Parlaments­verhandlungen wegen der Verleihung von Kronländereien in Wales an Portland.

Am 21. Januar erhielten die Umprägungsbill und die Bill zur Regulirung des Prozeßverfahrens in Hochverrathsfällen die königliche Genehmigung. Am folgenden Tage begaben sich die Gemeinen in einer Angelegenheit, die sowohl ihnen als auch dem Könige durchaus nicht angenehm war, nach Kensington. Sie waren in ihrer Gesammtheit fest entschlossen, um jeden Preis und auf jede Gefahr hin den König gegen jeden äußeren wie inneren Feind zu schützen. Aber sie waren, wie jede Versammlung von fünfhundertdreizehn englischen Gentlemen, gleichviel durch welches Verfahren sie zusammengebracht sein mochte, es naturgemäß sein mußte, eifersüchtig auf die Gunst, die er seinen Jugendfreunden bewies. Er hatte sich vorgenommen, das Haus Bentinck in Ruhm und Glanz auf gleiche Stufe mit den Häusern Howard und Seymour, Russell und Cavendish zu stellen. Einige der schönsten Erbdomänen der Krone waren Portland verliehen worden, nicht ohne Murren von Seiten der Whigs wie der Tories. Es war allerdings nichts geschehen, was nicht mit dem Buchstaben des Gesetzes und mit einer langen Reihe von Präcedenzfällen im Einklang gestanden hätte. Seit undenklichen Zeiten hatte jeder englische Souverain die Güter, in deren Besitz er kraft seines Amtes getreten war, als sein Privateigenthum betrachtet. Jede Familie, die in England mächtig gewesen war, von den De Vere bis herab zu den Hyde, war durch königliche Schenkungen bereichert worden. Karl II. hatte aus seinen Erbgütern Herzogthümer für seine Bastarde herausgeschnitten. Auch enthielt die Rechtsbill nicht ein Wort, welches dahin hätte gedeutet werden können, daß es dem Könige nicht vollkommen freistände, sich jeden Theils der Krongüter zu entäußern. Anfangs rief daher Wilhelm’s Freigebigkeit gegen seine Landsleute, wenn sie auch viel Unzufriedenheit erregte, keine Remonstrationen von Seiten des Parlaments hervor. Aber er ging endlich zu weit. Im Jahre 1695 befahl er den Lords des Schatzes eine Urkunde auszufertigen, welche Portland eine prachtvolle Herrschaft in Denbighshire verlieh. Diese Herrschaft sollte über hunderttausend Pfund werth sein. Der jährliche Ertrag derselben kann sich daher auf kaum weniger als sechstausend Pfund belaufen haben, und die der Krone vorbehaltene Jahresrente betrug nur sechs und acht Pence. Dies war jedoch noch nicht das Schlimmste. Mit dem Besitze waren ausgedehnte Regalien untrennbar verbunden, welche die Bewohner von Nordwales nicht geduldig in den Händen irgend eines Unterthanen sehen konnten. Mehr als hundert Jahre früher hatte Elisabeth einen Theil des nämlichen Gebiets ihrem Günstling Leicester verliehen. Bei dieser Gelegenheit hatte sich das Volk von Denbighshire mit bewaffneter Hand erhoben, und nach vielen tumultuarischen Auftritten und mehreren Hinrichtungen hatte Leicester es für rathsam gehalten, die Schenkung seiner Gebieterin zurückzugeben. Die Opposition gegen Portland war minder gewaltthätig, aber eben so erfolgreich. Einige der angesehensten Gentlemen des Gebiets machten den Ministern, durch deren Bureaux das Dokument gehen mußte, nachdrückliche Vorstellungen und brachten endlich den Gegenstand bis vor das Unterhaus. Es wurde einstimmig eine Adresse votirt, welche den König ersuchte, die Schenkung zurückzunehmen; Portland bat, daß man ihn nicht zu einem Zankapfel zwischen seinem Gebieter und dem Parlamente machen möchte, und der König fügte sich, wenn auch tief verletzt, dem allgemeinen Wunsche der Nation.[94]

Diese unglückliche Geschichte hinterließ, wenn sie auch nicht in einen offenen Streit ausging, doch viel böses Blut. Der König war aufgebracht gegen die Gemeinen und noch aufgebrachter gegen die whiggistischen Minister, die es nicht gewagt hatten, seine Schenkung zu vertheidigen. Die loyale Zuneigung, welche das Parlament ihm in den ersten Tagen der Session bewiesen hatte, war merklich erkaltet, und er war fast so unpopulär wie er es je gewesen, als ein Ereigniß eintrat, das ihm plötzlich die Herzen von Millionen wiedergewann und ihn auf einige Zeit in eben dem Grade zum Abgott der Nation machte, wie er es zu Ende des Jahres 1688 gewesen war.[95]