Acte zur Errichtung von Schulen.
Das bei weitem wichtigste Ereigniß dieser kurzen Session war jedoch die Annahme einer Acte zur Errichtung von Schulen. Durch dieses denkwürdige Gesetz wurde, nach schottischer Ausdrucksweise, bestimmt und verordnet (statuted and ordained), daß jede Gemeinde im Lande für ein geräumiges Schulhaus sorgen und einen Lehrer mit mäßigem Gehalte anstellen sollte. Die Folgen dieses Gesetzes konnten natürlich nicht sogleich empfunden werden. Aber noch ehe ein Menschenalter verstrichen war, begann es sich unverkennbar zu zeigen, daß das gemeine Volk Schottland’s in der Intelligenz dem gemeinen Volke jedes andren Landes in Europa überlegen war. In welches Land der Schotte auch auswandern, welchem Berufe er sich widmen mochte, in Amerika oder in Indien, im Handel oder im Kriege, überall erhob ihn der Vortheil seiner ersten Schulbildung über seine Concurrenten. Wenn er als Ausläufer in ein Waarengeschäft aufgenommen ward, wurde er bald der erste unter seinen Collegen. Trat er in die Armee ein, so wurde er bald Sergeant. Zu gleicher Zeit machte Schottland, trotz seines sterilen Bodens und seines rauhen Klima’s, im Landbau, im Fabrikwesen, im Handel, in der Literatur, in den Wissenschaften, kurz in Allem was die Civilisation ausmacht, so bedeutende Fortschritte, wie die alte Welt sie nie gesehen und wie sie selbst in der neuen Welt kaum übertroffen worden sind.
Diese wunderbare Veränderung ist, wenn nicht einzig und allein, doch hauptsächlich dem nationalen Unterrichtssystem zuzuschreiben. Den Männern aber, durch welche dieses System eingeführt wurde, ist die Nachwelt keinen Dank schuldig. Sie wußten nicht was sie thaten; sie waren die unbewußten Werkzeuge der Aufklärung des Geistes und der Humanisirung der Herzen von Millionen. Ihr eigner Geist aber war so beschränkt und ihre Herzen so verhärtet wie die der Familiaren der Inquisition in Lissabon. In dem nämlichen Monate, in welchem die Acte zur Errichtung von Schulen mit dem Scepter berührt wurde, begannen die Häupter der Kirche und des Staats in Schottland mit Nachdruck zwei des zehnten Jahrhunderts würdige Verfolgungen, eine Verfolgung der Hexen und eine Verfolgung der Ungläubigen. Eine Anzahl unglücklicher Weiber, deren einziges Verbrechen darin bestand, daß sie alt und arm waren, wurden des Verkehrs mit dem Teufel angeklagt. Der Geheime Rath schämte sich nicht, ein Decret zur Prozessirung von zweiundzwanzig dieser unglücklichen Geschöpfe zu erlassen.[103] In den Läden der Edinburger Buchhändler wurde strenge Nachsuchung nach ketzerischen Schriften gehalten. Gottlose Bücher, zu denen die Weisen des Presbyteriums Thomas Burnet’s Sacred Theory of the Earth rechneten, wurden aufs Strengste verboten.[104] Aber die bloße Vernichtung von Papier und Schafleder genügte den Bigotten nicht. Ihr Haß verlangte Opfer, welche Gefühl hatten, und sie ruhten nicht eher als bis sie ein Verbrechen verübt, wie es seitdem nie wieder unsre Insel geschändet hat.