Die Jakobiten von Fuller verrathen.
Der interessanteste unter diesen zweifachen Verräthern war Wilhelm Fuller. Dieser Mann hat uns selbst erzählt, daß ihm in seiner Kindheit ein Buch in die Hände gefallen sei, das eine Beschreibung des verbrecherischen Lebens und des entsetzlichen Todes Dangerfield’s enthielt. Die Phantasie des Knaben wurde dadurch erhitzt; er verschlang das Buch und lernte es fast auswendig; eine seltsame Ahnung stieg in ihm auf und verfolgte ihn seitdem beständig, daß sein Schicksal dem des schändlichen Abenteurers gleichen werde, dessen Geschichte er so eifrig gelesen hatte.[125] Man hätte meinen sollen, daß die Aussicht, mit zerfleischtem Rücken und ausgeschlagenem Auge in Newgate zu sterben, eben nicht viel Lockendes gehabt haben könnte; allein die Erfahrung lehrt, daß es überspannte Köpfe giebt, für welche eine gewisse Berühmtheit, selbst wenn sie mit Schmerz und Schande begleitet ist, einen unwiderstehlichen Reiz hat. Von diesem verwerflichen Ehrgeize beseelt, erreichte Fuller sein Vorbild und übertraf es vielleicht noch. Er war im römisch-katholischen Glauben erzogen und war Page bei Lady Melfort gewesen, als Lady Melfort als eine der schönsten Frauen im Hofstaate Mariens von Modena in Whitehall glänzte. Nach der Revolution begleitete er seine Gebieterin nach Frankreich, wurde wiederholt zu delikaten und gefährlichen Aufträgen verwendet und galt in Saint-Germains für einen treuen Diener des Hauses Stuart. In Wirklichkeit aber hatte er sich auf einer seiner Reisen nach London der neuen Regierung verkauft und den Glauben abgeschworen, in welchem er erzogen war. Die Ehre, wenn man es so nennen darf, aus einem werthlosen Papisten einen werthlosen Protestanten aus ihm gemacht zu haben, schrieb er mit characteristischer Unverschämtheit der klaren Logik und dem tadellosen Wandel Tillotson’s zu.
Im Frühjahr 1690 wünschte Marie von Modena ihren Correspondenten in London einige sehr wichtige Depeschen zukommen zu lassen. Da diese Depeschen zu voluminös waren um in den Kleidern eines einzelnen Boten verborgen werden zu können, mußte man sich zweier Vertrauten bedienen. Der Eine war Fuller, der Andre war ein eifriger junger Jakobit, Namens Crone. Vor ihrer Abreise erhielten sie noch genaue Instructionen von der Königin selbst. Bei einer gewöhnlichen Untersuchung war an ihnen kein Schnitzchen Papier zu entdecken; aber ihre Knöpfe enthielten mit unsichtbarer Tinte geschriebene Briefe.
Das Paar reiste nach Calais. Der Gouverneur dieser Stadt lieferte ihnen ein Boot, das sie unter dem Schutze der Nacht an der flachen und sumpfigen Küste von Kent unweit des Leuchtthurmes von Dungeneß absetzte. Von hier gingen sie nach einer Meierei, verschafften sich Pferde und schlugen verschiedene Wege nach London ein. Fuller eilte nach Schloß Kensington und überreichte dem Könige die ihm anvertrauten Papiere. Der erste Brief, den Wilhelm entfaltete, schien nur überschwengliche Complimente zu enthalten; aber es wurden Holzkohlen angezündet und eine den damaligen Diplomaten wohlbekannte Flüssigkeit auf das Papier gebracht; das Zimmer füllte sich mit einem übelriechenden Dampfe und Zeilen sehr ernsten Inhalts begannen sichtbar zu werden.