Verhalten Caermarthen’s.
Es ist sonderbar, daß der Lordpräsident zu derselben Zeit wo er in Bath als Wilhelmit insultirt wurde, in Saint-Germains für einen treuen Jakobiten galt. Wie er dazu kam, für einen solchen gehalten zu werden, ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Einige Schriftsteller sind der Meinung, daß er, wie Shrewsbury, Russell, Godolphin und Marlborough, Verpflichtungen gegen den einen König übernahm, während er das Brot des andren aß. Diese Ansicht aber stützt sich nicht auf hinreichende Beweise. Für die Verräthereien Shrewsbury’s, Russell’s, Godolphin’s und Marlborough’s haben wir eine große Menge Beweise, die aus verschiedenen Quellen geschöpft sind und sich über mehrere Jahre erstrecken. Ueber Caermarthen’s Verkehr mit Jakob aber besitzen wir keine anderen Nachrichten als die in einem kurzen Aufsatze enthaltenen, den Melfort am 16. October 1693 schrieb. Aus diesem Aufsatze geht klar und deutlich hervor, daß der verbannte König und seine Minister Mittheilungen erhalten hatten, die sie bewogen, Caermarthen als einen Freund zu betrachten. Aber wir haben keinen Beweis, daß sie ihn weder vor noch nach diesem Tage für einen solchen hielten.[48] Alles erwogen, scheint die wahrscheinlichste Erklärung des Geheimnisses die zu sein, daß Caermarthen von einem jakobitischen Emissär, der bei weitem nicht so schlau war als er, sondirt worden war und daß er, um dem von Middleton entworfenen neuen politischen Plan auf den Grund zu kommen, sich stellte, als ob er der Sache des verbannten Königs zugethan wäre; daß eine übertriebene Darstellung des Geschehenen nach Saint-Germains geschickt wurde, und daß man sich dort über eine Bekehrung freute, die sich bald als eine erheuchelte herausstellte. Es ist sonderbar, daß eine solche Bekehrung nur einen Augenblick für aufrichtig gehalten werden konnte. Es lag offenbar in Caermarthen’s Interesse, sich zu den im factischen Besitze des Thrones befindlichen Souverainen zu halten. Er war ihr erster Minister und hatte keine Hoffnung, der erste Minister Jakob’s zu werden. Es ist in der That kaum anzunehmen, daß das politische Verhalten eines schlauen, unersättlich ehrgeizigen und habsüchtigen Greises durch persönliche Parteilichkeit bedeutend influirt worden sein sollte. Aber wenn es überhaupt eine Person gab, für welche Caermarthen eingenommen war, so war diese Person unzweifelhaft Marie. Daß er sich ernstlich in ein Complot zu ihrer Entthronung eingelassen haben sollte, das ihm den Hals kosten konnte, wenn es scheiterte, und durch das er, wenn es gelang, ungeheuer an Macht und Reichthum verlieren mußte, war eine zu absurde Fabel, die nur Verbannte für möglich halten konnten.
Allerdings hatte Caermarthen in diesem Augenblicke besonders triftige Gründe, mit der Stellung, die er unter den Rathgebern Wilhelm’s und Mariens einnahm, unzufrieden zu sein. Man hat nur zu starken Grund zu glauben, daß er damals mit einer selbst bei ihm beispiellosen Schnelligkeit unrechtmäßigen Gewinn aufhäufte.