Crone verhaftet.
Die Hauptsache war jetzt vor Allem, daß man Crone’s habhaft zu werden suchte. Unglücklicherweise hatte er Zeit gehabt, seine Briefe abzugeben, bevor er festgenommen wurde; aber man hatte ihm eine Schlinge gelegt, in die er leicht ging. Die aufrichtigen Jakobiten waren im Allgemeinen sehr unzuverlässige Verschwörer; es gab unter ihnen eine ungewöhnlich große Anzahl Dummköpfe, Prahler und Schwätzer, und dazu gehörte auch Crone. Wäre er klug und vorsichtig gewesen, so würde er öffentliche Orte gemieden, seine Zunge streng bewacht und sich bei Tische mit einer Flasche begnügt haben. Anstatt dessen sahen die Agenten der Regierung, wie er an einer Wirthshaustafel in Gracechurch Street auf die Gesundheit König Jakob’s trank und bombastisch von der kommenden Restauration, von der französischen Flotte und den Tausenden rechtschaffener Engländer sprach, welche nur das Zeichen erwarteten, um sich für ihren rechtmäßigen Souverain bewaffnet zu erheben. Er wurde in das Sekretariatsbureau nach Whitehall gebracht. Anfangs schien er ganz ruhig und unbefangen zu sein; als er aber unter den Umstehenden Fuller in Freiheit und elegant gekleidet, mit einem Degen an der Seite erblickte, sank dem Gefangenen der Muth und er war kaum im Stande ein Wort hervorzubringen.[126]
Die Nachricht, daß Fuller als Königszeuge aufgetreten, Crone verhaftet und Wilhelm wichtige Briefe aus Saint-Germains in die Hände gefallen seien, flog rasch durch ganz London und verbreitete Schrecken unter Allen, die sich schuldig fühlten.[127] Allerdings war die Aussage eines Zeugen, wäre dieser Zeuge auch ein achtbarerer Mann als Fuller gewesen, gesetzlich nicht hinreichend, um Jemanden des Hochverraths zu überführen. Aber Fuller hatte die Sache so einzurichten gewußt, daß mehrere Zeugen vorgeführt werden konnten, die seine Aussage gegen Crone bestärkten, und wenn Crone in der Todesangst Fuller’s Beispiel nachahmte, so fielen die Köpfe der Oberhäupter der Verschwörung in die Gewalt der Regierung. Der Muth der Jakobiten wuchs jedoch, als sie erfuhren, daß Crone, obgleich zu wiederholten Malen von Denen verhört, die ihn in ihrer Gewalt hatten, und obgleich überzeugt, daß nichts als ein offenes Geständniß ihm das Leben retten konnte, ein entschlossenes Stillschweigen bewahrt habe. Welchen Eindruck eine Verurtheilung und die nahe Aussicht des Todes auf ihn machen würde, stand noch zu erwarten. Seinen Complicen war durchaus nichts daran gelegen, daß seine Standhaftigkeit auf eine so harte Probe gestellt werde, und sie wendeten daher eine Menge erlaubter und unerlaubter Kunstgriffe an, um eine Ueberführung zu hintertreiben. Eine Frau, Namens Clifford, bei der er gewohnt hatte und die einer der thätigsten und schlauesten Agenten der jakobitischen Partei war, wurde mit dem Geschäft betraut, ihn standhaft zu erhalten und ihm Dienste zu leisten, vor denen skrupulöse oder ängstliche Agenten zurückgeschreckt sein würden. Als der gefürchtete Tag kam, war Fuller zu unwohl, um in der Zeugenloge zu erscheinen und die Sitzung wurde daher verschoben. Er behauptete, daß seine Krankheit keine natürliche sei, daß man ihm in einer Speise etwas Schädliches beigebracht habe, daß seine Nägel sich entfärbt hätten, daß ihm die Haare ausfielen und daß geschickte Aerzte ihn für vergiftet erklärten. Aber solche Geschichten müssen, selbst wenn sie sich auf eine bessere Autorität als auf die eines Fuller gründen, stets mit großem Mißtrauen aufgenommen werden.
Während Crone seiner Untersuchung entgegensah, wurde auf dem Wege zwischen Dover und London ein zweiter Agent des Hofes von Saint-Germains, Namens Tempest, verhaftet, und er erwies sich als der Ueberbringer zahlreicher Briefe an Mißvergnügte in England.[128] Es stellte sich mit jedem Tage klarer heraus, daß der Staat von Gefahren umgeben war, und doch war es durchaus nothwendig, daß das geschickte und entschlossene Staatsoberhaupt in diesem kritischen Augenblicke seinen Posten verließ.