Zusammentritt der Generalversammlung der schottischen Kirche.

Wilhelm war jedoch fest entschlossen es nicht zuzugeben, daß die herrschende Religionspartei ihre Verfolgungsgelüste befriedigte und er nahm sehr bald Gelegenheit, diesen seinen Entschluß kund zu thun. Die erste Generalversammlung der neueingeführten Landeskirche fand bald nach seiner Zurückkunft aus Irland statt. Es war nothwendig, daß er einen Commissar ernannte und ein Handschreiben erließ. Einige eifrige Presbyterianer hofften, daß Crawford dieser Commissar werden würde, und die edinburger Geistlichen veröffentlichten eine Schrift, in der sie sehr verständlich andeuteten, daß dies ihr Wunsch sei. Wilhelm wählte jedoch Lord Carmichael, einen Edelmann, der sich durch Einsicht, Humanität und Mäßigung auszeichnete.[116] Das königliche Schreiben an die Versammlung war höchst verständigen Inhalts und in sehr eindringlicher Sprache abgefaßt. „Wir hoffen,” schrieb der König, „Ihr Benehmen wird von der Art sein, daß wir keine Ursache haben zu bereuen was wir gethan. Wir konnten nie der Meinung sein, daß Gewaltthätigkeit der Ausbreitung wahrer Religiosität förderlich sei; auch haben wir nicht die Absicht, unsre Autorität jemals zum Werkzeuge der zügellosen Leidenschaften irgend einer Partei werden zu lassen. Mäßigung ist es was die Religion vorschreibt, was die Nebenkirchen von Ihnen erwarten und was wir Ihnen anempfehlen.” Die Sechzig und ihre Genossen würden wahrscheinlich gern in einer Sprache geantwortet haben, ähnlich derjenigen, welche, wie einige von ihnen sich noch recht wohl erinnern konnten, der Klerus gegen Karl II. während seines Aufenthalts in Schottland geführt hatte. Aber sie hatten eben erst erfahren, daß man in England entschieden für die gemißhandelten Curaten eingenommen sei und daß es unter solchen Umständen von einer Körperschaft, welche die presbyterianische Kirche repräsentirte, Wahnsinn gewesen sein würde, sich mit dem Könige zu verfeinden.[117] Die Versammlung gab daher eine dankende und ehrerbietige Antwort auf das königliche Schreiben und versicherte Sr. Majestät, daß sie zu viel von Unterdrückung gelitten hätten, um jemals Unterdrücker werden zu können.[118]

Lage der Dinge auf dem Continent.

Unterdessen bezogen die Truppen auf dem ganzen Kontinent ihre Winterquartiere. Der Feldzug war überall unentschieden geblieben. Der Sieg, den Luxemburg bei Fleurus erfochten, hatte keinen erheblichen Eindruck gemacht. Am Oberrheine hatten große Armeen einander Monate lang gegenüber gestanden, ohne einen Schlag zu thun. In Catalonien waren einige kleine Festungen genommen worden. Im Osten Europa’s waren auf einigen Punkten die Türken, auf anderen die Christen siegreich gewesen, und das Ende des Kampfes schien ferner zu sein als je. Die Coalition hatte im Laufe des Jahres ein werthvolles Mitglied verloren, und ein andres gewonnen. Der Herzog von Lothringen, der geschickteste Feldherr in kaiserlichen Diensten, war nicht mehr. Er war gestorben, wie er gelebt hatte: als ein umherirrender Verbannter, und hatte seinen Kindern nichts als seinen Namen und seine Rechte hinterlassen. Man pflegte zu sagen, die Coalition hätte eher dreißigtausend Soldaten entbehren können als einen solchen General. Doch die verbündeten Hofe hatten kaum Trauer um ihn angelegt, als sie durch die Nachricht getröstet wurden, daß ein andrer Prinz, an Macht ihm überlegen und weder an Feldherrntalent noch an Muth ihm nachstehend, dem Bunde gegen Frankreich beigetreten sei.