Erbitterung der Whigs gegen Caermarthen.

Es gab noch einen Gegenstand, über den von keinem der beiden Häuser ein Beschluß gefaßt wurde, über den aber sehr wahrscheinlich in beiden eine lebhafte Discussion stattfand. Waren auch die Whigs minder heftig als im vorhergehenden Jahre, so konnten sie es doch nicht geduldig mit ansehen, wie Caermarthen so nahe daran war Premierminister zu sein, als es ein englischer Unterthan unter einem Fürsten von Wilhelm’s Character überhaupt sein konnte. Obgleich Niemand eine hervorragendere Stelle in der Revolution gespielt, und obgleich Niemand von einer Contrerevolution mehr zu fürchten hatte als der Lord Präsident, konnten doch seine alten Feinde nicht glauben, daß er im Herzen den Willkürdoctrinen entsagt habe, denen er einst eifrig angehangen, oder daß er einer aus dem Widerstande hervorgegangenen Regierung wirklich treu sein könne. Während der letzten Hälfte des Jahres 1690 wurde er in Spottliedern arg mitgenommen. Bald war er König Thomas, bald Tom der Tyrann.[130] Man beschwor Wilhelm, nicht nach dem Kontinent zu gehen und seinen schlimmsten Feind als Rathgeber der Königin zurückzulassen. Halifax, den die Whigs im vorhergehenden Jahre ungroßmüthig und undankbar verfolgt hatten, wurde jetzt mit Achtung und Bedauern von ihnen genannt, denn er war der Feind ihres Feindes.[131] Das Gesicht, die Gestalt, die körperlichen Gebrechen Caermarthen’s wurden lächerlich gemacht.[132] Der Verkehr mit dem französischen Hofe, in den er vor zwölf Jahren mehr durch sein Unglück als durch eigne Schuld verwickelt worden war, wurde in den schwärzesten Farben geschildert. Sein Anklageprozeß und seine Gefangenschaft wurden ihm vorgeworfen. Einmal sei er glücklich davon gekommen; aber die Rache könne ihn immer noch ereilen und London das lange hinausgeschobene Vergnügen genießen, den alten Verräther an dem blauen Bande, das er entehre, von der Leiter gestoßen zu sehen. Sämmtliche Mitglieder seiner Familie, Gattin, Sohn und Töchter, wurden mit wüthenden Schmähungen und beleidigenden Sarkasmen überhäuft.[133] Jeder, von dem man vermuthete, daß er durch politische Bande an ihn geknüpft war, erhielt seinen Theil von diesen Schmähungen, und Niemand wurde reichlicher bedacht als Lowther. Die Gesinnung, die sich in diesen Satyren aussprach, war unter den Whigs im Parlamente stark vertreten. Mehrere von ihnen beriethen sich über einen Angriffsplan und waren der Hoffnung, daß es ihnen gelingen werde, einen Sturm heraufzubeschwören, der es ihm unmöglich machte, an der Spitze der Geschäfte zu bleiben. Sein Einfluß im königlichen Cabinet scheint damals nicht mehr so groß gewesen zu sein, als er früher war. Godolphin, den er nicht liebte und über den er keine Gewalt hatte, dessen finanziellen Kenntnisse aber während des Sommers schmerzlich vermißt worden waren, kehrte wieder ins Schatzamt zurück und wurde zum ersten Commissar ernannt. Lowther, die rechte Hand des Lord Präsidenten, saß zwar noch im Collegium, führte aber nicht mehr den Vorsitz darin. Allerdings war damals kein solcher Unterschied zwischen dem ersten Lord und seinen Collegen als jetzt. Doch war die Aenderung immerhin wichtig und bezeichnend. Marlborough, dem Caermarthen ebenfalls nicht gewogen war, genoß in militärischen Angelegenheiten nicht weniger Vertrauen als Godolphin in finanziellen Dingen. Die Siegel, welche Shrewsbury im Sommer abgegeben hatte, lagen seitdem in Wilhelm’s geheimem Schubfache. Der Lordpräsident erwartete wahrscheinlich zu Rathe gezogen zu werden, ehe sie vergeben wurden; allein er sah sich in dieser Erwartung getäuscht. Man ließ Sidney aus Irland kommen und ihm wurden die Siegel übergeben. Die erste Anzeige, welche der Lordpräsident von dieser wichtigen Ernennung erhielt, erfolgte nicht in einer Weise, welche geeignet gewesen wäre, seine Gefühle zu besänftigen. „Begegneten Sie dem neuen Staatssekretär, als er fortging?” fragte Wilhelm. „Nein, Sire,” antwortete der Lordpräsident, „ich begegnete Niemandem als Mylord Sidney.” — „Er ist der neue Sekretär,” sagte Wilhelm. „Er wird genügen, bis ich einen geeigneten Mann finde, und sobald ich einen solchen Mann finde, wird er bereit sein zu resigniren. Jeder Andre, den ich ernennen könnte, würde sich beleidigt halten, wenn ich ihn wieder entfernen wollte.” Hätte Wilhelm Alles gesagt was er dachte, so würde er wahrscheinlich hinzugesetzt haben, daß Sidney zwar kein großer Redner oder Staatsmann, wohl aber einer von den wenigen englischen Politikern war, auf die man sich eben so fest verlassen konnte, wie auf Bentinck oder Zulestein. Caermarthen vernahm die Mittheilung mit einem bitteren Lächeln. Es sei etwas Neues, sagte er später, einen Edelmann in das Sekretariat gesetzt zu sehen, wie man einen Bedienten in eine Theaterloge setze, nur um einen Platz so lange einzunehmen, bis man einen Besseren gefunden habe. Doch hinter diesem Scherze verbarg sich eine ernste Kränkung und Besorgniß. Die Stellung des Premierministers war unangenehm und selbst gefährlich, und die Dauer seiner Macht würde wahrscheinlich kurz gewesen sein, hätte das Glück ihm nicht gerade in diesem Augenblicke die Mittel in die Hand gegeben, seine Gegner durch einen wichtigen Dienst, den er dem Staate leistete, zu beschämen.[134]