Katharina die Heldenmütige 1509–1567

Noch nicht sechzehn Jahre alt hatte sie die Henneberger Heimat verlassen, um dem Schwarzburger zu folgen, mit siebzehn Jahren war sie Mutter geworden, nun mußte sie als neunundzwanzigjährige Witwe ihr Schicksal selbst lenken. Zwei Töchter waren ihr am Leben geblieben, ein Kind erwartete sie. Warmes Herz, klarer Blick und kräftige Hand standen ihr zu Gebote.

Das Bild Katharinas würde wohl in dem Dämmerschein der Vergangenheit verblaßt sein, wenn nicht Schillers Aufsatz vom Frühstück auf dem Schlosse zu Rudolstadt es wieder an das Licht gerückt hätte. Der einzige ursprüngliche Zeuge für die seltsame Begebenheit ist Cyriacus Spangenberg, einer ihrer vielen Schützlinge. Sein Werk »Adelsspiegel« war schon für Schiller nicht erreichbar und wird heute sehr selten sein. Deshalb lohnt es sich vielleicht, sein Zeugnis im Wortlaut wiederzugeben.

»Hierbei will ich nur noch eine mannlich beherzte Tat einer deutschen Fürstin erzählen, wie ich die aus derselben eigen Munde Anno 1552 gehöret.

Im Schmalkaldischen Kriege 1547 hat sichs zugetragen, als Kaiser Karl wieder aus Sachsen durch Thüringen nach dem Franken- und Schwabenland gezogen, mit den beiden gefangenen Fürsten, Herzog Johann Friedrich, Kurfürst zu Sachsen, und Landgraf Philipp zu Hessen, daß die Gräfin von Schwarzburg auf Rudolstadt, Frau Katharina, geborne Fürstin von Henneberg, Witwe, für ihre armen Untertanen Salvaguardien ausgebracht, damit dieselbigen an Viehe und Gütern für den durchziehenden Kriegsvolk unbeschädigt bleiben möchten. Hat dagegen sich erboten, damit auch das Städtlein Rudolstadt unbeschweret bleiben möchte, um ziemliche Bezahlung Brot und andere Speis und Trank heraus an die Saalbrücke zur Notdurft zu verschaffen, wie denn auch geschehen. Doch hat sie die Brücke einen guten Weg weiter von dem gewöhnlichen Ort vom Städtlein am Wasser hinab über die Saale schlagen lassen. Mittlerweile haben ihre armen Leute, was ihnen sonst lieb, aufs Schloß Rudolstadt aus dem Wege geflöhet. Und haben im Vorüberzuge Herzog Heinrich von Braunschweig beneben seinen Söhnen und der Duc de Alba an gedachte Gräfin werben lassen, das Morgenbrot bei ihr zu nehmen. Darauf sie zur Antwort geben, daß sie mit ihren Personen wohl zufrieden wäre, hätte aber ein schlecht gering und ungebauet Haus, darauf jetzigerzeit viel schwangere Weiber, Sechswöchnerinnen und Kinder von ihren Untertanen aus Furcht gewichen, wollte aber für sie wohl Raum finden und gerne mitteilen, was das Haus vermöchte. Doch darneben gebeten haben, damit fürlieb zu nehmen und auch die Verschaffung zu tun, daß ihre armen Leute der ausgebrachten Salvaguardi genießen möchten. Hat aber insonderheit den Herzog von Braunschweig durch einen ihrer Gesandten, der sie auf das Schloß bringen sollte, bitten lassen, ihre Gelegenheit und Zustand als einer Witwe zu bedenken und daran zu sein, daß nicht zuviel Gesindes mit aufs Haus kommen, noch sie, derweil sie sich diesmal so eilend keiner Gäste versehen, zu hoch überladen werden möchte. Wollte sie die Herren gerne haben und ihnen tun, was ihr Vermögen, doch dem Gesinde, so sie mitbringen würden, im Städtlein auch ihre Notdurft verschaffen.

Hierauf gedachte Herren zu ihr auf das Haus kommen, denen sie auf eine Eile ziemliche gute Ausrichtung getan. Sie hat aber, alsbald ihr der Fürsten Zukunft zuentboten worden, ihre Junker in der Nähe eilends zu sich beschieden, beneben etlichen Schultheißen, wiewohl der Junker allbereit viel bei ihr auf dem Hause, dahin sie denn auch ihr Weib und Kinder geflöhet gehabt, gewesen. Unter der Mahlzeit aber kömmt ihr die Botschaft, daß die Spanier ungeachtet der Salvaguardien in etlichen Dörfern ihren armen Leuten das Viehe mit Gewalt genommen und mit sich davon getrieben, welches sie gar heftig bewegt, wie sie dann auch ein großmütiges Weib gewesen. Derwegen alsbald allen, die bei ihr auf dem Hause gewest, heimlich befohlen, sich mit ihrer besten Rüstung und Wehre gefaßt zu machen und auf der Fürsten Gesindlein Achtung zu geben, daß keins aus dem Hause komme, und derenwegen Tor und Pforten wohl in acht zu nehmen. Ist darnach wieder zu den Fürsten in das Gemach, da sie Mahlzeit gehalten, gangen und ihnen mit bewegtem Gemüt geklagt, wie es ihr und ihren armen Leuten ergehe über gegebene Sicherung. Dessen die Herren denn freundlich gelacht, sie heißen zufrieden sein und gesagt, daß in dergleichen Zügen ein solches nicht allerdinge noch allezeit so gar könnte verkommen werden. Darüber sie bei ihr selbst unmutig worden und begehret, sie wollten daran sein, daß ihre armen Leute ihr Viehe wieder bekommen möchten, oder es müßte Fürstenblut gelten für Ochsenblut. Welche Rede die Herren erstlich in Scherz geschlagen und sie vertröstet zu versuchen, das abgetriebene Viehe, wo nicht alles doch einsteils wieder zu bekommen. Damit sie aber nicht zufrieden gewesen, sondern begehret, alsbald dran zu sein, daß ihren armen Untertanen ihr Viehe wieder werden müßte.

Da sie nun einen aus ihrem Mittel hienach senden wollen, das Viehe wieder zurückzubringen, hat sie befahret, es möchte derselbige dieses ihr angefangenes ernstes Werk und harte Wort dergestalt und mit solcher Unbescheidenheit bei andern fürbringen, daß beide ihr und ihren armen Leuten ein Argers draus entstehen möchte, und derentwegen nicht zugeben wollen, daß der Herren einer oder auch jemand von ihrem Gesinde abgesandt würde, sondern darauf gedrungen, schriftlich das Viehe wieder abzufordern, wollte sie von den Ihren etliche darzu abfertigen. Und hat auch mit angehänget, daß ihr keiner von dem Hause kommen sollte, sie wüßte dann gewiß, daß sie ihr Viehe wiederbekäme. Und im Fall, daß darüber etwas Gewaltsames von ihnen sollte fürgenommen werden, sollte ihr keiner lebendig vom Hause hinwegkommen. Und hat darauf ihre gewappneten Leute ins Gemach mit ihren Wehren hereintreten und allda aufwarten heißen, dessen denn der Duc de Alba nicht ein wenig erschrocken. Der Herzog von Braunschweig aber sich nichts merken lassen, sondern solches alles ihr zum besten gedeutet als einer solchen Landesmutter, die sich ihrer armen Leute billich mit Ernst annehmen und die nicht gerne verderbt wissen wollte, sie freundlich angeredet, sie sollte sich zufrieden stellen, es sollte der Sachen bald Rat geschafft werden. Und beneben dem Duc de Alba ein kurz ernstliches Schriftlein mit ihrem Handsigill gefertigt mit Anzeigung, was für Gefahr denen darauf stehen würde, so wider gegebene Salvaguardi das Viehe abgetrieben. Und haben solchen Zettel der Gräfin auf ihr Begehren zum besten zu bestellen übergeben, welchen sie denn auch durch die Ihrigen eilend abgefertigt. Aber die Herren nicht weglassen wollen, bis einer schnell zurück kommen und die Botschaft bracht, daß den Bauern ihr Viehe wieder worden. Darauf sie den Fürsten zum höchsten gedankt, dieselbigen ihr aber bei ihren fürstlichen Ehren zusagen und versichern müssen, solches, was sie aus dringender Not tun müssen, weder an ihr noch den Ihren zu eifern noch zu rächen. Und hat Herzog Heinrich dieses ernsten Scherzens darnach wohl lachen müssen, auch die Gräfin darum gelobet. Und sind also endlichen mit Frieden in gutem voneinander geschieden.«

Bald nach jenem Ereignis sollte die unerschrockene Frau Gelegenheit haben, als Beschützerin des evangelischen Bekenntnisses dem Willen des fanatischen Kaisers selbst zu trotzen. Heimatschriftsteller des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts erzählen gern davon.

Der Saalfelder Pfarrer Kaspar Aquila, ein tätiger Gehilfe Luthers bei der Bibelübersetzung, war gegen das Augsburger Interim aufgetreten und wurde bei Karl V. verklagt, so daß dieser eine Prämie von 5000 Gulden auf seinen Kopf setzte. Die Saalfelder ersuchten die Gräfin, den Bedrohten auf einige Zeit in Verwahrung zu nehmen. Sie ließ einen Kutschwagen bis vor Saalfeld fahren. Der Magistrat holte den standhaften Prediger in seinem Hause ab und begleitete ihn durch das Blankenburger Tor.

»Als die Frau Superintendentin damals beim Schießteiche ihre Tücher und Bettgewand gewaschen, erschrickt sie heftig über solchen Aufzug und fragt mit bestürztem Gemüte: Ei, daß Gott walte, wo wollt ihr meinen lieben Herrn hinführen? Darauf er sie mit den Armen umfangen und ihr mit folgenden Worten einen Kuß gegeben: Liebe Hausmutter, gehab dich mit den Kindern wohl! Bittet Gott für mich und gebet mir fleißig acht aufs Häusel! Darauf steiget der Herr Superintendent in Gottes Namen auf den Wagen und fähret geschwind fort auf den Hain zu.

Zur Losung hatte die Gräfin dem Kutscher ein weißes Tuch mitgegeben, damit er es, wenn er nahe an das Schloß komme, zu einem Zeichen auswerfen sollte. Als solches geschehen, verschickte die Gräfin all ihr Hofgesinde hin und wieder in die Stadt, bis auf einen Einzigen, ihren Schneider, und logiert Herrn Aquilam in aller Stille in einem Oberstüblein. Hat die teure Wohltäterin über der Tafel etwas Köstliches gehabt, hat sie dieses gesagt: Gehe hin und bringe mir das dem kranken Mann! Da denn mehrgedachter Schneider schon gewußt, wem solch Essen zugehöre.

Wenn die Gräfin zu gewissen Zeiten den Aquilam in seinem Stüblein besucht und denselben gefragt: Herr Aquila, wie stehts, was macht Ihr Gutes? hat er geantwortet: Gnädige Fürstin und Frau, da sitze ich und lese in meinem Psalterbüchlein die Worte: Deine Kinder werden um deinen Tisch sitzen wie die Ölzweige! Da fällt mir ein Zähren nach dem andern auf die Bibel.

Als nun die Gräfin gedacht, sie vermöchte als eine Witwe den Aquilam nicht länger bei sich behalten, hat sie an ihre Herren Brüder geschrieben und sie gebeten, daß sie doch den Aquilam zu sich in Verwahrung nehmen und von ihr abfordern lassen wollten.«

Lorenz Ritter, Poet und Priester in Blankenburg, besang die Gräfin:

Sic Aquilam texit, qui propter dogmata Christi,

Non, sibi commissa, tutus in orbe fuit,

Sic alios etiam defendit saepe fideles

Constantesque viros. En pietatis opus!

So hat sie den Aquila beschützt, der wegen der Lehre Christi,

die ihm anvertraut war, in der Heimat nicht sicher lebte,

Ebenso verteidigte sie auch oft getreue

und standhafte Männer. Sehet, welch ein Werk der Frömmigkeit!

Über die Lebensereignisse und die Geistesart der heldenmütigen Frau ist manches aus den Archiven bekannt geworden, manches wird noch darin schlummern. Als Landesherrin bestand sie herzhaft auf ihren Rechten gegenüber Gebietsnachbarn, die gar nicht immer ritterlich gegen sie handelten. Dann fand sie aber bei den sächsischen Herzögen, voran bei Johann Friedrich dem Großmütigen, gute Obervormundschaft. Freimütig wie in Alltagsfragen verhielt sie sich in ihrem Bekenntnis zur Reformation, was gar nicht immer leicht war, zumal geistliche und weltliche Rücksichten zu ihrer Zeit noch vielfach ungeklärt einander durchkreuzten.

Die Schwarzburgischen Besitzungen verursachten leicht Verdrießlichkeiten, da Nutzungsrechte der Verwandten an Bergwerk, Weinwachs, Jagd und Fischfang auf gemeinsamen Gebieten nebeneinander liefen. Sie verteidigte dann diplomatisch klug die Ansprüche ihrer Kinder, nicht ohne zartes Gefühl für Billigkeit.

Die Verwaltung ihrer Ämter Blankenburg und Rudolstadt nahm sie in die Hand wie die Herrin eines großen Gutes, und sie griff zu, lenkte selbst und sah persönlich nach dem Rechten.

Verlobungs- und Ehefragen ihrer Töchter erforderten feinen Takt, und sie bewies ihn in mütterlicher Liebe wie in vorbildlichem Verhalten ihren Schwiegersöhnen gegenüber, deren feinsinnigster, Graf Wolrad von Waldeck, ihr in seinem Tagebuch ein rührendes Denkmal setzte.

Wissenschaft und Kunst haben schon Verlangen gehabt, etwas von der äußeren Erscheinung der Gräfin zu erfahren. Ein Bild von ihr ist nicht aufzufinden, und sollte es noch vorhanden sein, nicht mehr nachzuweisen.

So bleiben als Äußerungen ihres Geistes ihre Briefe übrig. Katharina führte eine gewandte Feder, versäumte keine höfische Form, ließ aber darunter ihr Gemüt nicht ersticken, und ihre hennebergische Mundart klingt heimelig hindurch, auch der Goldglanz des Humors schimmert zwischen den Zeilen.

Bilder von der Szene Fürstenblut für Ochsenblut! sind entstanden in der Zeit, da man historisch-theatralisch malte, aber unser nüchternes Urteil sucht Wahrheit. Auch die Dichtung hat sich mit dem Vorgang beschäftigt und tut das heute noch, aber fern von Wahrscheinlichkeit.

Freunde der Graphologie mögen die Schriftzüge deuten, auch wenn sie hier nur stark verkleinert zu bringen sind. Sie bilden den Schluß eines Briefes an ihren Bruder.

Euer Liebden treue schwester
Catarina etc.

Nur zu einer allgemeinen Vorstellung von der Gestalt der Gegnerin Albas kann uns das verhelfen, was man 1875 vorfand, als ihr Grab in der Stadtkirche aufgedeckt wurde. Ihre Größe betrug nicht ganz 1,70 Meter, und ihre Ringe, Weite 17, entsprechen einer kräftigen Frauenhand. Es sind drei fadendünne Reifen, zwei aus Silber, einer aus Gold, die samt Resten von brauner Seide und gemustertem Sammet in der Heidecksburg als Reliquie aufbewahrt werden.

*

Im Jahre 1572 erbte Graf Albrecht VII. die Ämter Rudolstadt und Blankenburg, er wurde in der Folge Stifter der Linie Schwarzburg-Rudolstadt und Stammvater dieses Fürstenhauses. Kaum hatte er seine Residenz bezogen, als am 27. März 1573 das Schloß niederbrannte. In seiner Jugend hatte er auf deutschen und italienischen Universitäten studiert, dann am Hofe des Prinzen Wilhelm von Oranien gelebt und Kriegsdienste bei dem Könige von Dänemark genommen. Was er dabei an Schloßbauten als schön und zweckmäßig kennengelernt hatte, wird ihm nun bei dem Neubau seines Hauses vorgeschwebt haben. Schon nach drei Jahren konnte er die Gräfin Juliane von Nassau, die Schwester des Oraniers, als Herrin in sein neues Heim einführen. Auch seine zweite Ehe mit der reichbegüterten und heiteren Pfälzerin Elisabeth von Leiningen-Westerburg wird nicht ohne Einfluß auf die Ausstattung der Heidecksburg geblieben sein.

Bauteile dieser Periode dürften in den Untergeschossen des heutigen Südflügels und Westflügels zu suchen sein, und was von Schmuckformen die Zeit und neue Schadenfeuer überdauerte, fand pietätvolle Verwendung, so die schöne Portalumrahmung mit den fünf Statuen der Fürstentugenden vor dem Doppeleingang des Nordflügels.

Die Bautätigkeit Albrechts VII. setzten seine Söhne fort. Unter Graf Karl Günther wird das Reithaus die Form angenommen haben, die es noch heute im wesentlichen zeigt. Auch das Gebäude der Landesschule, heute Landesbibliothek, war sein Werk. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Pädagog Wolfgang Ratich in Karl Günthers Schloß Aufnahme fand als Lehrer bei den Sprachstudien seiner Gemahlin Anna Sophie, einer geborenen Prinzessin von Anhalt.

Reiche Bautätigkeit entfaltete der zweite Sohn, Ludwig Günther, als er 1630 den Bruder beerbte. Trotz Schrecken und Nöten der Kriegsjahre führte er in glänzender Weise die Erneuerung der Stadtkirche aus. Bis an die Schwelle des Greisenalters war er ledig geblieben, da führte das Schicksal eine stattliche blonde Gestalt in sein Haus zur Feier einer Taufe, die ein verwandtes Ehepaar hier ausrichtete. Amilie Antonie von Oldenburg-Delmenhorst gab rasch entschlossen seiner Werbung nach und bewährte sich bald als geistiger Mittelpunkt eines werktätigen und ernst religiösen Lebens im Zeitalter Speners und im Sinne August Hermann Franckes.

Von 1639 bis 1646 schenkte sie ihrem Gatten vier Töchter und einen Sohn, dann zog sie, die Tochter der weiten norddeutschen Ebene, als Witwe in das enge Waldtal von Leutenberg. Dort stand ihr als Wittum die Friedensburg zu. Mit weitem Blick und in fleißigem Tagewerk verwaltete sie ihre Güter. Ihre Kinder, dazu ihre Pflegetochter Amilie Juliane von Barby, erhielten unter ihrer Aufsicht eine musterhafte Erziehung für das tägliche Leben und eine wissenschaftliche Bildung, die der Zeit weit vorauseilte. Ihre Liebe für Kunst und Handwerk bewies sie in Aufträgen, soweit sie nur mit ihren Mitteln ausführbar waren, und mit der Bevölkerung wuchs sie zusammen in Freud und Leid der drangvollen Jahre. Lehrer ihrer Kinder, Geistliche in ihrer Nähe, Beamte ihres Haushalts, ein geschlossener Kreis Gleichgesinnter, gehören der Geschichte des evangelischen Kirchenliedes an und vererbten religiöse Dichtung bis auf Kindeskind (s. Rein, Die Friedensburg. Greifenverlag 1925).

In der Heidecksburg sind sechs große kulturhistorisch merkwürdige Bilder aus ihrer Oldenburgischen Erbschaft übriggeblieben. Sie stellen die Sage von einem Gottesurteil dar und fanden mehrmals Besprechung in der Literatur, zuletzt 1921 in der Wilhelmshavener Zeitschrift Tide. Außer Einzelporträten nach dem Leben ist ein Bild von Amilie Antonies Kindern in großem Format vorhanden und eine idealisierte Familiengruppe unter dem Kreuz Christi.