Berwick’s Complot scheitert.
Während Barclay alle seine Anstalten zur Ermordung traf, bemühte sich Berwick, die jakobitische Aristokratie zur bewaffneten Erhebung zu überreden. Dies war jedoch keine leichte Aufgabe. Es wurden mehrere Berathungen gehalten und es fand eine große Musterung der Partei unter dem Vorwande einer Maskerade statt, zu welcher Billets zu einer Guinee das Stück unter die Eingeweihten vertheilt wurden.[106] Alles lief jedoch auf Reden, Singen und Trinken hinaus. Viele angesehene und wohlhabende Männer erklärten zwar, daß sie das Schwert für ihren rechtmäßigen Souverain ziehen würden, sobald ihr rechtmäßiger Souverain mit einer französischen Armee auf der Insel erschiene, und Berwick war ermächtigt worden, ihnen zu versichern, daß eine französische Armee geschickt werden solle, sobald sie das Schwert gezogen haben würden. Aber zwischen dem was sie verlangten und dem was er zuzusagen ermächtigt war, bestand eine Differenz, die keinen Vergleich gestattete. Ludwig wollte in seiner damaligen Lage nicht elf- bis zwölftausend Soldaten auf bloße Versprechungen hin opfern. Aehnliche Versprechungen waren schon 1690 gemacht worden, und doch hatten sich, als die Flotte Tourville’s an der Küste von Devonshire erschienen war, die westlichen Grafschaften wie ein Mann zur Vertheidigung der Regierung erhoben, und nicht ein einziger Mißvergnügter hatte auch nur einen Laut zu Gunsten der Angreifer zu äußern gewagt. Aehnliche Versprechungen waren auch 1692 gemacht worden, und dem Vertrauen, das man in diese Versprechungen gesetzt hatte, mußte die große Niederlage von La Hogue zugeschrieben werden. Zum dritten Male wollte sich der König von Frankreich nicht täuschen lassen. Er wollte den englischen Royalisten sehr gern helfen, aber er wollte erst sehen, daß sie sich selbst halfen. Dies hatte guten Grund, aber was die Jakobiten auf der andren Seite geltend machten, hatte ebenfalls guten Grund. Wenn sie, sagten sie, ohne ein einziges disciplinirtes Regiment zur Seite zu haben, sich gegen einen durch eine reguläre Armee unterstützten Usurpator erhöben, so würden sie Alle in Stücken gehauen sein, bevor die Nachricht von ihrer Erhebung nach Versailles gelangte. Da Berwick keine Hoffnung machen konnte, daß eine Invasion erfolgen würde, bevor eine Insurrection stattfand, und da der Entschluß seiner englischen Freunde, keine Insurrection zu veranlassen, bevor eine Invasion stattfand, unerschütterlich war, so hatte er hier nichts mehr zu thun und sehnte sich danach wieder abzureisen.
Er sehnte sich um so mehr nach der Abreise, als der 15. Februar herannahte. Denn er stand in fortwährender Communication mit Barclay und war genau von allen Details des Verbrechens unterrichtet, das an diesem Tage verübt werden sollte. Er galt im allgemeinen für einen Mann von starrer und selbst unfreundlicher Rechtschaffenheit. Aber sein Sinn für Recht und Unrecht war durch seinen Eifer für die Interessen seiner Familie und durch seinen Respect vor den Lehren seiner Priester dergestalt verwirrt worden, daß er, wie er selbst offen bekannt hat, sich nicht verpflichtet glaubte, die Mörder von der Ausführung ihres Vorhabens abzubringen. Er hatte in der That nur ein Bedenken gegen den Plan, und dieses Bedenken behielt er für sich. Es bestand einfach darin, daß alle Betheiligten sehr wahrscheinlich gehängt werden würden. Das war jedoch ihre Sache, und wenn sie Lust hatten, sich für die gute Sache einer solchen Gefahr auszusetzen, so stand es ihm nicht zu, ihnen davon abzurathen. Seine Mission war von der ihrigen völlig gesondert; er sollte nicht im Verein mit ihnen handeln, und er war daher auch nicht geneigt, mit ihnen zu leiden. Demgemäß eilte er zurück nach dem Romney Moor und setzte nach Calais über.[107]
In Calais fand er Vorbereitungen zu einer Landung in Kent im Werke. Die Stadt war mit Truppen, der Hafen mit Transportschiffen angefüllt. Boufflers hatte Befehl erhalten, sich aus Flandern dahin zu begeben und das Commando zu übernehmen. Jakob selbst wurde täglich erwartet. Er war in der That bereits von Saint-Germains abgereist. Doch Berwick wollte nicht warten. Er schlug die Straße nach Paris ein, traf in Clermont mit seinem Vater zusammen und erstattete ihm ausführlichen Bericht über die Lage der Dinge in England. Seine Sendung, sagte er, sei gescheitert. Die royalistische Noblesse und Gentry seien entschlossen, sich nicht eher zu erheben, als bis eine französische Armee auf der Insel ankäme. Es sei indeß noch eine Hoffnung: binnen wenigen Tagen werde wahrscheinlich die Nachricht eintreffen, daß der Usurpator nicht mehr sei, und diese Nachricht werde die ganze Gestalt der Dinge ändern. Jakob beschloß, sich nach Calais zu begeben und dort den Ausgang von Barclay’s Complot zu erwarten. Berwick eilte nach Versailles zurück, um Ludwig von Allem genau zu unterrichten. Welcher Art seine Mittheilungen waren, ersehen wir aus Berwick’s eigner Erzählung. Er sagte dem Könige von Frankreich geradezu, daß eine kleine Schaar loyaler Männer demnächst ein Attentat auf das Leben des großen Feindes Frankreich’s machen werde. Die nächste Post könne die Meldung eines Ereignisses bringen, die wahrscheinlich die englische Regierung stürzen und die europäische Coalition auflösen werde. Man hätte denken sollen, daß ein Fürst, der den Character eines frommen Christen und eines hochsinnigen Cavaliers so prunkend zur Schau trug, augenblicklich Maßregeln ergriffen haben würde, um seinem Rivalen einen warnenden Wink zu geben, der vielleicht noch zur rechten Zeit kam, und daß er die Gäste, die seine Gastfreundschaft so gröblich mißbrauchten, scharf tadeln würde. Doch Ludwig that nichts von dem Allen. Wäre er um seine Einwilligung zu einem Morde angegangen worden, so würde er sie wahrscheinlich mit Entrüstung verweigert haben. Die Mittheilung aber, daß ohne seine Einwilligung wahrscheinlich ein Verbrechen begangen werden würde, daß seinen Interessen weit förderlicher sein mußte als zehn solcher Siege wie der von Landen, erregte keineswegs seinen Unwillen. Er schickte den Befehl nach Calais, daß seine Flotte in Bereitschaft gehalten werden solle, damit er im Stande sei, aus der großen Krisis, die er erwartete, Nutzen zu ziehen. Inzwischen erwartete Jakob in Calais mit noch größerer Ungeduld das Zeichen, daß sein Neffe nicht mehr war. Dieses Zeichen sollte durch ein Feuer gegeben werden, zu dem das Holz bereits auf den Klippen von Kent zusammengetragen wurde und das über dem Kanal sichtbar sein sollte.[108]