Bill zur Naturalisirung ausländischer Protestanten.

Eine andre Frage, die fast ebensoviel Zorn und Unwillen im Parlamente wie im Lande erregte, wurde um die nämliche Zeit berathen. Am 6. December erhielt ein whiggistisches Mitglied des Hauses der Gemeinen Erlaubniß, eine Bill zur Naturalisirung ausländischer Protestanten einzubringen. An plausiblen Gründen zu Gunsten einer solchen Bill fehlte es nicht. Eine Menge äußerst betriebsamer und intelligenter Leute, welche treu unsrem Glauben anhingen und Todfeinde unserer Todfeinde waren, hatten damals kein Vaterland. Unter den Hugenotten, welche vor der Tyrannei des französischen Königs geflohen waren, befanden sich viele Männer von hohem Rufe in der Kriegskunst, in der Literatur, in den Künsten und in den Wissenschaften, und selbst die geringsten Refugiés standen in intellectueller und moralischer Beziehung über der Durchschnittsstufe des gemeinen Volks aller Länder Europa’s. Neben den französischen Protestanten, welche durch Ludwig’s Edicte ins Exil getrieben worden waren, gab es jetzt auch deutsche Protestanten, die seine Waffen ins Exil getrieben hatten. Wien, Berlin, Basel, Hamburg, Amsterdam, London wimmelten von rechtschaffenen und fleißigen Menschen, die einst wohlhabende Bürger von Heidelberg oder Mannheim gewesen waren oder an den Ufern des Neckars und des Rheins Wein gebaut hatten. Ein Staatsmann konnte mit Recht der Meinung sein, daß es zugleich edelmüthig und politisch sei, so unglückliche und so achtungswerthe Emigranten nach England einzuladen und dem englischen Volke einzuverleiben. Ihre Kenntnisse und ihr Fleiß mußten nothwendig jedes Land bereichern, das ihnen ein Asyl gewährte; auch unterlag es keinem Zweifel, daß sie ihr Stiefvaterland gegen den Tyrannen, dessen Grausamkeit sie aus dem Lande ihrer Geburt getrieben hatte, mannhaft vertheidigen würden.

Die beiden ersten Lesungen gingen ohne Abstimmung durch. Ueber den Antrag aber, daß die Bill an einen Ausschuß verwiesen werden solle, entspann sich eine Debatte, in der die Gegner der Regierung den umfassendsten Gebrauch von der Redefreiheit machten. Es sei unnütz, sagten sie, über die armen Hugenotten und Pfälzer zu sprechen. Die Bill habe offenbar nicht den Zweck, den französischen oder deutschen Protestanten zu Gute zu kommen, sondern nur den Holländern, die für einen Gulden per Kopf Protestanten, Papisten oder Heiden werden und ohne Zweifel eben so bereit sein würden, in England die Erklärung gegen die Transsubstantiation zu unterzeichnen, als in Japan das Kruzifix mit Füßen zu treten. Sie würden in Massen herüberkommen, würden alle öffentlichen Aemter füllen, die Zölle erheben und die Bierfässer aichen. Unsere Schifffahrtsgesetze würden ihrem Wesen nach aufgehoben sein, jedes Kauffahrteischiff, das aus der Themse oder dem Severn ausliefe, würde mit Seeländern, Holländern und Friesländern bemannt sein. Unseren eigenen Matrosen würde nur der schwere und gefahrvolle Dienst auf der königlichen Flotte bleiben. Denn Hanns würde, nachdem er sich durch Uebernahme der Rolle eines Eingeborenen die Taschen seiner weiten Pumphosen mit unsrem Gelde gefüllt habe, sobald ein Preßgang erschiene, die Vorrechte eines Ausländers in Anspruch nehmen. Die Eingedrungenen würden bald alle Corporationen beherrschen. Sie würden unsere eigenen Aldermen von der Börse verdrängen. Sie würden die erblichen Forsten und Schlösser unserer Landgentlemen kaufen. Schon seufzten wir unter einer der lästigsten Plagen Egypten’s. Frösche hätten sich selbst in den königlichen Gemächern gezeigt. Man könne nicht nach St. James gehen, ohne das widerliche Gequak der Reptilien der batavischen Sümpfe rings um sich her zu hören, und wenn diese Bill durchgehe, so würde das ganze Land von dem ekelhaften Gewürm bald eben so geplagt sein, wie schon jetzt der Palast.

Der Redner, der sich in dieser Art von Rhetorik erging, war Sir John Knight, Abgeordneter für Bristol, ein niedrigdenkender und gehässiger Jakobit, der, wenn er ein rechtschaffener Mann gewesen wäre, ein Eidverweigerer hätte sein müssen. Zwei Jahre vorher, als er Mayor von Bristol war, hatte er sich ein nicht eben ehrenvolles Rennomé erworben, indem er eine mit dem großen Siegel der Souveraine, denen er zu wiederholten Malen Treue geschworen, versehene Vollmacht, mit grober Unehrerbietigkeit behandelt und den Pöbel seiner Stadt aufgereizt hatte, die Richter zu verhöhnen und mit Koth zu werfen.[85] Er schloß jetzt seine heftige Schmährede mit dem Verlangen, der Stabträger solle die Thüren öffnen, damit das gehässige Pergament, das nichts Geringeres als ein Aufgeben des Geburtsrechts der englischen Nation sei, mit gebührender Verachtung behandelt werde. „Werfen wir zuerst,” sagte er, „die Bill aus dem Hause und dann die Fremden aus dem Lande.”

Bei der Abstimmung wurde der Antrag, die Bill an einen Ausschuß zu verweisen, mit hundertdreiundsechzig gegen hundertachtundzwanzig Stimmen angenommen.[86] Aber die Minorität war eifrig und hartnäckig und die Majorität begann bald zu schwanken. Night’s Rede erschien bald in einer noch verstärkten Umarbeitung ohne Censurerlaubniß im Druck. Viele tausend Exemplare wurden durch die Post verbreitet oder in den Straßen umhergestreut, und das nationale Vorurtheil war so stark, daß nur zu Viele diese Gemeinheiten mit Beifall und Bewunderung lasen. Als aber ein Exemplar im Hause vorgelegt wurde, erhob sich ein solcher Sturm des Unwillens und Abscheues, daß selbst der schamlose und heftige Character des Redners dadurch eingeschüchtert wurde. Da er sah, daß er in der größten Gefahr schwebte, ausgestoßen und ins Gefängniß geschickt zu werden, suchte er sich zu rechtfertigen und desavouirte jede Kenntniß des Papiers, das sich für einen Abdruck seiner Rede ausgebe. Er kam straflos davon. Seine Rede aber wurde für falsch, verleumderisch und aufwieglerisch erklärt und im Palasthofe durch den Henker verbrannt. Die Bill, welche alle diese Gährung verursacht hatte, wurde wohlweislich fallen gelassen.[87]