Jakob erläßt eine neue Erklärung.

Es zeigte sich bald, daß Jakob fest entschlossen war, nie auf die Krone zu verzichten oder zuzugeben, das der Prinz von Wales als Ketzer erzogen wurde, und es schien lange zweifelhaft, ob irgend welche Beweisgründe und Bitten ihn bewegen würden, die von seinen Freunden in England entworfene Erklärung zu unterzeichnen. Das Schriftstück war allerdings sehr verschieden von jedem, das bisher unter seinem großen Siegel erschienen war. Man ließ ihn darin versprechen, daß er allen seinen Unterthanen, die ihm bei seiner Landung auf der Insel keinen Widerstand entgegensetzen würden, vollständige Amnestie gewähren wolle; daß er sogleich nach seiner Wiedereinsetzung ein Parlament zusammenberufen werde; daß er alle diejenigen während der Usurpation erlassenen Gesetze, die ihm die beiden Häuser zur Bestätigung vorlegen würden, bestätigen werde; daß er sein Recht auf die Kaminsteuer aufgeben, daß er die Staatskirche im Genusse aller ihrer Besitzungen und Privilegien schützen und vertheidigen werde; daß er die Testacte nicht wieder verletzen, daß er die Bestimmung des Umfangs seiner Dispensationsgewalt der Legislatur überlassen und die Ansiedlungsacte in Irland aufrecht erhalten wolle.

Er sträubte sich lange und heftig. Er berief sich auf sein Gewissen. Könne ein Sohn der heiligen römisch-katholisch-apostolischen Kirche sich verpflichten, das Ketzerthum zu beschützen und zu vertheidigen und ein Gesetz in Anwendung zu bringen, das die wahren Gläubigen vom Amte ausschließe? Einige der Geistlichen, von denen es an seinem Hofe wimmelte, sagten ihm, er könne ein solches Versprechen, wie seine pflichtvergessenen Unterthanen es verlangten, nicht ohne Sünde geben. In diesem Punkte konnte die Ansicht Middleton’s, der ein Protestant war, von keinem Gewicht sein. Aber Middleton fand einen Bundesgenossen an Dem, den er als seinen Nebenbuhler und Feind betrachtete. Erschreckt durch den allgemeinen Haß, als dessen Zielscheibe er sich kannte, und fürchtend, daß man ihn in England wie in Frankreich für den Starrsinn seines Gebieters verantwortlich machen würde, legte er die Sache mehreren ausgezeichneten Doctoren der Sorbonne vor. Diese gelehrten Casuisten erklärten die Declaration vom religiösen Gesichtspunkte für tadellos. Der große Bossuet, Bischof von Meaux, den die gallikanische Kirche als einen Vater von fast eben so großer Autorität wie Cyprian oder Augustus betrachtete, bewies durch gewichtige theologische wie politische Argumente, daß der Skrupel, der Jakob quälte, ganz genau zu denen gehöre, vor denen ein viel weiserer König mit den Worten gewarnt habe: „Sei nicht allzu gewissenhaft.”[12] Die Autorität der französischen Theologen wurde durch die Autorität der französischen Regierung unterstützt. Die Sprache, die man in Versailles führte, war so nachdrücklich, das Jakob besorgt zu werden begann. Wie, wenn Ludwig sich ernstlich verletzt fühlen, seine Gastfreundschaft mit Undank vergolten glauben, mit den Usurpatoren Frieden schließen und seine unglücklichen Gäste ersuchen sollte, sich nach einem andren Asyle umzusehen? Es war nothwendig sich zu fügen. Am 17. April 1693 wurde die Erklärung unterzeichnet und besiegelt. Der Schlußsatz war ein Gebet. „Wir kommen, um unser gutes Recht geltend zu machen und die Freiheiten unsres Volkes zu begründen. Möge Gott uns zum Gelingen des Einen verhelfen, wie wir die Befestigung der Anderen aufrichtig wünschen.”[13] Das Gebet wurde erhört. Jakob’s Erfolg stand in genauem Verhältniß zu seiner Aufrichtigkeit. Wie es mit seiner Aufrichtigkeit aussah, davon haben wir die sprechendsten Beweise. Kaum hatte er den Himmel zum Zeugen der Wahrheit seiner Versprechungen angerufen, so befahl er Melfort, eine Abschrift der Erklärung mit Erläuterungen, welche den Papst beruhigen konnten, nach Rom zu senden. Melfort’s Brief schließt folgendermaßen: „Im Grunde ist der Zweck dieser Erklärung lediglich, uns nach England zurückzubringen. Wir werden den Kampf der Katholiken mit viel größerem Vortheile in Whitehall ausfechten können als in Saint-Germains.”[14]

Inzwischen war das Dokument, von dem man so viel erwartete, nach London geschickt worden. Dort wurde es auf einer geheimen Presse im Hause eines Quäkers gedruckt; denn es gab unter den Quäkern eine zwar kleine, aber eifrige und thätige Partei, welche die politischen Ansichten Wilhelm Penn’s in sich aufgenommen hatten.[15] Eine solche Schrift zu verbreiten, war mit einiger Gefahr verknüpft; aber es fanden sich Agenten dazu. Mehrere Personen wurden festgenommen, als sie in den Straßen der Stadt Exemplare vertheilten. Hundert Packete wurden an einem Tage auf dem Wege nach der Flotte auf dem Postamte confiscirt. Bald aber gab die Regierung wohlweislich den Versuch auf, etwas zu unterdrücken, was sich nicht unterdrücken ließ, und veröffentlichte selbst die Erklärung ihrem vollständigen Inhalte nach, begleitet von einem strengen Commentar.[16]