Der Herzog von Savoyen schließt sich der Coalition an.
Dies war Victor Amadeus Herzog von Savoyen. Er war noch jung, aber schon wohl erfahren in den Künsten, in denen sich die Staatsmänner Italiens seit dem 13. Jahrhunderte stets ausgezeichnet hatten, den Künsten, durch welche Castruccio Castracani und Franz Sforza zu Macht und Ansehen gelangten und welche Macchiavel in ein System brachte. Kein Souverain im modernen Europa hat mit einem so kleinen Ländchen während eines so langen Zeitraums einen so großen Einfluß ausgeübt. Mit einem Anschein von Freudigkeit, aber mit geheimem Widerwillen und Groll hatte er sich eine Weile dem französischen Einflusse gefügt. Als der Krieg ausbrach, erklärte er sich für neutral, knüpfte aber in der Stille Unterhandlungen mit dem Hause Oesterreich an. Wahrscheinlich würde er sich noch lange verstellt haben, bis sich ihm eine Gelegenheit dargeboten hatte, einen unerwarteten Schlag zu führen, wären seine schlauen Pläne nicht durch Ludwig’s Entschiedenheit und Energie vereitelt worden. Ein französisches Armeecorps unter den Befehlen Catinat’s, eines Offiziers von großem Talent und Muth, rückte in Piemont ein. Der Herzog erfuhr, daß sein Verhalten Verdacht erweckt habe, den er nur durch Zulassung fremder Besatzungen in Turin und Vercelli beseitigen könne. Er überzeugte sich, daß er entweder der Sklave oder der offene Feind seines mächtigen und herrschsüchtigen Nachbars sein mußte. Seine Wahl war bald getroffen, und es begann ein Krieg, der sieben Jahre lang einige der besten Generäle und besten Truppen Ludwig’s beschäftigte. Ein außerordentlicher Gesandter Savoyen’s begab sich nach dem Haag, ging von da nach London, überreichte im Bankethause seine Accreditive und hielt an Wilhelm eine Anrede, welche sofort in mehrere Sprachen übersetzt und in allen Theilen Europa’s gelesen wurde. Der Redner wünschte dem Könige Glück zu dem Gelingen des großen Unternehmens, welches England seine frühere Stellung unter den Nationen wiederverschafft und Europa aus seinen Ketten befreit habe. „Daß mein Gebieter,” sagte er, „es endlich wagen darf, Gesinnungen auszusprechen, die er seit langer Zeit in den Tiefen seines Herzens verbarg, ist ein Theil der Schuld, die er Eurer Majestät abzutragen hat. Sie haben ihm, nach so vielen Jahren der Knechtschaft, mit der Hoffnung auf Freiheit beseelt.”[119]
Es war beschlossen worden, daß im Laufe des herannahenden Winters ein Congreß sämmtlicher Frankreich feindlich gesinnten Mächte im Haag gehalten werden sollte. Wilhelm konnte es kaum erwarten, sich dahin zu begeben. Aber er mußte zuvor eine Parlamentssession halten. Anfang October versammelten sich die beiden Häuser wieder in Westminster. Die Mitglieder waren durchgehends in guter Stimmung gekommen. Diejenigen Tories welche überhaupt zu gewinnen waren, waren durch die Begnadigungsacte und durch den großen Antheil, den sie von den Gunstbezeigungen der Krone erhalten hatten, gewonnen worden. Diejenigen Whigs, welche überhaupt für Lehren empfänglich waren, hatten aus der Lection, welche Wilhelm ihnen gegeben, viel gelernt, und erwarteten nicht mehr, daß er vom Range eines Königs zu dem eines Parteiführers herabsteigen werde. Whigs wie Tories waren mit wenigen Ausnahmen durch die Aussicht auf eine französische Invasion beunruhigt und durch die Nachricht von dem Siege am Boyne erfreut worden. Der Souverain, der für ihre Nation und ihre Religion sein Blut vergossen hatte, stand in diesem Augenblicke in der öffentlichen Achtung höher als zu irgend einer Zeit seit seiner Thronbesteigung. Seine Thronrede erzwang sich den lauten Beifall der Lords und der Gemeinen.[120] Beide Häuser votirten dem Könige für seine Thaten in Irland und der Königin für die Umsicht, mit der sie während seiner Abwesenheit England regiert hatte, ihren Dank.[121] So begann eine Session, die sich unter den Sessionen dieser Regierung durch Eintracht und Ruhe auszeichnete. Es ist kein Bericht über die Debatten auf uns gekommen, man müßte denn ein längst vergessenes Libell, in welchem einige von den am ersten Tage gehaltenen Reden in Knittelversen persiflirt werden, einen Bericht nennen.[122]