Zustand Irland’s.

In Irland hatte sich, seitdem Sidney nicht mehr Lordlieutenant war, nichts ereignet, was umständlichere Erwähnung verdiente. Die Regierung hatte die Colonisten ungehindert über die eingeborne Bevölkerung dominiren lassen, und die Colonisten hatten sich dafür der Regierung durchaus unterwürfig bezeigt. Die Verhandlungen der in Dublin tagenden lokalen Legislatur waren in keiner Hinsicht wichtiger oder interessanter gewesen als die Verhandlungen der gesetzgebenden Versammlung von Barbados. Das nennenswertheste Ereigniß in der parlamentarischen Geschichte Irland’s zu jener Zeit war vielleicht ein Streit zwischen den beiden Häusern, welcher durch eine Collision zwischen dem Wagen des Sprechers und dem Wagen des Kanzlers entstanden war. Es gab zwar Parteispaltungen, aber sie entsprangen lediglich aus persönlichen Prätensionen und Animositäten. Die Namen Whig und Tory waren über den St. Georgskanal gebracht worden, hatten aber unterwegs ihre ganze Bedeutung verloren. Ein Mann, der in Dublin ein Tory genannt wurde, würde in Westminster für einen eben so entschiedenen Whig gegolten haben als Wharton. Die Hochkirchlichsten in Irland verabscheuten und fürchteten den Papismus so sehr, daß sie geneigt waren, jeden Protestanten als einen Bruder zu betrachten. Sie erinnerten sich der Tyrannei Jakob’s, der Beraubungen, der Verbrennungen, der Confiscationen, des Kupfergeldes und der Verurtheilungsacte mit bitterem Grolle, und verehrten Wilhelm als ihren Befreier und Erhalter. Ja selbst für das Gedächtniß Cromwell’s konnten sie nicht umhin eine gewisse Achtung zu hegen, denn was er auch sonst gewesen sein mochte, er war immer der Vertheidiger und Rächer ihres Stammes gewesen. Die Parteispaltungen England’s hatten daher mit den Parteispaltungen Irland’s fast gar nichts gemein. In England gab es zwei Parteien von gleichem Stamme und Glauben, die mit einander kämpften; in Irland gab es zwei Kasten verschiedenen Stammes und Glaubens, von denen die eine die andre mit Füßen trat.