Der Ostindischen Compagnie eine neue Concession verliehen.

Der Kampf zwischen den beiden Ostindischen Compagnien war im Herbste 1693 heftiger als je. Da das Haus der Gemeinen die alte Compagnie jedem Vergleiche hartnäckig abhold gefunden, hatte es kurz vor dem Schlusse der vorigen Session den König ersucht, die in der Concessionsurkunde vorgeschriebene dreijährige Aufkündigung erfolgen zu lassen. Child und seine Collegen begannen jetzt ernstlich besorgt zu werden. Jeden Tag erwarteten sie die gefürchtete Anzeige. Ja, sie waren sogar nicht sicher, ob ihnen ihr ausschließliches Privilegium nicht ohne jede vorherige Anzeige entzogen werden möchte, denn sie sahen, daß sie ihre Concession verwirkt hatten, indem sie es aus Unachtsamkeit unterlassen, die kürzlich auf ihr Actienkapital gelegte Steuer zur gesetzlich bestimmten Zeit zu entrichten, und obwohl es unter gewöhnlichen Umständen als eine Rücksichtslosigkeit der Regierung betrachtet worden wäre, aus einem solchen Versehen Vortheil zu ziehen, so war doch das Publikum nicht geneigt, der alten Compagnie etwas mehr als den strikten Buchstaben des Vertrags zuzugestehen. Es war Alles verloren, wenn die Concession nicht vor dem Zusammentritt des Parlaments erneuert wurde. Es steht fast außer allem Zweifel, daß die Operationen der Gesellschaft in der Hauptsache noch immer von Child geleitet wurden. Aber er scheint eingesehen zu haben, daß seine Inpopularität die seiner Obhut anvertrauten Interessen nachtheilig berührt hatte, und er drängte sich daher der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht auf. Seine Stelle wurde ostensibel durch seinen nahen Verwandten, Sir Thomas Cook, ausgefüllt, einem der größten Kaufleute von London und Parlamentsmitgliede für Colchester. Die Directoren stellten Cook das ganze ungeheure Vermögen, das in ihrer Schatzkammer lag, zur unumschränkten Verfügung, und in kurzer Zeit wurden nahe an hunderttausend Pfund für Bestechungen in großartigem Maßstabe ausgegeben. Nach welchen Verhältnissen diese enorme Summe unter die Großen von Whitehall vertheilt wurde und wieviel davon in die Taschen der Zwischenagenten floß, ist noch heute ein Geheimniß. Soviel wissen wir jedoch mit Bestimmtheit, daß Seymour und Caermarthen Tausende empfingen.

Das Resultat dieser Bestechungen war, daß der Generalfiskal Befehl erhielt, einen Freibrief zu entwerfen, der der alten Compagnie die alten Privilegien aufs Neue bewilligte. Kein Minister aber konnte es nach dem was im Parlamente vorgegangen war, wagen, der Krone zur Erneuerung des Monopols ohne Bedingungen zu rathen. Die Directoren sahen, daß sie keine Wahl hatten und verstanden sich mit Widerstreben dazu, die neue Concession unter Bedingungen anzunehmen, die im Wesentlichen dieselben waren, wie sie das Haus der Gemeinen sanctionirt hatte.

Es ist wahrscheinlich, daß zwei Jahre früher ein solcher Vergleich die Fehde, welche die City zerriß, gedämpft haben würde. Aber ein langer Kampf, in welchem Satyre und Verleumdung nicht gespart worden waren, hatte die Gemüther erhitzt. Das Geschrei Dowgate’s gegen Leadenhall Street war lauter als je. Es wurden Einsprüche erhoben und Petitionen unterzeichnet, und in diesen Petitionen wurde ein Prinzip, mit dem man bisher absichtlich hinter dem Berge gehalten hatte, keck aufgestellt. So lange es zweifelhaft war, auf welcher Seite die königliche Prärogative angewendet werden würde, hatte man diese Prärogative nicht bestritten. Sobald es sich aber zeigte, daß die alte Compagnie Aussicht hatte, eine Erneuerung des Monopols unter dem großen Siegel zu erlangen, begann die neue Compagnie mit Heftigkeit zu behaupten, daß kein Monopol anders als durch eine Parlamentsacte creirt werden könne. Nachdem der Geheime Rath, welchem Caermarthen präsidirte, die ausführliche Erörterung durch die beiderseitigen Anwälte angehört hatte, entschied er zu Gunsten der alten Compagnie und ordnete die Untersiegelung des Freibriefs an.[49]