Litteratur.

1) G. Brandes, Die Familie der Holostomiden. Zoolog. Jahrbücher. Abt. f. Systematik, Geographie u. Biologie der Tiere. Bd. 5.

2) M. Braun, Zur Entwickelungsgeschichte des breiten Bandwurmes. Würzburg 1883.

3) O. Bütschli, Zur Entwickelungsgeschichte des Cucullanus elegans. Zeitschr. f. wiss. Zoologie. Bd. 26. 1876.

4) G. Bunge, Weitere Untersuchungen über die Atmung der Würmer. Zeitschr. f. physiol. Chemie. Bd. 14. 1889.

5) C. M. Diesing, Systema Helminthum.

6) Donnadieu, Contributions à l’histoire de la Ligule. Journal de l’anatomie et de la physiologie. 1877.

7) F. Dujardin, Histoire naturelle des Helminthes.

8) O. Hamann, Die Nemathelminthen. Erstes Heft: Die Acanthocephalen. 1891.

9) F. Küchenmeister, Die Finne des Bothriocephalus latus und ihre Übertragung auf den Menschen.

10) R. Leuckart, Die Parasiten des Menschen und die von ihnen herrührenden Krankheiten. 1. und 2. Auflage.

11) O. v. Linstow, Compendium der Helminthologie. Hannover 1878.

12) O. v. Linstow, Nachtrag dazu. Die Litteratur der Jahre 1878–1889.

13) E. Lönnberg, Helminthologische Beobachtungen von der Westküste Norwegens. Erster Teil: Cestoden. Svenska Vet. Akad. Handlingar. Bd. 16. Afd IV.

14) E. Lönnberg, Bidrag till Kännedomen on i Sverige förekommande cestoder. Ibid. Bd. 14, IV.

15) F. Miescher-Rüsch, Statistische und biologische Beiträge zur Kenntnis vom Leben des Rheinlachses im Süsswasser. Ichthyologische Mitteilungen aus der Schweiz zur internationalen Fischereiausstellung zu Berlin 1880.

16) A. Moquin-Tandon, Monographie de la famille des Hirudinées avec atlas. Paris 1846.

17) E. Parona, Intorno la genesi del Bothriocephalus latus (Brems.) e la sua frequenza in Lombardia. Torino 1887.

18) M. Stossich, I Distomi dei pesci marini e d’acqua dolce. Trieste 1886.

19) M. Stossich, Appendice al mio lavoro i Distomi dei pesci marini e d’acqua dolce. Trieste 1888.

20) G. Saint-Remy, Recherches sur la structure des organes génitaux du Caryophyllaeus mutabilis. Revue biologique du Nord de la France. T. 2. 1889–90.

21) A. Villot, Echinorhynchus clavaeceps. Note sur son organisation et son développement. Bulletin de la société des sciences naturelles du Sud-Est.

22) R. v. Willemoes-Suhm, Helminthologische Notizen. II. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 20. 1870.

23) E. Zeller, Untersuchungen über die Entwickelung des Diplozoon paradoxum. Ibid. Bd. 22. 1872.

24) E. Zeller, Über den Geschlechtsapparat des Diplozoon paradoxum. Ibid. Bd. 46. 1888.

25) F. Zschokke, Recherches sur l’organisation et la distribution zoologique des vers parasites des poissons d’eau douce. Archives de Biologie. 1884.

26) F. Zschokke, Helminthologische Bemerkungen. Mitteilungen a. d. zool. Station zu Neapel. Bd. VII.

27) F. Zschokke, Der Bothriocephalus latus in Genf. Centralblatt f. Bakteriol. u. Parasitkunde. Bd. 1. 1887.

28) F. Zschokke, Ein weiterer Zwischenwirt des Bothriocephalus latus. Ibid. Bd. 4. 1888.

29) F. Zschokke, Über Bothriocephalenlarven in Trutta salar. Ibid. Bd. 7. 1890.

Über
die quantitative Bestimmung des Plankton
im Süsswasser.

Von Dr. C. Apstein in Kiel, Zoolog. Institut.

In seinem Werke[103][LXXIX] „Über die Bestimmung des Planktons oder des im Meere treibenden Materials an Pflanzen und Tieren“ bezeichnet Hensen mit PlanktonAlles, was im Wasser treibt“. Es sind also darunter alle Organismen, sowohl Pflanzen wie Tiere, zu verstehen, die willenlos der Wellenbewegung und den Strömungen folgen. Der Begriff ist enger gefasst als „Auftrieb oder pelagische Organismen“, denn zu letzteren gehören beispielsweise die freischwimmenden Fische, die aber nicht zum Plankton zu zählen sind, da sie vermöge ihrer Grösse und Stärke nicht machtlos im Wasser treiben, dagegen bilden die schwimmenden Fischeier und junge Fische einen Teil des Plankton. Ebenso könnte es scheinen, als ob die Copepoden ausscheiden müssten, die bekanntlich einer ziemlich energischen Bewegung fähig sind; doch ist dieselbe zu wenig ausgiebig, um den bewegenden Agentien irgend einen nennenswerten Widerstand entgegensetzen zu können.

[LXXIX] Die Zahlen verweisen auf das [Litteraturverzeichnis].

Schon im Jahre 1884 hat Hensen in seiner Arbeit[102]: „Über das Vorkommen und die Menge der Eier einiger Ostseefische, insbesondere der Scholle, des Flunder und des Dorsch“ ein Problem in Angriff genommen, an dessen Lösung niemand vor ihm gedacht hatte, nämlich die quantitative Bestimmung der im Meere treibenden Organismen.

Nur einmal ist, unabhängig von Hensen[LXXX], jedoch nach diesem, dieselbe Art der Forschung versucht worden von Asper und Henscher[95] 1886, welche die Organismen aus einer bekannten Wassermenge sammelten und dann die Zahl der Individuen bestimmten, die sich in einem Tropfen Flüssigkeit, von denen fünfzehn auf 1 ccm gingen, befanden. Dadurch erhielten sie einen ungefähren Überblick über die Menge der pelagischen Tiere in dem untersuchten Süsswasserbecken. Doch ist dieser Versuch nicht in eine Reihe zu stellen mit den sorgfältigen Methoden der Hensenschen Forschungen. Hensen blieb nicht bei den einfachen quantitativen Bestimmungen stehen, sondern zeigte auch, warum diese von so hoher Wichtigkeit sind. In letzter Linie kam es ihm darauf an, den Stoffwechsel des Meeres näher kennen zu lernen. Bekanntlich vermögen nur die chlorophyllführenden Wesen, also Pflanzen und Peridineen, von denen letztere noch von manchen zu den Flagellaten gerechnet werden, aus anorganischen Stoffen organische Verbindungen herzustellen; die Kraft, durch die diese Umbildung geschieht, liefert das Sonnenlicht. Dieses dringt bis höchstens 400 m in das Wasser ein und soweit finden wir auch nur chlorophyllhaltige Organismen. Dieser Fähigkeit wegen können wir auch die pflanzlichen Wesen mit Einschluss der Peridineen Nahrungsproduzenten[96] nennen. Ihnen stehen die Nahrungskonsumenten gegenüber, welche die oben erwähnte Fähigkeit nicht besitzen, also ganz von den Pflanzen abhängig sind; es sind, um es kurz zu sagen, die Tiere. Wo keine Pflanzen sind, können also auch keine Tiere sein! Da, wie oben erwähnt, die Sonne die Kraft den Pflanzen giebt, organische Verbindungen zu bereiten, so hätten wir ein Mass für die Produktion des Wassers an belebter Substanz, wenn wir alle unter einer bekannten Oberfläche — als Einheit 1 qm — vorhandenen Pflanzen bestimmen könnten. In dieser Richtung hat Hensen[LXXXI] zur ersten Orientierung eine Anzahl analytischer Gewichtsbestimmungen gemacht, denen wir folgende Daten entnehmen.

[LXXX] Hensen hat schon im Jahre 1885 mehrere Mitteilungen über sein Verfahren veröffentlicht, so in den Sitzungsberichten des physiologischen Vereins in Kiel, in den Mitteilungen des Vereins schleswig-holsteinischer Ärzte, im 8. Jahresbericht des Centralfischereivereins für Schleswig-Holstein, dann 1886 im Tagesberichte der Naturforscher-Versammlung in Berlin.

[LXXXI] Planktonwerk S. 34. (Siehe [Litteraturverzeichnis 103].)

Ein ganzer Fang (aus der Ostsee) vom Februar 1885, der reich an einer Diatomeenart (Rhizosolenia) war, enthielt unter 1 qm Oberfläche 1608.3 ccm Plankton. Davon wurden 70 ccm weiter verarbeitet. Diese enthielten 0.18 gr organische Substanz = 42.1% und 0.2575 gr = 57.9% Asche. Der ganze Fang würde also 4.296 gr organische Substanz geliefert haben. Dies ist sehr wenig, aber da die Diatomeen so zahlreich waren, so ist der beträchtliche Aschenanteil durch die Kieselsäureskelette verständlich.

Zu ferneren Analysen wurden einzelne Bestandteile des Plankton verwendet, so die Ceratien und Copepoden. Von ersteren fanden sich in 7.25 ccm Fang 12.45 Millionen. Diese enthielten 0.389 gr organische Substanz = 96.05% und nur 0.016 gr Asche = 3.94%.

Auf 1 Million Ceratien käme also 0.031245 gr organische Substanz.

Von Copepoden wurde einmal Rhinocalanus gigas zur Bestimmung benutzt. 4 ccm davon = 321 Stück ergaben 0.0527 gr = 99.4% organische Substanz und nur 0.0003 gr = 0.6% Asche.

Diese Zahlen benutzt Hensen weiter, wobei hervorzuheben ist, dass alle Angaben nur Minimalzahlen sind. Hensen hat nun nach Versuchen[LXXXII] — denen er selbst nur einen vorläufigen Wert beimisst — berechnet, dass ein Copepod zu seiner Ernährung täglich 12 Ceratien, das ist pro Jahr 4370 Ceratien bedarf. Da nun auf 1 qm Oberfläche (also einer Wassersäule, die 1 qm zur Grundfläche und die Tiefe des Wassers[LXXXIII] zur Höhe hat) ungefähr 1 Million Copepoden lebt, so bedürfen diese zur Nahrung 4370 Millionen Ceratien, welche 4370 × 0.031245 = 133.35 gr organische Substanz liefern.

[LXXXII] [ibid.] S. 95.

[LXXXIII] Hier in der Ostsee etwa 20 m.

Die Jahresproduktion an Diatomeen[LXXXIV] berechnet Hensen auf 6570 ccm pro Quadratmeter Oberfläche, diese enthalten 14.8 bis 17.7 gr organische Substanz. Es würden also in Summa pro Jahr von Diatomeen und Ceratien 133 + 17 gr = 150 gr organische Substanz pro Quadratmeter Oberfläche erzeugt werden.

[LXXXIV] [ibid.] S. 96.

Nach Berechnungen von Rodewald erzeugt 1 qm bebauten Landes (in Form von Heu) 179 gr organische Substanz. Es ist also die Produktion des Plankton nur um 20% geringer als die der gleichen Fläche Ackerlandes[LXXXV]. Da jedoch für die Berechnungen des Wassers nur Minimalzahlen genommen sind, so wäre es möglich, dass in der That die Produktion des Wassers gleich ist der des Landes. Hiermit ist also ein Mass für die Ertragsfähigkeit des Wassers gewonnen und zugleich ein Ausdruck für die belebende Wirkung des Sonnenlichtes.

[LXXXV] Dasselbe erwähnt Seligo[107] in seinen „Hydrobiologischen Untersuchungen“. Er sagt: „Wie eine Wiese ist die Wasserfläche gleichmässig bewachsen. Allerdings liegen die Pflänzchen normal nicht dicht an einander, aber dafür beschränkt sich ihre Anwesenheit und ihr Gedeihen nicht auf die Wasseroberfläche, sondern die oberen Wasserschichten bis zu mehreren Metern Tiefe sind davon durchsetzt, sodass die Gesamtmenge der unter einem bestimmten Teil der Oberfläche wachsenden Pflänzchen ungefähr so viel Pflanzenmenge sein dürfte, wie auf einer gleichgrossen Fläche einer dünn bewachsenen Wiese sich findet“.

Die oben gewonnenen Zahlen lassen sich jedoch noch weiterhin benutzen, z. B. für praktische Zwecke der Fischerei, wie Heincke[101] dargethan hat. Jedoch würde es uns zu weit führen, auf alle diese interessanten Berechnungen weiter einzugehen, wir müssen auf die Originalwerke verweisen.

Ein Punkt ist jedoch noch von Wichtigkeit, der es klarlegen soll, dass die Planktonmethode zu den vorhin dargelegten Schlüssen berechtigt. Haben wir ein Recht, von der Beobachtung, die wir aus einem kleinen Wasserquantum gewonnen haben, auf die Zusammensetzung des Plankton eines ganzen Wasserbeckens zu schliessen? Da hat sich nun gezeigt bei Untersuchungen in der Ostsee, dass die Verteilung des Plankton eine ziemlich[LXXXVI] gleichmässige ist. Diese gleichmässige Verteilung ist von Hensen in seiner Arbeit[102]: „Über das Vorkommen und die Menge der Eier einiger Ostseefische, insbesondere der Scholle, des Flunder und des Dorsch“ so erklärt. Trifft ein Stoss, z. B. eine Welle, ein schwimmendes Ei, so können zwei Fälle in Betracht kommen: erstens, ist der Stoss senkrecht, so wird das Ei in der Richtung des Stosses fortbewegt; zweitens, ist der Stoss unter einem Winkel auf das Ei gelangt, so schiebt eine Komponente des Stosses das Ei weiter, während die andere es dreht. So werden die Eier nach und nach auseinandergetrieben, wenn sie auch an einer Stelle der Oberfläche sich befanden, da ein Stoss nicht alle Eier in derselben Richtung trifft. Was für die Eier gilt, ist auch für die anderen Organismen des Plankton anzuwenden. So wird durch die Wellen, welche wie eine Schüttelbewegung wirken, die Zerstreuung besorgt. Diese Thatsachen hat Hensen auch noch direkt durch Experimente (siehe die gleiche Arbeit) erhärtet, indem er mehrere versilberte Glaskugeln, die so beschwert waren, dass sie gerade noch schwammen, in das Wasser versenkte und nach einiger Zeit wahrnahm, dass sie weit auseinandergetrieben waren.

[LXXXVI] In einer neuen Arbeit Hensens[104]: „Einige Ergebnisse der Plankton-Expedition der Humboldt-Stiftung“ heisst es: „... Die Expedition ging von der rein theoretischen Ansicht aus, dass in dem Ozean das Plankton gleichmässig genug verteilt sein müsse, um aus wenigen Fängen über das Verhalten sehr grosser Meeresstrecken sicher unterrichtet zu werden, und diese Voraussetzung hat sich weit vollständiger bewahrheitet, als gehofft werden konnte“.

Nachdem wir gesehen haben, was für weitgehende Schlüsse Hensen mit Hilfe seiner Planktonmethode, d. h. der Art und Weise der Gewinnung und Verarbeitung eines Planktonfanges, zu ziehen imstande war, wollen wir diese Methode[LXXXVII] näher ins Auge fassen.

[LXXXVII] Diese Methode hat in neuester Zeit von E. Häckel eine sehr absprechende Beurteilung erfahren; da jedoch schon von anderer Seite die Missverständnisse und Entstellungen der Häckelschen Schrift richtiggestellt sind, so gehe ich nicht weiter auf dieselbe ein, sondern verweise auf die Arbeiten Brandts[102] und Hensens.

Ich möchte daher den Leser bitten, mich auf einer Exkursion zu begleiten und nachher den Arbeiten am Lande beizuwohnen. Wir besteigen einen Dampfer und haben Zeit, ehe wir an Ort und Stelle anlangen, die Ausrüstung zu der „Planktonfahrt“ in Augenschein zu nehmen.

Vor allem fällt uns das grosse Vertikalnetz[LXXXVIII] auf ([Fig. 45] S. 262): An ihm können wir drei Teile unterscheiden, erstens das eigentliche konische Netz (A), dann den ebenfalls konischen Aufsatz (B) und drittens den Blecheimer ([Fig. 48] S. 265).

[LXXXVIII] Ich habe in folgendem die Masse des Netzes nach denen von der Plankton-Expedition auf dem Atlantischen Ozean verwendeten Apparaten wiedergegeben. Da, wo auf Süsswasserseen kein Dampfer zur Verfügung steht, müssten die Netze verkleinert werden, denn vom Boote aus ist es unmöglich, mit den fast 2 m hohen Netzen zu fischen.

Das eigentliche Netz ist folgendermassen gebaut:

An einem starken Eisenringe (S), der 90 cm Durchmesser hat, ist innen eine 5 cm grosse Falte von Barchent befestigt (r), deren äusserer Teil eine grössere Anzahl Knopflöcher trägt. Von hier soll nach dem untern Ringe (K) das weiterhin zu beschreibende Netzzeug ausgespannt werden. Dieser untere Ring (K) trägt drei gabelartige Vorsprünge, an welchen durch Überfallschrauben der Blecheimer befestigt werden kann. Auf diesem Ringe ist ein zweiter Ring (K1) durch mehrere mit Ösen versehene Schrauben (m) befestigt.

Fig. 45.

Das Gazenetz (i) trägt an seinem obern Rande einen Leinwandstreifen (l), welcher mit Knöpfen versehen ist, die in die oben erwähnten Knopflöcher der Barchentfalte hineinpassen[LXXXIX], unten ist das Netz an einen Barchentring angenäht, welcher an dem Messingringe (K) durch mehrere Schrauben (n) befestigt werden kann. Damit das feine Gazenetz nicht allein den Druck der filtrierenden Wassermasse auszuhalten hat, ist an seiner Aussenseite ein einfaches Fischernetz (f) ausgespannt, das oben an dem Ringe S mit Bindfaden angebunden ist und unten zwischen die beiden Ringe K und K1 geklemmt wird. Die beiden erwähnten Netze sind aber zu schwach, den an den Ringen K und K1 hängenden Eimer zu tragen, es sind daher zwischen S und den Schraubenösen (m) einige starke Schnüre (g) ausgespannt.

[LXXXIX] Es ist daher jederzeit möglich, das Netz herabzunehmen und auszuwaschen.

Bei der Wahl des Netzzeuges handelt es sich einerseits darum, dass die Löcher möglichst fein und gleichmässig sind, damit auch die kleineren Organismen nicht hindurchgehen können, anderseits auch darum, dass die Fäden des Gewebes nicht quellen und sich nicht verschieben können. Diese Bedingungen werden allein durch die Müllergaze erfüllt, die in mehreren Sorten in den Handel kommt, und sich durch die Grösse der Löcher unterscheidet. Diese Gaze ist aus Seidenfäden verfertigt und wird in Mühlen zur Trennung des Mehles nach der Korngrösse benutzt. Dieses Gewebe (Müllergaze Nr. 20) ist von solcher Feinheit, dass auf einen Quadratcentimeter Fläche 5926 Löcher kommen[XC], von denen jedes eine Seitenlänge von 0.053 mm hat. Mit diesem Netzzeug werden fast alle Organismen gefangen, nur wenige Diatomeen, die mit ihrer Längsachse auf ein Loch treffen, werden hindurchschlüpfen. Einen grossen Vorzug besitzt dieses Gewebe noch durch seine grosse Glätte, es bleiben einmal wenig Organismen daran hängen, dann auch fasert es nicht aus, so dass der Fang nicht durch Fäden verunreinigt wird.

[XC] [Planktonwerk] S. 4.

Ein aus diesem Seidengewebe gefertigtes Netz soll nun zwischen den beiden Ringen so ausgespannt werden, dass es keine Falten schlägt. Es ist dazu nötig, ein Muster zu entwerfen[XCI], nach dem das Netzzeug zugeschnitten wird. Bei dem vorliegenden Netze beträgt der Radius des obern Ringes R = 45 cm, der des untern r = 10 cm, die Mantelhöhe des abgestumpften Kegels i = 150 cm.

[XCI] Die Berechnung weicht von der von Hensen im [Planktonwerk] S. 6 angeführten ab, da statt der Sehnen der Winkel an der Spitze benutzt ist.

Vervollständige ich den abgestumpften Kegel ([Fig. 46]), so kann ich mit Hilfe der Mantelhöhe des abgeschnittenen Stückes (x) den Winkel an der Spitze (α) ([Fig. 47]) berechnen.

Fig. 46.

Es ist x : x + i = r : R. Daraus folgt

x = r iR − r.

Nach unserem Beispiel erhalten wir für x = 42.9 cm.

Denken wir uns jetzt den Kegelmantel aufgerollt ([Fig. 47]), so ist

A B = U = 2 R π

und

C D = u = 2 r π.

Fig. 47.

Es muss sich verhalten der Umfang des Kreises, den ich mit dem Radius x (= 2 x π) schlagen kann, zu u, wie 360° : α.

Also

2 x π2 r π = 360°α

Daraus folgt

xr = 360°α

In unserem Beispiel erhalten wir für α = 83.9°.

Ebenso wäre die Rechnung, wenn wir für u : U genommen hätten, dann hätten wir statt x aber x + i setzen müssen. Um nun nach vorstehenden Zahlen ein Muster zu zeichnen, verfahren wir so, dass wir uns den Winkel α = 83.9° konstruieren und von dem Scheitelpunkte desselben mit den Radien x = 42.9 cm und (x + i) = 192.9 cm Kreisbogen schlagen, dann geben die Strecken dieser Bogen zwischen den Schenkeln des Winkels den obern und untern Umfang des Netzzeuges an. Nach diesem Muster wird dann das Gazenetz ausgeschnitten, wobei berücksichtigt werden muss, dass bei AC und BD das Netz aneinandergenäht wird, zu welchem Zweck eine Einschlagskante bleiben muss. Die Nähte müssen natürlich nach aussen kommen und ausserdem darf nur eine ganz feine Nadel verwendet werden, da jeder Nadelstich dem feinen Netzzeug gegenüber ein grosses Loch darstellt.

Der Aufsatz des Netzes besteht aus einem 1 cm dicken Eisenringe (a) von 36 cm Durchmesser, der mit dem obern Netzringe (S) durch drei starke 60 cm lange Eisenstangen (d) verbunden ist, die oben in Haken (c) zur Befestigung des Taues auslaufen. Zwischen den beiden Ringen, jedoch unter den verbindenden Eisenstangen, ist ein Barchentmantel[XCII] ausgespannt. Dieser Aufsatz ist von grosser Wichtigkeit für die Brauchbarkeit des Netzes. Wird das Netz auf den Grund des Wasserbeckens hinabgelassen, so würden, wenn dieser Netzteil fehlen sollte, Schlamm und Organismen von dem Boden in das Netz geraten können. Bei dieser Einrichtung jedoch stösst höchstens der Eisenring (S) auf den Schlamm auf, und dieser wird, wenn auch etwas aufgewirbelt, doch nicht die obere Netzöffnung erreichen und den Fang verunreinigen können. Ferner dient dieser Aufsatz auch als Reservoir, wenn bei stürmischem Wetter der Fang aus dem Netz hinaufgespült wird. Dann auch wird durch die Öffnung des Aufsatzes (= 1000 qcm) ein nur geringer Wasserstrom in das Netz hineingelangen und durch die gegen 26mal so grosse Netzwand fast vollständig filtriert werden können.

[XCII] Derselbe wird ebenfalls nach den obigen Formeln konstruiert.

Fig. 48.

Der Eimer ([Fig. 48]) ist ein cylindrisches Blechgefäss (Eisenblech), dessen Boden nach der Mitte zu abfällt und hier eine durch eine Schraube verschliessbare Öffnung (u) trägt. Der obere Rand des Gefässes ist erhaben (n) und trägt drei Überfallschrauben (m), die in die oben erwähnten drei gabelartigen Fortsätze des untern Netzringes ([Fig. 45] k) hineinpassen. In der Mitte ist der Blechcylinder noch von einem Reif (q) umgeben. Zwischen diesen beiden Reifen (q und n) ist die eine Seite der Eimerwand herausgenommen und durch Müllergaze (o) verschlossen. Der ganze Eimer steht auf sechs Füssen (f), die durch einen Ring (r) verbunden sind.

Neben dem Vertikalnetz kommt hauptsächlich der Filtrator ([Fig. 49]) in Betracht. Dieser stellt einen Metallcylinder dar, dessen Wände durch Müllergaze ersetzt sind mit Ausnahme von einigen Stützen (s), die unten durch einen sehr flachen Reif (K) verbunden sind. Die Müllergaze wird zwischen dem obern und untern Ringe (R und K) und den Stützen (s) folgendermassen ausgespannt. In dem obern Ringe (R) befindet sich ein zweiter Ring (R′), der an den erstern angeschraubt werden kann; zwischen beide wird die Gaze eingeklemmt, ebenso geschieht dies bei dem untern Ringe (K), auf den ein zweiter Ring (K′) passt, und schliesslich auch bei den Stützen (s), an welche von innen die Gaze durch Metallplatten angedrückt wird. Indem man den obern und untern Rand der Gaze zwischen den beiden Ringen einspannt, die seitlichen Ränder aber zwischen einer Stütze und ihrer innern Platte, hat man den Vorteil, dass an dem Netzzeuge des Filtrators kein Nadelstich nötig ist.

Der Filtrator trägt an jeder Seite einen dreikantigen Vorsprung (v), der dazu dient, den oben beschriebenen Apparat mit Hilfe eines Bügels (b) und einer Überfallschraube (a) auf eine Glasplatte (G) fest anzudrücken, so dass unter dem Ringe (K′) kein Wasser entweichen kann, sondern dasselbe alles durch das Netzzeug filtrieren muss. Da die beiden unteren Ringe (K und K′) sehr flach sind, so wird nur sehr wenig Wasser im Apparat zurückbleiben, welches man auch durch vorsichtiges Neigen des Filtrators nach einer Seite zum Ablaufen bringen kann.

Ferner sind wir mit einigen weithalsigen Stöpselgläsern versehen, die mit Konservierungsflüssigkeit gefüllt sind, und von denen jedes zur Aufnahme eines Fanges bestimmt ist. Am bequemsten ist die Anwendung der Pikrinschwefelsäure, die folgende Zusammensetzung hat:

300 Raumteile Wasser,
100 einer konzentrierten wässerigen Lösung von Pikrinsäure,
2 von konzentrierter Schwefelsäure.

Fig. 49.

Der Fang kommt, wie weiter unten gezeigt werden soll, in diese Mischung und kann in derselben bleiben, wenn die Bearbeitung sogleich vor sich gehen soll. Muss der Fang jedoch einige Zeit stehen, so empfiehlt es sich, nachdem die Organismen zu Boden gesunken sind, die überschüssige Säure abzugiessen und durch Alkohol von 60% zu ersetzen, der mehrmals gewechselt werden sollte. Jedoch muss das mit der grössten Vorsicht geschehen, da noch zahlreiche Diatomeen in der Flüssigkeit suspendiert sind und sich sehr langsam absetzen. Bleiben die Organismen zu lange in der Säure, so werden die Kalksalze aus einigen ausgezogen und noch anderweitige Veränderungen bewirkt, die Tiere werden schliesslich ganz weich und sind für nachfolgende Bearbeitung wenig geeignet.

Ebenso wirksam ist eine konzentrierte Lösung von Sublimat; bei dieser tritt nur der Übelstand ein, dass man sehr lange mit Wasser[XCIII] auswaschen muss, um eine nachfolgende Ausscheidung nadelförmiger Sublimatkrystalle zu verhindern; natürlich muss das Wasser später durch Alkohol ersetzt werden.

[XCIII] Statt dessen kann man Jodalkohol benutzen, den man so lange wechseln muss, bis die Färbung des Jods nicht mehr verloren geht.

Wie andere Fixierungsmittel sich bewähren, kann ich nicht angeben, glaube aber, dass Osmiumsäure (event. Chromosmiumessigsäure) sehr gut anwendbar ist. Der Fang wird in ein Glas, in dem etwas Wasser sich befindet, gebracht und darauf einige Tropfen Osmiumsäure zugesetzt. Nach einigen Minuten oder sobald alle Organismen getötet sind, wird das Glas mit Wasser gefüllt, dann lässt man die Organismen sich absetzen, decantiert und setzt schliesslich Alkohol zu.

Von kleineren Apparaten sind noch vorhanden ein Spatel, eine Spritzflasche, eine Giesskanne und einige Papierzettelchen, die mit Bemerkungen versehen und in die Fanggläser gelegt werden können.

Unterdessen sind wir an dem Punkte angelangt, an dem wir die Untersuchung auszuführen gedenken. Das Schiff hält still und das Fischen kann beginnen. Das Tau, an dem das Vertikalnetz befestigt ist, wird über eine Rolle, die an einem galgenartigen, eisernen Gestelle angebracht ist, gelegt. Der freie Schenkel dieses sogenannten „David“ ragt über die Schiffswand hinaus und erleichtert, da die ganze Vorrichtung um ihre Achse drehbar ist, das Einholen des Netzes. Das Netz, an dem der Eimer angeschraubt ist, wird in das Wasser hinabgelassen, zuerst langsam, damit das Netzzeug angefeuchtet wird, dann etwas schneller. Die Hand, die das Tau leitet, kann leicht den Zug des sinkenden Netzes spüren und daher auch den Moment wahrnehmen, in welchem der Netzring auf dem Boden aufstösst. Um letzteres jedoch zu verhindern, ist es ratsam, vorher zu loten, dann kennt man die Wassertiefe und auch die Bodenbeschaffenheit, da sich Grundproben an dem unten mit Talg versehenen Lote eindrücken. Das Tau des Vertikalnetzes trägt in Entfernungen von je 1 m bunte Läppchen und alle 10 m anders gefärbte. Man kann also das Tau langsam ablaufen lassen, da man die gelotete Tiefe ablesen kann und kein Aufstossen zu befürchten braucht. Sobald das Netz in der Tiefe angelangt ist, wird es mit mittlerer Geschwindigkeit von ½–¾ m pro Sekunde senkrecht aufgezogen. Die Geschwindigkeit hängt von der Filtrationsgrösse[XCIV] des Netzzeuges ab. War z. B. das Netz 20 m hinabgelassen, so können wir, da die Netzöffnung 0.1 qm beträgt, die Wassermenge, die durch das Netz gegangen sein sollte, berechnen, sie ist 20×0.1 qm = 2 cbm gross. In Wahrheit ist jedoch etwas weniger Wasser filtriert worden, nämlich nur 1.8 cbm, wie Versuche von Hensen ergeben haben. 2 cbm würden durch den Netzring gehen, wenn kein Netz daran hinge, so wird aber durch den Widerstand des Netzzeuges jener Bruchteil (10%) über den Netzring abfliessen. Sobald das Netz über dem Wasserspiegel angelangt ist, wird dasselbe von aussen mit Wasser beworfen. Dadurch wird das dem Netze anhaftende Material in den Eimer hinabgespült, durch dessen filtrierende Fläche das überschüssige Wasser abläuft. Nun befinden sich alle Organismen im Eimer und zwar in einer verhältnismässig kleinen Wassermenge, die nun weiter zur Verarbeitung kommt.

[XCIV] [Planktonwerk] S. 10.

Der Eimer wird vom Netze gelöst, die Schraube, die sich in der Röhre am Boden des Eimers befindet, herausgedreht, so dass der Inhalt in eine darunter gestellte Flasche gelangt. Aus der Flasche kann man dann nach und nach die Masse in den Filtrator giessen. Diese Methode ist sicherer, als wenn man den Fang direkt aus dem Eimer in den Filtrator bringt, da bei schwankendem Schiffe leicht etwas vorbeilaufen kann.

Das Wasser sickert nun allmählich durch die Gazewände des Filtrators durch, und zwar verschieden schnell, je nach der Beschaffenheit des Fanges. Sind viel Diatomeen oder Nostocaceen (Limnochlide) vorhanden, so hat der Fang ein schleimiges Aussehen und filtriert sehr langsam. Sind dagegen Copepoden oder Peridineen am zahlreichsten, so läuft das Wasser sehr schnell ab, da sich die Poren des Netzzeuges nicht verstopfen. Nachdem auf diese Weise die Organismen ziemlich vollständig vom Wasser befreit sind, wird die Glasplatte, denn auf dieser hat sich jetzt der Fang niedergesetzt, unter dem Filtrator hervorgenommen und mit Spatel und Spritzflasche werden die Tiere und Algen in die Konservierungsflüssigkeit gebracht, in der sie bis zur Verarbeitung bleiben oder, wie oben auseinandergesetzt ist, in Alkohol übertragen werden. In jedes Glas wird ein Zettelchen gelegt, auf dem der Fundort, das Datum, die Tiefe des Planktonzuges, die Konservierung, die Temperatur des Wassers und allenfalls noch die Windrichtung angegeben sind.

Die nun folgenden Arbeiten, die die quantitative Bestimmung des Fanges bezwecken, werden ausgeführt, nachdem wir zu Hause angelangt sind. Zuerst wird das Volumen des Fanges festgestellt. Zu dem Zwecke wird der Inhalt eines einen Fang enthaltenden Glases in einen Messcylinder entleert. Nach und nach sinken die Organismen zu Boden, die grösseren schneller, die kleinen langsamer. Unter letzteren sind namentlich die Diatomeen zu erwähnen, diese setzen sich, wenn sie in grösseren Mengen vorkommen, so langsam ab, dass nach tagelangem Stehen noch immer eine Volumenverringerung zu beobachten ist. Befinden sich grosse Tiere im Fange, so muss bei diesen das Volumen besonders bestimmt werden und dieses geschieht am besten und genauesten durch „Verdrängung“, d. h. das Tier wird in einen Messcylinder hineingebracht, in dem sich eine bekannte Menge Flüssigkeit (Wasser — oder Alkohol, wenn der Fang in Alkohol war —) befindet, dann kann man durch das Steigen der Wasseroberfläche das Volumen des Körpers bestimmen. Meist hat sich die Masse in 24 Stunden so weit abgesetzt, dass das Volumen derselben abgelesen werden kann. Da die Volumenbestimmung zum Vergleiche der einzelnen Fänge unter sich dienen soll, so ist es zweckmässig, allen Fängen die gleiche Zeit zum Absetzen zu lassen und zwar genügen dazu 24 Stunden.

Nachdem so das Volumen des Fanges festgestellt ist, wird zur Zählung der Organismen geschritten. Es ist selbstverständlich, dass nicht alle Individuen des Fanges gezählt werden können, das beweisen schon folgende Zahlen, die ich Zählungen Hensens[XCV] entnehme: Hensen fand im Oktober 1884 in 1 cbm Ostseewasser (Kieler Bucht) 13 Millionen Ceratium tripos, und im März 1885 ebenda 102 Millionen Rhizosolenia semispina, und wenn wir gar lesen, dass im September sich im Stettiner Haff in ½ cbm Wasser 9983 Mill. Fäden von Limnochlide[XCVI] fanden, dann ist es klar, dass diese Zahlen auf anderem Wege gewonnen sind, als durch Zählung jedes einzelnen Individuums. Die sinnreich von Hensen erdachte und angewendete Methode ist folgende:

[XCV] Hensen, [Planktonwerk].

[XCVI] Die letzte Zahl entnehme ich einem Zählungsprotokolle von Herrn Geheimrat Hensen, das er mir freundlich für diese Arbeit überliess und das am Ende des Kapitels sich abgedruckt findet. Die folgenden Zahlen sowie Betrachtungen beziehen sich auf dieses Protokoll. Siehe auch Hensen [105].

Von dem Fange wird die überschüssige Pikrinschwefelsäure abgegossen und dann Wasser so viel zugesetzt, bis sich die Masse gut durcheinanderschütteln lässt. Befindet sich der Fang in Alkohol, so muss der Alkohol durch Wasser erst ausgewaschen werden, was mehrere Tage in Anspruch nimmt. Nehmen wir an, dass nach der Verdünnung das Volumen 500 ccm betrage, so ist es klar, dass sich in 1 ccm die verschiedenen Organismen nicht in der gleichen Zahl finden. Während wir vielleicht eine Leptodora finden, befinden sich in demselben Volumen gegen 20 Millionen Limnochlide. Um letztere zählen zu können nehmen wir von dieser ersten Verdünnung 1 ccm ab und verdünnen ihn auf 1000 ccm, dann haben wir in dieser zweiten Verdünnung in jedem Kubikcentimeter nur 200000001000 = 20000 Fäden der Alge. Von dieser Verdünnung können wir ⅒ ccm, der 2000 Fäden enthalten würde, bequem zählen. In dieser Wassermasse würden wir aber keinen einzigen der selteneren Organismen finden, daher dürfen wir, wenn wir diese zählen wollen, die Verdünnung nicht so weit treiben, sondern vielleicht 1 ccm der ersten Verdünnung nur auf 100 oder 10 ccm verdünnen, für die ganz seltenen werden wir aber die erste Verdünnung selbst zur Zählung benutzen.

Da, wie wir gesehen haben, sich in 1 ccm Flüssigkeit noch Millionen von Organismen vorfinden können, so muss das Entnehmen einer bestimmten Menge von Flüssigkeit durch ganz besondere Vorkehrungen geschehen; denn das Abmessen in einem Messcylinder kann für diesen Zweck nur ganz rohe Werte geben. Es sind daher von Hensen besondere Stempelpipetten[XCVII] ([Fig. 50]) konstruiert worden, die ganz Vorzügliches leisten. Solch ein Instrument besteht aus einem kräftigen Glasrohr (B), das unten ganz eben abgeschliffen ist. In diesem Rohr bewegt sich ein Stempel, der abwechselnd aus Kork- (h) und Metallplatten (i) zusammengesetzt ist, die durch zwei Schrauben fest an einander gedrückt werden. An diesen Stempel ist ein massiver Metallcylinder (m) angeschraubt, der genau in die Glasröhre hineinpasst. Von diesem Cylinder wird nun so viel Metall ausgeschliffen, dass zwischen ihm und dem Glasrohr (B) genau ein bestimmtes Volumen bleibt, z. B. 1 ccm. Dies wird so bewerkstelligt, dass zuerst ein Teil aus dem Metallcylinder herausgenommen wird. Dann wird die Pipette gewogen, hierauf wird die Höhlung mit Quecksilber gefüllt und wieder gewogen. Da man nun das Gewicht eines Kubikcentimeters Quecksilber kennt, so kann man genau den Punkt treffen, wo die Höhlung im Stempel 1 ccm fasst. Es sind von diesen Stempelpipetten sechs verschiedene Grössen zum Gebrauche nötig, nämlich zu 0.1; 0.2; 0.5; 1; 2.5; 5 ccm. Diese Pipetten werden so angewendet, dass sie mit vorgestossenem Stempel in ein durch einen durchbohrten Kork verschlossenes Glas mit starken Wandungen (A), in dem die Flüssigkeit sich befindet, von der ein Teil entnommen werden soll, hineingestellt werden (siehe [Fig. 50]). Die Masse wird durch kräftiges Schütteln aufgerührt, und sobald sich die Organismen möglichst gleichmässig verteilt haben, wird das Glasrohr B niedergestossen; dann ist zwischen dem Glasrohr und dem Stempel m ein genau bekanntes Volumen Flüssigkeit eingeschlossen. Ehe man jedoch diese Flüssigkeitsmenge entleert, ist es nötig, den unteren Rand des Glasrohres mit Fett zu bestreichen, da sonst leicht ein Tropfen daran hängen bleiben kann. Nach Entleerung des Volumens wird dann noch mit einigen Tropfen Wasser nachgespült, so dass man sicher sein kann, dass keine Organismen zurückgeblieben sind. Dieses abgemessene Volumen wird dann zur Verdünnung benutzt resp. gezählt.

[XCVII] Hensen, [Planktonwerk] S. 16.

Fig. 50.
(Nat. Grösse für ½ ccm.)

Haben wir uns eine genügende Verdünnung hergestellt, dann kann die Zählung beginnen. Hierzu wird das Zählmikroskop[XCVIII] benutzt. Dieses Mikroskop zeichnet sich durch seinen Objekttisch aus. Dieser ist so gross, dass er Glasplatten von 11½ × 10 cm fassen kann, und was die Hauptsache ist, er ist durch zwei Schrauben sowohl von vorn nach hinten, als seitwärts verschiebbar. Auf den rahmenförmigen Objekttisch werden Glasplatten aufgelegt, die fein mit dem Diamanten liniiert sind und zwar hat jede Platte ein bestimmtes Liniensystem. Wählt man die passende Vergrösserung, so kann man im Gesichtsfelde zwei parallele Linien laufen sehen, und wenn man an einer seitlichen Schraube dreht, so bewegt sich die Glasplatte langsam weiter, wobei man immer den Raum zwischen denselben Linien im Auge behalten kann. Ist man am Ende eines Zwischenraumes angelangt, so wird mit Hilfe der anderen Schraube der Objekttisch senkrecht zu der vorherigen Richtung um einen Zwischenraum weiter gedreht und dann in diesem die Beobachtung weiter fortgesetzt. So kann man allmählich die ganze Platte mit dem Mikroskop untersuchen und ist sicher, dass kein Punkt übersehen ist.

[XCVIII] Hensen, [Planktonwerk] S. 17 und Taf. I Fig. 2.

Bringen wir nun auf eine liniierte Glasplatte ein bestimmtes Mass einer Verdünnung, so können wir die Zahl der einzelnen Organismen, die sich in diesem Volumen befinden, bestimmen. Die Verdünnung wählt man am besten so, dass man von der häufigsten Spezies nie mehr als 3000 und nie weniger als 1000 auf der Platte hat. Würde es sich nur um eine Spezies handeln, so wäre die Zählung leicht auszuführen. Man brauchte nur die Platte allmählich zu durchsuchen und jedes Individuum, das in das Gesichtsfeld kommt, zu zählen, dann wüsste man, wie viel Organismen auf der Platte sind und könnte, da man die Verdünnung kennt, die Summe der Organismen im ganzen Fange berechnen. Hätten wir z. B. eine Verdünnung von 1 : 10 angewendet und 1 ccm Verdünnung durchgezählt und fanden 146 Coscinodiscen, dann wären im ganzen Fange (von 500 ccm) 146 × 10 × 500 = 730000 Coscinodiscen vorhanden.

Handelt es sich jedoch um mehrere Spezies, so kann man diese nicht im Kopfe getrennt zählen. Doch auch hier hat Hensen Rat geschafft. Da in einem Fange 30–50 verschiedene Spezies von Tieren und Pflanzen vorhanden sind, so werden an einem Setzerkasten, der ebenso viel Fächer enthält, die Namen der vorhandenen Organismen angebracht, für jede Spezies ein Fach. Untersucht man jetzt eine Platte, so werden die mannigfaltigen Organismen nicht mehr gezählt, sondern sobald irgend einer im Gesichtsfelde sich blicken lässt, wird für ihn ein Pfennig (Spielmarke etc.) in sein betreffendes Fach gelegt. So kann man leicht eine Platte, auf der sich 50 verschiedene Arten durcheinandergemengt befinden, zählen. Auf den ersten Platten werden die Diatomeen, die meist am zahlreichsten in einem Fange vorhanden sind, gezählt, andere Organismen natürlich auch berücksichtigt. Zuerst wird ein stark verdünnter Teil des Fanges genommen, da trotzdem genug Individuen auf die Platte kommen. Die Vergrösserung muss anfangs sehr stark sein, etwa 200, zum Zählen der Diatomeen und anderer Algen. Auf die Platte kommt nur 0.1 ccm Flüssigkeit, die mit der betreffenden Stempelpipette abgemessen wird. Für die starke Vergrösserung bildet diese geringe Wasserschicht aber immerhin noch ein Hindernis alle Organismen zu sehen; hat man das Mikroskop auf die Oberfläche der Platte eingestellt, so entgehen einem die Organismen, die an der Oberfläche der Flüssigkeit sich befinden. Daher ist es vorteilhaft, die Diatomeen trocken zu zählen. Es wird zu diesem Zwecke ein bestimmtes Volumen Flüssigkeit auf eine Platte gebracht und diese dann der Wärme eines heizbaren Objekttisches oder eines Ofens ausgesetzt, damit die Flüssigkeit verdunstet; dann sind die Diatomeen auf der Platte in einer Ebene ausgebreitet und können nicht so leicht übersehen werden. Da die Mischungen und Verdünnungen nie ganz genau sein können, so wird natürlich die Zählung jeder neuen Platte etwas abweichende Resultate ergeben, es fragt sich daher, wie lange eine Spezies gezählt werden muss; wann solch ein Grad von Genauigkeit erreicht ist, um von den wenigen Zählungen auf die quantitative Zusammensetzung des ganzen Fanges schliessen zu können. Im allgemeinen lässt sich sagen, dass es bei den häufigsten Formen genügt, wenn man einen Bruchteil (z. B. ⅒) der Quadratwurzel sämtlicher Individuen zählt. Haben wir (siehe Protokoll) auf der ersten Platte für Melosira 27 Fäden gefunden und wissen wir, dass die durchzählte Wassermasse der 5000000. Teil von dem ganzen Fange ist, so würden wir nach dieser ersten Zählung schliessen, dass 135000000 Melosira im Fange sein werden, daraus nehmen wir ⅒ der Quadratwurzel = 1162. Haben wir also mindestens 1162 Melosira gezählt, so können wir diese aus den Zählungen ausscheiden, d. h. wir brauchen sie nicht mehr mitzuzählen.

Um die Genauigkeit zu finden, bis zu welcher die Zählung erfolgen muss, führt Hensen[XCIX] noch folgende Erwägung an. Nachdem einige Zählungen gemacht sind, zieht man aus diesen das Mittel. Denken wir nun, dass noch eine Zählung hinzugekommen wäre und diese mit der am meisten abweichenden übereinstimmen würde, und nähmen wir dann aus diesen das Mittel, so genügen die Zählungen, wenn das Resultat sich nicht mehr als um 5% ändert. Im Protokoll finden wir für Melosira die Zahlen 382, 396, 396, Summe 1174, Mittel daraus 391. Käme noch eine Zählung hinzu und zwar 382, so wäre die Summe 1556, Mittel daraus 389.

[XCIX] [Planktonwerk] S. 21.

Es verhält sich 391 : 100 = 389 : x,
x = 9.4.

Das Resultat weicht also nur um 0.6% ab, die Zählung ist genau genug, kann also unterbrochen werden; jedoch ist es stets besser, mehr Platten zu zählen, als zu wenig.

Haben wir eine genügende Genauigkeit erreicht, so können wir die Diatomeen beim Zählen überspringen und schwächere Verdünnung und schwächere Vergrösserung zur Zählung benutzen. Für seltenere Formen wird schliesslich die erste Verdünnung benutzt und von dieser 1 ccm, zuletzt 2.5 durchzählt, was meist sehr schnell geht, da man nur mit sehr schwachen Vergrösserungen zu arbeiten braucht und nur wenige Tiere zu zählen hat.

Die einzelnen Zählungen werden notiert und zwar in Form eines Protokolles. Ein solches Protokoll ist im Anhange beigegeben und aus diesem die Einrichtung zu ersehen. Folgendes möge noch zur Erläuterung desselben erwähnt sein. In der linken obern Ecke findet sich Datum und Ort des Fanges, hier also: 13. September 1887, Stettiner Haff. Über sämtliche Fänge wird ein Journal geführt, es bedeutet J. No. 1 = Journal No. 1. Daselbst finden sich die näheren Daten, die bei Erlangung des Fanges als wichtig notiert wurden, wie die Tiefe des Fanges (hier 5 m), die Temperatur des Wassers und der Luft, Windrichtung, Beschaffenheit des Fanges, ob locker, flockig, schnell absetzend; letztere Aufzeichnungen sind wichtig, da sie, wie wir oben gesehen haben, schon einen Einblick in die Zusammensetzung des Fanges erlauben.

In dem Protokolle sehen wir einige Vertikalreihen, darauf Horizontalreihen. Betrachten wir zuerst die Vertikalreihen. In der ersten Kolumne mit der Überschrift „Art der Untersuchung“ steht überall feucht, d. h. alle Platten, die durchzählt worden sind, enthielten die Organismen in Wasser suspendiert. Den Gegensatz bilden die trockenen Platten, die, wie oben erwähnt wurde, meist zum Zählen der Diatomeen verwendet werden. In unserem Fange waren Diatomeen in verhältnismässig geringer Anzahl vorhanden, Melosira, Coscinodiscus und Bacillaria zusammen etwa 100 Millionen, diesen standen von anderen Algen allein Limnochlide mit 9653 Millionen gegenüber. Letztere würden beim Trocknen bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft sein und daher die Zählung vereitelt haben, während die kieselschaligen Diatomeen nicht nur ihre Form behalten, sondern auch leichter in trockenem Zustande zu bestimmen sind.

In der zweiten Vertikalreihe sind die Vergrösserungen angegeben, bei denen die einzelnen Platten gezählt worden sind. Das stärkste der angewendeten Objektive (Vergrösserung 200) hatte einen solchen geringen Abstand von der Glasplatte oder von der Flüssigkeitsmenge (0.1 ccm), die sich auf der Platte befand, dass es nur der gleichmässigen und leichten Verschiebung des Objekttisches zuzuschreiben ist, dass das Objektiv nicht in das Wasser eintauchte. Dadurch ist einerseits einer weiteren Erhöhung der Vergrösserung ein Ziel gesetzt, anderseits würde die Zählung einer Platte mit noch stärkeren Objektiven viel längere Zeit in Anspruch nehmen und die Augen übermässig anstrengen. Beiläufig will ich noch erwähnen, dass die Zählung solch einer Platte etwa drei Stunden dauert[C]. Nach und nach nahm die Vergrösserung, bei der gezählt wurde, ab bis auf 22; mit letzterer wurden nur noch Leptodora, Milben und ein nicht bestimmtes Rädertier gezählt. Die anderen Organismen waren entweder schon zu zahlreich auf der Platte und lagen infolgedessen zu dicht an einander, oder es war schon die genügende Zahl gezählt, oder endlich reichte die Vergrösserung nicht mehr aus, die kleineren Organismen genau und schnell zu erkennen. Aus letzterem geht hervor, dass man nie ein schwächeres Linsensystem anwenden darf, ehe nicht alle Organismen genügend gezählt sind, die mit diesem System nicht mehr genau erkannt werden können.

[C] Die genaue und bis in die Einzelheiten gehende Zählung eines Fanges nimmt etwa vierzehn Tage in Anspruch bei vierstündiger Arbeitszeit.

In der dritten Reihe ist die Grösse der Verdünnung angegeben. Aus dem oben Gesagten erklären sich die Angaben leicht. 1:1000 heisst also, dass 1 ccm der ersten Verdünnung mit 999 ccm Wasser verdünnt wurde, so dass das Gesamtvolumen 1000 ccm = 1 Liter war. Man richtet sich am besten solche Messflaschen ein, die 1000, 500, 200, 100, 80 ccm halten, und benutzt dazu verschieden grosse Kochflaschen, die eine abgemessene Flüssigkeitsmenge so aufnehmen können, dass diese gerade noch in den Hals der Flasche hineinragt, dort bringt man mit dem Diamant eine Marke an. Dann hat man für jede Verdünnung sogleich eine Flasche bereit. Zu den letzten Zählungen ist die erste Verdünnung genommen worden, es wurden aber auch nur die grössten Tiere gezählt, so auf einer Platte, die 2.5 ccm Flüssigkeit enthielt, nur Hyalodaphnia Kahlbergensis, Daphnia longispina, Sida crystallina, Leptodora hyalina, Milben und das oben erwähnte Rädertier. Es waren im ganzen (in No. 27) 94 Individuen, so dass, trotz der grossen Flüssigkeitsmenge, die Zählung nur ungefähr eine halbe Stunde in Anspruch nahm.

Die nächste Spalte enthält die „Nummern“ der gezählten Platten. Meist genügen 22–24 Platten; in unserem Fange waren aber die grossen Formen selten, so dass, um einen einigermassen sicheren Einblick in die Massenhaftigkeit ihres Vorkommens zu erhalten, mehrere Platten allein für sie verarbeitet werden mussten (Platte 26–31). Die fortlaufenden Nummern der Platten sehen wir wieder als Kopfzahlen bei den Horizontalreihen, zu denen wir weiter unten übergehen werden.

Wir überspringen einige Spalten und sehen uns die letzte mit der Überschrift „Gebrauchtes Mass“ an. Die Zahlen dieser Rubrik besagen, eine wie grosse Wassermenge jedesmal zur Untersuchung benutzt worden ist. Aus der ersten Zeile ersehen wir, dass 0.1 ccm gezählt wurde und zwar — wie aus den daneben stehenden Reihen hervorgeht — von der Verdünnung 1:1000 bei einer Vergrösserung von 200 auf feuchter Platte. Die Flüssigkeitsmengen werden mit den oben beschriebenen Stempelpipetten abgemessen und auf die Platte übertragen. Es sind, wie das Protokoll ausweist, alle dort erwähnten Grössen in Anwendung gekommen, mit Ausnahme von 5 ccm, die nur zum Abmessen der Volumina zwecks der Verdünnung gedient hat (siehe Platte 21–25, auch 10–20).

Kehren wir nun zu der alten Reihenfolge zurück, so treffen wir die Spalte, die die Wahren Masse enthält. Diese unterscheiden sich insofern von dem „Gebrauchten Mass“, als sie nicht angeben, wie viel Flüssigkeit auf jeder einzelnen Platte durchzählt wurde, sondern der wievielte Teil diese Flüssigkeitsmenge von der ganzen betreffenden Verdünnung ist. Wie wir diese Zahlen erhalten, ergiebt sich am leichtesten an der Hand unseres Protokolls: Bei Platte 1 haben wir 1 ccm der ersten Verdünnung auf 1000 ccm (zweite Verdünnung) gebracht; würde ich hiervon 1 ccm abnehmen, so wäre dieser der 0.001. Teil der ganzen zweiten Verdünnung oder des einen Kubikcentimeter der ersten Verdünnung, den ich für die zweite benutzt habe. Zur Zählung ist aber nur 0.1 ccm verwendet, dieser ist dann nur der 0.0001. Teil der ganzen zweiten Verdünnung, enthält also auch nur den 0.0001. Teil der Organismen der ganzen zweiten Verdünnung resp. des 1 ccm der ersten Verdünnung, von dem die zweite Verdünnung hergestellt ist.

Bei Platte 10 haben wir die Verdünnung 10:100, also 0.1; davon 0.2 ccm genommen, erhalten wir 0.02 als wahres Mass.

Bei No. 21 haben wir 30:100, also 0.3, ein Kubikcentimeter davon also 0.3 wahres Mass.

Dieses wahre Mass ist nun wichtig für die Berechnung des Koeffizienten. In der Rubrik „Berechnung“ ist dieselbe ausgeführt. Bei der Besprechung des wahren Masses sahen wir, wie wir z. B. bei Platte 1 fanden, dass die gezählten Organismen auf dieser Platte den 0.0001. Teil der in 1 ccm enthaltenen Wesen bilden. Beziehen wir aber die gezählte Zahl auf das ganze Flüssigkeitsvolumen von 500 ccm (erste Verdünnung), so haben wir nur 5000.0001 gezählt, das ist der 50000001 = 5000000. Teil. Finden wir also auf der ersten Platte in 0.1 ccm der Verdünnung 1:1000 2024 Limnochlide-Fäden, so wissen wir, dass wir in dem ganzen Fange 2024 × 5000000 Limnochlide ungefähr werden finden müssen, was 10120 Millionen ergeben, eine Zahl, deren Fehler durch weitere Zählungen eingeschränkt wird.

Haben wir eine Spezies während mehrerer Platten gezählt und sehen wir, dass wir abbrechen können[CI], dann handelt es sich darum, den Koeffizienten für die Summe der gezählten Individuen zu finden. Zu dem Zwecke addieren wir die wahren Masse aller der Platten, auf denen diese Spezies beobachtet wurde, und verfahren wie oben für eine Platte angegeben ist. Wir haben z. B. für Limnochlide fünf Platten gezählt (1–5) und finden die Zahlen 2024, 1835, 2048, 1954, 1792, Summe 9653. Die Summe der wahren Masse für diese fünf Platten ist 5 × 0.0001 = 0.0005, dann erhalten wir 5000.0005 = 1000000 als Koeffizienten der Summe. Die gezählten Individuen 9653 bilden also den 1000000sten Teil aller im Fang vorhandenen Limnochlide, das ergiebt 9653000000 Limnochlide. Habe ich Spirogyra erst von der zwölften Platte bis zur zwanzigsten gezählt, so summieren für diese Alge nur die wahren Masse dieser Nummern, also Summe 12–20 = 0.51, und wir erhalten den Koeffizienten 980.

[CI] Siehe oben [S. 275] u. [276].

Durch die letzteren Betrachtungen sind wir nun schon bei den Horizontalreihen angelangt.

In einer Spalte derselben stehen die Namen der Organismen, die sich in dem gezählten Fange befanden. Rechts davon sind dann die Ergebnisse der Zählung jeder einzelnen Platte angegeben und zwar in der Rubrik, deren Kopfzahl der betreffenden Platte entspricht. Hört man auf, einen Organismus mitzuzählen, so steht in der Rubrik der betreffenden Platte ein Fragezeichen. Wird auf einer Platte von einer Spezies kein Individuum gefunden, so steht natürlich eine Null. Ist dagegen eine Spezies beobachtet, aber auf einigen Platten nicht mitgezählt, wie z. B. bei Spirogyra 1–11, so wird auch hier ein Fragezeichen gesetzt.

In den beiden letzten Spalten sind zuerst die Summen der gezählten Individuen jeder Spezies angegeben, dann die Platten, auf denen diese Organismen gezählt wurden.

Um nun die Gesamtsumme der in dem Fang vorhandenen Tier- und Pflanzenindividuen zu finden, brauchen wir nur die Summe der gezählten Organismen mit dem Koeffizienten, welcher der angewendeten Plattenzahl entspricht, zu multiplizieren. So haben wir bei Limnochlide 9653 Fäden gezählt, und zwar auf Platte 1–5, der Koeffizient der Platten 1–5 ist 1000000, also sind im ganzen Fange 9653000000 Limnochlide-Fäden vorhanden.

Diese Gesamtsumme „Gezählte Masse“ steht in einer Rubrik vor den Namen, damit man mit diesen das Endresultat sogleich übersieht.

Vor der letzteren Rubrik finden wir eine solche mit der Überschrift „Ganze Masse“. Wie wir oben gesehen haben, wird nicht die ganze Wassersäule filtriert, die dem Querschnitte des Netzes und der Tiefe des Wassers, bis zu der das Netz herabgelassen wurde, entspricht, sondern ein kleiner Teil fliesst über den Netzrand ab. Hensen hat deshalb für jedes Netz den Filtrationskoeffizienten[CII] berechnet, der besagt, mit welcher Zahl man Volumen oder Anzahl der Organismen eines Fanges multiplizieren muss, um die wirklichen Werte zu finden, wenn die ganze Flüssigkeitssäule filtriert worden wäre. In unserem Falle war der Koeffizient 1.034. Von Leptodora waren z. B. 371 Individuen im Fange. In der Wassersäule von 0.1 qm Querschnitt und 5 m Höhe waren aber 371 × 1.034 = 384 Individuen vorhanden. In Folgendem habe ich aber die Zahlen der gezählten Masse benutzt.

[CII] [Planktonwerk] S. 10–13.

Nachdem wir in Vorhergehendem die Hensensche Methode der quantitativen Untersuchung des Plankton kennen gelernt haben, erübrigt es noch, auf die qualitative Zusammensetzung des Süsswasserplankton[CIII] einzugehen. Jedoch muss ich noch ein paar Worte vorausschicken. Die Planktonmethode ist bis jetzt fast nur auf das Meer angewendet worden, nur einmal ist bei einer Fahrt in der östlichen Ostsee von Hensen auch ein Fang im Stettiner Haff[105], also im Süsswasser, gemacht worden. Die Fänge wurden, wie wir oben gesehen haben, sofort konserviert, daher kommt es, dass manche Organismen bei nachfolgender Zählung ganz unkenntlich sind, da sie sich beim Töten zusammengezogen haben; dieses ist namentlich der Fall bei Rädertieren[CIV]. Es ist daher nötig, dass an Ort und Stelle auch lebendes Material untersucht wird, denn, wenn dieses bestimmt ist, sind die Organismen leicht in konserviertem Zustande wiederzuerkennen. Dieses ist nun bei einer grösseren Fahrt sehr schwer ausführbar, da sich auf dem Schiff, namentlich bei bewegter See, schwer oder gar nicht mikroskopieren lässt. Anders verhält sich die Sache, wenn das Institut, in dem die Arbeiten ausgeführt werden sollen, direkt am Wasser liegt, da kann quantitative und qualitative Bestimmung Hand in Hand gehen, so ist das hier in Kiel, und auch in der unlängst von Zacharias errichteten Süsswasserstation zu Plön der Fall. Es müssen daher in den Protokollen vorläufige Namen für die unbestimmten[CV] Organismen gesetzt werden und späterer Zeit überlassen bleiben, das Versäumte bei Gelegenheit an Ort und Stelle nachzuholen. Folgendes ist ferner auch noch von Bedeutung. Es genügt nicht, einen Fang zu beliebiger Zeit zu machen, sondern es müssen die Planktonfahrten in bestimmten Zeitabschnitten (alle zwei oder vier Wochen)[CVI] unternommen werden, dann erhält man erst einen Einblick in die wahre Zusammensetzung des Plankton, das in fortwährendem Werden und Vergehen begriffen ist. Dieses wäre eine sehr dankbare Arbeit für eine Süsswasserstation.

[CIII] Von Häckel[100] S. 21 Limnoplankton genannt.

[CIV] Ausgenommen von diesen sind nur die gepanzerten (Loricata), die trotzdem leicht zu erkennen sind.

[CV] Leider war der Fang aus dem Stettiner Haff, da er als ausgebraucht betrachtet wurde, weggeschüttet, so dass auch nachträglich keine nähere Untersuchung vorgenommen werden konnte. Es empfiehlt sich daher, das Material stets aufzubewahren.

[CVI] So werden die Untersuchungen in der Kieler Bucht von Prof. Brandt[97] seit September 1888 ausgeführt und noch fortgesetzt.

Nach dem Gesagten ist es klar, dass die folgenden Darlegungen wenig positives bringen können, es kann nur gezeigt werden, in welcher Art ein Fang oder eine fortlaufende Reihe solcher verwertet werden können. Ich beabsichtige also nur ein Beispiel zu der oben erläuterten Methodik zu geben.

Beginnen wir mit den Algen, der Urnahrung, so fallen uns die Vertreter zweier Ordnungen durch ihr massenhaftes Auftreten auf, es sind die Diatomeen und Schizophyceen. Weniger zahlreich sind Protococcoideen, von denen Pediastrum, Gleocystis und Scenedesmus quadricaudatus gefunden wurden, und Konjugaten, die durch Spirogyrafäden vertreten sind.

Was die Diatomeen anbelangt, so müsste man glauben, dass sie wegen ihrer grossen Zahl, trotz des geringen Anteils an organischer Substanz, eine wichtige Nahrung für die pelagischen Tiere bilden. Jedoch werden sie, wie Hensen[CVII] beobachtet hat, von allen Tieren verschmäht. Dagegen erwähnt Seligo[107] in seinen Hydrobiologischen Untersuchungen, dass die Diatomeen die Hauptnahrung mehrerer Tierarten[CVIII] bilden. Leider sagt er nicht, für welche. Ihre Bedeutung ist also in anderer Richtung zu suchen. Alle Diatomeen haben eine Vegetationsperiode, d. h. sie vermehren sich zu einer bestimmten Zeit ganz enorm, um dann wieder allmählich oder fast plötzlich zu verschwinden. Letzterer Umstand ist durch das Bilden von Dauersporen, die bei vielen Meeresdiatomeen beobachtet sind, leicht erklärlich, da die Spore alsbald zu Boden sinkt. Ob bei Süsswasserdiatomeen die gleichen Verhältnisse vorkommen, kann ich nicht angeben. Die Sporen enthalten eine sehr konzentrierte organische Nahrung, die den Tieren der Tiefenregion wohl zu gute kommt.

[CVII] [Planktonwerk] S. 99.

[CVIII] Bei meinen Untersuchungen hiesiger Süsswasserseen habe ich den Darm von Hyalodaphnien und Bosminen dicht mit Melosirazellen angefüllt gefunden (1891).

Da jede Diatomee aus zwei Schalen besteht, so muss man jede vollständige Diatomee als 2 zählen, jede allein liegende Schale als 1, und dann die erhaltene Summe durch 2 dividieren, dann erhält man die Zahl der Zellen. Bei Melosira würde dieses Verfahren zu viel Zeit in Anspruch nehmen, man zählt daher nur die Fäden und stellt bei einer Zahl von Fäden die Zellenzahl fest. In unserem Fange fanden sich pro 1 qm[CIX] 984614400 Fäden, von denen 20 = 246 Zellen enthielten, es wären also im ganzen 12110757120 Zellen vorhanden gewesen. Ohne Berechnung der Zellen kann man Melosira nicht mit anderen Diatomeen vergleichen. Von Melosira kamen zwei Arten vor, nämlich M. granulata und eine andere, nicht näher bestimmte. An 226 Fäden war erstere mit 208, letztere mit 18 beteiligt. Coscinodiscus fand sich in 6440890 und Bacillaria paradoxa in 7388640 Individuen. Letztere Diatomee zeigt bei ihrer Zählung ziemlich abweichende Resultate, da mehrere Zellen an einander liegen und so Platten bilden, andere sind auseinandergefallen, so dass, wo einmal eine Bacillaria gefunden wird, ein ander Mal eine Platte, die aus mehreren Individuen besteht, sich vorfindet. In geringerer Anzahl war eine Surirella-Art vorhanden, nämlich 477570 pro 1 qm. Gegen Melosira tritt aber die Summe aller übrigen Diatomeen weit zurück.

[CIX] Wenn die Zahlen in folgendem auf 1 qm Oberfläche berechnet sind, so bedeutet dies stets eine Wassersäule vom Querschnitt 1 qm und einer Tiefe von 5 m.

Die zweite Hauptgruppe der Algen bildeten die Schizophyceen. Einzelne von diesen verursachen zu Zeiten die sogen. „Wasserblüte“. Sie sollen den Fischen verderblich werden, jedoch ist die Ursache davon noch unbekannt.

Vor allen trat Limnochlide flosaquae Ktz. hervor, es wurden von ihr unter 1 qm Oberfläche 96530000000 Fäden gefunden, von denen 20 = 294 Zellen enthielten, so dass wir fast 1½ Billion Zellen erhalten. Die filtrierte Wassermenge betrug fast 0.5 cbm = 500 Millionen Kubikmillimeter, es fanden sich also in 1 cmm Wasser 2838 Zellen = 142 Fäden. Ihre Bedeutung für den Stoffwechsel ist mir nicht klar, es wäre aber möglich, dass die Sporen dieser Alge ebenfalls (siehe Diatomeen) den Tieren der Tiefenregion zur Nahrung dienen könnten.

Neben Limnochlide kamen noch mehrere Arten von Chroococcaceen vor. Sie sind im Protokoll einfach mit Coccus bezeichnet und mit einem Beinamen versehen, der auf die Form der Kolonie oder der einzelnen Individuen Bezug hat. Sie gehörten meist der Gattung Polycistis an, der sogenannte feinkörnige Coccus war P. ichthyoblabe. Dagegen ähnelte Coccus 1 (viereckig) mehr einer Merismopedia.

Die in Pikrinsäure konservierten Algen lassen aber nicht ihre natürliche Färbung erkennen und sind dann nicht mehr bestimmbar. Zusammen fanden sich 109824460 Kolonien, die einzelnen Individuen sind nicht zu zählen.

Zur Urnahrung müssen wir ferner, wie in der Einleitung erwähnt ist, die Peridineen rechnen. Es waren im Fange drei Arten vorhanden, Ceratium tripos, C. fusus und Peridinium divergens. Diese drei Peridineen sind echte Meeresbewohner und es muss daher ihr Vorkommen im Süsswasser[CX] sehr auffallen. Ich vermutete daher zuerst, dass sie von früheren Fängen aus der westlichen Ostsee am Netze hängen geblieben waren, dieses war aber nicht der Fall, da, wie ich nachher erfuhr, ein ganz neues Netz zum Fischen verwendet war. Es müssen also sich die Peridineen dem Leben im Süsswasser angepasst haben. Der Salzgehalt im Stettiner Haff war so gering, dass er mit den Instrumenten nicht mehr gemessen werden konnte. Von den Peridineen, die bisher im Süsswasser gefunden wurden, sind keine beobachtet.

[CX] Hensen[105] führt auch an, dass Ceratium tripos von Pringsheim nahe bei Berlin gefunden ist, also im Süsswasser (S. 74).

Von den Protozoen finden wir im Plankton die Tintinnen. Dieses sind die niedrigststehenden Tiere, die durch einen Mund geformte Nahrung aufnehmen. Worin diese Nahrung besteht, ist nicht bekannt, Hensen[CXI] vermutet darunter der geringen Grösse der Tintinnen wegen noch kleinere Wesen, als bis jetzt nachgewiesen sind, und die regelmässig durch das Netzzeug hindurchschlüpfen. Tintinnen sind in zwei Arten im Fange vorhanden gewesen. Tintinnus ventricosus, der auch im Meere zahlreich vorkommt, war sehr häufig, auf 1 qm Oberfläche 1586040 Tiere, noch mehr war T. borealis Hensen[CXII] zu finden, eine neue Art, die eine Länge von nur 0.048 mm hat, und an Chaetoceros und anderen Organismen festsass. Von ihm waren 2881960 Individuen unter 1 qm Oberfläche.

[CXI] Hensen, [Planktonwerk] S. 71.

[CXII] Hensen[105] hier auch Beschreibung und Figur.

Von Rädertieren wurden sechs Arten gefischt. Drei davon gehörten zu der Gattung Anuraea, die anderen drei konnten nicht bestimmt werden, da sie zu sehr kontrahiert waren, es befand sich darunter eine sehr grosse durchsichtige Art[CXIII], von der nur 3180 unter 1 qm Oberfläche lebten.

[CXIII] Synchaeta?

Die beiden anderen unbestimmten Rotatorien waren sehr zahlreich zu finden, das eine in der Zahl von 776240, das andere von 3203200 unter derselben Oberfläche. Von Anuraea fanden sich A. aculeata Ehbg. mit 203840, quadridentata mit 722180 und foliacea Ehbg. mit 58240 Individuen. Ausserdem 2567380 Rädertiereier.

Von Daphniden wurden sechs Arten gefunden. Drei von diesen sind allgemein als pelagisch bekannt, nämlich Leptodora hyalina Lilj., Hyalodaphnia Kahlbergensis Schödler und Chydorus sphaericus O. Fr. M., während die drei übrigen bei den bisherigen Untersuchungen von Süsswasserbecken meist als littorale Formen nachgewiesen wurden. Daphnia longispina Leyd. ist jedoch auch von Zacharias[109] in den 6–8 m tiefen Mansfelder Seen pelagisch gefunden, ebenso Sida crystallina von Forel[99] in Schweizer Seen. Da die Daphniden vielen Süsswasserfischen zur Nahrung dienen, so ist ihre Bestimmung von hohem praktischen Interesse, namentlich da sie sich in Bezug auf ihren Gehalt an organischer Substanz ähnlich wie die Copepoden verhalten dürften, für die wir oben 99.4% gefunden haben. Wenn wir in unserem Fange unter einem Quadratmeter Oberfläche 1826100 Daphniden finden, so können wir uns leicht ein Bild von ihrer Bedeutung für die Fischzucht machen. Mit Hilfe der Planktonmethode würde sich ein sehr klares Bild über den Entwickelungsgang dieser Tiere finden lassen. Bei fortgesetzten Untersuchungen könnte man das Auftreten der Daphniden im Frühjahr feststellen, sowie dessen Abhängigkeit von der Wassertemperatur, ferner würde sich die rapide Zunahme gegen den Sommer hin zeigen, wobei es von Wichtigkeit wäre, die Zahl der Eier und Embryonen im Brutraume zu berücksichtigen, so dass sich für jede Art eine Durchschnittszahl ergeben würde. Zugleich liesse sich das Erscheinen der verschiedenen Arten in den einzelnen Monaten finden. Im Spätsommer würden dann die Männchen hinzukommen und schliesslich würde man die Cladoceren verschwinden sehen, nachdem man die Bildung der Dauereier beobachtet hätte.

Es würden sich alle diese Verhältnisse zahlenmässig klarlegen lassen und einen präzisen Ausdruck liefern für die bisherigen Ausdrücke, wie „im Frühjahr nach Schmelzen des Schnees massenhaft auftretend“.

Die Copepoden, deren Bedeutung wir schon oben gesehen haben, bilden einen anderen Hauptbestandteil des Plankton. Sie waren unter 1 qm Oberfläche mit 697480 vertreten. Dazu kommen noch die Larvenformen mit 786520.

In dem Protokoll sind die einzelnen Arten nicht getrennt aufgeführt worden. Es schien anfangs nicht möglich, während des Zählens die verschiedenen Spezies auseinanderzuhalten, und mit Hilfe der bisherigen Diagnosen ist dieses auch nicht auszuführen. Nachdem es sich aber herausgestellt hat, dass in einem Fange selten mehr als sechs Arten (bei Zählungen der Copepoden des Plankton im Kieler Hafen) vorhanden sind, ist die getrennte Zählung versucht worden und hat sich auch durchführen lassen, da jede Spezies irgend ein bestimmtes Merkmal besitzt, an dem sie sofort erkannt werden kann. Man kann schliesslich noch weiter gehen und auch die Geschlechter getrennt zählen. Neben den ausgewachsenen Copepoden werden dann die Larven berücksichtigt. Diese nach der Spezies zu zählen wird wohl fürs erste kaum geschehen können, da die Entwickelungsreihen vom Ei bis zum erwachsenen Tier nur erst für sehr wenig Formen festgestellt sind, bei genauem Studium und einiger Ausdauer liesse sich dieses vielleicht auch ausführen. Ebenso müssten die Eiersäckchen mit der durchschnittlichen Zahl der Eier berücksichtigt werden.

Nach den erwähnten Untersuchungen von Hensen nähren sich die Meerescopepoden von Peridineen. Die des Süsswassers müssen aber andere Nahrung zu sich nehmen, denn nach unserem Fange standen 697480 Copepoden, ohne Larven, nur 122090 Peridineen zur Verfügung, die nach den Hensenschen Berechnungen nur 10000 Copepoden genügen würden. Nach Claus[98] leben sie von pflanzlichem und tierischem Detritus, Vosseler[108] hat dasselbe beobachtet, meint jedoch, dass noch Infusorien sich beigesellen. Ob dieses aber auch die Nahrung der pelagischen Copepoden ist, wäre noch experimentell festzustellen.

Von Hydrachniden wurde Nesaea elliptica Kram. in erwachsenen und jugendlichen Formen gefunden. Ihre immerhin beträchtliche Zahl von 2400 pro 1 qm ist bemerkenswert. Ob sie in dem Haushalt der Natur irgend eine Rolle spielen, vermag ich nicht anzugeben. Eigentümlich ist das pelagische Vorkommen, obgleich Zacharias[110] in norddeutschen Seen die Milben nur littoral gefunden hat. Dagegen erwähnt auch Nordquist[106] in seinem Aufsatz über die pelagische und Tiefseefauna finnischer Seen pelagische Hydrachniden.

Von Mollusken wurden nur Muschellarven zahlreich gefangen, Schneckenlarven fehlten. Es fanden sich 40770 auf den Quadratmeter Oberfläche. Nimmt man für eine Muschel 1 qcm Bodenfläche an, so würden das auf 1 qm immer nur 10000 ausmachen, der Raum ist aber viel zu gering bemessen. Von den Larven kann also im günstigsten Falle nur ¼ am Leben bleiben und diese müssten den Boden dann dicht überziehen. Das ist aber nicht wahrscheinlich. Ob die Larven zu einer Spezies gehören, ist bei der Zählung nicht berücksichtigt worden, die Art selbst zu bestimmen ist bis jetzt auch nicht möglich, würde sich aber bei speziellen Studien gewiss ausführen lassen. Es würde das ein Licht auf die Zeit und die Dauer des Schwärmens der Larven werfen.

Es konnte in Vorhergehendem nur meine Aufgabe sein, dem Leser die Methodik zur quantitativen Bestimmung des Plankton im Süsswasser zu erklären; etwas Näheres über die Organismen des Plankton zu sagen, war nach dem einen Süsswasserfange noch nicht möglich. Es wäre zu wünschen, dass die Hensensche Methode auch in einem grösseren Landsee angewendet würde, interessante und wichtige Ergebnisse würde sie liefern, wie das schon der Fall bei ihrer Anwendung im Meere gewesen ist. Endlich möchte ich nochmals auf die epochemachende Arbeit Hensens hinweisen, die so viel des interessanten bietet, worauf ich nur hinweisen konnte, oder das ich wegen Raummangel ganz übergehen musste.

J.-N. 1 Stettiner Haff, 13. Sept. 1887. 500 ccm (1. Verdünnung)

Art der
Unter-
suchung

Vergr.

Verd.

No.

Wahres
Mass

Summe

Berech-
nung

Koeffi-
zient

Gebr.
Mass

feucht

200

1:1000

 1

0.0001

5000.0001

5000000

0.1

 2

0.0001

0.1

 3

0.0001

0.1

 4

0.0001

0.1

 5

0.0001

1–5

5000.0005

1000000

0.1

0.0005

88

1:100

 6

0.002

0.2

 7

0.002

0.2

 8

0.002

1–8

5000.0065

76923

0.2

0.0065

 9

0.002

1–9

5000.0085

58824

0.2

0.0085

10:100

10

0.02

0.2

11

0.02

0.2

12

0.02

0.2

13

0.02

1–13

5000.0885

5650

0.2

0.0885

14

0.02

1–14

5000.108

4629.6

0.2

0.108

15

0.05

0.5

16

0.05

0.5

17

0.05

1–17

5000.2585

1934.2

0.5

0.2585

66

18

0.1

1

19

0.1

1

20

0.1

1–20

5000.5585

895.25

1

0.5585

30:100

21

0.3

1–21

5000.8585

582.4

1

0.8585

44

22

0.75

1–22

5001.6085

310.8

2.5

1.6085

23

0.75

1–23

5002.3585

310.8

2.5

2.3585

24

0.75

2.5

25

0.75

1–25

5003.8585

129.5

2.5

3.8585

unver-
dünnt

26

2.5

2.5

27

2.5

2.5

28

2.5

1–28

50011.3585

44.014

2.5

11.3585

22

29

2.5

2.5

30

2.5

2.5

31

2.5

1–31

50018.8585

26.51

2.5

18.8585

Ganze
Massse
Gezählte
Massse
Name 1 2 3 4
9983100000 9653000000 Limnochlide 2024 1835 2048 1954
101828800 98461440 Melosira 27 24 22 19
438031 421656 Pediastrum 1 0 0 0
836060 808496 Coccus 1 (viereckig) 1 0 0 0
7642950 7390200 Coccus 2 (rund) 0 0 1 2
820060 793022 Coccus 3 (gerundet) 0 0 0 0
2059020 1990728 Coccus 4 (feinkörnig) ? ? ? ?
666047 644089 Coscinodiscus 0 0 0 0
764054 738864 Bacillaria 0 0 0 0
49356 47757 Surirella 0 0 0 0
5294 5242 Spiral. Oscillarie 0 0 0 0
298011 288196 Tintinnus borealis 0 0 0 0
164012 158604 Tintinnus ventricosus 0 0 0 0
85135 82354 Spirogyra ? ? ? ?
71732 67649 Coccus 5 (Gleocystis) ? ? ? ?
14001 13539 Scenodesmus 0 0 0 0
6000 5803 Goniaulax 0 0 0 0
6019 5824 Ceratium tripos 0 0 0 0
602 582 Ceratium fusus 0 0 0 0
21048 20384 Anuraea aculeata 0 0 0 0
74636 72218 Anuraea quadridentata 0 0 0 0
6019 5824 Anuraea foliacea 0 0 0 0
81257 77624 Rädertier 1 0 0 0 0
331895 320320 Rädertier 2 0 0 0 0
329 318 Rädertier 3 (durchsicht.) 0 0 0 0
281403 256738 Rädertier Ei ? ? ? ?
7690 7438 Sida cryst. 0 0 0 0
3094 2993 Daphnia longisp. 0 0 0 0
10239 9903 Hyalod. Kahlb. 0 0 0 0
41117 39757 Bosmina rot. 0 0 0 0
127165 122148 Chydorus sphaer. 0 0 0 0
384 371 Leptodora 0 0 0 0
72133 69748 Copepoden 0 0 0 0
84382 78652 Copepoden-Larven 0 0 0 0
245 240 Milben 0 0 0 0
4213 4077 Muschellarven 0 0 0 0
5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24
1792 ?
19 382 391 396 ?
0 3 0 1 2 10 16 12 13 11 62 50 37 ?
0 2 1 7 4 26 22 33 28 37 67 107 83 ?
0 30 24 30 29 304 321 268 299 ?
0 0 4 1 1 21 28 33 47 38 64 80 93 ?
? 16 13 16 12 62 79 80 80 72 ?
0 4 2 3 2 31 14 21 35 25 46 77 73 ?
0 8 22 0 0 13 41 41 36 31 53 80 57 ?
0 0 0 0 0 3 3 3 2 3 3 5 6 6 11 11 26 ?
0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 3 5 0 0 0 0 0 ?
0 0 4 2 2 5 11 14 11 7 22 39 32 ?
0 0 0 0 0 8 8 4 5 10 14 17 16 ?
? ? ? ? ? ? ? 1 2 5 16 10 11 17 11 11 ?
? ? ? ? ? ? ? 1 3 1 2 6 6 14 15 21 ?
0 0 0 0 0 0 0 1 1 0 3 0 2 ?
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 2 ?
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 1 5 2 0 0 ?
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 ?
0 0 0 0 0 2 0 0 2 1 1 1 2 4 4 3 15 ?
0 0 0 0 0 5 4 2 3 0 10 12 7 15 16 17 33 ?
0 0 0 0 0 0 0 2 0 1 0 0 3 1 1 1 1 ?
0 0 0 1 0 4 5 2 2 4 6 8 7 22 15 12 47 ?
0 0 0 0 0 14 8 9 8 14 30 34 33 62 68 63 207 ?
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
? ? ? ? ? ? ? 11 9 12 20 29 26 55 54 44 181 ?
0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 1 3 3 4 16 15 15
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 2 1 2 0 1 4 6 6 4
0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 2 2 0 3 2 1 10 14 17 19
0 0 1 1 0 3 1 3 0 1 5 5 5 12 4 10 19 54 77 52
0 0 0 0 0 6 5 6 2 4 11 8 19 18 27 24 59 189 201 ?
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 2
0 0 0 0 0 4 2 2 7 6 3 7 3 20 11 16 36 110 102 ?
0 1 0 1 2 1 2 5 4 5 8 13 7 15 25 22 48 97 115 ?
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3 0 0
0 0 0 0 0 0 1 0 0 1 1 0 1 1 1 0 1 ?
25 26 27 28 29 30 31 32 Gezählte
Summe
Platte Anmerkungen
9653 1–5 20 Fäd. = 294 Z.
1280 1–8 20 „ = 246 „
218 1–17
418 1–17
1308 1–13
410 1–17
430 6–14
333 1–17 [CXIV]
382 1–17
82 1–21
9 1–21 3 Fäd. = 44 Z.
149 1–17
82 1–17
84 12–20
69 12–20
7 1–17
3 1–17
10 1–21
1 1–21
35 1–21
124 1–21
10 1–21
135 1–21
550 1–21
0 0 3 3 3 3 ? 12 1–31 [CXV]
441 1–21
7 31 34 38 ? 169 1–28
6 14 11 10 ? 68 1–28
12 46 46 49 ? 225 1–28
54 ? 307 1–25
579 1–23
0 3 1 2 3 1 1 ? 14 1–31
329 1–22
371 1–23
0 1 0 1 4 0 0 ? 9 1–31
7 1–21

Anmerkung: Der Fang, nach dem dieses Protokoll berechnet ist, wurde mit einem Planktonnetze von 0.1 qm Öffnung gemacht; es müssten also, da die Tiefe des Netzzuges 5 m betrug, 0.5 cbm Wasser durch das Netz filtriert sein; in Wahrheit aber nur 0.45 cbm (siehe oben bei Netze). Wollen wir die Anzahl der Organismen unter einem Quadratmeter Oberfläche kennen, so müssen obige Zahlen mit 10 multipliziert werden, da die Öffnung des Netzes, also die Grundfläche der Wassersäule 0.1 qm beträgt.

[CXIV] War Polycystis ichthyoblabe.

[CXV] Synchaeta ähnlich.