Acte zur Errichtung einer Landbank.

Die Landgentlemen würden vielleicht geneigter gewesen sein, wegen des Scheiterns ihrer Bill zu grollen, wären sie nicht durch eine andre Bill, die ihnen noch wichtiger dünkte, in gute Laune versetzt worden. Das Project einer Landbank war wieder angeregt worden, und zwar nicht in der Form, in der es zwei Jahre früher dem Hause der Gemeinen zur Erwägung unterbreitet worden war, sondern in einer den gesunden Verstand viel weniger beleidigenden und der Lächerlichkeit weniger ausgesetzten Form. Chamberlayne protestirte allerdings laut gegen jede Modification seines Planes und proklamirte mit unverminderter Zuversichtlichkeit, daß er alle seine Landsleute reich machen wolle, wenn sie ihn nur gewähren ließen. Er sei nicht der erste große Entdecker, sagte er, den Fürsten und Staatsmänner als einen Träumer betrachtet hätten. Heinrich VII. habe sich in einer bösen Stunde geweigert, Christoph Columbus anzuhören, und die Folge davon sei gewesen, daß England um die Bergwerke von Mexico und Peru gekommen sei. Und doch, was seien die Bergwerke von Mexico und Peru gegen die Reichthümer einer mit einem unbegrenzten Papiergelde gesegneten Nation? Aber die vereinte Kraft der Vernunftgründe und des Spottes hatte die einst zahlreiche Anhängerschaar Chamberlayne’s auf einen kleinen Kreis unverbesserlicher Thoren reducirt. Selbst von den Squires glaubten jetzt nur noch wenige an seine beiden großen Lehrsätze: den Lehrsatz, daß der Staat, indem er ein Bündel alter Lumpen zehn Millionen Pfund Sterling nenne, das Nationalvermögen um zehn Millionen Pfund Sterling vermehren, und den Lehrsatz, daß eine Abtretung von Grund und Boden auf eine bestimmte Anzahl Jahre vielmal so viel werth sein könne als der unbeschränkte Besitz. Dagegen waren die Landgentlemen noch immer allgemein der Ansicht, daß eine Bank, welche die specielle Bestimmung habe, auf Grundeigenthum Geld vorzustrecken, ein großer Segen für die Nation sein könne. Harley und der Sprecher Foley schlugen jetzt vor, eine solche Bank durch Parlamentsacte zu errichten, und versprachen, daß, wenn ihr Plan adoptirt würde, der König reichlich mit Geld für den nächsten Feldzug versehen sein sollte.

Die Whigführer, und namentlich Montague, sahen ein, daß der Plan eine Illusion sei, daß er sehr bald scheitern müsse und daß er möglicherweise vor seinem Untergange ihr Lieblingsinstitut, die Bank von England, ruiniren könne. In diesem Punkte aber hatten sie nicht nur die ganze Torypartei, sondern auch ihren Gebieter und viele ihrer Anhänger gegen sich. Die Bedürfnisse des Staats waren dringend und die Anerbietungen der Projectenmacher lockend. Die Bank von England hatte zum Dank für die ihr verliehene Concession dem Staate nur eine Million zu acht Procent vorgeschossen; die Landbank wollte über dritthalb Millionen zu sieben Procent vorschießen. Wilhelm, dem jetzt hauptsächlich darum zu thun war, sich Geld zur Deckung der Ausgaben des laufenden Jahres zu verschaffen, war eben nicht sehr geneigt, über eine Quelle zu mäkeln, aus der sich dritthalb Millionen schöpfen ließen. Sunderland, der seinen Einfluß sonst gewöhnlich zu Gunsten der Whigführer anwendete, wurde ihnen bei dieser Gelegenheit untreu. Die whiggistischen Landgentlemen freuten sich der Aussicht, ihre Viehstände ergänzen, ihre Keller füllen und ihre Töchter ausstatten zu können. Gegen eine solche Vereinigung von Streitkräften zu kämpfen, war unmöglich. Es wurde eine Bill angenommen, welche die Regierung ermächtigte, zwei Millionen fünfhundertvierundsechzigtausend Pfund zu sieben Procent aufzunehmen. Ein hauptsächlich durch eine neue Salzsteuer gebildeter Fond wurde zur Zahlung der Zinsen bestimmt. Wenn vor dem 1. August die Hälfte dieser Anleihe gezeichnet und die Hälfte der gezeichneten Summe in die Schatzkammer eingezahlt war, sollten die Unterzeichner eine Corporation mit den Namen Nationallandbank werden. Da diese Bank ausdrücklich dazu bestimmt war, den Landgentlemen unter die Arme zu greifen, so war es ihr streng verboten, auf andre Sicherheit als Landhypothek Geld auszuleihen, und ihr zur Pflicht gemacht, jährlich mindestens eine halbe Million auf Hypothek auszuleihen. Die Zinsen für diese halbe Million sollten bei vierteljährlichen Zahlungen nicht dreiundeinhalb Procent, bei halbjährlichen Zahlungen nicht vier Procent übersteigen. Der gebräuchliche Zinsfuß für die besten Hypotheken war damals sechs Procent. Die schlauen Beobachter bei der holländischen Gesandtschaft glaubten daher, daß die Kapitalisten sich jeder Betheiligung bei einem Geschäft, daß ihnen nothwendig Verlust bringen mußte, enthalten und daß die erforderliche Summe nicht zur Hälfte gezeichnet werden würde, und man sollte nicht glauben, daß ein Mensch von gesundem Verstande hätte anders denken können.[134]

Doch alle Vernunftgründe vermochten nichts gegen die allgemeine Verblendung. Die Tories prophezeiten triumphirend, die Bank Robert Harley’s werde die Bank Karl Montague’s völlig in den Schatten stellen. Die Bill ging in beiden Häusern durch. Am 27. April erhielt sie die königliche Sanction und unmittelbar darauf wurde das Parlament prorogirt.