der Trommeln und Hörner stutzten die Truppen, da sie ihre Annäherung verrathen glaubten; der junge feurige General stellte sich, ein Gewehr in der Hand, an die Spitze seiner Grenadiere und forderte sie auf, ihm zu folgen. Die carlistischen Bataillone marschirten dem Sammelplatze zu, als das Feuer von den Eingängen der Stadt her die Nähe der Gefahr ihnen verkündete, da die Christinos von ihren Guiden über Felder und Gärten mit Vermeidung der ausgestellten Vorposten bis innerhalb der Mauern geleitet waren.

Ein entsetzlicher Kampf entspann sich in den Straßen. Mit fünffacher Übermacht stürmten die Christinos, ihrem kühnen General folgend, gegen den Marktplatz; die Carlisten stürzten mit dem Bajonnett ihnen entgegen, trotz der Überraschung der gewohnten Bravour treu. Aber von allen Seiten gedrängt sahen sie ihre Reihen schnell gelichtet und wichen kämpfend; schon betrat Pardiñas den Marktplatz, als er den Oberst Fulgocio, in Ferdinand’s Garde einst sein Camerad, zu Pferde vor einigen hundert Mann, den Überresten seiner Brigade, halten sah, zu festem Widerstand sie ermunternd. „Ergieb Dich, Fulgocio, ergieb Dich!“ rief Pardiñas ihm zu; doch der heldenmüthige Fulgocio, edel wie wenige Spanier, antwortete laut: „Während mein Schwerdt mich schützt, ergebe ich mich nicht!“ und sank von Kugeln durchbohrt zur Erde. Seine kleine Schaar ward nach verzweifeltem Ringen gebrochen und niedergestreckt, da sie Pardon nicht gab noch forderte; alle ihre Anführer waren vor ihr gefallen. Zweihundert Mann, die in das Stadthaus sich eingeschlossen, ergaben sich, als sie ihre letzte Patrone verschossen hatten.

Don Basilio war wie durch Wunder aus einem Fenster seines Logis und über mehrere Dächer hinweg entkommen, da schon die Thüren des Hauses vom Feinde besetzt waren. Mit 250 Mann, dem Reste des Corps, welches durch seine Sorglosigkeit in Märschen und Überfällen — doch stets glorreich kämpfend — vernichtet ward, gelang es ihm, nach Aragon durchzudringen und der Armee Cabrera’s sich anzuschließen. Alle die besten Chefs und Officiere der Division, unter ihnen der General Marquis von Santa Olalla, Chef des Generalstabes, ein Brigade- und drei Bataillons-Commandeure waren gefallen; Wenige, darunter Oberstlieutenant Alcalde vom Generalstabe und der Commandeur des Bataillons von Valencia, Beide verwundet, fielen in die Hände der Christinos. Auch Jara, der kein gutes Loos erwarten mochte, hatte freiwillig als Gefangener sich ausgeliefert.

Unter den Todten befand sich mein Chef und Freund, der Commandeur des 7. Bataillons von Castilien, Oberstlieutenant Sabi, fast in jedem Gefechte verwundet und immer gleich unerschrocken. Mit noch offener Wunde verließ er die Nordprovinzen, um im Anfange der Action von Sotoca wiederum von einer Kugel getroffen zu werden. Dann fiel er bei Valdepeñas in die Gewalt der Christinos, die Brust bis zum Rücken durchbohrt; gegen einen dort gefangenen Escadrons-Chef ausgewechselt, so wie er transportirt werden konnte, fiel er an der Spitze von 140 Mann, der kleinen Schaar, die von seinem Bataillon ihm geblieben, als er, wiewohl noch schwach und ohne Commando, gegen den anstürmenden Feind sie begleitete. So viele treue Gefährten sanken da in die frühe Gruft! Von allen Officieren meines Bataillons retteten sich nur zwei nach Aragon; der eine von ihnen ward dort bei der Belagerung von Morella getödtet, mir lieb wie ein Bruder. Glücklich, glücklich preise ich sie: sie ruhen in dem Schooße der Heimath, sie kennen nicht, wie ihre trauernden Gefährten, den bittern, erdrückenden Schmerz, verrathen, verkauft dem Monarchen, für dessen Rechte sie ihr Blut vergossen, in die kalte Fremde folgen zu müssen, ihren König gefangen schmachten zu sehen und das Vaterland unter dem Joche revolutionairer Anarchie seufzend zu wissen. Sie errangen sich herrliches, beneidenswerthes Loos!


Seitdem General Guergué nach der Rückkehr des Königs aus Castilien das Commando der Armee übernommen, war sein Streben darauf gerichtet, so bald wie möglich den Krieg wieder nach den Provinzen südlich vom Ebro zu spielen, wozu er, der Navarrese, das Corps von Castilien benutzte. Drei große Fehler beging er dabei: er entsendete die Expeditionen in der Jahreszeit, die alles Ungemach ihnen häufen mußten; er entsendete sie isolirt, ohne ihnen doch die nöthige Stärke zu geben, um für sich mit Kraft auftreten zu können; und er gab ihnen Führer, die wenig geeignet waren, solche Nachtheile aufzuwiegen.

Die dritte Division erlag dem Verhängnisse, welches seit dem Augenblicke des Ebro-Überganges im December 1837 über ihr waltete. Durch unvorhergesehene Hindernisse aufgehalten, folgten ihr erst im Anfange März die acht Bataillone Castilianer, welche mit ihr bei Amurrio die Revue vor Sr. Majestät passirt hatten; das Commando derselben nebst vier Escadronen und zwei Berggeschützen ward dem Generallieutenant Grafen Negri anvertraut. Ein prachtvolles Corps, ganz Ergebenheit für die Sache der Legitimität und Ausdauer und Disciplin — und wie ging es unter! — Graf Negri ist ausgezeichnet durch Geburt und Bildung, unerschütterlich loyal, persönlich brav; aber General war er nie und am wenigsten der schwierigen Aufgabe gewachsen, die bei solcher Expedition ihm zu Theil wurde. Welche herrliche, unersetzbare Kräfte wurden in diesen Zügen nutzlos vergeudet!

Ich werde das Schicksal dieser Expedition nicht in seinen Details verfolgen: sie sind, wie mehrfach schon geschildert, aus Fehlern und Elend, Strapatzen und bewundernswürdiger Ausdauer, aus einzelnen lichten Punkten und namenlosem Unglücke zusammengesetzt. Ein kurzer Umriß des Geschehenen wird genügen. Bei seinem Auszuge aus den Provinzen wies Negri den General Latre, der seinem Marsche sich zu widersetzen eilte, mit Verlust zurück und schlug ihn bald nachher in dem Gebirge von Santander, wobei Latre selbst verwundet wurde. Er durchzog dann ganz Alt-Castilien und besetzte Segovia, welches dieses Mal von den Truppen und Behörden geräumt war; der Zweck dieser Besetzung ist stets dunkel geblieben, wenn man nicht die Absicht, doch auch in eine bedeutende Stadt einzuziehen, als Beweggrund annimmt, denn die Verhältnisse waren sehr verschieden von denen, welche die Expedition Zariategui’s veranlaßt hatten. Nach wenigen Tagen schon war Negri genöthigt, Segovia zu verlassen; auf dem Fuße von den feindlichen Colonnen verfolgt, warf er sich in die Gebirge und erreichte sie kaum, nachdem er alle seine Jäger-Compagnien eingebüßt, da sie, den Rückzug der Division deckend, von Infanterie und Cavallerie mit unendlicher Überzahl angegriffen, umringt und in Masse formirt nach hartnäckigem Kampfe gefangen oder niedergemacht wurden. Da begann das entsetzliche Elend. Ohne Lebensmittel, ohne Schuhwerk verlor das Corps Zeit und Kraft in nutzlosen Hin- und Herzügen durch die Gebirge von Soria und Burgos, der Regen fiel Tag und Nacht in Strömen, den Truppen ward nicht Ruhe noch Rast gegönnt; sie verlangten nur zu schlagen und Negri hieß sie marschiren. Die Castilianer sanken erschöpft zusammen und rafften sich wieder auf und murrten nicht; ihr Pulver war längst durch unaufhörliche, Alles durchdringende Regengüsse verdorben, sie waren waffenlos, vertheidigungslos — und ergeben folgten sie ihrem Führer; seit mehreren Tagen marschirten sie ohne Rationen, von Allem entblößt — und ihre einzige Bitte war, daß sie gegen den Feind geführt würden, mit dem Bajonnette das Mangelnde sich zu erringen. Negri hieß sie marschiren, ohne Rast, ohne Aufhören marschiren.

Espartero war mit seiner mobilen Colonne nach Burgos gezogen und erwartete dort ruhig den Augenblick, der das kräftig verfolgte Expeditions-Corps in seinen Bereich bringen und Gelegenheit zum Vernichtungsschlage ihm geben werde. Am 27. April zogen die Colonnen Negri’s wenige Meilen von Burgos entfernt durch die Sierra, verzweiflungsvoll, den Tod im Herzen; da ertönte der Ruf, Espartero sei nur noch eine Stunde hinter dem Corps zurück: er war von Burgos aufgebrochen, es abzuschneiden und übernahm, zu spät gekommen, mit Lebhaftigkeit die Verfolgung. Unbewegt hörten die Truppen die Schreckenskunde. Umsonst suchte Negri den Marsch zu beschleunigen, einen hohen Paß zu erreichen, der leicht vertheidigt ferneren Rückzug sicherte. Die Soldaten schlichen, schon für Alles gleichgültig, den Weg hinan, sie hatten mehrere Nächte hindurch keine Ruhe, seit acht und vierzig Stunden keinen Bissen Brod gehabt, der Regen machte jede Bewegung doppelt lästig. Bald waren die Truppen Espartero’s, die frisch und kraftvoll Burgos verlassen, im Angesichte des Nachtrabes, sie hatten den Weg mit Sterbenden und in Schwäche Hingesunkenen bedeckt gefunden.

Da wollte Negri, der so lange ängstlich den Kampf vermieden hatte, doch rühmlich untergehen; er ordnete seine Divisionen in Bataillons-Colonnen zur Schlachtordnung, und die braven Castilianer fühlten sich neu belebt, da sie endlich stehen und fechten sollten. Rasch dringt Espartero an der Spitze seiner Cavallerie-Massen heran, er stutzt, da er auf der kleinen Ebene, das Gebirge im Rücken, die acht dichten Haufen bewegungslos, drohend dastehen sieht, während die beiden Escadrone die Flanken zu decken scheinen. Doch schnell entscheidet er sich zur Charge und stürzt auf die ersten Bataillone, die fest den Sturm erwarten und, da die Reiter wenige Schritt entfernt, auf der Führer Stimme Feuer geben. — — Die Gewehre sinken aus den erschlafften Händen: nicht Ein Schuß war erfolgt, da alles Pulver untauglich geworden. In wenigen Minuten war das unblutige Werk vollbracht. Graf Negri mit den beiden Escadronen und einigen berittenen Officieren entfloh unverfolgt und gelangte nach Aragon; die acht Bataillone, die treuen, ergebenen Castilianer — fielen wehrlos in des übermüthigen Siegers Hand, der auch die Geschütze und Bagage erbeutete.

So ward jenes herrliche Corps von Castilien vernichtet, welches nach der königlichen Expedition die Hoffnungen der Carlisten von neuem anregen durfte; seine beiden Theile sanken gleich brav, gleich nutzlos hingeopfert. Aber die Division, welche unter Don Basilio auszog, war glücklicher, da ihr gegeben war, bis zum Untergange heldenmüthig gegen die Übermacht zu ringen, da sie kämpfend, tödtend fiel, im Unterliegen auch des Feindes Bewunderung davon tragend.


Während Guergué so zwölf Bataillone und vier Escadrone plan- und hülflos untergehen ließ, war er in den Nordprovinzen vollkommen unthätig und genoß der Muße, die Espartero reichlich ihm ließ, indem auch dieser, nachdem er die im vorhergehenden Feldzuge erschlaffte Disciplin wiederhergestellt und strenges Gericht über die Schuldigen gehalten, bis zum Frühlinge mit Spatziermärschen von einem Theile seiner Linien nach dem andern sich begnügte. So beschäftigte sich denn Guergué, während er den alten Pfarrer Merino mit den indessen neugebildeten Bataillonen von Castilien nach dieser Provinz entsendete,[44] mit der Reorganisation der traurig herabgekommenen Armee, was ihm jedoch so wenig gelang, daß, natürliche Folgen der Unthätigkeit, Mangel an Disciplin und Unzufriedenheit täglich überhand nahmen.

Nach der Vernichtung der Expedition Negri’s ward jedoch Espartero so lebhaft von Madrid aus zu kräftigerem Handeln gedrängt, und das Geschrei der Liberalen erhob sich so laut und drohend gegen ihn, daß er seinen Entschluß verkündete, die Festung Peñacerrada in Alava, welche Uranga im August 1837 erobert hatte, wiederzunehmen, und demnach umfassende Vorbereitungen traf. Da diese Veste den Carlisten die reichen Gefilde der Rioja alavesa unterwarf, Castilien ihnen öffnete und die Verbindung zwischen Alava und Navarra dem Feinde nur auf weitem Umwege über Miranda de Ebro möglich machte, eilte Guergué zum Schutze derselben herbei; er gab ihr eine auserlesene Garnison und mehrte, so viel die Umstände zuließen, die Befestigungen. Da jedoch in dem Heere die Hauptstütze und Sicherheit des Platzes gegen einen regelmäßigen Angriff beruhen mußte, errichtete er ein befestigtes Lager über einer Brücke auf dem Wege, den allein der von Vittoria heranziehende Feind benutzen konnte.

Um die Mitte Juni’s verließ Espartero diese Stadt mit 20000 Mann, von einem zahlreichen Belagerungs-Train begleitet; mit fast 14000 Mann stellte Guergué sich ihm gegenüber. Aber, o Staunen! er ließ das ganz unangreifbare, den Zugang beherrschende Lager unbesetzt, ja er vernichtete nicht einmal die Brücken, wodurch der Transport der Artillerie unendlich erschwert wäre; dagegen nahm er eine Stellung zur Seite der Festung in den Gebirgen. Espartero zog daher bequem heran, da er kein Hinderniß und die Wege im besten Zustande fand, bemächtigte sich mit Leichtigkeit eines kleinen dominirenden Forts, für Infanterie-Feuer eingerichtet, etablirte seine Batterien und begann mit Nachdruck die Beschießung der Stadt, die übrigens auf Befehl des Generals — der keine längere Belagerung erwartete oder, da ja die Verbindung mit der Armee, so lange sie ihre Stellung inne hatte, offen blieb, nicht mehr Munition aussetzen wollte — nur auf drei Tage mit Schießbedarf versehen war.

Am 27. Juli nach zweitägigem, ununterbrochenem Feuer war die Bresche im Begriff practicabel zu werden, auch empfand die Garnison schon Mangel an Munition, weshalb Guergué, durch einen Adjudanten stündlich von der Lage der Dinge unterrichtet, den Angriff auf die feindliche Armee beschloß, welche den Sturm für die kommende Nacht vorbereitete. Der Kampf wogte hin und her, aber um Mittag hatte die carlistische Armee den Feind auf allen Seiten zurückgedrängt. Die Besatzung der Stadt jubelte, und Guergué hielt selbst den Sieg für entschieden, wiewohl Espartero stets in vollkommener Ordnung einen Flintenschuß entfernt stand; daher befahl er den Bataillonen, während der glühenden Hitze zu ruhen und ihre Rationen rasch zuzubereiten, während ein einziges Bataillon von Navarra dem Feinde gegenüber zur Beobachtung stehen blieb; am Nachmittage sollte der Angriff fortgesetzt, der schon unzweifelhafte Sieg vollendet werden. Espartero benutzte diese Sorglosigkeit, vereinigte seine ganze Cavallerie, stellte sich selbst an die Spitze der Husaren,[45] warf im glänzenden Choc das Bataillon von Navarra über den Haufen und stürzte auf die kaum von ihren Kochtöpfen verwirrt sich aufraffenden Carlisten. Die Husaren von Arlaban suchten den Sturm aufzuhalten und chargirten mehrmals mit Glanz, wurden aber nach hartnäckigem Widerstande ganz zusammengehauen; in einer halben Stunde war die so eben noch siegreiche Armee zerstreut und floh in wilder Auflösung.

Der Feind nahm fast die ganze Artillerie der Carlisten, von der Espartero mehrere in den Fabriken der Provinzen verfertigte Geschütze wegen ihrer besondern Schönheit als Merkwürdigkeit nach Madrid sandte, auch machte er eine bedeutende Zahl Gefangener. Am Nachmittage zog er in Peñacerrada ein, da die Garnison, so wie sie die deckende Armee auf der Flucht und die Christinos im Begriff sah, ganz die Festung einzuschließen, ohne Mittel zu längerer Vertheidigung sie verließ und in die Gebirge sich rettete. Der moralische Eindruck dieses Sieges war außerordentlich: gewiß ist er der größte und wichtigste, den Espartero mit den Waffen in der Hand je errungen hat, und Muthlosigkeit verbreitete sich bei der Nachricht des Geschehenen durch die Provinzen. Drei Tage später ward Guergué, als General en Chef ganz untauglich, des Oberbefehls enthoben.

[41] La Mancha umfaßt die Provinzen Toledo und Ciudad Real, beide zu Neu-Castilien gehörend.

[42] Tallada nahm kurz vor seiner Bereinigung mit Don Basilio einige Compagnien der königlichen Garde gefangen, und ließ die Officiere derselben trotz der zugestandenen Capitulation niedrig ermorden — aus Habsucht. Seit dem Augenblicke dieser Schandthat wich alle Energie, die vorher ihn ausgezeichnet hatte, von ihm, und ein furchtsames Schwanken und Geistesabwesenheit lähmten seine Talente, wie er denn von Unglück zu Unglück dem schnellen Untergange zueilte.

[43] Jedes bedeutende Dorf in der Mancha war zum Schutze gegen die Banden befestigt.

[44] Da die Züge Merino’s, deren Résumé Abmarsch, Aufenthalt in den Wäldern und Vernichtung ist, keine nähere Erörterung verdienen, erwähne ich ihrer hier kurz. Eine unbegreifliche Verblendung ließ diesen Greis, der längst sich überlebt hatte und dessen Ruhm seine Thaten weit überragt, in dem Jahre 1838 mehrfach zum Anführer kleiner Corps bestimmen, die er denn auch so trefflich zu handhaben wußte, daß er jedes Mal ganz ohne Truppen zurückkam. Es scheint wahrlich, daß es damals den Heerführern der Basken nur darauf ankam, der Castilianer sich zu entledigen, gleichviel auf welche Art. — Merino hatte zu seiner Zeit nur Cavallerie geführt und hatte gar keinen Begriff von der Infanterie; doch gab man stets ihm solche. Er verließ die Provinzen mit zwei Bataillonen, verlor sie, entkam nach Aragon, nahm dort das Commando der Castilianer-Bataillone, die von Zariategui dorthin sich gerettet hatten, zog, nachdem er der Belagerung von Morella beigewohnt, gegen Cabrera’s Willen — auf höheren Befehl — damit aus, verlor sie, kehrte nach Navarra zurück, erhielt neue drei Bataillone und verlor sie wieder in Castilien. Von da an blieb er unthätig. Es ist bekannt, wie der Gram ihn tödtete, da er bei Maroto’s Verrath im verhaßten Franzosenlande Zuflucht suchen mußte.

[45] Espartero soll persönlich sehr brav sein und zeigt dieses gern, indem er sich an die Spitze seiner angreifenden Escadrone stellt. Doch erzählten mir christinosche Officiere, welche bei jenem Angriffe sich befanden, daß Espartero, da die Husaren von Arleban mit Festigkeit chargirten, schweigend sein Pferd wandte und von der Tete zu der Queue der Colonne ritt.