Tillotson’s Tod.
Nachdem der König gesprochen hatte, vertagten sich die Gemeinen aus einem Grunde, den kein Schriftsteller erörtert hat, auf eine Woche. Ehe sie sich wieder versammelten, trat ein Ereigniß ein, das im Palaste und in allen Reihen der Niederkirchenpartei große Betrübniß verursachte. Tillotson wurde plötzlich krank, während er in der Kapelle von Whitehall dem Gottesdienste beiwohnte. Rasche Hülfe hätte ihn vielleicht retten können; aber er wollte die Gebete nicht unterbrechen und nach beendigtem Gottesdienste war seine Krankheit durch die Heilkunst nicht mehr zu heben. Er war fast gänzlich der Sprache beraubt; aber seine Freunde erinnerten sich noch lange mit Vergnügen einiger abgebrochener Ausrufe, welche bewiesen, daß er sich bis zum letzten Augenblicke eines ungetrübten Seelenfriedens erfreute. Er wurde in der Kirche Saint Lawrence Jewry unweit Guildhall beigesetzt. In dieser Kirche hatte er sich seinen glänzenden Ruf als Kanzelredner erworben. Hier hatte er während der dreißig Jahre gepredigt, die seiner Erhebung auf den Thron von Canterbury vorangingen. Seine Beredtsamkeit hatte Massen von Gelehrten und Gebildeten aus den Inns of Court und aus den Palästen von St. James und Soho ins Herz der City gezogen. Ein ansehnlicher Theil seiner Zuhörerschaft hatte in der Regel aus jungen Geistlichen bestanden, welche kamen, um zu den Füßen des Mannes, der allgemein für den ersten Kanzelredner galt, die Kunst des Predigens zu erlernen. Nach dieser Kirche wurde jetzt seine irdische Hülle durch eine trauernde Bevölkerung getragen. Der Bahre folgte ein endloser Zug glänzender Equipagen vom Lambeth durch Southwark und über die Londonbrücke. Burnet hielt die Leichenrede. Auf sein weiches und braves Herz stürmten so viel rührende Erinnerungen ein, daß er mitten in seinem Vortrage innehielt und in Thränen ausbrach, während ein lautes Gemurmel des Schmerzes durch die ganze Versammlung lief. Die Königin konnte von ihrem Lieblingslehrer nicht ohne Thränen sprechen. Selbst Wilhelm war sichtbar ergriffen. „Ich habe,” sagte er, „den besten Freund verloren, den ich je gehabt, und den besten Menschen, den ich je gekannt.” Der einzige Engländer, der in jedem der zahlreichen Briefe, welche der König an Heinsius schrieb, mit Wohlwollen erwähnt wird, ist Tillotson. Der Erzbischof hatte eine Wittwe hinterlassen. Wilhelm setzte ihr ein Jahrgeld von vierhundert Pfund aus, das er später auf sechshundert Pfund erhöhte. Seine ängstliche Fürsorge, daß sie ihre Pension regelmäßig und ohne Verzögerungen ausgezahlt erhielt, machte ihm alle Ehre. Zu jedem Quartaltermin ließ er sich das Geld ohne jeden Abzug bringen und schickte es ihr selbst direct zu. Tillotson hatte ihr außer einer großen Anzahl Predigten in Manuscript kein Vermögen hinterlassen. Sein Name war bei seinen Zeitgenossen so berühmt, daß diese Predigten von den Buchhändlern für die kaum glaubliche Summe von zweitausendfünfhundert Guineen angekauft wurden, was bei der damaligen kläglichen Beschaffenheit des Silbergeldes mindestens soviel war als dreitausendsechshundert Pfund. Ein solcher Preis war in England noch nie für das Verlagsrecht eines Werks bezahlt worden. Um die nämliche Zeit erhielt Dryden, dessen Ruhm damals auf dem Höhepunkt war, für seine Uebersetzung der sämmtlichen Werke Virgil’s dreizehnhundert Pfund, und man hielt dies für ein glänzendes Honorar.[126]