Maßregeln des Parlaments in Bezug auf die Valuta.

Innerhalb der Mauern des Parlaments dauerten die Debatten mehrere bange Tage hindurch. Endlich brachte Montague, nachdem er zuerst Diejenigen, welche die Dinge bis zum Frieden unverändert lassen wollten, und dann auch Diejenigen geschlagen hatte, welche für den kleinen Schilling waren, elf Resolutionen durch, in denen die Umrisse seines Planes dargelegt waren. Es wurde beschlossen, daß die Landesmünzen sowohl in Gewicht als in Feingehalt nach dem alten Fuße umgeprägt, daß alle neuen Stücken geprägt, nicht geschlagen werden, daß der Staat den Verlust an dem beschnittenen Gelde tragen, daß ein Termin bestimmt werden sollte, nach welchem beschnittenes Geld nur noch in Zahlungen an die Regierung genommen, und daß ein späterer Termin festgesetzt werden sollte, nach welchem beschnittenes Geld gar nicht mehr genommen werden sollte. Was für Abstimmungen im Ausschusse stattfanden, läßt sich nicht ermitteln. Bei der Berichterstattung über die Resolutionen fand eine Abstimmung statt, und zwar über die Frage, ob der alte Gewichtsfuß beibehalten werden solle. Es stimmten hundertvierzehn Mitglieder mit Nein, zweihundertfünfundzwanzig mit Ja.[90]

Es wurde angeordnet, daß eine auf die Resolutionen basirte Bill eingebracht werden sollte. Einige Tage darauf erklärte der Kanzler der Schatzkammer den Gemeinen in einem Ausschusse zur Berathung der Mittel und Wege den Plan, wie er die Kosten der Umprägung zu decken gedachte. Es sei unmöglich, sagte er, den zur Deckung des Ausfalls an den beschnittenen Münzen erforderlichen Betrag mit Genauigkeit zu bestimmen. Aber es sei gewiß, daß mindestens zwölfhunderttausend Pfund dazu nöthig sein würden. Die Bank von England war bereit, diese zwölfhunderttausend Pfund auf gute Sicherheit vorzustrecken. Es war ein unter den Finanzmännern angenommener Satz, daß die Regierung keine so gute Sicherheit mehr bieten könne, wie die Kaminsteuer gewesen war. So verhaßt diese Abgabe auch Denen war, die sie hatten zahlen müssen, im Schatzamt und in der City wünschte man sie jetzt sehnlich zurück. Der Kanzler der Schatzkammer meinte, daß sich vielleicht eine Abgabe auf die Häuser aussinnen lassen werde, die nicht minder einträglich und nicht minder sicher sein könne als die Herdsteuer, aber nicht so schwer auf dem Armen lasten und durch ein weniger drückendes Verfahren erhoben werden könne. Die Anzahl der Kamine in einem Hause sei ohne Besichtigung der Wohnungen nicht zu ermitteln. Die Fenster aber könne ein Einnehmer zählen, ohne die Schwelle zu überschreiten. Montague schlug vor, daß die Bewohner von Hütten, welche von den Einsammlern des Kamingeldes so herzlos bedrückt worden seien, von der neuen Abgabe gänzlich frei bleiben sollten. Sein Plan wurde vom Ausschusse für die Mittel und Wege gebilligt und vom Hause ohne Abstimmung genehmigt. Dies war der Ursprung der Fenstersteuer, einer Abgabe, die zwar immerhin ein großes Uebel ist, im Vergleich zu dem Fluche aber, von dem sie die Nation erlöste, als ein Segen betrachtet werden muß.

Bis hierher war Alles gut gegangen. Jetzt aber kam eine Krisis, welche die geschickteste Leitung erforderte. Die Nachricht, daß das Parlament und die Regierung eine Reform der Valuta beabsichtigten, erzeugte unter dem gemeinen Volke einen Unwissenheitsschrecken. Jedermann wollte seine beschnittenen Kronen und halben Kronen los sein, und Niemand wollte sie nehmen. In der Hälfte der Straßen London’s entstanden Zänkereien, welche an Tumulte grenzten. Die Jakobiten, welche an einem Tage des Mißgeschicks und der öffentlichen Gefahr, stets mit Freude und Hoffnung erfüllt waren, liefen mit eifrigen Mienen und geschäftigen Zungen hin und her. In Tavernen und Bierhäusern wurde ganz offen auf das Wohl Jakob’s getrunken. Viele Parlamentsmitglieder, welche bisher die Regierung unterstützt hatten, begannen zu schwanken, und damit nichts an den Schwierigkeiten des Moments fehlte, entstand über einen Privilegiumspunkt ein Streit zwischen den beiden Häusern. Die in Uebereinstimmung mit Montague’s Resolutionen entworfene Umprägungsbill war den Peers zugesandt worden und mit Abänderungen zurückgekommen, von denen einige die Lords nach der Ansicht der Gemeinen nicht zu machen berechtigt waren. Die Sache war zu wichtig, um einen Verzug zu gestatten. Montague brachte eine neue Bill ein, welche factisch mit seiner ersten übereinstimmte, aber in einigen Punkten den Wünschen der Lords gemäß modificirt war; die Lords, obgleich mit der neuen Bill noch nicht ganz zufrieden, nahmen sie unverändert an, und der König genehmigte sie unverzüglich. Der 4. Mai, ein Tag, dessen man sich im ganzen Lande und insbesondere in der Hauptstadt lange erinnerte, war als der Tag festgesetzt, an welchem die Regierung aufhörte, beschnittenes Geld bei Steuerzahlungen anzunehmen.[91]

Die Prinzipien der Umprägungsacte sind vortrefflich. Einige von den Einzelnheiten sowohl dieser Acte als auch einer Ergänzungsacte, welche zu einem späteren Zeitpunkte der Session erlassen wurde, beweisen, daß Montague nicht gehörig erwogen hatte, was die Gesetzgebung erreichen kann und was nicht. Er überredete zum Beispiel das Parlament zu verordnen, daß es strafbar sein sollte, mehr als zweiundzwanzig Schillinge für eine Guinee zu geben oder zu nehmen. Man darf mit Gewißheit behaupten, daß Locke diese Verordnung weder vorgeschlagen hatte, noch sie billigte. Er wußte sehr wohl, daß der hohe Preis des Geldes nicht das Uebel war, an dem der Staat laborirte, sondern bloß ein Symptom dieses Uebels, und daß der Umprägung des Silbers unvermeidlich ein Fallen des Goldpreises folgen werde, daß aber keine menschliche Macht oder Einsicht bewirken könne, daß es der Umprägung vorausgehe. Die Strafbestimmung scheint auch factisch gar keine Wirkung hervorgebracht zu haben, weder eine gute noch eine schlechte. So lange das geprägte Silber noch nicht in Circulation gesetzt war, galt die Guinee trotz des Gesetzes nach wie vor dreißig Schillinge. Als aber das geprägte Silber reichlich circulirte, fiel die Guinee nicht nur auf zweiundzwanzig Schilling, was der vom Gesetz gestattete höchste Preis war, sondern auf einundzwanzig Schilling sechs Pence.[92]

Anfang Februar legte sich der Schrecken, den die ersten Debatten über die Valuta hervorgerufen hatten, und von dieser Zeit bis zum 4. Mai wurde der Geldmangel nicht sehr gefühlt. Die Umprägung begann. Die Schmelzöfen wurden im Garten hinter dem Schatzamt errichtet und täglich wurden große Haufen beschnittener und entstellter Kronen und Schillinge in mächtige Silberklumpen verwandelt, welche sofort in die Münze im Tower befördert wurden.[93]