Monmouth’s Kunstgriffe.

Mittlerweile brütete der unruhige Kopf Monmouth’s über sonderbare Pläne. Er hatte jetzt eine Altersstufe erreicht, wo sich seine Fehler nicht mehr durch Jugend entschuldigen ließen; aber er war launenhafter und excentrischer als je. Sein geistiger sowohl als sein moralischer Character besaß eine reiche Fülle jener schönen Eigenschaften, die man Luxuseigenschaften nennen kann; dagegen fehlte es ihm in bedauerlichem Maße an den unerläßlich nöthigen gediegeneren Eigenschaften. Er besaß glänzenden Witz und prompte Erfindungsgabe ohne praktischen Verstand, und ritterliche Hochherzigkeit und Delikatesse ohne wahre Rechtschaffenheit. Er war fähig, sich zu der Rolle des schwarzen Prinzen zu erheben, und doch auch fähig, sich zu der Rolle eines Fuller zu erniedrigen. Sein politisches Leben war durch einige höchst unehrenwerthe Handlungen befleckt, obwohl er nicht unter dem Einflusse der Triebfedern stand, denen die meisten unehrenwerthen Handlungen von Staatsmännern zugeschrieben werden müssen. Die Macht hatte wenig, das Geld noch weniger Werth für ihn. Für die Furcht war er gänzlich unempfänglich. Wenn er sich zuweilen soweit erniedrigte, ein Schurke zu sein — denn kein milderes Wort kommt der Wahrheit nahe genug — so that er dies nur zu seinem Vergnügen und um andere Leute in Erstaunen zu setzen. In bürgerlichen wie in militärischen Dingen liebte er Hinterhalte, Ueberfälle und nächtliche Angriffe. Er glaubte jetzt eine glänzende Gelegenheit zu haben, Aufsehen zu machen, eine große Erschütterung hervorzurufen und die Versuchung war für einen so ruhelosen Geist wie der seinige unwiderstehlich.

Er wußte oder vermuthete wenigstens stark, daß die Geschichten, welche Fenwick nach dem Hörensagen erzählt hatte und die der König, die Lords und die Gemeinen, die Whigs und die Tories einmüthig als Verleumdungen behandelten, in der Hauptsache wahr seien. Sollte es nicht möglich sein, zu beweisen, daß sie wahr waren, das weise Verfahren Wilhelm’s zu durchkreuzen, mit einem Male einige der hochstehendsten Männer beider Parteien zu brandmarken, die ganze politische Welt in eine unlösbare Verwirrung zu stürzen?

Nichts konnte ohne die Beihülfe des Gefangenen geschehen, und mit diesem direct zu verkehren, war unmöglich. Man mußte sich der Vermittelung mehr als einer Agentin bedienen. Die Herzogin von Norfolk war eine Mordaunt und Monmouth’s erste Cousine. Sie war bekannt wegen ihrer Galanterien und ihr Gemahl hatte einige Jahre früher seine adeligen Collegen zu bestimmen versucht, eine Bill zur Auflösung seiner Ehe anzunehmen, aber der Versuch war, zum Theil in Folge des Eifers, mit dem Monmouth die Sache seiner Cousine verfochten hatte, gescheitert. Die Dame lebte, obgleich von ihrem Gatten getrennt, auf einem ihrem Range angemessenen Fuße und hatte Umgang mit vielen vornehmen Frauen, unter andern mit Lady Marie Fenwick und mit einer Verwandten derselben, Namens Elisabeth Lawson. Durch Vermittlung der Herzogin ließ Monmouth dem Gefangenen mehrere Papiere zukommen, welche sehr klug entworfene Rathschläge enthielten. Sir John, — dies war der wesentliche Inhalt dieser Rathschläge — möge dreist behaupten, daß sein Bekenntniß wahr sei, daß er Beschuldigungen, zwar nur nach Hörensagen, aber nicht nach gewöhnlichem Hörensagen, erhoben habe, daß er seine Kenntniß der behaupteten Facta aus den hochstehendsten Duellen schöpfe, und er möge ein Mittel angeben, wodurch seine Wahrhaftigkeit leicht auf die Probe gestellt werden könne. Er möge darum bitten, daß die Earls von Portland und von Romney, welche anerkanntermaßen das Vertrauen des Königs besäßen, aufgefordert würden zu erklären, ob sie nicht, im Besitz von Nachrichten seien, welche mit den von ihm erzählten Dingen übereinstimmten. Er möge darum bitten, daß der König ersucht würde, dem Parlamente die Aufschlüsse, welche die plötzliche Entlassung Lord Marlborough’s zur Folge gehabt, und alle Briefe vorzulegen, die auf dem Wege zwischen Saint-Germains und Lord Godolphin aufgefangen worden seien. „Wenn,” sagte Monmouth zu seinen Agentinnen, „Sir John nicht unter dem Einflusse eines Verhängnisses steht, wenn er nicht ganz von Sinnen ist, so wird er meinen Rath befolgen. Thut er es, so sind sein Leben und seine Ehre gerettet. Thut er es nicht, so ist er ein todter Mann.” Hierauf schmähte dieser kühne Intrigant mit seiner gewöhnlichen frechen Redeweise Wilhelm wegen dessen, was eigentlich einer seiner Hauptansprüche auf Ruhm war. „Er ist der schlechteste Mensch. Er hat schändlich gehandelt. Er giebt vor, diese Beschuldigungen gegen Shrewsbury, Russell, Marlborough und Godolphin nicht zu glauben, obgleich er weiß” — und Monmouth bekräftigte diese Behauptung mit einem entsetzlichen Schwure, — „daß jedes Wort der Beschuldigungen wahr ist.”

Die von Monmouth aufgesetzten Schriftstücke wurden von Lady Mary ihrem Gemahl übergeben. Wäre der Rath, den sie enthielten, befolgt worden, so unterliegt es kaum einem Zweifel, daß der Zweck des Rathgebers erreicht worden wäre. Der König würde sich heftig geärgert haben, es würde ein allgemeiner panischer Schrecken unter den Staatsmännern jeder Farbe entstanden sein; selbst Marlborough’s heiterer Gleichmuth würde auf eine harte Probe gestellt worden sein, und Shrewsbury würde sich wahrscheinlich erschossen haben. Ob aber Fenwick seine Lage dadurch verbessert haben würde, ist sehr zweifelhaft. Dies war auch seine Meinung. Er sah ein, daß der Schritt, zu dem man ihn drängte, ein sehr gefährlicher war. Er wußte, daß er nicht deshalb zu diesem Schritte gedrängt wurde, weil er möglicherweise dadurch gerettet werden konnte, sondern weil er gewiß Anderen dadurch schaden mußte, und er war entschlossen, nicht Monmouth’s Werkzeug zu sein.