Schluß der Session; Beförderungen und Ernennungen.
Am 16. April schloß der König die Session mit einer Rede, in der er den Häusern warmen und wohlverdienten Dank sagte für die Energie und Weisheit, welche die Nation aus commerciellen und finanziellen Verlegenheiten gerissen hatte, von denen unsre Geschichte kein zweites Beispiel aufzuweisen hat. Ehe er nach dem Continent abreiste, verlieh er einige neue Ehrenbezeigungen und traf einige neue ministerielle Arrangements. Jedes Mitglied der Whigjunta wurde durch einen Beweis der königlichen Gunst ausgezeichnet. Somers gab das Siegel ab, dessen Bewahrer er war; er erhielt es alsbald wieder und wurde gleichzeitig beauftragt, es einem Diplom beizufügen, das ihn zum Baron Somers von Evesham ernannte.[98] Russell wurde Earl von Oxford und Viscount Barfleur. Noch nie war ein Titel einem auf fremdem Gebiet liegenden Schlachtfelde entlehnt worden. Aber der damals aufgestellte Präcedenzfall hat wiederholte Nachahmung gefunden, und die Namen Saint-Vincent, Trafalgar, Camperdown und Douro werden jetzt von den Nachkommen großer Commandeurs geführt. Russell scheint seinen Earltitel nach der ihm eigenen Weise nicht nur ohne Dankbarkeit, sondern sogar murrend und als ob ihm ein großes Unrecht geschähe, angenommen zu haben. Was galt ihm eine Adelskrone? Er hatte ja kein Kind, das sie erben konnte. Die einzige Auszeichnung, die für ihn einen Werth gehabt haben würde, war der Hosenbandorden, und diesen hatte Portland erhalten. Solche Dinge, meinte er, seien natürlich nur für die Holländer, und es sei eine unerhörte Anmaßung von einem Engländer, hätte er auch einen Sieg erfochten, der den Staat gerettet, zu erwarten, daß seine Ansprüche berücksichtigt werden könnten, bevor nicht alle Mynheers im Palaste versorgt seien.[99]
Wharton behielt seine Stelle als Haushofmeister des Königs und wurde außerdem mit dem einträglichen Amte des Oberrichters in Eyre, südlich vom Trent, bedacht, und sein Bruder Godwin Wharton wurde zum Lord der Admiralität ernannt.[100]
Obgleich Godolphin’s Rücktritt im October angenommen worden war, so wurde doch erst nach der Prorogation eine neue Schatzcommission ernannt. Ueber die Frage, wer erster Commissar werden sollte, ward lange und heftig debattirt. Denn Montague hatten seine Fehler viele Feinde gemacht, und seine Tugenden nicht minder. Starre Formalisten nannten ihn hohnlächelnd einen Schöngeist und Dichter, der allerdings einige Gewandtheit in der Debatte besitze, der aber schon viel höher erhoben worden sei, als seine Leistungen es verdienten und als sein Geist es vertrüge. Es würde thöricht sein, einem so jungen Laffen bloß deshalb, weil er fließend und elegant zu sprechen verstehe, in ein Amt einzusetzen, von dem das Wohl des Königreichs abhänge. Sir Stephan Fox qualificire sich von allen Lords des Schatzes sicherlich am Besten dazu, an der Spitze der Commission zu stehen. Er sei ein Mann in reiferen Jahren, ernst, erfahren, pünktlich und fleißig, und er habe nie in seinem Leben einen Vers gemacht. Der König schwankte ziemlich lange zwischen den beiden Candidaten; aber die Zeit gereichte Montague entschieden zum Vortheil, denn vom ersten bis zum letzten Tage der Session stieg sein Ruhm fortwährend. Die Stimme des Hauses der Gemeinen und der City bezeichnete ihn laut als den geeignetsten ersten Minister der Finanzen. Endlich trat Sir Stephan Fox, wenn auch nicht sehr bereitwillig, von der Concurrenz zurück. Er wünschte es jedoch in der London Gazette angezeigt, daß die Stelle des ersten Lords ihm angeboten, aber von ihm abgelehnt worden war. Eine solche Anzeige wäre eine Beleidigung für Montague gewesen, und Montague, von Glück und Ruhm aufgebläht, war nicht in der Stimmung, sich Beleidigungen gefallen zu lassen. Der Streit wurde beigelegt. Montague ward erster Lord des Schatzes und den erledigten Sitz im Staatsrathe erhielt Sir Thomas Littleton, einer der tüchtigsten und consequentesten Whigs im Hause der Gemeinen. Aus Rücksicht für Fox wurden diese Ernennungen jedoch nicht in der Gazette angezeigt.[101]
Dorset legte seine Stelle als Oberkammerherr nieder, doch nicht mit Unmuth, und zog sich, mit königlichen Gunstbezeigungen beladen, ins Privatleben zurück. Sein Nachfolger war Sunderland, der auch, nicht ohne viel Murren von verschiedenen Seiten, zu einem der Lords Justices ernannt wurde.[102] Von den Tories wurde Sunderland gründlich verabscheut. Einige von den Whighäuptern hatten seinem einschmeichelnden Wesen nicht widerstehen können, und andre waren dankbar für die Dienste, die er unlängst der Partei geleistet. Doch die Führer vermochten nicht ihre Anhänger zurückzuhalten. Verständige Männer, die der bürgerlichen Freiheit und der protestantischen Religion zugethan waren, die sich außer dem Bereiche von Sunderland’s unwiderstehlichem Zauber befanden und welche wußten, daß er in der Hohen Commission gesessen, bei der Indulgenzerklärung mitgewirkt, als Zeuge gegen die sieben Bischöfe aufgetreten war und die Hostie von einem papistischen Priester empfangen hatte, konnten ihn nicht ohne Unwillen und Beschämung mit dem Stabe in der Hand zur Seite des Thrones stehen sehen. Noch empörender war es, daß einem solchen Manne in Abwesenheit des Souverains die Administration der Regierung anvertraut werden sollte. Wilhelm begriff diese Gesinnungen nicht. Sunderland war ein talentvoller und brauchbarer Diener; er war zwar ohne Grundsätze, aber dies waren alle englischen Staatsmänner dieser Generation, welche unter der unseligen Tyrannei der Frommen die Tugend verachten gelernt hatten und während des wilden Jubels der Restauration in die schmachvollste Lasterhaftigkeit versunken waren. Er war ein ächtes Musterexemplar seiner Klasse, vielleicht ein wenig schlechter als Leeds oder Godolphin und ungefähr eben so schlecht als Russell oder Marlborough. Warum er aus der Heerde vertrieben werden sollte, konnte der König nicht begreifen.
Trotz der Unzufriedenheit, welche Sunderland’s Erhebung erweckt hatte, war England diesen Sommer vollkommen ruhig und in vortrefflicher Stimmung. Jedermann, die fanatischen Jakobiten allein ausgenommen, freute sich über das rasche Wiederaufleben des Handels und über die nahe Aussicht auf Frieden. Auch Irland und Schottland waren nicht minder ruhig.