Schritte gegen Monmouth.

Sobald die Bill zum dritten Male gelesen war, wurde die Aufmerksamkeit der Peers auf einen Gegenstand gelenkt, der die Ehre ihres Standes nahe berührte. Lady Marie Fenwick war begreiflicherweise über das Benehmen Monmouth’s höchlich entrüstet. Er war, nachdem er den ernsten Willen geäußert, ihren Gatten zu retten, plötzlich zurückgetreten und der unbarmherzigste Verfolger ihres Gatten geworden, und dies Alles lediglich deshalb, weil der unglückliche Gefangene sich nicht als Werkzeug zur Vollführung eines phantastischen Unheilplanes hatte gebrauchen lassen wollen. Sie war wohl zu entschuldigen, wenn sie dachte, daß Rache süß sein müsse. In ihrer Wuth zeigte sie ihrem Vetter, dem Earl von Carlisle, die Papiere, die sie von der Herzogin von Norfolk erhalten hatte. Carlisle brachte die Angelegenheit vor die Lords. Die Papiere wurden vorgelegt. Lady Mary erklärte, daß sie sie von der Herzogin erhalten, die Herzogin erklärte, daß sie sie von Monmouth erhalten habe, und Elisabeth Lawson bestätigte die Aussage ihrer beiden Freundinnen. Alle bitteren Dinge, die der kecke Earl über Wilhelm gesagt hatte, wurden wiederholt. Die Wuth der beiden großen Parteien brach mit unbändiger Heftigkeit aus. Die Whigs waren durch die Entdeckung erbittert, daß Monmouth im Geheimen darauf hingearbeitet hatte, zwei hochstehende Männer, mit deren Ruf der Ruf der ganzen Partei verknüpft war, in Schande und Verderben zu stürzen. Die Tories beschuldigten ihn, heimtückisch und grausam gegen den Gefangenen und dessen Gemahlin gehandelt zu haben. Unter den Whigs sowohl wie unter den Tories hatte sich Monmouth durch seine Spötteleien und Invectiven zahlreiche persönliche Feinde gemacht, welche die Furcht vor seinem scharfen Witze und seinem Degen bisher in Schach gehalten hatte.[80] Alle diese Feinde erhoben jetzt die Stimme gegen ihn. Man war sehr neugierig, was er zu seiner Vertheidigung würde sagen können. Seine Beredtsamkeit, schrieb der Correspondent der Generalstaaten, habe schon oft Anderen geschadet; jetzt werde er sie aber in vollem Maße brauchen, um sich selbst zu schützen.[81] Seine Beredtsamkeit war in der That mehr für den Angriff als für die Vertheidigung geeignet. Monmouth sprach nahe an drei Stunden verworren und abschweifend, rühmte sich über die Maßen seiner Dienste und Opfer, sagte dem Hause, daß er eine wichtige Rolle bei der Revolution gespielt, daß er in den schlimmen Zeiten vier Reisen nach Holland gemacht, daß er seitdem hohe Aemter ausgeschlagen, daß er den materiellen Gewinn stets verachtet habe. „Ich habe,” sagte er, sich bedeutungsvoll zu Nottingham wendend, „keine große Herrschaft gekauft, ich habe keinen Palast gebaut, ich bin um zwanzigtausend Pfund ärmer als zu der Zeit meines Eintritts in das öffentliche Leben. Mein altes Erbschloß droht mir über dem Kopfe einzustürzen. Kann irgend Jemand, der sich erinnert, was ich für Se. Majestät gethan und gelitten habe, glauben, daß ich unehrerbietig von ihm sprechen würde?” Er erklärte feierlich — und dies war die schwerste von den vielen schweren Sünden seines langen und bewegten Lebens, — daß er mit den Papieren, welche so großes Aergerniß erregt, nichts zu thun habe. Die Papisten, sagte er, haßten ihn, sie hätten sich vorgenommen, ihn zu verderben, seine undankbare Cousine habe sich zu ihrem Werkzeuge hergegeben und habe seine eifrigen Bemühungen, ihre Ehre zu wahren, damit vergolten, daß sie es versucht habe, die seinige zu untergraben. Als er geendet hatte, trat ein lange anhaltendes Stillschweigen ein. Er fragte, ob Ihre Lordschaften wünschten, daß er sich entferne. Jetzt ergriff Leeds, für dessen treuen Freund er sich einst erklärt, den er aber mit characteristischer Unbeständigkeit verlassen und mit characteristischer Rücksichtslosigkeit angegriffen hatte, die Gelegenheit, sich zu rächen. „Es ist ganz unnöthig,” sagte der schlaue alte Staatsmann, „daß der edle Earl sich jetzt entfernt. Die Frage, die wir für jetzt zu entscheiden haben, ist lediglich die, ob diese Papiere unsren Tadel verdienen oder nicht. Wer sie geschrieben hat, ist eine Frage, die nachher erörtert werden kann.” Es wurde hierauf beantragt und einstimmig beschlossen, daß die Papiere verleumderisch seien und daß der Verfasser derselben sich eines schweren Verbrechens und Vergehens schuldig gemacht habe. Monmouth selbst mußte sich in Folge dieser geschickten Taktik der Verurtheilung seiner eigenen Schriftstücke anschließen.[82] Dann ging das Haus zur Inbetrachtnahme der gegen ihn vorliegenden Beschuldigung über. Seine Cousine, die Herzogin, stand zwar nicht im besten Rufe; aber ihre Aussage wurde sowohl durch directes als durch aus den Umständen geschöpftes Zeugniß bestätigt. Ihr Gemahl sagte mit höhnischem Scherze, daß er Allem was sie ausgesagt habe, vollkommenen Glauben schenke. „Mylord Monmouth hielt sie für gut genug, um meine Gattin zu sein, und wenn sie gut genug ist, um meine Gattin zu sein, so bin ich überzeugt, daß sie auch gut genug ist, um gegen ihn zu zeugen.” In einem Hause von nahe an achtzig Peers schienen nur acht bis zehn geneigt, gegen Monmouth einige Nachsicht zu üben. Er wurde der That, an der er unschuldig zu sein auf das Feierlichste betheuert hatte, für schuldig erklärt, in den Tower geschickt und aller seiner Stellen entsetzt, und sein Name aus dem Rathsbuche gestrichen.[83] Man hätte denken sollen, daß der Verlust seines Rufes und seines irdischen Glückes unwiederbringlich sein müßte. Aber seine Natur besaß eine unverwüstliche Elasticität. In seinem Gefängnisse war er zwar so unbändig wie ein eben in den Käfig gesperrter Falke, und er würde vor bloßer Ungeduld gestorben sein, wenn er lange in Haft geblieben wäre. Sein einziger Trost war, wilde und romanhafte Pläne zu ersinnen, wie er sich aus seiner unangenehmen Lage befreien und sich an seinen Feinden rächen könne. Als er seine Freiheit wieder erlangte, stand er allein in der Welt, ein entehrter Mann, von den Whigs mehr gehaßt als irgend ein Tory, und von den Tories mehr gehaßt als irgend ein Whig, und zu solcher Armuth reducirt, daß er davon sprach, sich auf das Land zurückzuziehen, wie ein Pächter zu leben und seine Gemahlin in die Milchkammer zu stellen, um Butter und Käse zu machen. Doch selbst nach diesem Sturze erhob sich dieser ruhelose Geist noch einmal und stieg höher als je. Als er das erste Mal wieder vor den Augen der Welt erschien, hatte er den Earltitel des Oberhauptes seiner Familie geerbt, führte nicht mehr den befleckten Namen Monmouth und umgab den Namen Peterborough bald mit neuem Glanze. Er war noch immer lauter Feuer und Leben. Sein schlagender Witz und sein unerschrockner Muth machten ihn gefährlich, einige liebenswürdige Eigenschaften, die mit seinen Lastern auffallend contrastirten, und einige große Thaten, deren Eindruck durch die sorglose Leichtfertigkeit, mit der er sie ausführte, noch erhöht wurde, machten ihn populär und seine Landsleute vergaßen gern, daß ein Held, auf dessen Thaten sie stolz waren und der sich eben so sehr durch Talent und Muth, wie durch Ritterlichkeit und Freigebigkeit auszeichnete, sich zu Streichen erniedrigt hatte, die den Pranger verdienten.