Eindruck der neuen Erklärung.
Es bedurfte jedoch kaum eines Commentars. Die Erklärung verfehlte durchaus die Wirkung, welche Middleton erwartet hatte. Allerdings war sein Rath erst verlangt worden, als es gleichgültig war, welchen Rath er gab. Wenn Jakob im Januar 1689 ein solches Manifest erlassen hätte, so würde der Thron wahrscheinlich nicht für erledigt erklärt worden sein. Wenn er ein solches Manifest erlassen hätte, als er an der Spitze einer Armee auf der Küste der Normandie war, so würde er einen großen Theil der Nation für sich gewonnen haben und es wäre möglich gewesen, daß ein großer Theil der Flotte sich ihm angeschlossen hätte. Aber 1689 sowohl wie 1692 hatte er im Tone eines unversöhnlichen Tyrannen gesprochen, und es war jetzt zu spät, Milde und Achtung vor der Verfassung des Reichs zu heucheln. Der Contrast zwischen der neuen Erklärung und der vorhergehenden erregte allgemeines Mißtrauen und Verachtung. Wie konnte man dem Worte eines so unbeständigen Fürsten trauen, eines Fürsten, der von einem Extrem zum andren übersprang? Im Jahre 1692 war er nur durch die Köpfe und Glieder mehrerer Hundert armer Landleute und Fischer zu befriedigen, die sich vor Jahren einige rohe Freiheiten gegen ihn erlaubt hatten, über die sein Großvater Heinrich IV. herzlich gelacht haben würde. Im Jahre 1693 sollten die schmachvollsten und undankbarsten Verräthereien mit dem Mantel der Vergessenheit bedeckt werden. Caermarthen gab der allgemeinen Gesinnung einen Ausdruck. „Ich begreife das nicht,” sagte er. „Vorigen April sollte ich gehängt werden; diesen April soll ich vollständige Verzeihung haben. Ich kann mir nicht denken, was ich im Laufe des verflossenen Jahres gethan habe, um soviel Güte zu verdienen.” Man war allgemein der Ansicht, daß unter dieser ungewohnten Milde, unter dieser ungewohnten Achtung vor dem Gesetz eine Schlinge verborgen sei. Die Erklärung, sagte man, sei vortrefflich, und so sei auch der Krönungseid gewesen. Jedermann wisse, wie König Jakob seinen Krönungseid gehalten habe, und Jedermann könne errathen, wie er seine Erklärung halten werde. Während ernste Männer so argumentirten, waren die whiggistischen Spötter nicht sparsam mit Pasquillen. Zu gleicher Zeit ließen auch einige Nichtvergleicher ein unwilliges Murren vernehmen. Der König sei in schlechten Händen, sagten sie, in den Händen von Männern, welche die Monarchie haßten. Seine Gnade sei Grausamkeit von der schlimmsten Art. Die allgemeine Amnestie, die er seinen Feinden zugesichert, sei nichts weiter als eine allgemeine Proscription seiner Freunde. Bisher hätten die von dem Usurpator ernannten Richter unter einer zwar mangelhaften, aber doch nicht ganz unwirksamen Beschränkung gestanden. Sie hätten gewußt, daß ein Tag der Rechenschaft kommen könne und wären daher im Allgemeinen schonend gegen die verfolgten Anhänger des rechtmäßigen Königs verfahren. Diese Beschränkung habe Se. Majestät jetzt aufgehoben. Er habe Holt und Treby gesagt, daß sie bis zu seiner Landung in England Royalisten hängen könnten, ohne die mindeste Besorgniß, zur Rechenschaft gezogen zu werden.[17]
Keine Klasse des Volks aber las die Erklärung mit größerem Abscheu und Unwillen als die eingeborne Aristokratie Irland’s. Das sei also der Lohn für ihre Loyalität. So hielten die Könige ihre Versprechungen. Als England Jakob verstoßen, als Schottland nichts habe von ihm wissen wollen, seien die Irländer ihm noch treu geblieben, und er habe in Anerkennung dessen feierlich ein Gesetz sanctionirt, durch welches ihnen ein großes Ländergebiet, dessen sie beraubt worden waren, zurückgegeben wurde. Seitdem sei nichts geschehen, was ihren Anspruch auf seine Gunst vermindert habe. Sie hätten seine Sache bis zum letzten Augenblicke vertheidigt, sie hätten noch lange nachdem er sie verlassen, für ihn gestritten; Viele von ihnen seien, als sie nicht mehr im Stande gewesen, gegen die Uebermacht zu kämpfen, ihm in die Verbannung gefolgt, und jetzt zeige es sich, daß er mit seinen bittersten Feinden auf Kosten seiner treuesten Freunde Frieden schließen wolle. Es herrschte große Unzufriedenheit in den irischen Regimentern, welche in den Niederlanden und an den Grenzen Deutschland’s und Italien’s zerstreut standen. Selbst die Whigs gaben zu, daß die O und Mac einmal Recht hatten, und fragten triumphirend, ob man von einem Fürsten, der gegen seine ergebenen Diener sein Wort gebrochen, erwarten dürfe, daß er es seinen Feinden gegenüber halten werde?[18]
Rüstungen der Franzosen für den Feldzug.
Während die Erklärung in England den Gegenstand des allgemeinen Tagesgesprächs bildete, begannen auf dem Festlande die militärischen Operationen wieder. Die Rüstungen Frankreich’s waren so gewaltig, daß sie selbst Diejenigen in Erstaunen setzten, die seine Hülfsquellen und die Talente seiner Beherrscher am höchsten anschlugen. Sein Ackerbau und sein Handel lagen darnieder. Die Weingärten Burgund’s, die unabsehbaren Kornfelder der Beauce hatten eine Mißernte gegeben; die Webstühle Lyon’s feierten und die Kauffahrteischiffe verfaulten im Hafen von Marseille. Dennoch zeigte die Monarchie ihren zahlreichen Feinden eine trotzigere und drohendere Stirn als je. Ludwig hatte sich vorgenommen keinen Schritt zu einer Aussöhnung mit der neuen englischen Regierung zu thun, bevor nicht durch eine weitere Anstrengung die ganze Macht seines Reichs entfaltet sein würde. Eine gewaltige Anstrengung war es in der That, aber zu erschöpfend, um wiederholt werden zu können. Er entwickelte ungeheure Streitkräfte zugleich an den Pyrenäen und an den Alpen, am Rhein und an der Maas, im Atlantischen und im Mittelländischen Meere.