Limerick wird von den Irländern allein vertheidigt.
Schließlich wurde ein Uebereinkommen getroffen. Lauzun und Tyrconnel zogen sich mit den französischen Truppen nach Galway zurück, und die Hauptmacht der eingebornen Armee, etwa zwanzigtausend Mann, blieb in Limerick. Das Obercommando wurde hier Boisseleau übertragen, der den Character der Irländer besser kannte und sie in Folge dessen günstiger beurtheilte als irgend einer ihrer Landsleute. Im Allgemeinen sprachen die französischen Offiziere von ihren Verbündeten mit grenzenloser Verachtung und Abscheu, wodurch sie sich bei ihnen ebenso verhaßt machten wie die Engländer.[73]
Lauzun und Tyrconnel waren kaum abgezogen, als die Vorhut von Wilhelm’s Armee sichtbar wurde. Bald kam der König selbst, von Auverquerque und Ginkell nebst einer Eskorte von dreihundert Reitern begleitet, herangeritten, um die Festungswerke in Augenschein zu nehmen. Die Stadt, damals die zweite in Irland, hat, obwohl weniger verändert, als die meisten anderen großen Städte auf den britischen Inseln, seitdem doch eine große Umgestaltung erfahren. Die Neustadt existirte damals noch nicht. Der Boden, der jetzt mit den schön gepflasterten breiten Straßen, den reizenden Gärten und den eleganten Läden bedeckt ist, welche von rothen Backsteinen glänzen und in deren Auslagen Shawls und Porzellanwaaren das Auge erfreuen, war damals eine außerhalb der Mauern liegende unbebaute Wiese. Die alte Stadt bestand aus zwei Theilen, welche seit mehreren Jahrhunderten die englische und die irische Stadt, genannt wurden. Die englische Stadt liegt auf einer vom Shannon gebildeten Insel und besteht aus einem Knäuel alterthümlicher Häuser mit Giebelenden, welche dicht zusammengedrängt eine ehrwürdige Kathedrale umgeben. Das Aussehen der Straßen ist von der Art, daß der Reisende der sie durchwandert, sich leicht in die Normandie oder nach Flandern versetzt glauben kann. Nicht weit von der Kathedrale blickt ein altes, von Unkraut und Epheu überwuchertes Schloß auf den Fluß hernieder. Ein schmaler und reißender Strom, über den im Jahre 1690 nur eine einzige Brücke führte, scheidet die englische Stadt von dem Stadttheile, den ehemals die Hütten der eingebornen Bevölkerung bedeckten. Die Aussicht vom Thurme der Kathedrale erstreckt sich jetzt meilenweit über ein großes Gebiet von Feldern und Gärten, durch das sich der größte der irischen Ströme zwischen künstlichen Ufern dahin schlängelt. Im 17. Jahrhundert aber waren diese Ufer noch nicht gebaut, und die weite Ebene, deren Gras, üppiger noch als selbst das von Munster, gegenwärtig Viehheerden der schönsten Art in Europa nährt, war damals fast beständig ein Sumpf und oft ein See.[74]
Als es bekannt wurde, daß die französischen Truppen Limerick verlassen hatten und daß nur die irischen zurückgeblieben waren, erwartete man im englischen Lager allgemein, daß die Stadt leicht zu nehmen sein werde.[75] Diese Erwartung war auch keine überspannte, denn selbst Sarsfield verzweifelte. Nur eine Möglichkeit gab es nach seiner Ansicht noch. Wilhelm hatte nur kleine Kanonen mitgebracht. Mehrere große Belagerungsgeschütze, eine große Menge Proviant und Munition und eine Brücke von zinnernen Booten, deren man in der wasserreichen Ebene des Shannon häufig bedurfte, folgten langsam von Cashel. Wenn die Kanonen und das Schießpulver weggenommen und vernichtet werden könnten, meinte Sarsfield, so dürfe man einige Hoffnung hegen. Wenn nicht, so sei Alles verloren, und ein tapferer, hochherziger irischer Gentleman könne dann nichts Besseres thun als das Vaterland, das er vergebens zu vertheidigen versucht habe, vergessen und in einem fremden Lande eine Heimath oder ein Grab suchen.