B. 107. Erasmus von Rotterdam. 1526.

Dieses Bildniß ist an sich nicht eben selten, doch trifft man davon nur höchst wenige sehr schöne und kräftige Abdrücke. Die beiden vorzüglichsten, welche ich kenne, sind in den Sammlungen des British Museum und des Herrn Felix Slade in London. Die alten Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges, oder häufiger eines gekrönten Schildes mit zwei Lilien, N. 11, ein Wasserzeichen, welches in etwas abweichender Form zwar schon bei Abdrücken der ältesten Kupferstiche vorkommt, das ich aber bis auf wenige Ausnahmen sonst nie bei anderen Kupferstichen Dürer’s, wohl aber bei Zeichnungen desselben aus den Jahren 1525, 1526 und 1528 angetroffen habe.

Spätere Abdrücke findet man auf den verschiedensten Papieren, da die Platte, in guter Beschaffenheit, sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat. Sie wird gegenwärtig in der Kupferstich-Sammlung des Schlosses Friedensstein in Gotha aufbewahrt.

Die Abdrücke mit dem Wasserzeichen, des Wappen der Stadt Schrobenhausen, sind zuweilen noch schön, diejenigen mit den Wasserzeichen der beiden Thürme, eines krausen nicht kenntlichen Wappen, und eines großen geschweiften Wappen, unter welchem sich die Buchstaben HN/M. befinden, immer noch gut zu nennen, halten indeß den Vergleich mit den älteren Abdrücken nicht aus. Ein interessantes Exemplar von diesen bewahrt die sehr reiche Portrait-Sammlung des Herrn Geheimen Rath Wolff in Bonn. Es hat ein Papier ohne Wasserzeichen, mit Entfernung der Drathstriche von 13 Linien, ist aber dadurch merkwürdig, daß der berühmte Astronom Nicolaus Kracer in lateinischer Sprache darauf bemerkt hat, wie er im Jahre 1520 gegenwärtig gewesen sei, als Dürer den Erasmus für diesen Stich, welcher bekanntlich die Billigung dieses Gelehrten nicht fand, gezeichnet habe.