Ankunft Baldearg O’Donnel’s in Limerick.
Während dieser Operation wurde die englische Armee durch einen Vorfall in Staunen und Heiterkeit versetzt, der zwar keine sehr erheblichen Folgen hatte, aber auf das Treffendste das wahre Wesen des irischen Jakobitismus characterisirt. In der ersten Reihe der vornehmen celtischen Familien, welche bis zu Ende der Regierung Elisabeth’s in Ulster den Ton angaben, standen die O’Donnel. Das Oberhaupt dieses Hauses hatte sich der Gewandtheit und Energie Mountjoy’s gefügt, hatte Jakob I. die Hand geküßt und sich dazu bequemt die rohe Unabhängigkeit eines Miniaturfürsten mit einer sehr angesehenen Stellung unter den britischen Unterthanen zu vertauschen. Eine kurze Zeit lang bekleidete der besiegte Häuptling den Rang eines Earls und war Gutsherr einer ungeheuren Besitzung, deren Souverain, er einst gewesen. Bald aber begann er zu argwöhnen, daß die Regierung gegen ihn conspirire, und aus Rache oder Nothwehr conspirirte er gegen die Regierung. Seine Pläne scheiterten, er flüchtete auf den Continent, sein Titel und seine Güter wurden eingezogen und auf dem Gebiete, das er beherrscht hatte, ward eine angelsächsische Colonie gegründet. Inzwischen suchte er am spanischen Hofe eine Freistätte. Zwischen diesem Hofe und den eingebornen Irländern hatte während des langen Kampfes zwischen Philipp und Elisabeth ein freundschaftliches Verhältniß bestanden. Der verbannte Häuptling wurde daher in Madrid als ein vor seinen ketzerischen Verfolgern geflohener guter Katholik in Madrid freundlich aufgenommen. Seine vornehme Abkunft und sein fürstlicher Rang, die den Engländern lächerlich erschienen, sicherte ihm die Achtung der castilischen Granden. Seine Ehren und Würden erbte eine Reihenfolge verbannter Nachkommen, welche fern von dem Lande lebten und starben, wo das Gedächtniß seiner Familie bei dem rauhen Landvolke in Liebe bewahrt und durch die Lieder der Minstrels und die Erzählungen der Bettelmönche aufgefrischt wurde. Endlich, im dreiundachtzigsten Jahre der Verbannung dieser alten Dynastie wurde es in ganz Europa bekannt, daß die Irländer wieder für ihre Unabhängigkeit kämpften. Baldearg O’Donnel, der sich „der O’Donnel” nannte, ein in den Augen seines Geschlechts viel vornehmerer Titel als der eines Marquis oder eines Herzogs, war in Spanien aufgewachsen und stand im Dienste der spanischen Regierung. Er suchte bei dieser Regierung um die Erlaubniß nach, sich nach Irland zu begeben, die ihm aber verweigert wurde, weil das Haus Oesterreich jetzt durch enge Bande mit England verknüpft war. Der O’Donnel entwich daher heimlich und gelangte auf einem weiten Umwege, auf dem er die Türkei besuchte, nach Kinsale, wenige Tage nachdem Jakob von dort nach Frankreich abgesegelt war. Der Eindruck, den die Ankunft dieses einsamen Wanderers auf die eingeborne Bevölkerung machte, war wunderbar. Seit der Wiedereroberung Ulster’s durch die Engländer waren große Massen der irischen Bewohner dieser Provinz nach dem Süden ausgewandert und führten jetzt in Connaught und Munster ein nomadisirendes Leben. Diese Leute, von Kindheit auf daran gewöhnt, von der guten alten Zeit erzählen zu hören, wo der O’Donnel durch den Nachfolger St. Columban’s auf den Felsen von Kilmacrenan feierlich eingesetzt, den Fremden des sächsischen Gebiets zum Trotz über die Gebirge von Donegal regiert hatte, schlossen sich dem Banner des zurückgekehrten Verbannten an. Er stand bald an der Spitze von sieben- bis achttausend Rapparees oder Creaghts, wie sie in Ulster genannt wurden, und seine Anhänger hielten zu ihm mit einer Hingebung, welche auffallend mit dem lauen Gefühle contrastirte, das der sächsische König Jakob einzuflößen vermocht hatte. Priester und sogar Bischöfe sah man in dem Gefolge des Abenteurers. Der ihm zu Theil gewordene Empfang machte ihn so stolz, daß er Agenten nach Frankreich schickte, welche den Ministern Ludwig’s versicherten, daß der O’Donnel, wenn man ihm Waffen und Munition lieferte, dreißigtausend Celten aus Ulster ins Feld stellen würde und daß die Celten von Ulster in allen militärischen Eigenschaften denen von Leinster, Munster und Connaught bei weitem überlegen seien. Baldearg bediente sich keines Ausdrucks, welcher verrathen hätte, daß er sich als einen Unterthan betrachtete. Er war offenbar der Meinung, das Haus O’Donnel sei eben so ächt und unveräußerlich königlich wie das Haus Stuart, und nicht wenige von seinen Landsleuten waren der nämlichen Ansicht. Er hielt einen pomphaften Einzug in Limerick und sein Erscheinen steigerte die Hoffnungen der dortigen Besatzung auf eine unglaubliche Höhe. Man erinnerte sich zahlreicher Prophezeiungen oder erfand solche. Ein O’Donnel mit einem rothen Maale sollte der Befreier seines Vaterlandes werden, und der Name Baldearg bedeutete ein rothes Maal. Ein O’Donnel sollte bei Limerick eine große Schlacht über die Engländer gewinnen, und der O’Donnel stand jetzt in Limerick den Engländern gegenüber.[78]