Torrington’s Prozeß und Freisprechung.
Zu Anfang Decembers wurde Torrington unter Eskorte den Strom hinab nach Sheerneß geschickt. Hier versammelte sich das Kriegsgericht an Bord einer Fregatte, der Kent genannt. Die Untersuchung dauerte drei Tage, und während dieser drei Tage war die Aufregung in London groß. An der Börse, in den Kaffeehäusern und selbst an den Kirchthüren hörte man von nichts als von Torrington sprechen. Alle Parteien waren heftig aufgeregt, es wurden ungeheure Wetten gemacht, jede Stunde kamen Gerüchte zu Lande oder zu Wasser, und jedes Gerücht wurde unterwegs übertrieben oder entstellt. Von dem Tage, an welchem die Nachricht von der schimpflichen Schlacht eintraf, bis zum Vorabende der Prozeßverhandlung war die öffentliche Meinung dem Gefangenen sehr ungünstig gewesen. Gleichzeitige Pamphletisten erzählen uns, daß sein Name fast nie ohne eine Verwünschung genannt wurde. Als aber der Augenblick, in welchem sein Schicksal sich entscheiden sollte, heranrückte, trat eine Reaction ein, wie dies in unsrem Lande sehr häufig geschieht. Man erinnerte sich aller seiner Verdienste, seines Muthes, seiner Gutherzigkeit, seiner treuen Anhänglichkeit an den protestantischen Glauben in den schlimmen Zeiten. Daß er in Trägheit und Genußsucht versunken war, daß er um seiner Vergnügungen willen das wichtigste Geschäft vernachlässigte und daß er einem Zechgenossen oder einer Maitresse nichts abschlagen konnte, war unmöglich zu leugnen; aber man fand Entschuldigungen und milde Bezeichnungen für diese Fehler. Seine Freunde wendeten ohne Bedenken alle Mittel an, welche ein Nationalgefühl zu seinen Gunsten erwecken konnten, und ihre Bemühungen erhielten eine mächtige Stütze durch die Nachricht, daß der Haß, den man in Holland gegen ihn empfand, sich in Unanständigkeiten gegen einige seiner Landsleute Luft gemacht habe. Das allgemeine Geschrei war, ein tapferer, lebenslustiger, freigebiger englischer Gentleman, dem man nichts Schlimmeres nachsagen könne als daß er Wein und Weiber liebte, sollte erschossen werden, um den Rachedurst der Holländer zu stillen. Der Verlauf des Prozesses war ganz geeignet, das Volk in dieser Ansicht zu bestärken. Die meisten Zeugen, welche gegen den Gefangenen auftraten, waren holländische Offiziere. Der holländische Contreadmiral, der die Rolle des Anklägers übernahm, vergaß sich soweit, daß er die Richter der Parteilichkeit beschuldigte. Als endlich Torrington am Abend des dritten Tages für nicht schuldig erklärt wurde, schienen Viele, die noch vor kurzem sein Blut verlangt hatten, sich über seine Freisprechung zu freuen. Er kehrte frei und mit dem Degen an der Seite nach London zurück. Als er auf seiner Yacht die Themse hinauffuhr, salutirte ihm jedes Schiff, an dem er vorüberkam. Er nahm seinen Sitz im Hause der Lords ein und wagte es sogar, bei Hofe zu erscheinen. Aber die meisten Peers begegneten ihm mit Kälte, Wilhelm ließ ihn nicht vor sich und befahl ihn seines Dienstes zu entheben.[129]