Verschiedene Meinungen über Schomberg’s Verfahren.
Sein Verfahren wurde verschieden beurteilt. Einsichtsvolle und aufrichtige Männer sagten, er habe sich selbst übertroffen und es gebe keinen zweiten Feldherrn in Europa, der, mit ungeübten Truppen, unwissenden Offizieren und spärlichen Vorräthen, zu gleicher Zeit gegen ein feindliches Heer von großer Uebermacht, gegen ein betrügerisches Commissariat, gegen ein Nest von Verräthern im eignen Lager und gegen eine Krankheit, mörderischer als das Schwert, ankämpfend, den Feldzug ohne Verlust einer Fahne oder einer Kanone zu Ende geführt haben würde. Auf der andren Seite murrten viele von den neuernannten Majors und Hauptleuten, deren Unerfahrenheit seine Verlegenheiten vermehrt hatte und die keine andre Qualification für ihren Posten besaßen als persönliche Tapferkeit, über die Geschicklichkeit und Geduld, die sie vom Untergang gerettet. Ihre Beschwerden fanden jenseit des St. Georgskanals Wiederhall. Zum Theil war das Murren, wenn auch ungerecht, doch zu entschuldigen. Den Eltern, die einen tapfern Sohn in seiner ersten Uniform geschickt hatten, damit er sich den Weg zum Ruhm erkämpfe, konnte man es wohl verzeihen, wenn ihr Schmerz sie zur Heftigkeit und Unbilligkeit hinriß, als sie erfuhren, daß der unglückliche Jüngling auf einem Bund Stroh ohne ärztlichen Beistand gestorben und ohne religiöse oder militärische Ceremonie in einem Sumpfe begraben worden war. Aber in den Weheruf verwaister Familien mischte sich ein andres minder achtungswerthes Geschrei. Alle Die, welche gern Neuigkeiten hörten und wiedererzählten, schmähten den General, der ihnen so wenig Neuigkeiten zu hören und zu erzählen gab. Diese Art Leute haben eine solche Sucht nach Aufregung, daß sie viel eher einem Feldherrn verzeihen, der eine Schlacht verliert, als einem, der eine Schlacht ablehnt. Die Politiker, welche ihre Orakelsprüche im dicksten Tabaksrauche bei Garroway von sich gaben, fragten, ohne weder vom Kriege im allgemeinen noch von dem irischen Kriege im besondern das Geringste zu verstehen, sehr ernsthaft, warum Schomberg denn nicht losschlage. Daß er sein Handwerk nicht verstehe, wagten sie nicht zu sagen. Er sei ohne Zweifel ein vortrefflicher Offizier, aber er sei sehr alt. Er trage die Last seiner Jahre zwar mit Ehren, aber seine Geisteskräfte seien nicht mehr das was sie früher gewesen; sein Gedächtniß werde schwach und Jedermann wisse, daß er zuweilen am Nachmittag vergessen habe, was er am Vormittag gethan. Es dürfte wohl schwerlich je einen Menschen gegeben haben, dessen Geist im achtzigsten Lebensjahre noch eben so frisch und lebendig gewesen wäre als im vierzigsten; daß aber Schomberg’s Geisteskräfte durch die Jahre wenig geschwächt waren, das beweisen zur Genüge seine Depeschen, welche noch existiren und Muster von officieller Schreibweise sind: abgerundet, klar, voll bedeutender Facta und gewichtiger Gründe und in die möglichst geringe Wortzahl zusammengedrängt. In diesen Depeschen spielt er zuweilen, nicht hämisch, sondern mit ruhiger Verachtung, auf den Tadel an, den sein Verhalten von Seiten hohler Schwätzer, die in ihrem Leben keine wichtigere militärische Operation als das Ablösen der Wache in Whitehall gesehen und die sich einbildeten, es sei nichts leichter als in jeder Lage und gegen jede Uebermacht große Siege zu erkämpfen, sowie von Seiten vierschrötiger Patrioten erfahren, welche überzeugt seien, daß ein einziger englischer Fuhrmann oder Drescher, der noch nicht gelernt habe, ein Gewehr zu laden oder eine Pike zu tragen, es mit fünf Musketieren von König Ludwig’s Haustruppen aufnehmen könne.[68]