Schriften und Kunstgriffe der Jakobiten.
Die Minister irrten sich sehr, wenn sie glaubten, daß Anderton’s Schicksal Andere abhalten werde, sein Beispiel nachzuahmen. Seine Hinrichtung veranlaßte mehrere kaum minder heftige Pamphlets als das wegen dessen er verurtheilt worden. Collier frohlockte in einer Schrift, die er „Remarks on the London Gazette” betitelte, mit herzloser Freude über das Blutbad von Landen und über die massenhafte Zerstörung englischen Eigenthums an der Küste von Spanien.[41] Andere Schriftsteller thaten ihr Möglichstes, um unter den Arbeitern Aufstände zu entzünden, denn es war die Doctrin der Jakobiten, daß Unruhen, wo und wie sie immer beginnen möchten, in eine Restauration auszulaufen versprächen. Eine Phrase, die ohne Commentar als purer Unsinn erscheinen muß, die aber in Wirklichkeit sehr bedeutungsvoll war, führten sie damals vielfach im Munde, und sie wurde sogar eine Parole, an der die Mitglieder der Partei einander erkannten: „Schlagt es herum, es wird zu meinem Vater kommen.” Der verborgene Sinn dieser Redensart war: „Stürzt das Land in Verwirrung, man wird zuletzt zu König Jakob greifen müssen.”[42] Der Handel florirte nicht und viele fleißige Menschen hatten keine Arbeit. Die mißvergnügten Straßendichter verfertigten in Folge dessen an die nothleidenden Klassen gerichtete Lieder. Zahlreiche Exemplare einer Ballade, welche die Weber aufforderte, sich gegen die Regierung zu erheben, wurden in dem Hause des Quäkers gefunden, der Jakob’s Erklärung gedruckt hatte.[43] Alle erdenklichen Mittel wurden angewendet, um auch unter einer weit gefährlicheren Klasse von Leuten, unter den Matrosen, Unzufriedenheit zu erwecken, und unglücklicherweise lieferten die Mängel der Marineverwaltung den Feinden des Staats nur zu reichlichen Zündstoff. Einige Seeleute desertirten, andere stifteten Meutereien an; es fanden Hinrichtungen statt, und diesen folgten neue Balladen und Flugblätter, welche die Hinrichtungen als barbarische Mordthaten darstellten. Gerüchte, daß die Regierung beschlossen habe, ihre Vertheidiger um ihren sauerverdienten Lohn zu betrügen, wurden mit so großem Erfolge verbreitet, daß ein zahlreicher Haufe Weiber von Wapping und Rotherhithe Whitehall belagerte und tumultuarisch den ihren Männern gebührenden Lohn verlangte. Marie war so taktvoll und gutherzig, vier dieser ungestümen Petentinnen in den Saal einführen zu lassen, wo sie eben eine Staatsrathssitzung hielt. Sie hörte ihre Klagen an und versicherte ihnen in eigner Person, daß das Gerücht, welches sie beunruhigt habe, ungegründet sei.[44] Inzwischen kam der St. Bartholomäustag heran, und die große jährliche Messe, das Vergnügen arbeitsscheuer Lehrbuben und der Greuel puritanischer Aldermen, wurde mit der gewöhnlichen Schaustellung von Zwergen, Riesen und tanzenden Hunden, Feuerfressern und abgerichteten Elephanten in Smithfield eröffnet. Von allen Sehenswürdigkeiten aber übte keine so große Anziehungskraft aus, als eine dramatische Vorstellung, welche in der Idee, wenn auch gewiß nicht in der Ausführung, große Aehnlichkeit mit den unsterblichen Meisterwerken des Humors gehabt zu haben scheint, in denen Aristophanes Cleon und Lamachus lächerlich machte. Zwei herumziehende Comödianten gaben die Rollen Killegrew’s und Delaval’s. Die beiden Admiräle waren dargestellt, wie sie mit ihrer ganzen Flotte vor einigen französischen Kapern flohen und unter den Kanonen des Towers Schutz suchten. Die Rolle des Chorus wurde von einem Hanswurst gespielt, der seine Meinung über die Marineverwaltung sehr freimüthig aussprach. Ungeheure Menschenmassen strömten zu dieser wunderlichen Posse. Der Beifall war laut, die Einnahmen groß, und die Comödianten, welche zuerst nur die unglückliche und unpopuläre Admiralität durchzuhecheln gewagt hatten, begannen jetzt, durch die Straflosigkeit und den Erfolg dreist gemacht, und wahrscheinlich durch Leute viel höherer Stellung angeregt und bezahlt, auch über andere Verwaltungszweige ihre Witze zu machen. Diesem Versuche, die Zügellosigkeit der attischen Bühne wieder in die Mode zu bringen, wurde bald durch das Erscheinen einer starken Abtheilung Constabler, welche die Schauspieler ins Gefängniß abführten, ein Ziel gesetzt.[45] Mittlerweile wurden die Straßen London’s jede Nacht mit aufwieglerischen Flugblättern besäet. In allen Wirthshäusern hinkten die Zeloten des erblichen Rechts mit Wein- und Punschgläsern an den Lippen umher. Diese Mode war eben aufgekommen, und die Nichteingeweihten wunderten sich höchlich, wie eine so große Menge frischer und gesunder Gentlemen urplötzlich lahm geworden sein könne. Die in das Geheimniß Eingeweihten aber wußten, daß das Wort limp (hinken) ein geheiligtes Wort, daß jeder der vier Buchstaben, aus denen es bestand, der Anfangsbuchstabe eines erlauchten Namens war, und daß der loyale Unterthan, der beim Trinken hinkte, sein Glas auf das Wohl Ludwig’s, Jakob’s, Mariens und des Prinzen leerte.[46]
Aber nicht allein in der Hauptstadt ließen die Jakobiten damals ihren Witz in großem Maßstabe leuchten. Sie waren auch in Bath zahlreich vertreten, wo der Lordpräsident Caermarthen seine erschütterte Gesundheit wieder zu befestigen versuchte. Jeden Abend versammelten sie sich, um, wie sie es nannten, dem Marquis eine Serenade zu bringen. Mit anderen Worten, sie rotteten sich unter den Fenstern des kranken Mannes zusammen und sangen Spottlieder auf ihn.[47]