DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER.

Dänemark.
Die Reformation.





DÄNEMARK[17]. Die Einführung der kirchlichen Reformation war nicht ein so entscheidender Wendepunkt in dem geistigen Leben Dänemarks, wie in dem Deutschlands. Der König Christian ii. begünstigte zwar die Bestrebungen der Humanisten und der Reformatoren, konnte sie aber während seiner unruhigen und blutigen Laufbahn nicht genügend stützen. Die erste dänische Ausgabe des Neuen Testaments wurde so zu sagen unter seinen Augen in Leipzig 1524 gedruckt. Überhaupt war der Buchdruck in Dänemark noch nicht imstande, mit den Bedürfnissen Schritt zu halten und viele Bücher wurden in Paris, Antwerpen, Köln, Lübeck, Magdeburg und Rostock ausgeführt, an letzterem Orte durch die Fratres vitæ communis, namentlich aber durch Ludw. Dietz, der 1533 Luthers Bibel plattdeutsch gedruckt hatte. Sein Name hatte in Dänemark einen so guten Klang, dass er vom König Christian iii., als dieser den Vorsatz gefasst hatte, eine schöne Ausgabe der Bibel veranstalten zu lassen, nach Kopenhagen berufen wurde, wo er das Vorhaben des Königs in würdigster Weise ausführte. Der Vorschlag war von dem Reformator Bugenhagen ausgegangen, der auch die erwähnte plattdeutsche Bibel besorgt hatte, welche noch um ein Jahr eher erschien, als die erste vollständige hochdeutsche Bibel durch Hans Lufft. Dietz wurde mit seinem Gehülfen und seiner Druckerei 1548 nach Kopenhagen kostenfrei übergeführt; dort erhielt er freies Quartier, eine Ladung Holz, 200 Reichsthaler Handgeld und für jedes der 3000 Exemplare der Auflage 1 Gulden. Durch eine Abgabe von 2 Reichsthalern auf jede Kirche in Dänemark wurden die Kosten für das Papier zuwegegebracht. Am Johannistage 1550 war der Druck zur grössten Zufriedenheit beendigt und Dietz und seine Offizin wurden wieder nach Rostock gebracht. Diese Bibel ist ein vorzügliches Druckwerk, mit guten Holzschnitten geschmückt, welche teilweise schon früher in Deutschland benutzt waren. Das Portrait des Königs und ein Titelblatt sind von Jakob Binck ausgeführt. Ein anderer Deutscher, Hans Stockelmann, war der erste eigentliche Universitätsbuchdrucker (1574) und genoss als solcher bedeutende Vorteile. Die Universität besass jedoch keine rechte geistige Selbständigkeit und man blickte nach Wittenberg als nach einem Richterstuhl ohne Appell in Angelegenheiten der Kirche und der Wissenschaft. Die Zensur, die sich 1524 Eingang verschafft hatte, um gegen Luthers Schriften angewendet zu werden, wurde nun umgekehrt von den Protestanten nach Herzenslust geübt. Die Herausgabe eines Spottliedes gegen einen Bischof kostete 1586 dem Prediger Jakob Nielsen den Kopf. Die Einfuhr gedruckter Bücher wurde 1562 verboten. Ein litterarisches Eigentumsrecht erkannte die damalige Zeit nicht an. Selbstverständlich konnte der Buchhandel keine grossen Fortschritte machen; eine zunftmässige Organisation desselben bestand nicht und die Bücher waren verhältnismässig teuer und selten. Unter den Verlegern fand, wie in Deutschland, ein Tauschhandel statt; Kataloge und Bekanntmachungen waren nicht gebräuchlich, doch besuchten dänische Buchhändler die Frankfurter und die Leipziger Messen und erhielten Besuch von deutschen und holländischen Verlegern. 1614 wurden die ersten Zeitungsprivilegien erteilt.

Schrift u. Papier.

Schriftgiessereien hatte Dänemark noch nicht gehabt und die nötigen Typen führten Deutschland und Holland ein. Nicht nur das Druckmaterial, sondern auch die Arbeiter wurden aus dem Auslande geholt. Mit der Papierfabrikation wollte es auch nicht recht vorwärts gehen. Die erste Fabrik wurde auf Seeland i. J. 1576 errichtet, prosperierte aber nicht. Sogar berühmte Schriftsteller mussten den Druck ihrer Werke einstellen, weil das benötigte Papier nicht zu beschaffen war.

Im Jahre 1589 legte der berühmte Astronom Tycho de Brahe, neben seiner schon seit 1584 bestehenden Privatdruckerei auf der kleinen Insel Hveen im Öresund, auch eine Papierfabrik an; dieselbe hörte jedoch bald auf. Bei ihm hielt sich der berühmte holländische Buchdrucker und Geograph Wilh. Janszoon Blaeu längere Zeit auf und arbeitete zusammen mit ihm zu wissenschaftlichen Zwecken.

Buchbinderei.

Um die Buchbinderei war es nicht ganz übel bestellt, sie wurde aber hauptsächlich von Franzosen und Deutschen betrieben. Von letzteren berief man z. B. im Jahre 1550 Christoph Schoch aus Wittenberg und Paul Knobloch aus Lübeck, um die 2000 Exemplare der obenerwähnten Bibel Christians iii. zu binden, wofür sie neben freier Station den hohen Preis von 2 Mark dänisch pro Stück erhielten.

Verfall
der Wissenschaft.

Wie der Glanz und die Herrlichkeit der Geistlichkeit vor der kirchlichen Reformation erloschen war, so sank nach der grossen politischen Umwandlung durch die Einführung des absoluten Königtums im Jahre 1660 die Macht des Adels auf immer und damit auch die von ihm der Litteratur und den Wissenschaften gewährte Unterstützung. Ein freies, aufgeklärtes und wohlhabendes Bürgertum als Ersatz gab es noch nicht. Von den Königen wurden zwar viele Hofbuchdrucker und Hofbuchhändler ernannt, es handelte sich jedoch nur um leere Titel. Pietismus und Bigotterie herrschten in den oberen Kreisen und verbreiteten sich nach unten, um dann dem Materialismus Platz zu machen. Lateinisch war immer noch die Sprache der Gelehrten, wer nicht lateinisch schrieb, schrieb deutsch und es dauerte lange, ehe die dänische Sprache und Litteratur zu Ehren kamen. Die Zensur wurde mit Strenge gehandhabt; der Nachdruck blühte und die Einfuhr von Büchern war hoch besteuert.

Buchhandel.


Glänzend konnte demnach der Zustand der Buchdruckerei und des Buchhandels nicht sein. Hierzu kam noch der grosse Brand von Kopenhagen 1728, nach welchem das Geschäft ganz darnieder lag und erst durch Georg Höpfner wieder zu Ehren kam. Im Jahre 1722 gab es ausserhalb Kopenhagens keine Presse in Dänemark, 1769 arbeiteten 12 Buchdruckereien. Vieles wurde jedoch in Deutschland gedruckt, wenn auch nicht viel besser. Ein Deutscher, Ernst Heinrich Berling, hatte um 1740 eine Schriftgiesserei angelegt, und das Verbot der Einfuhr von Schriften-Guss erlangt. Aber dieses Verbot scheint nicht beachtet worden zu sein. Die Fraktur war die allgemein gebräuchliche Type und ein Versuch des Buchdruckers Jokum Wielandt, 1723, sie durch Antiqua zu ersetzen, misslang. Im Jahre 1754 wollte man eine „Freie dänische Buchdruckerei“ begründen mit ähnlicher Tendenz wie die „Gelehrte Buchhandlung“ in Deutschland; sie endigte mit gleichem Misserfolg. Im Jahre 1720 war das erste kritische Blatt erschienen. Mit den Zeitungen sah es keineswegs gut aus. Die in deutscher Sprache geschriebenen waren reine Abklatsche der elenden Hamburger Zeitungen. 1666 erschien eine gereimte dänische Zeitung „Dansk Mercurius“. Erst ein Kopenhagener Lokalblatt „Die Nachrichten des Adress-Komptoires“ hatte einen solchen Erfolg, dass nun auch Provinzstädte Lust bekamen an dem Gewinne teilzunehmen, was dann auch die Verbreitung der Buchdruckereien mit sich brachte.

Norwegen.

In dem mit Dänemark politisch und sprachlich verbundenen NORWEGEN ging die wissenschaftliche und litterarische Bewegung ganz in der dänischen auf, so dass die Buchdruckereien dort nicht festen Fuss fassen konnten. Das erste Buch wurde in CHRISTIANIA i. J. 1643 von einem wandernden Buchdrucker, Tyge Nielsen aus Kopenhagen, gedruckt. Eine fest angesiedelte Offizin erhielt Norwegen erst durch einen Deutschen, Valentin Kuhn.

Island.

Auf ISLAND herrschte und herrscht noch die von den eingewanderten Norwegern mitgebrachte altnordische (Norräna-)Sprache und ein reges geistiges Leben. Die Reformation ward 1551 eingeführt, und Island erhielt, noch vor dem Mutterlande, eine Buchdruckerei. Dieselbe wurde auf Veranlassung des letzten katholischen Bischofs Jon Arason durch dessen Schreiber, den Schweden Jon Matthiasson, in HOLUM eingerichtet und hier erschien 1531 das erste Buch Missale Nidarosiense (Drontheimsches Missal). Als der Bischof, ein Opfer seiner Überzeugung, gefallen war, nahm der weniger skrupulöse Matthiasson die lutherische Lehre an, behielt die Druckerei und druckte mehrere evangelische Schriften. Die Offizin zog öfters hin und her und wurde 1574 von dem Bischof Guldbrand Thorlakson übernommen, mit neuem Material versehen und erweitert, so dass sie 1584 eine Folio-Bibel, von der später mehrere Auflagen erschienen, isländisch drucken konnte. Der Bischof besorgte selbst eine sehr genaue Korrektur und soll sogar die zierlichen Initialen gezeichnet und geschnitten haben. Im Jahre 1704 kam die Offizin nach SKALHOLT, wo sie über 40 Drucke lieferte, und dann, nach längerem Stillstand, 1704 nach Holum zurück.

Schweden.

In SCHWEDEN wurde die Bibel zum erstenmale 1521 schwedisch gedruckt; 1548 das Neue Testament in finnischer Sprache. 1594 liess Karl xi. eine königliche Buchdruckerei einrichten, deren erster Vorstand Anund Olai war, und die, bald unter deutschen, bald unter schwedischen Dirigenten, tüchtiges geliefert hat.

Pet. v. Selou.


Sowohl Gustav ii. Adolf, als seine gelehrte Tochter, Christina, förderten eifrig die Buchdruckerkunst. Zu einer Zeit, wo diese sonst bereits anfing in Misskredit zu kommen, verlieh Gustav Adolf den Buchdruckern Einkünfte. 1626 berief er aus Deutschland Peter von Selou, damit er heilige Schriften mit russischen Typen drucke. 1636 gab er dem alten Bischofssitz STRENGNÄS eine Druckerei, nur damit der Bischof von Schonen, Laurentius Paulinus, mit grösserer Bequemlichkeit den Druck seiner Schriften überwachen konnte. Mit dem Bischof wanderte die Druckerei später nach Upsala. Dem geschickten Formenschneider und Kupferstecher Heinrich Keyser schenkte er einen, in Deutschland erbeuteten Buchdruckerei-Apparat, mit welchem Keyser, unter der Regierung Christinas, die sehr geschätzte, sogenannte Bibel der Königin Christina druckte. Bekannt ist Keyser namentlich durch sein Werk Insignia nobilitatis Suecanae mit sehr gut ausgeführten Wappen. Als Keyser sich in seinen Hoffnungen auf guten Erfolg getäuscht sah, zerstörte er in Unmut die Illustrationen, so dass das Werk sehr selten geworden ist. Der tüchtige Sohn Keysers druckte in vorzüglicher Weise die schönste Ausgabe der schwedischen Bibel, die erst 1703, nach seinem 1699 erfolgten Tode, vollendet wurde.

Die Königin Christina hatte einen bekannten Amsterdamer Buchdrucker Johann Jansson (nicht der berühmten Blaeu'schen Familie angehörend) nach Stockholm berufen. Ausser festem Gehalt wurden ihm manche Vorteile, darunter freie Papiereinfuhr, zugestanden. Als die Königin die gelehrte Schule in Åbo in Finnland zur Universität erhoben hatte, berief der akademische Senat 1642 Peter Valdius als Universitätsbuchdrucker. 1713 wurde die Druckerei, auf Grund der Kriegsunruhen, nach Stockholm gebracht.

Über der in Gothenburg 1650 von Amund Grefwe errichteten Offizin ruhte ein Unglücksstern. Erst ging ein Schiff, welches neue Typen und Papier aus Hamburg bringen sollte, unter, und 1669 brannte, mit einem grossen Teil von Gothenburg, die Druckerei ab.

Upsala.

In UPSALA mit seiner schon 1476 gestifteten Universität hatte Paul Griis 1510 die Kunst eingeführt. Der König Karl Gustav unterstützte ihn dabei, indem er ihm die Einkünfte eines Ritterguts überliess. Griechisch, hebräisch, Runen und arabisch wurden bereits mit dem Anfang des xvii. Jahrhunderts dort gedruckt; die letztere Schrift wurde von Peter Kirsten aus Breslau eingeführt, die Runen verbesserte 1702 Peringskjöld.

Olaus Rudbeck.

In Upsala lebte auch der berühmte Gelehrte Olaus Rudbeck, bekannt durch sein grosses Werk Atlantica, sive Manheim, von welchem Band i-iii in Folio mit einem grossen Atlas in den Jahren 1675-1698 fertig wurden. Um den Druck zu fördern, hatte Rudbeck selbst 1686 eine Druckerei angelegt, mit welcher, bei dem grossen Brande Upsalas 1702, der noch in der Presse befindliche iv. Band so gründlich vernichtet wurde, dass nur 3 oder 4 Exemplare übrig geblieben sind.

Lund.

LUND hatte 1666 durch Karl xi. seine Universität erhalten. Die Versuche, die 1668 und 1676 gemacht wurden, die Druckerkunst dort heimisch zu machen, waren jedoch für lange Zeit ohne rechten Erfolg.

[1] Vergl. S. 116, Absatz: Hans Schaeuffelein.

[2] Interessant ist in Bezug auf das Typenwesen im Mittelalter: F. Soennecken, Das deutsche Schriftwesen. Bonn 1881.

[3] Dr. H. Grotefend, Chr. Egenolff, der erste ständige Buchdrucker zu Frankfurt a. M. Frankfurt 1881.

[4] Ed. Heyden, Gallerie berühmter Frankfurter. 1861.

[5] H. Helbig, Notice sur P. Schœffer le fils. Gent 1848.

[6] C. F. Schurrer, Slavischer Bücherdruck in Würtemberg im xvi. Jahrh. Tübingen 1799. — H. C. W. Sillem, Primus Truber. Erlangen 1861.

[7] Interessante Mitteilungen über diese geschäftliche Verbindung verbreitet das in Basel 1881 erschienene: Rechnungsbuch des Froben und Episcopius 1557-1564.

[8] A. Jociscus, Oratio de ortu etc. J. Oporini. Strassburg 1569.

[9] S. Vögelin, Christoph Froschauer, erster berühmter Buchdrucker in Zürich. Zürich 1840. — E. Camillo Rudolphi, Die Buchdrucker-Familie Froschauer in Zürich (1521-1595). Verzeichnis der aus ihrer Offizin hervorgegangenen Druckwerke. Zürich 1869.

[10] G. Binckert, Leonhard Straub, der erste Buchdrucker in St. Gallen. 1878.

[11] Jubilæum typgr. Lipsiensium. Leipzig 1640. — Gepriesenes Andenken. Jubelschrift. Leipzig 1740. — F. Ch. A. Hasse, Kurze Gesch. d. Leipziger Buchdk. Leipzig 1840. — C. B. Lorck, Die Druckkunst und der Buchhandel in Leipzig durch vier Jahrhunderte. Leipzig 1879.

[12] G. Schwetschke, Codex nundinarius Germaniae literatae bisecularis. Halle 1850.

[13] Dr. O. Hase, Breitkopf und Härtel. Leipzig 1875.

[14] E. G. Eichsfeld, Relation vom Wittenbergischen Buchdrucker Jubilio 1740. Wittenberg 1740.

[15] G. G. Küster, Historia artis typographicæ in Marchia. Berlin 1746. — Abhandlung, worin etwas von märkischen Formschneidern. — J. C. W. Moehsen, Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Mark Brandenburg. Berlin 1783. — G. Friedländer, Beiträge zur Buchdruckergeschichte Berlins. Berlin 1834.

[16] J. O. Opel, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse. Leipzig 1879. — E. Dominik und Otto Wenzel, Zwei Abhandl. in: „Der Bär“ 1881, Nr. 24 u. 42.

[17] C. Nyrop, Bidrag til den danske Boghandels Historie. 2 Bde. Kopenh. 1870.

VIII. KAPITEL. [[←]]

DER DRUCKBETRIEB UND DAS BUCHGEWERBE IN DEUTSCHLAND.

Die Schriftgiesserei und die Druckschriften. Die Technik des Setzens und Druckens: Der Satzapparat, die Korrektur, die Presse, die Farbe. Prinzipal, Geselle und Lehrling. Die Buchbinderkunst. Der Buchhandel: Die litterarische Produktion, das Verhältnis zwischen Autor und Verleger.

Technische Ver-
besserungen.

MÖGEN auch abweichende Urteile darüber herrschen, welcher Anteil an der technischen Weiterbildung der neuen Kunst dem Erfinder selbst, welcher seinen Genossen und ersten Nachfolgern gehört, so steht doch das eine fest, dass die Technik der Kunst und der mechanische Apparat, nachdem die ersten unsicheren Versuche hinter den genannten lagen, eine derartige Festigkeit im Prinzip und Abrundung in der Ausführung gewonnen hatten, dass man, trotz der Fortschritte der Gewerbe und der Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze auf dieselben, in der langen Zeit von dem Jahre 1500 bis zu dem Jahre 1750 nicht imstande war, das Überkommene durch Neues zu ersetzen[1].

Successive Verbesserungen in der Herstellung der Schriften und des Druckes traten zwar ein, aber keine durchgreifenden Reformen. Erst zu Ende des xviii. Jahrhunderts zeigten sich die Vorboten solcher, jedoch erst dem xix. Jahrhundert war es beschieden, ihnen Fleisch und Blut zu geben.

Schriftgiesserei.

In der SCHRIFTGIESSEREI bestanden die Verbesserungen, nachdem man schon frühzeitig gelernt hatte, die Stempel in Stahl, die Matern in Kupfer, die Schriften in härterer Metallmischung herzustellen, hauptsächlich in der Einführung der nach bestimmten Regeln sich abstufenden Schriftgrössen (Kegel-System), während anfänglich Zufälligkeiten oder Laune bestimmend waren.

Kegel und
Schrifthöhe.

Leider wurde vom Beginn ab weder in Betreff des Kegels noch der Schrifthöhe eine Einheitlichkeit in allen Ländern durchgeführt. Nicht allein verfolgte jedes Land seinen eigenen Weg, sondern in den einzelnen Ländern, und zwar ganz besonders in Deutschland, herrschte Verschiedenheit, die sich sogar auf die einzelnen Städte ausdehnte, ja, selbst in den Druckereien einer und derselben Stadt sah es oft traurig genug um die Einheitlichkeit aus.

Giessinstrument.

Das Giessinstrument war so eingerichtet worden, dass die Buchstaben beim Giessen einen trichterförmigen Anguss erhielten, dessen Schwere die scharfe Ausprägung des Buchstabenbildes förderte. Die Interpunktionszeichen wurden vermehrt und erhielten eine zweckmässigere, weniger prätentiöse Form. Die überaus zahlreichen Ligaturen der Buchstaben wurden auf eine kleine Zahl beschränkt und die sogenannten Auszeichnungsschriften zum Hervorheben einzelner Zeilen oder Wörter eingeführt.

Signatur.

Die Typen wurden mit einer Einkerbung (Signatur) versehen. Diese diente nicht allein dem Setzer als Richtschnur, um den Buchstaben gleich aus dem Kastenfach richtig zu fassen und in den Winkelhaken einzureihen, sondern auch als Unterscheidung der verschiedenen, auf einem und demselben Kegel gegossenen Schriftsorten, indem man mit der Stellung der Signatur auf der unteren, beim Satz oberen, Langseite der Type wechseln, nach Befinden auch gleichzeitig mehrere Signaturen anbringen konnte.

Vermehrung der
Schriften.

Mit der steigenden Zahl der Schriften war dieses Unterscheidungszeichen recht notwendig geworden. Bereits das, 1721 erschienene, Handbuch von Ernesti weist nicht weniger als 47 verschiedene Frakturschriften bei 18 Kegelstärken auf. Man sieht auch hieraus, welche grosse Ansprüche schon damals an die Schriftgiessereien und Buchdruckereien gestellt wurden. In Deutschland verdoppelten sich diese Ansprüche, denn man musste auch in Antiqua- und Kursiv-Schriften wohl versorgt sein. Das erwähnte Handbuch bringt 21 Antiqua- und 14 Kursiv-Proben, daneben 11 Grade Griechisch und 9 Grade Hebräisch, ausserdem arabische, samaritanische, armenische, koptische, cyrillische, glagolitische, russische, hunnische, scytische, wendische Schriften, Runen, Choral- und gewöhnliche Noten.

Das Clichieren.

War auch die eigentliche Stereotypie noch nicht zur Anwendung gekommen, so kann doch kein Zweifel darüber obwalten, dass man bereits im xv. Jahrhundert in ziemlich ausgedehnter Weise das Clichieren geübt hat, freilich noch aus freier Hand durch Eindrücken der grossen Initialen oder der Holzstöcke in ein halberstarrtes Metall oder in Thon, wodurch man eine, für das weitere Giessen verwendbare Mater gewann.

Die Fraktur und
die Zierschriften.

Obwohl die Frakturschrift die in Deutschland herrschende Schrift war, so zeigte sich doch keine grosse Thätigkeit in der Fortbildung derselben; wir berührten diese bereits, als von Nürnberg die Rede war (S. 129). Als Auszeichnungsschrift wurde hauptsächlich die Schwabacher Schrift, nachdem sie aufgehört hatte Buchschrift zu sein, benutzt; auch machte sich die Typographie die Kanzlei- und die Kurrentschrift dienstbar. Mit der Kanzlei nahm der herumreisende Schriftschneider Schmidt in Leipzig einen nicht üblen Versuch vor; Crabath in Prag schnitt eine schattierte Schrift mit einem starken und einem schwachen Strich. Mit der Kurrentschrift wurde zu Beginn des xviii. Jahrhunderts verschiedentlich experimentiert. Voran ging Christ. Zink in Wittenberg, ihm folgten Schmidt und in Wien von Trattnern. In Basel zeichneten sich Joh. Putorius und W. Haas aus, in Frankfurt a. M. Luther.

Die Antiqua.

Noch weniger als in der Fraktur leistete Deutschland in der Antiqua. Frobens und Oporins Typen blieben noch zu Anfang des xvii. Jahrhunderts massgebend, obwohl diese selbst mehr Nachahmungen des römischen, als des verbesserten venetianischen Schnittes waren.

Als zu Ende des xvii. Jahrhunderts die Verbreitung der holländischen Ausgaben in Deutschland den Sinn für schöne Drucke geweckt hatte, fing man an, sich Matrizen aus Holland kommen zu lassen. Besonders war es der Schriftgiesser Erhard in Leipzig, welcher sich die Janssonschen Schriften anschaffte. In Nürnberg schnitt Joh. Lobinger lateinische Schriften, die Beifall fanden, ebenso, in Nachahmung der holländischen, Christ. Zinck in Wittenberg. Ein eigentlicher Bahnbrecher erstand jedoch nicht unter den deutschen Schriftgiessern. Wahrscheinlich würde ein solcher auch, in Ermangelung jeglicher Unterstützung und Aufmunterung, das Schicksal so mancher Bahnbrecher gehabt haben. Unter solchen Verhältnissen findet man deutsches Geschick und Talent, wie in manchem anderen Fach, so auch in der Schriftgiesserei hauptsächlich nur im Dienste des Auslandes thätig.

Der Satzapparat.

DIE TECHNIK DES SETZENS UND DRUCKENS. Was den Satz-Apparat betrifft, so wurde der Setzkasten zweckmässiger eingeteilt, und für die Fraktur und Antiqua verschieden eingerichtet; auch machte die öftere Benutzung der orientalischen Schriften besondere Kästen für diese notwendig. Der „Winkelhaken“ wurde verstellbar und aus Metall angefertigt. Das „Schiff“ erhielt den Doppelboden (Zunge) zum Ausziehen, war jedoch noch von Holz. Die eisernen Schliessrahmen fanden überall Eingang.

Der Satz.

Der Satz selbst bekam durch den Durchschuss, die Absätze, die Schmutztitel, Buch- und Kapitel-Einteilungen eine freiere, übersichtlichere Gestaltung. Die Titel in der jetzigen Einrichtung wurden allgemein, ebenso die Angabe des Druckorts und des Datums, des Druckers, später auch des Verlegers. Die kleineren Schriftgattungen gestatteten die Verwendung der kleineren, handlichen Formate. Die Zahl der letzteren war eine übergrosse, ausser den gewöhnlichsten: Folio, Oktav, Duodez und Sedez, wurden: Achtzehner, Vierundzwanziger, Zweiunddreissiger, Achtundvierziger, Zweiundsiebenziger, Sechsundneunziger oft verwendet, es kamen dazwischen aber auch noch andere vor. Die Kolumnentitel, die Signatur, die Norm und der Kustos waren an und für sich kleine, aber doch wesentliche Verbesserungen. Die Accidenzarbeiten hatten noch keine grosse Bedeutung.

Die Presse.

Die Presse von 1750 war im Prinzip und in allen wesentlichen Bestandteilen dieselbe wie die aus dem Jahre 1500. Sie wurde aus Holz konstruiert, jedoch fertigte man nach und nach die Spindel, die Mutter, den Tiegel aus Messing oder Eisen und das Fundament und die Schienen aus Eisen. Als Verbesserer der Pressen werden namentlich Danner in Nürnberg und Wilh. Janszoon Blaeu in Amsterdam genannt.

Um eine Form zu drucken war ein zweimaliges Anziehen des Bengels notwendig, da der Tiegel nicht gross genug war, um eine volle Form zu decken. Der Karren wurde deshalb erst bloss bis auf die Hälfte der Form hineingefahren und der erste Druck geübt, dann ganz hinein, damit auch die andere Hälfte gedruckt wurde.

Die Drucker.

An der Presse arbeiteten zwei Drucker, der „Pressenmeister“ und der „Ballenmeister“[2], die sich jedoch gewöhnlich in der Arbeit ablösten. Der jedesmalige Ballenmeister hatte die zwei pilzförmigen Ballen aus Holz, die mit Rosshaaren überdeckt und mit Schafleder überzogen waren, einzufärben, die von dem Farbetische entnommene Farbe durch tüchtiges Reiben der Ballen an einander gut zu verteilen und dann die Form einzuschwärzen, indem er, unter fortwährend wiegender Bewegung der Ballen, diese erst von oben nach unten und dann seitwärts auf die Schrift drückte, und länger an den Stellen, die eine besonders sorgfältige Einfärbung verlangten, z. B. bei grossen Titelschriften und Illustrationen, anhielt.

Trotz dieser zeitraubenden Manipulationen konnten doch zwei Drucker in einem Arbeitstag 2000 Drucke, flinke Drucker sogar 3000, also resp. 1000 und 1500 vollständige Bogen fertig bringen.

Die Farbe.

Die Farbe wurde von jeder Buchdruckerei selbst bereitet und bestand aus Leinöl-Firnis und Kienruss. Sie war im allgemeinen eine gute, und es kam hauptsächlich nur darauf an, dass der Firnis die richtige Stärke erhielt. Da das Sieden desselben nicht ohne Feuergefahr war, so gestattete man es nur auf einem, dazu von den Stadtbehörden bestimmten Platz. Der Tag des Siedens galt als halber Festtag für die Drucker. Um dem siedenden Öl sowohl die wässerigen als die überflüssigen fettigen Teile zu nehmen wurden Stückchen von Brotrinde oder Semmel hineingesteckt. Mit Salz bestreut, wurden diese Brotstückchen gern gegessen, sie mehrten aber noch den selbstverständlichen Durst ins unberechenbare und das Bier schmeckte nun um so besser.

Die Korrektur.

Die Korrektur-Abzüge wurden mittels der Bürste abgeklopft, mitunter auch in grausamer Weise abgetreten! Man legte eine Partie Makulatur über den abzuziehenden Bogen und trat nun den Druck ab, indem man sich auf die Form stellte.

Grössere Offizinen hatten ihre Haus-Korrektoren und es bildete sich ein besonderer Stand der Korrektoren von Beruf. Soll man nach den Ermahnungen eines ihrer Kollegen[3] urteilen, so müssen sie nicht immer sich des solidesten Lebenswandels befleissigt haben, denn neben einem guten Auge verlangt er vor allen Dingen von einem guten Korrektor, dass er „mit allem Fleiss für der Trunkenheit sich hütet, auff dass er nicht etwa gantz nichts, oder hingegen mehr, als in Wahrheit vorhanden, sehe oder auffzeichne. Und, welcher zu dieser Verrichtung verordnet, gerne trincket, ist ein unnützer Mensch, zu welchem der Druckherr, wann er ihm offt also bezecht sihet, ohne Vorwunderung wol sagen möchte: troll dich du Bösewicht“.

Der Prinzipal.

Der Buchdruckerprinzipal musste, bevor er eine Offizin eröffnete, den Buchdruckereid ablegen, der, wenn auch nicht überall der gleiche, stets darauf ging, nichts ohne Zensur und keine Schmähschrift zu drucken und den Buchdruckerei-Ordnungen gemäss sich zu betragen. Die Rechte der Innungen waren durch die Statuten und Freiheiten in den Artikel-Briefen gesichert. Die Überwachung derselben, die Aufbewahrung der Lade und die Führung der Innungsrechnungen war dem Oberältesten, dem „Ladenvater“, übertragen, der auf dem Generalsitz (Session), welcher jedesmal 14 Tage vor der Messe abgehalten wurde, gewählt ward.

Der Geselle.

Die Gesellen bildeten ebenfalls unter sich einen Verein, der seine zwei Obergesellen oder Assessoren, einen Drucker und einen Setzer, hatte, die bei den Gesellen ungefähr die Stellung einnahmen, wie der Oberälteste bei den Meistern, und für den Nutzen der Gesellschaft zu sorgen hatten.

Die Gesellen arbeiteten entweder in festem Lohn oder konsensweise, d. h. wurden per Stück bezahlt. Das Engagement galt von Messe zu Messe; 14 Tage vor der Messe wurde der „Anredetag“ abgehalten; wollte der Meister den Gesellen noch ein halbes Jahr behalten, so wurde er „angeredet“, geschah dies nicht, so wusste er, dass er nach 14 Tagen „Feierabend“ hatte. Was der Geselle von Messe zu Messe von seinem Lohn stehen liess, hiess seine Messbesoldung. Wurde er verschrieben, so erhielt er „Laufgeld“. Beim Eintritt musste er „Introitus“ zahlen, war er nicht gut beleumundet, so wurde er von seinen Kollegen zurückgewiesen. Er hatte das Recht den Degen zu tragen.

Der Introitus, die Abgaben der Ausgelernten, „das Titulgeld“, welches der Verleger für den Druck eines roten Titels zahlte, oder sonstiges Trinkgeld wurde jährlich zweimal, zu Fastnacht und zu Martini, verteilt oder vertrunken. Zu Martini gab der Prinzipal einen Schmaus.

Der Lehrling.


Der Lehrling wurde, wenn er eine Probezeit von einigen Wochen gut bestanden und durch Zeugen nachgewiesen hatte, dass er in ehrlicher Ehe geboren war, „aufgedungen“. Er hatte 5-6 Jahre zu lernen und den Meister und die Gesellen zu bedienen. Hatte er seine Lehre ehrlich bestanden, so wurde er „Kornut“ oder Hörnerträger und hatte als solcher wöchentlich an die eigentlichen Gesellen eine Abgabe, „nach christlicher Billigkeit“, zu zahlen. Wollte er nun als Geselle losgesprochen sein, so musste er sich dem „Postulat“, oder der Deposition, unterwerfen. Dies geschah unter scenischen Festlichkeiten und in Anwesenheit der Gesellen und Bekannten mit ihren Damen. Erst trat der Prologus auf und hielt eine salbungsvolle Lobrede auf die Kunst. Mit dem unförmlichen, mit Hörnern versehenen Hut aus schwarzem Leder bedeckt[4], wurde nun der Kornut von dem Knecht eingeführt, von letzterem durchgehechelt, geschimpft, geschlagen und mit guten Lehren versehen. Der Kornut lässt sich alles gefallen und verspricht dem Depositor, den Gesellennamen mit Ehren zu führen, die Laster der Jugend und die schlechten Sitten abzulegen, und einen tugendsamen Wandel zu führen. Hierauf erhält er die Konfirmation als Geselle, und die von ihm gewählte „Kranzjungfer“ setzt ihm den Kranz auf. Das ganze Schauspiel wimmelte von Trivialitäten und Roheiten[5]. Der Schmaus bei dem „Postulatvater“, der für gute Speise und guten Trank zu sorgen verpflichtet war, bildete selbstverständlich durchaus nicht eine Nebensache.

Sitten im allge-
meinen.

Von der Zucht und Ordnung in den Druckereien bekommen wir keinen besonders vorteilhaften Begriff, wenn wir die Anordnungen lesen, in welchen den Gehülfen eingeschärft wird, „ihrem Druckherrn gebührliche Ehre und Gehorsam zu erzeigen, ihm nicht widersetzig zu sein, viel weniger mit thatsächlicher Gewalt sich an ihm zu vergreifen“, und sie ermahnt werden: „das Fluchen, Gottlästern, Andere zur Banckhauen zu unterlassen; Abends nicht mit Ungestüm anzuklopfen, jauchzen, geschrey zu tumultuiren, nicht die Wehren zu zucken; das liederliche Feiern, mehrenteils um des unchristlichen Saufens, Schwelgens und Tollisirens willen, sowie das Abhalten heimlicher Conventikula behufs des Aufwiegelns anderer Gesellen, einzustellen“.


Aenderungen in
d. Buchbindung.


DIE BUCHBINDERKUNST[6]. Keine andere gewerbliche Technik konnte in dem Masse durch die Buchdruckerkunst beeinflusst werden, als die Buchbinderei. Die Folianten und Quartanten weichen den Oktavbänden und zierlichen Bändchen, infolge dessen auch das Material für den Einband ein leichteres wird. An Stelle der Holzplatten tritt die Pappendecke oder der aus mehreren zusammengeklebten Blättern bestehende Überzug. Die Beschläge fallen nach und nach weg, die Spangen bleiben jedoch noch lange. Die Bereitung des Leders vervollkommnet sich und es wird in allen Farben verwendet. Durch die Filetten wird ein grösserer Reichtum an Mustern möglich. Jetzt kommen namentlich die arabisch-maurischen phantasiereichen Flachornamente zur Geltung, daneben erhalten sich jedoch Ornamente im Sinne der Renaissance aus antiken Motiven entspringend unter Hinzufügung von Figuren-Schmuck. Götter und Helden, Kaiser und Könige, Reformatoren, reiche Wappen, ganze zusammenhängende Figurenbilder dienen als Einbandsschmuck, wobei oft nicht die geringste Rücksicht auf den Inhalt genommen wird. Selbst die namhaftesten Künstler, wie Hans Holbein d. j., Lucas Cranach Vater und Sohn, Virgil Solis, u. a. verschmähten es nicht, ihre Talente der Buchhülle zuzuwenden. Das Interesse des grossen Publikums und die Bücherliebhaberei der Reichen und Grossen unterstützten die Kunst. In vielen Privatbibliotheken war der Einband fast Hauptsache geworden. Manche Liebhaber aus den höchsten Ständen, selbst Könige und Fürsten, übten persönlich das Buchbinden.

Die österreichisch-burgundischen kur- und pfalzbayrischen Herrscher, die protestantisch sächsischen Fürsten Ernestinischer und Albertinischer Linie, hatten schöne Büchersammlungen. Sowohl Kurfürst Friedrich der Weise († 1525) als auch der unglückliche Johann Friedrich der Grossmütige liessen ihre prachtvollen Bibelausgaben und die Werke der Reformatoren für die Universitätsbibliotheken mit prächtigen Einbänden versehen, die noch heute die Zierde der Sammlungen in Jena, Weimar, Leipzig und Dresden sind. Die Hauptwerkstätte war Wittenberg, der bedeutendste Buchbinder dort Theodor Krüger. Seinen Arbeiten schliessen sich die von Kaspar Krafft und die reichen farbigen Lederbände aus den Offizinen der beiden Cranach an. Auch der gelehrte Herzog Georg der Bärtige († 1539) und sein Bruder Heinrich der Fromme († 1541) hatten dieses Interesse für die Kunst.

Die sächsischen
Einbände.

Unter den Förderern ist ferner der Kurfürst August von Sachsen (1526 bis 1586) zu erwähnen. Im Jahre 1555 legte er den Grund zu der jetzigen königlichen Bibliothek in Dresden und umfasste diese Anstalt mit grosser Liebe. Er berief die Buchbinder Georg Krause und Kaspar Meuser als Hofbuchbinder, und sandte sie auf Reisen, dass sie Bücher ankauften. Um den Betrieb besser unter Augen zu haben, errichtete er ihnen im Schlosse eine Werkstätte und beteiligte sich selbst eifrig bei den Arbeiten. Die Ornamentierung war eine mannigfaltige und die Goldpressung prächtig. Bemerkenswert sind die, zumteil unübertroffenen, gemalten Bände, die sich bis zu Ende des xvii. Jahrh. hielten. Besondere Sorgfalt wurde dem Schnitt zugewendet. Auf dem Goldschnitt schlug man mittels Punzen eine Zeichnung ein und malte die Zwischenflächen aus. Interessant ist auch die Technik, den ein wenig verschobenen Schnitt zu bemalen, und dann nachträglich den scharf zusammengepressten Schnitt zu vergolden. Wird nun ein so gebundenes Buch aufgeschlagen, und dadurch der Schnitt wieder verschoben, so tritt die Untermalung in matten Farben hervor. Man hat diese Art von Arbeit in neuester Zeit mit Glück wieder aufgenommen. Sehr praktisch sind die Bände der kurfürstlichen Reisebibliothek. Damit sie nicht zu sehr ins Gewicht fielen, wurden sie in feines Pergament ohne Pappenunterlagen gebunden.

Etwas zurück gegen die früheren stehen die unter den Kurfürsten Christian i. und ii. von Christoph Weidlich, Matthias Hauffe, Bastian Elert und Kaspar Krafft gelieferten Arbeiten. Man wandte sich damals wieder der Technik der durchbrochenen Metallarbeiten mit unterlegtem Sammet zu, in der Hans Reichardt in Leipzig Meister war. Noch mancher tüchtige Buchbinder dieser Zeit aus dem Süden und Westen wäre zu nennen.

Rückgang.

Die schweren Jahre brachten bald die Periode des Verfalls. Der Lederband tritt zurück, die technische Behandlung wird vernachlässigt und das Pergament meist glatt behandelt. Die glänzenden Schweinslederbände der Holländer, die sogenannten Horneinbände, und die lange in Holland in Gebrauch bleibenden Kartonnagen mit Rücken von rotem Schafsleder und Pappendeckel, mit marmoriertem oder gefedertem Papier überzogen, treten in den Vordergrund.


Befestigung des
Buchhandels.

DER BUCHHANDEL UND DIE BÜCHER-PRODUKTION[7]. Nach dem Ablauf des ersten Viertels des xvi. Jahrhunderts trat mit dem Buchhandel eine Wandlung ein, indem er sich von den Jahrmärkten emanzipierte und eine respektable Stellung einnahm. Viele der grösseren Buchdruckereien verwandelten sich in Buchhandlungen. Die grosse Masse der Buchdrucker geriet dagegen in Abhängigkeit von den Verlegern. Die Buchhandlungen bemühten sich, als abgeschlossene Geschäftskorporationen von den Regierungen anerkannt zu werden und Privilegien zu erlangen, ohne zu bedenken, wie sehr sie damit den Regierungen eine Handhabe zu ihrer Beaufsichtigung und der leichteren Durchführung der Zensur-Massregeln gewährten. Überwachungs-Kommissionen wurden ernannt und die Buchhändler verpflichtet, nichts regierungsfeindliches zu drucken. Die Zensur wurde streng, und, was noch schlimmer war, launenhaft geübt; im Norden im allgemeinen etwas freisinniger, als im Süden.

Einfluss der Re-
formation.

Den Impuls zu einem grösseren Bücherbetrieb hatten zuerst Luthers Schriften gegeben; selbst seine Feinde mussten einräumen, dass seine Bücher fast in jeder Bauernhütte zu finden waren. Zwar verlor sich das religiöse Lesebedürfnis nach und nach, aber die einmal geweckte Leselust blieb. Die schönwissenschaftliche Litteratur verschaffte den Buchdruckereien viele Arbeiten und gewährte dem Buchhandel ein neues Feld für seine Thätigkeit. Namentlich war es die fremde Litteratur, der das Publikum von Beginn ab seine Neigung zuwendete. Boccaccio, Äneas Sylvius und der Amadis von Gallien blieben die erklärten Lieblinge.

Hebung der
Litteratur.

Erst im Laufe des xvii. Jahrh. hebt sich die deutsche Litteratur und erweckt eine grössere Teilnahme, trotz der ungeheuerlichen Romane, Erzählungen von Naturereignissen, Missgeburten, Unglücken; je scheusslicher, je besser. Die Verarbeitung dieser Stoffe geschah namentlich in Augsburg und Nürnberg. Hier, sowie auch in Frankfurt am M., erschienen zuerst „die neuen Zeitungen“[8], die sich aus Flugblättern nach und nach in regelmässig erscheinende Zeitungen umwandelten, damit aber auch mehr und mehr dem Buchhandel entzogen wurden, um in die Hände der Postanstalten überzugehen, namentlich war die Thurn und Taxissche Post bemüht, den ganzen Zeitungs-Verlag ihres Bezirks in die Hände zu bekommen. Hingegen erhielten die, gegen Ende des xvii. Jahrh. entstandenen wissenschaftlichen Journale eine besondere, immer wachsende Wichtigkeit für den Buchhandel. Auch der Kalender-Vertrieb erlangte grössere Bedeutung. Einige waren ausserordentlich verbreitet, wie die, von Leonh. Thurneysser in Berlin 1572-1585 herausgegebenen (vergl. S. 152). Angeblich um die Richtigkeit der Kalender zu überwachen, wurden sie von den Regierungen mit Stempel versehen und öfters zum Gegenstand eines Monopols gemacht, welches man verpachtete.

Die Klassiker und
die Reisewerke.

Auch ernsthaftere Lektüre bricht sich Bahn, namentlich Übersetzungen der griechischen und lateinischen Klassiker, gewöhnlich mit Holzschnitten, später mit Kupferstichen illustriert. In diesem Verlag zeichneten sich namentlich Augsburg, Strassburg und Frankfurt a. M. aus. Chroniken und Länderbeschreibungen, Originale und Übertragungen, denen ebenfalls durch Illustrationen Reiz verliehen wurde, lieferten namentlich Sigismund Feyerabend, Theod. und Joh. Th. de Bry sowie die Matth. Merian in Frankfurt (s. S. 130); besonders bekannt waren die Gottfriedsche Chronik mit ihren Fortsetzungen, das Theatrum mundi, die Zeilerschen Topographien mit ihren unzähligen Kupferstichen und Plänen. Eine Menge grosser Reisewerke, durchgehends reich illustriert, erschienen bei L. Hulsius und später bei seiner Witwe in Nürnberg.

Schwierigkeiten
des Vertriebs.

Wennauch die Buchhändler selbst durch die Messen die neuen Bücher kennen lernten, so blieb immer noch die Schwierigkeit des Bekanntmachens derselben für das Publikum. Französische und englische Buchhändler hatten schon früher Verlagsverzeichnisse gedruckt, deutsche Buchhändler fingen jedoch mit solchen erst in der letzten Hälfte des xvi. Jahrh. an. Wenn die Gelehrten nicht durch ihre Korrespondenz zufällig von dem Erscheinen eines Buches Kenntnis erhielten, so waren sie ganz von ihrem Buchhändler abhängig. Hatten sie mit ihrem Auftrag eine Messe versäumt, so musste in der Regel die nächste Messe abgewartet werden.

Messkatalog.

Dies wurde wesentlich anders, als der Augsburger Buchhändler Georg Willer 1564 den „Messkatalog“ ins Leben rief. Derselbe erschien jährlich zweimal. 1592 hört der Katalog unter Willers Firma auf. Im Jahre 1598 nahm die Stadt Frankfurt die Sache selbst in die Hand, und der Messkatalog erschien nun bis 1615, bei Peter Kopff in Frankfurt: cum permissu superiorum. Mit den Messkatalogen trat ein Umschwung im Buchhandel ein. Die Buchhändler waren genötigt, ihre Erwerbungen regelmässig auf den Messen zu machen und ein Lager des Neuesten zu halten.

Messverkehr.

Für die Verleger war es natürlich von grösster Wichtigkeit, dass die Neuigkeiten vor der Messe fertig vorlagen. Von den Besuchern waren die Holländer, Belgier, sowie die Pariser und Lyoner Buchhändler die wichtigsten. Das Hauptgeschäft beruhte auf Tausch, der sich schon im xv. Jahrh. ausgebildet hatte. Wennauch anfänglich den Verhältnissen angepasst, hatte dieses System doch später auch seine grossen Inkonvenienzen, da Produktion und Konsumtion der einzelnen Länder und Städte und Firmen nicht immer sich die Wage halten konnten. Dies verursachte eine teilweise Überproduktion in mittelmässigen oder schlechten Büchern, um doch Tauschobjekte zur Messe mitbringen zu können. Die grossen verlegenden Buchdruckereien, die nicht Sortimentshandel trieben, konnten überhaupt nicht tauschen und so bildete sich teilweise ein reiner Handel gegen Geld, der sogenannte Nettohandel, aus.

Verfall d. Frank-
furter Messe.


Das erste grosse Sortimentslager gründete der Frankfurter Buchhändler Paul Brachfeldt, in den letzten Jahren des xvi. Jahrh. Ausländische Verleger, wie die Elzeviere, hielten in Frankfurt Lager. Hierdurch gestaltete sich neben dem Messhandel ein regelmässiger Verkehr der Sortimentshandlungen mit Frankfurt, doch gestattete die Zerrüttung der Verhältnisse kein rasches Emporblühen, wozu die Massnahmen der kaiserl. Regierung das ihrige beitrugen. Auch die Frankfurter Behörden hatten dieser in die Hände gearbeitet, als sie dem Kaiser Maximilian ii. vorschlugen, er möge selbst Beamte senden, um die Überwachung des Buchhandels, welche der Rat abgelehnt hatte, zu besorgen. Die Massregel war jedoch erst unter dem Kaiser Rudolph ii., 1579, zur Ausführung gekommen. Seit dem Jahre 1629 verfuhr die kaiserl. Bücherkommission vollständig souverän und der Rat machte nur ab und zu einen vergeblichen Versuch, den Einfluss derselben zu mindern. Darunter litt begreiflicherweise die Frankfurter Messe ausserordentlich, während das aufblühende Leipzig den Vorteil davon hatte. Doch wirkten noch andere Gründe gegen Frankfurt. Je mehr die lateinische Sprache als Gelehrtensprache durch die deutsche verdrängt wurde, um so mehr schmälerte sich der Absatz der deutschen Bücher im Auslande. Die fremden Buchhändler blieben deshalb nach und nach aus, namentlich weil auch der Absatz ihrer Artikel durch die Übersetzungssucht der deutschen Verleger geringer wurde. Der Verkehr mit Italien war schon um 1570 durch den Index librorum prohibitorum et expurgendorum des Papstes Pius iv. so gut wie vernichtet. Mit den spanischen Niederlanden verfiel der buchhändlerische Verkehr nach den Ordonnanzen Philipps ii. Am längsten hielt sich noch die Verbindung mit Holland, jedoch bot letzteres bloss Bücher dar und nahm keine, wodurch der Handel erschwert wurde, besonders da Holland zumteil seinem klassischen Verlag untreu wurde, und sich den französischen Artikeln und dem Nachdruck zuwandte. Wie Leipzigs Übergewicht um das Jahr 1650 eine vollendete Thatsache wurde, ist bereits berichtet (S. 149). Ohne die Reformation und ihren segensreichen Einfluss auf die Pflege der Wissenschaft, würde es doch Leipzig kaum gelungen sein, seine Suprematie zu erlangen. Die Gründung der Universitäten Wittenberg, Frankfurt a. d. O., später Königsberg; die Kunstliebe der sächsischen und brandenburgischen Kurfürsten und ihr Interesse für die Wissenschaften hatten einen mächtigen Einfluss geübt, und im Norden ein bis jetzt brachgelegenes Terrain dem Buchhandel, sowohl hinsichtlich der Produktion als der Konsumtion, gewonnen[9].

Neben Leipzig und Frankfurt a. M. entstanden auch andere Kommissionsplätze mit beschränkteren Geschäftskreisen, darunter namentlich Augsburg, das ein Mittelpunkt des katholischen Verlags wurde, und Nürnberg. Auch in Strassburg zeigte sich zu Beginn des xvii. Jahrhunderts ein weiter gehender Verkehr.

Die Verlagsver-
hältnisse.



Die Autorenverhältnisse boten nicht viel erfreuliches. Bei der Ungunst, in welcher die deutsche Litteratur stand, sahen sich viele Autoren genötigt, ihre Werke auf eigene Kosten drucken zu lassen. Wer keine bedeutende litterarische Bekanntschaften oder einflussreiche Verbindungen hatte, war übel daran und der Willkür der Buchhändler anheim gegeben. Diese suchten durch lockende Titel, in Kupfer gestochene Titelblätter und in den Text gedruckte Vignetten die Kauflust zu reizen, die eigentliche Ausstattung jedoch wurde immer schlechter und die Inkorrektheit ging oft über alle Grenzen. Die Honorare waren sehr klein, oft nicht so hoch wie Schreiberlöhne. Manchmal wurde durch Freiexemplare gezahlt. Als Ausgleich musste die „Dedikation“ an einen vornehmen oder reichen Mann dienen, der seine Dankbarkeit für die erwiesene Ehre klingend zu zeigen imstande war, bis auch dieses Mittel in Misskredit kam. Zu den schlechten Verhältnissen trugen der Nachdruck und die sowohl strenge als willkürliche Zensur noch das ihrige bei. Letztere wurde von Lutheranern, Calvinisten und Katholiken, je nach ihrer Konvenienz, zur Unterdrückung der Schriften der Gegner benutzt und bei der engen Verknüpfung der geistlichen mit den politischen Wirren bald auf das weltliche Gebiet übergeführt. Manchmal beruhte die Unterwerfung unter die Zensur auf vorheriges Abkommen mit den einzelnen Buchdruckern, bis sie mit dem Anfang des xviii. Jahrh. vollständig organisiert war.

Zudrang zum
Buchhandel.

Da der Betrieb des Buchhandels jedem freistand, so war es natürlich, dass manche, die nicht den genügenden Grad von Bildung besassen, besonders zu dem Sortimentshandel sich drängten, namentlich solche, die schon mit dem Buchhandel in Berührung standen, z. B. Papier- und Pergamentmacher, Buchbinder u. s. w. Bei den ersteren mag wohl der Eintritt in den Buchhandel öfters ein unfreiwilliger gewesen sein, wenn sie statt Barzahlung Bücher annehmen mussten. Am wichtigsten war die Beteiligung der Buchbinder. Je mehr sich der Sortimentshandel organisierte, je mehr fiel der Kleinhandel, namentlich auf den Jahrmärkten, den Buchbindern zu. Auf der andern Seite schmälerten Reisende den Markt. In dem Grade wie die Bildung und die deutsche Litteratur sich verbreiteten, stieg der Zudrang zum Buchhandel und damit die Unsolidität.

Missbräuche im
Buchhandel.

Grossen Nachteil brachte ferner die Masse der Bücherauktionen. Aus allen Winkeln wurden Bücher zusammengetrieben, gebundene und rohe, komplette und defekte. Die Käufer wurden geprellt und gegen die Buchhändler unwillig gemacht, die ihre Lager in jeder Weise räumten, um Geld zu machen. An Stelle der Auktionen traten später die Bücherlotterien, die sich bis in die Mitte des xix. Jahrh. erhielten. Nicht allein Sortimentslager, sondern ganze Verlagsgeschäfte wurden in dieser Weise versilbert und das Publikum betrogen. Ebenfalls ein arger Missbrauch war das, wennauch in seinen Anfängen nicht verwerfliche, Pränumerationswesen, indem die Versprechungen gewöhnlich nur mangelhaft oder gar nicht gehalten wurden.

Trennung des
Verlags vom
Sortiment.

Die Trennung des Verlags vom Sortiment wurde immer üblicher. Die Zahl der Verleger wurde durch Buchdrucker vermehrt, die öfters durch die ungünstigen Arbeitsverhältnisse zum Verlegen gedrängt wurden, um das Personal in Zeiten zu beschäftigen, wo die Aufträge der Verleger fehlten.

Hierdurch hörte das Tauschgeschäft ganz auf. Um die Artikel an den Mann zu bringen, sah man sich genötigt die Neuigkeiten „in Kommission“ zu versenden. In dem letzten Viertel des xviii. Jahrhunderts war dies Geschäft vollständig organisiert und führte wieder zur Errichtung der Kommissionslager und der Gross-Sortimentslager in Leipzig. Viele Sortimentshändler zogen es vor, ihren Bedarf von den grossen Leipziger Kommissionären zu beziehen, statt mit den vielen Verlegern in Verbindung zu stehen.

Steigender
Nachdruck.

Durch diese Änderungen, verbunden mit der Verschlechterung des Münzfusses, traten erhöhte Ladenpreise ein, wodurch wieder der Nachdruck gefördert wurde, namentlich waren es der Süden von Deutschland und Österreich, welche den Nachdruck gewerbsmässig betrieben. Die kaiserliche Regierung leistete demselben in den Erblanden Vorschub, indem sie in diesen die erteilten kaiserlich deutschen Privilegien nicht respektierte, ein Beispiel, das gar zu willig bei anderen deutschen Fürsten Nachfolge fand. Da der Verkehr auf der Messe den Nachdruckern so gut wie verschlossen war, so nahmen sie ihre Zuflucht zu dem Colportagehandel und zogen auch Buchbinder, Landgeistliche, Schullehrer in ihr Interesse durch Gewährung von grossen Rabatten. Die Verleger rechtmässig erworbener Schriften folgten dem gegebenen Beispiel.

[1] Vergl. die in der Einführung erwähnten technischen Werke.

[2] Die Gehülfen, welche sowohl setzen als drucken konnten, nannte man „Schweizerdegen“. Wie so oft, wenn einer zu viel treibt, waren sie gewöhnlich in keinem Fach recht zuhause und deshalb weniger gut angeschrieben.

[3] Hieronymus Hornschuh, Ορθοτυπογραφία. Leipzig 1634 und in mehr. Ausg.

[4] Ein solcher Kornutenhut war in der Halleschen Ausstellung 1881, in der Abteilung der Faberschen Buchdruckerei aus Magdeburg, zu sehen.

[5] Es giebt mehrere gedruckte Depositionsspiele; am bekanntesten ist das im Jahre 1654 „der hoch- und weitgerühmten Buchdrucker-Kunst zu unvergleichlichen Ehren“ von Johann Rist abgefasste, das in Ernestis Handbuch mitgeteilt wird.

[6] Vergl. die S. 89 angegebenen Quellen.

[7] Vergl. die S. 91 u. 92 erwähnten Quellen. — Ferner G. Schwetschke, Codex nundinarius etc. Halle 1850 und dessen Fortsetzung. Halle 1877. — Wertvolle Beiträge liefern ausserdem die von dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel in zwanglosen Heften herausgegebenen „Publikationen“, deren neue Folge den Titel führt: „Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels. Herausgegeben von der Historischen Kommission des Börsenvereines etc.“.

[8] Em. Weller, Die ersten deutschen Zeitungen. Stuttgart und Tübingen 1872. — J. O. Opel, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse. Leipzig 1879.

[9] Zur näheren Kenntnis des Messverkehrs ist von besonderem Interesse die Schilderung Heinrich Stephanus ii. Das lateinische Original ist von J. Lisieux ins Französische übersetzt (Paris 1875) und von H. Frommann in seinen „Beiträgen etc.“ Heft 1 (Jena 1879) im Auszug deutsch wiedergegeben. — Von besonderem Wert sind ferner zwei Werke neuerer Zeit. In dem Frankfurter Archiv wurde das Manuskript eines Messmemorials des Frankfurter Buchhändlers Michael Harder von der Fastnachtsmesse 1569 aufgefunden und 1873 durch den Druck veröffentlicht. Aus demselben geht hervor, dass Harder von seinen 83 Messartikeln 5918 Bände verkaufte, davon 13 in mehr als 100, 18 in mehr als 50 Exemplaren. Am besten gingen die Sammlungen belehrender Erzählungen und Ritterbücher. Die Geschichte von den sieben weisen Meystern trug den Sieg davon mit 233 Exempl., dann folgten Fortunatus, die schöne Magelona, Melusine, Ritter Pontus, Ritter Galmy mit je 196, 176, 158, 147, 144 Exempl. Die deutschen Heldensagen waren aus der Mode gekommen. Von den „Teufeln“ gegen verschiedene Laster waren die gangbarsten: der Sauf-, Hof-, Ehestands-, und Spielteufel in je 69, 67, 64, 62 Exempl. — Das „Rechnungsbuch des Froben & Episcopius, Buchdrucker und Buchhändler zu Basel, 1557-1564. Herausgegeben von Rud. Wackernagel“ (Basel 1881) giebt sehr wertvolle Mitteilungen, nicht allein in Betreff des Frankfurter Mess-Geschäfts, sondern auch bezüglich der Herstellungskosten der Druckwerke.

IX. KAPITEL. [[←]]

ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA.

Venedig. Die Familie Aldus: Aldus Pius Manutius, Paul Manutius, Aldus ii. Dan. Bomberg. Mechitar. Rom: Die Buchdruckerei der „Propaganda“. Genua. Florenz: Die Giunta. Padua. Die Xylographie: Cäs. Vecellius, der Clair-obscur-Druck. Ugo da Carpi, Graf Ant. Zanetti, John Jackson.

SPANIEN UND PORTUGAL. Brocario und die complutinsche Polyglotte. Madrid. Ant. Bortazar. — MEXICO. Joh. Kromberger, Juan Pablos. LIMA. PERU. ST. DOMINGO u. a.

RIESENHAFT waren bereits die Fortschritte Italiens in der ersten Periode der Buchdruckerkunst gewesen, sie sollten in dieser zweiten Periode noch weitergehendere werden.

Aldus Pius Ma-
nutius Romanus.

Der hervorragendste Wahrer und allezeit Mehrer des typographischen Ruhmes Italiens war ganz besonders der Gründer der berühmten aldinischen Familie. Aldus Manutius[1], der Mann, dem die Jünger Gutenbergs neben diesem die grösste Verehrung schuldig sind, war in der Zeit zwischen 1447 und 1449 in dem Städtchen Bassiano in der Nähe der pontinischen Sümpfe geboren. Wenn Aldus von 1500 ab sich Romanus nennt, so geschah es nur, weil diese Bezeichnung eine höhere Geltung in den Augen des Publikums verlieh.

Sein Taufname Aldo ist der typographische Familienname geblieben; Manuzio kommt selten vor, dagegen nannte sich Aldus gewöhnlich Aldo Pio, welchen Namen ihm sein Zögling Alberto Pio, Fürst von Carpi, als Zeichen seiner hohen Achtung zuerteilt hatte. Seit 1503 wird Aldo Pio Manuzio Romano oder Aldus Pius Manutius Romanus geschrieben.

Seine Jugend.

Aldus hatte eine zwar gelehrte aber nicht gute Erziehung gehabt. Er war in die Hände eines Pedanten geraten und fand erst später in Rom seine wirkliche Ausbildung. Von seinem ernsten Streben und seinem Eifer legen die vielen, von ihm kommentierten griechischen Ausgaben und seine wertvolle griechische Grammatik Zeugnis ab.

In dem freundlichen Verkehr mit den fürstlichen Angehörigen seines Zöglings, des Albertus Pius, namentlich dem gelehrten Johannes Pius, entstand ohne Zweifel die erste Anregung, eine „gelehrte Buchdruckerei“ zu gründen und ist es auch wahrscheinlich, dass die Mittel zur Anlage derselben von den genannten herrühren.

Etablissement in
Venedig.

Venedig, wo Künste und Wissenschaften blühten, schien mit Grund der günstigste Boden für ein solches Etablissement. Aldus begab sich, entweder in dem Jahre 1488, oder 1489, dahin. Sein erstes datiertes Druckwerk ist Constantin Lascaris' griechische Grammatik, im Jahre 1495 vollendet. Wahrscheinlich ist es, dass zwei kleine Werke ohne Datum, wenn auch später als das von Lascaris angefangen, doch früher erschienen sind, nämlich Musäus' Gedicht Hero und Leander, griechisch und lateinisch, und die Galeomyamachia, griechisches Gedicht von Theod. Prodromos.

Die Ausgabe von
Aristoteles.

Mit rastlosem Eifer ging Aldus an das grosse Werk, eine griechische Ausgabe von Aristoteles, die noch nicht existierte, herzustellen. Um sich von dem Umfang und den Schwierigkeiten dieses Unternehmens ein klares Bild zu machen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der Inhalt von fünf Foliobänden aus zahlreichen noch nicht herausgegebenen Abhandlungen in verschiedenen, beinahe unleserlichen oder durch die Unwissenheit der Kopisten korrumpierten Manuskripten zusammengestellt werden musste, ohne dass der Herausgeber eine frühere Ausgabe als Leitfaden zur Seite hatte, so dass er selbst die jeden Augenblick entstehenden Zweifel nur durch seinen Scharfsinn lösen konnte. Bedenkt man ferner, dass diese Arbeiten sich nicht auf den Aristoteles beschränkten, dass Aldus vielmehr eine grosse Zahl anderer Ausgaben in derselben Weise besorgt hat, so muss man seine Arbeitskraft staunend bewundern und kann unmöglich streng über einzelne typographische oder kritische Fehler mäkeln. 1495 wurde das erwähnte Werk, welches Aldus zu dem ersten Rang sowohl als Buchdrucker wie als Herausgeber erhebt, begonnen; 1598 war es vollendet. Inzwischen förderte er viele kleinere, aber doch wichtige Ausgaben an das Tageslicht und seine Wahl wurde stets mit Einsicht und Geschmack getroffen. Während seine Kollegen sich noch grösstenteils auf den Druck mystischer, scholastischer oder höchstens juristischer Werke beschränkten, war es Aldus vorbehalten, eine neue Richtung vorzuzeichnen, und nichts hat mehr zur Verbreitung der klassischen Studien beigetragen, als seine billigen, korrekten und handlichen Ausgaben, die es beinahe jedem möglich machten, die Werke anzuschaffen.

Griechische
Werke in Italien.

Die Annahme, dass Aldus der Erste war, der ganze Bücher mit griechischer Schrift druckte, beruht auf einem Irrtum. Zwar wurde noch gewöhnlich der Platz für griechische Zitate freigelassen, um diese später hineinzuschreiben; man hat jedoch griechische, sogar umfangreichere, Werke vor denen von Aldus, als: aus Mailand Lascaris' Grammatik von 1476; aus Florenz Homer von 1488. Aber die Zahl war klein und die Werke folgten einander langsam, während die griechischen Ausgaben des Aldus so zahlreich waren und so schnell zum Vorschein kamen, dass es selbst bei gewöhnlichen Druckwerken überraschend gewesen wäre.

Lateinische Aus-
gaben.


Nachdem Aldus eine grosse Zahl griechischer Meisterwerke gedruckt hatte, ging er an die des alten Roms. Auch hier fing er mit einer Grammatik, und zwar einer eigenen Arbeit, an. Um seine Bücher allgemein zu verbreiten, fasste er den Plan zu einer Sammlung in klein Oktav (enchiridii forma), wovon ein Bändchen jedoch ziemlich so viel, wie sonst ein Quartband, enthalten sollte, und liess von Franz von Bologna, der auch den Schnitt der meisten seiner übrigen Schriften geleitet hat, seine berühmte schrägliegende Schrift schneiden, nach Muster der üblichen Cancellaresca Romana Cursiva. Als nächstes Vorbild soll Petrarcas Handschrift gedient haben. Da die Mehrzahl der Bücher noch geschrieben war, so heimelte diese Buchschrift, die mit der Feder geschrieben zu sein schien, die Leser zwar sehr an, und ganze Bücher, zuerst der Virgil, wurden auch damit gedruckt. Bald jedoch behielt die gefällige, zugleich kräftige Antiqua die Oberhand, und die Cursiv wurde dann hauptsächlich nur zu den Einleitungen, Noten und als Auszeichnungsschrift zu der Antiqua benutzt, bis in neuester Zeit die fette, halbfette, Egyptienne, Stein- und andere Schriften ihr den Rang abliefen. In Deutschland behielt die Schrift den Namen Cursiv; in Frankreich hiess sie Italique (auch Penche); in England Italic.

Die kleinen
„Aldinen“.


Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die schönen und bequemen Ausgaben des Aldus aufgenommen wurden. Der Sprung von den schweren Folianten und Quartbänden zu diesen niedlichen Bändchen, die man überall mit sich führen konnte, war nicht viel kleiner, als von den Manuskripten zu dem Gedruckten überhaupt. Am 13. Nov. 1502 erhielt Aldus vom Senat ein zehnjähriges Privilegium für seine Cursiv und am 17. Dezbr. ein solches vom Papste Alexander vi., welches von Julius ii. und Leo x. verlängert wurde. Auch sonst wurde er durch Privilegien geschützt, die indes wenig respektiert wurden. Schon 1502 fingen die Lyoner, jedenfalls auf Antrieb der Giunta in Venedig, an, die Aldinen nachzudrucken. Aldus beschwert sich in einer gedruckten Anzeige, welche er wahrscheinlich verteilte, über den Schaden, der ihm, und namentlich seiner Ehre, durch die fehlerhaften Ausgaben der Lyoner zugefügt werde, und giebt die Fehler an, woran letztere zu erkennen wären. Die Lyoner druckten Cartons oder neue Ausgaben und berichtigten diese Fehler, so dass die Käufer nun erst ganz sicher waren, Originalausgaben zu kaufen.

In den Jahren 1501-1505 entwickelte Aldus eine grosse Thätigkeit und es verging kein Monat, worin nicht wenigstens ein klassisches Werk aus seiner Offizin hervorging. Alles war an diesen Büchern gut; der Satz mit Verständnis und Gleichmässigkeit besorgt; der Druck rein auf gutem starken geleimten Papier, mit vorzüglicher Farbe, die noch heute ihre Tiefe und ihren Glanz behalten hat.

Aldi
Neacademia.

Aldus war selbstverständlich nicht imstande gewesen, die Riesenaufgabe, die er sich gestellt hatte, allein zu erfüllen. Er verstand es aber, einen Kreis von gelehrten Männern um sich zu sammeln, die von demselben Streben, die Schätze der Litteratur allen zugänglich zu machen, beseelt waren. Von diesen lebte eine Anzahl in seinem Hause ganz von ihm unterhalten, während andere für Honorar oder nur für die Ehre arbeiteten. Diese sogenannte Aldi Neacademia, gegründet gegen 1500, versammelte sich an gewissen Tagen bei ihm und bestand aus etwa 30 Mitgliedern. Durch Tod und Wegzug lichteten sich aber die Reihen, und die Akademie hörte nach einigen Jahren auf. Ausser mit den Mitgliedern dieser stand Aldus selbstverständlich mit vielen anderen Gelehrten in Verbindung, unter welchen sich auch Erasmus befand, mit dem er zuerst in einem engen Freundschaftsbunde, später aber beinahe in Feindschaft lebte.

Beabsichtigte
Polyglott-Bibel.

Der orientalischen Sprachen, besonders des Hebräischen, selbst mächtig, wollte Aldus auch an den Druck hebräischer Werke gehen. Es existiert aus den letzten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts ein Probeblatt von einer Bibel in Folio, lateinisch, griechisch und hebräisch, mit schönen Typen gedruckt, dieselbe ist jedoch nicht zur Ausführung gekommen und Aldus hat sich somit den Ruhm nehmen lassen, zuerst eine Polyglott-Bibel zu bringen. Dass weder von ihm, noch von seinen Nachfolgern eine handliche Ausgabe des Neuen Testaments gedruckt worden ist, mag vielleicht in den Verhältnissen zu Rom gelegen haben.

Gegen das Jahr 1500 verheiratete sich Aldus mit Maria Asola († 1520), der Tochter von Andreas Torresanus aus Asola, welcher 1479 Jensons Druckerei in Venedig gekauft hatte.

Geschäftliche
Schwierigkeiten.

1506 musste Aldus Venedig verlassen und seine Druckerei schliessen, nachdem er durch den Krieg, welcher Italien verwüstete, den grössten Teil seines Vermögens verloren hatte. 1507 fing er unter Sorgen wieder zu drucken an, bis eine Assoziation mit seinem reichen, thätigen Schwiegervater Andreas Asolanus ihn in den Stand setzte nach 1508 das Geschäft wieder kräftig zu betreiben. In den Jahren 1510-11 ruhte es jedoch nochmals und wurde erst 1512 wieder eröffnet, in welchem Jahre auch sein dritter später so berühmte, Sohn, Paul Manutius, geboren ward.

Tod des Aldus.

1513 und 14 entfaltete Aldus wieder grössere Thätigkeit und rüstete sich für eine noch grössere, als ihn in seinem 66. Jahre der Tod am 7. Febr. 1515 überraschte. Ob seine irdischen Überreste seinem Wunsche gemäss nach Carpi gebracht wurden, wissen wir nicht. Der Abbé Zenier liess im Jahre 1828 eine einfache Gedenktafel an dem Hause Nr. 2013 in der Nachbarschaft des Campo di S. Agostino, unzweifelhaft sein Druckhaus, anbringen.

Sein Drucker-
zeichen.

Das berühmte Druckerzeichen des Aldus stellt einen, von einem Delphin umschlungenen Anker vor und soll die, mit der Festigkeit verbundene Beweglichkeit und Schnelligkeit, also das sprüchwörtliche festina lente, symbolisch ausdrücken. Wie seine Typen und seine Ausgaben, so wurde auch sein Druckerzeichen widerrechtlich von anderen, selbst von den Giunta, nachgemacht, auch später von neueren Druckereien angenommen.


Andreas Torresa-
nus de Asola.


Nach dem Tode des Aldus wurde die Buchdruckerei von seinem Schwiegervater Andreas Torresanus aus Asola in Verein mit dessen Söhnen Franz und Friedrich fortgeführt. Andreas war ein tüchtiger Mann, wenn er es auch nicht so wie Aldus verstand, die besten geistigen Kräfte für seine Unternehmungen um sich zu sammeln. Die Kinder von Aldus lebten erst mit ihrer Mutter in Asola, kehrten aber bald wieder nach Venedig zurück, woselbst Paul Manutius eine sorgsame Erziehung genoss, jedoch durch geistige Anstrengungen seine Gesundheit so sehr schwächte, dass er sich mehrere Jahre hindurch ganz von den Studien zurückziehen musste. Bald sollte er auch in anderer Weise den Ernst des Lebens kennen lernen, indem das Geschäft infolge von Familienauseinandersetzungen vier Jahre lang (von 1529-1533) geschlossen blieb. In dem letzteren Jahre übernahm Paul, nur 21 Jahre alt, die Buchdruckerei, vorerst für gemeinschaftliche Rechnung mit seinen Geschwistern und den Asolas.

Trotz seiner Jugend zeigte er gleich den überlegenen Geist und trat mit grosser Energie in die Fusstapfen seines Vaters. Da dieser die griechische Litteratur beinahe erschöpft hatte, legte sich Paul namentlich auf Herausgabe der lateinischen Klassiker und gewann zu diesem Zweck die tüchtigsten Gelehrten für sich. 1535 liess er sich zwar durch falsche Vorspiegelungen verleiten, nach Rom zu gehen, wo sein eigentlicher Zweck sich bald als verfehlt ergab; aber die dort angeknüpften Verbindungen mit vielen wissenschaftlichen Notabilitäten kamen ihm später zu statten.

Nachdem die Druckerei in Venedig 1541 nochmals auf Grund von Familienmisshelligkeiten geruht hatte, übernahm sie Paul endlich 1542 ganz für seine und seiner Geschwister alleinige Rechnung und heiratete 1546 Katharina Odoni, welche vier Kinder gebar, von denen das älteste, Aldus, am 13. Febr. 1547 das Tageslicht erblickte.

Von einer schweren Krankheit genesen, ging Paul 1555 nach Bologna, wo man ihn, ebenso wie in Ferrara und in Spanien, zu fesseln versuchte; aber sein Lieblingsgedanke, ein Etablissement in Rom zu begründen, liess ihn alle vorteilhaften Anerbietungen abschlagen. Inzwischen hatte in Venedig der Senator Badoano, 1556, die Idee zu einer grossartigen Academia Veneziana, mit der eine gelehrte Buchdruckerei verbunden werden sollte, gefasst. Dem Paul Manutius beabsichtigte man den Lehrstuhl der Beredsamkeit und die Direktion der Buchdruckerei zu übertragen. Bedeutende Vorbereitungen wurden getroffen, aber die Akademie nahm ein schnelles und klägliches Ende.

Ruf nach Rom.

Da machte der Kardinal Seripandi, im Namen des Papstes Pius iv., dem Paul ebenso vorteilhafte als ehrenvolle Anerbietungen, wenn er nach Rom kommen wollte, um dort eine Reihe heiliger Bücher, Kirchenväter u. s. w., herauszugeben. Es wurden ihm für die Zeit von 12 Jahren jährlich 500 Dukaten in Gold, ferner 300 Dukaten Umzugsentschädigung zugesichert, und seinem Sohne eine Pension von 150 Dukaten in Aussicht gestellt. Die Druckerei sollte auf Kosten des Papstes, der auch alle laufenden Ausgaben zu zahlen hatte, eingerichtet, der Verdienst aber zwischen dem päpstlichen Stuhl und Paul geteilt werden. Solchen mit seinen Wünschen stimmenden Anerbietungen konnte Paul nicht widerstehen.

Paul Manutius
in Rom.

In Rom wurde er mit grosser Aufmerksamkeit aufgenommen und gut eingerichtet. Typen wurden durch Vermittelung von Thomas Giunta geliefert; denn die berühmten Cursiv-Matern des Aldus, die in den Besitz der Torresanis gekommen waren, wollten diese nicht hergeben, während die griechischen Matern, die man einem Bruder des Paul, Antonius, der eine kurze Zeit in Bologna etabliert war, anvertraut hatte, durch dessen liederliche Wirtschaft verloren gegangen waren.

Aber diese Aussichten für Aldus waren nicht von langer Dauer. Die eine Hälfte der Buchdruckerei ging als Eigentum auf den Magistrat von Rom über, während die von dem Papst Sixtus v. im Vatikan gegründete typographische Anstalt ganz den Platz ausfüllte, der ursprünglich für Pauls Druckerei bestimmt war. Die vorteilhaftesten Arbeiten wurden dieser entzogen; der Magistrat verpachtete sogar seinen Anteil an andere und nach dem Tode Pius' iv. liess man im Jahre 1566 Paul die Schlüssel abfordern. Zwar wurde diese harte Massregel auf Anordnung Pius' v. rückgängig gemacht, aber für Paul sollte keine rechte Freude mehr aus seiner Stellung erwachsen.

Rückkehr nach
Venedig.


Der mancherlei Chicanen müde, gab er 1570 seine Stellung in Rom auf, um nach Venedig zurückzukehren, wo es mit der, an Dom. Basa verpachteten Aldinischen Druckerei auch nicht zum besten ging. Vorher wollte er jedoch seine Gesundheit durch eine Reise kräftigen. Den ganzen Winter 1571 verbrachte er in Mailand. Nach Venedig, wo er nun nicht mehr im eigenen Hause Herr war, kam er erst im Mai 1572, kehrte aber schon im Juni nach Rom zurück, um seine Tochter, die er dort in einem Kloster zurückgelassen hatte, zu holen. Hier wurde er von seinen Freunden so gut aufgenommen, dass er seinen Entschluss änderte und ganz dort blieb. Der neue Papst Gregor xiii. war ihm sehr gewogen und er erhielt von ihm eine zwar mässige, jedoch seinen Bedürfnissen genügende Pension. 1573 verheiratete er seine Tochter mit Alexander Honorio. Paul hatte nun die Aussicht, ruhig seinen Freunden und seinen Lieblingsneigungen leben zu können; aber ein so heiterer Abschluss seiner sorgen- und mühevollen Wirksamkeit war ihm nicht vergönnt. Er starb schon 1574 in den Armen seines Sohnes Aldus, allgemein geachtet, allgemein betrauert, und ward in der Kirche Sancta Maria sopra Minervam begraben, wo noch eine einfache Namensinschrift auf einem Denkstein die Stelle seiner Gruft bezeichnet.


Aldus ii.

Sein Sohn Aldus ii., der älteste von vier Geschwistern, war, wie erwähnt, 1547 geboren und ein frühreifes Kind, welches die Hoffnung erregte, es werde seinem Vater und Grossvater gleich werden, wenn nicht gar sie hinter sich lassen. Schon im zehnten Jahre war er bei einer Ausgabe von Ciceros Briefen behülflich und im vierzehnten gab er seine Orthographiæ ratio heraus. Im Jahre 1562 ging er zu seinem Vater nach Rom, wo er bis 1565 weilte, sich vielfach schriftstellerisch beschäftigend.

Nach Venedig zurückgekehrt, wurde ihm von seinen Vettern Bernh. und Hieron. Torresanus der Vorschlag gemacht, mit ihnen gemeinschaftlich zu drucken, was sich jedoch zerschlug. 1572 heiratete er eine Tochter aus der berühmten Buchdrucker-Familie der Giunta, Franzisca Lucrezia, wodurch auch zwischen den rivalisierenden Familien eine geschäftliche Verbindung eintrat, wahrscheinlich unter Mitbeteiligung Basas, des Pächters der Aldinischen Druckerei, deren alleiniger Besitzer Aldus nach dem Tode des Vaters geworden war.

Ruf nach Pisa
und nach Rom.

Einer Ernennung Aldus' zum Professor der schönen Wissenschaften (um 1576) folgte bald ein vorteilhafter Ruf nach Pisa von seiten des Franz von Medici. Kaum hatte er diesen angenommen, als er ein noch ehrenvolleres Anerbieten von Rom aus erhielt, und sein Ansehen war so gross, dass sein Name, obwohl er die Stelle jetzt ausschlagen musste, in die Liste der Professoren eingetragen wurde, und die Stelle unbesetzt blieb. Gegen Ende des Jahres konnte er endlich diesem Ruf und seiner Neigung folgen und nach Rom gehen, wo der Papst Clemens viii. ihm auch die Aufsicht über die Vatikanische Druckerei anvertraute.

Die alte berühmte Aldinische Druckerei gab er 1585 ganz ab, überhaupt war er mehr durch Umstände als durch Neigung Buchdrucker. Seine zeitige geistige Reife und die ihm so früh zugefallene litterarische Ehre hatten ihn der Druckerei abspenstig gemacht. Die Genugthuung, Bücher zu schreiben, ging ihm über die lohnende materielle Arbeit der Förderung der Buchdruckerei.

Aussterben der
Familie.

Aldus starb, nachdem seine vier Kinder ihm schon im Tode vorangegangen waren, am 28. Oktober 1597 im 51. Jahre und mit ihm der letzte berühmte Sprössling einer Familie, die der Wissenschaft und der Typographie die grösste Ehre gemacht, und deren Ruhm nicht erlöschen wird, so lange einer der zahlreichen Bände existiert, welche in dem Zeitraum eines Jahrhunderts aus ihren Pressen hervorgingen. Renouard verzeichnet in seinen Annalen 153 Ausgaben von Aldus Manutius; 109 von den Asolas; 592 von Paul Manutius; 215 von dem jüngeren Aldus; ausserdem noch 36 nicht datierte Werke aus den Aldinischen Pressen, in Summa 1105 Ausgaben von 780 Autoren. Von Nachdrucken zählt er 64 auf.


Die Familie
Giunta.

Glücklicher in ihren äusseren Erfolgen und spekulativer als die Aldi zeigt sich die zweite berühmte Buchdrucker-Familie Italiens, die der Giunta (Junta) in FLORENZ. Hat sie auch nicht die höchsten Ehren der Familie Aldus erreicht, so nimmt sie wenigstens nach ihr die erste Stelle ein und die Mitglieder der Familie waren, ohne selbst Gelehrte von Rang zu sein, unterrichtete und tüchtige Männer, die ihre Kunst thatkräftig und mit Vorteil zu üben verstanden.

Luc-Ant. Giunta.
Seine
Nachkommen.

Die Familie Giunta[2] gehörte zu den angesehenen in Florenz und existierte schon im 14. Jahrhundert. Luc-Antonius und sein Bruder Philippus, deren Vater Wollhändler war, begannen zu derselben Zeit, wie Aldus in Venedig, zu drucken.

Luc-Antonius Giunta kam, nachdem er das Geschäft eines Buchhändlers schon in Florenz betrieben hatte, um 1480 nach Venedig, wo sein erstes Verlagswerk sich aus dem Jahre 1482 schreibt; Buchdrucker ward er wahrscheinlich 1503. Eine seiner Hauptunternehmungen war der Druck des Galenus in lateinischer Sprache. Während Aldus mit seiner grossen griechischen Ausgabe bedeutenden Verlust hatte, druckten die Giunta in der Zeit von 1522-1625 elf Auflagen ihrer lateinischen. Sie spekulierten auf einen billigen Preis und reussierten.

Luc-Antonius starb im Jahre 1537 oder 1538 und einer seiner drei Söhne, Thomas, übernahm die Buchdruckerei. Thomas hinterliess keine Kinder, aber seine Neffen führten das Geschäft unter der Firma: apud Juntas weiter und zwar mit so vielem Glück, dass ihr Nachfolger, Gio-Maria Giunta, in den Jahren 1626-1628 jeder seiner zwei Töchter 100000 Scudi, nach jetzigem Geldwerte gleich 500000 Mark, mitgeben konnte. Sie heirateten zwei venetianische Nobili Foscarini und Cornaro, und mit ihnen endigte der venetianische Zweig der Familie, während das Geschäft in Venedig auch von dem Florentiner Zweig fortgesetzt und 1642 von einem Modesto Giunta geleitet wurde. Noch im Jahre 1791 wird eine dieser Familie angehörende Persönlichkeit erwähnt.

Philipp Giunta
und sein Stamm.

Philipp Giunta, der Bruder Luc-Antonius', hatte Florenz nicht verlassen und etablierte dort eine Buchdruckerei und Buchhandlung. Sein erster Druck: Zenobii Proverbia, aus dem Jahre 1497, war ein griechischer, ebenso der im Jahre 1500 folgenden Orphei Argonautica, sonst druckte er nur lateinische und italienische Ausgaben, namentlich in kleinem Oktav mit der, der Aldinischen nachgebildeten Cursivschrift; den griechischen Druck nahm er erst 1514 wieder auf.

Philipp starb am 16. September 1517, nachdem er die erste griechische Ausgabe von Plutarch, von ihm selbst redigiert, gedruckt hatte. Sein Sohn Bernhard führte das Geschäft für die Erben weiter und ihm hat man die berühmte Quartausgabe von Boccaccios Decamerone zu verdanken, die als Prototyp aller späteren Ausgaben diente, bis die Entdeckung eines, im Jahre 1384 angefertigten Manuskriptes den Wert des Buches verringerte. Der enorme Preis der Giuntaschen Ausgabe veranlasste 1729 einen Nachdruck, der in allen Äusserlichkeiten das Original nachzuahmen versuchte; der Betrug wurde jedoch bald entdeckt.

Das Florentiner Haus kam zwar dem Venetianer an Reichtum nicht gleich, hielt sich aber stets auf einem geschäftlich respektablen Standpunkte. Bernhard starb 1551; die Druckerei wurde von einem seiner vielen Söhne, Philipp, dirigiert und bestand noch im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Glieder der Familie etablierten sich in Rom, Burgos, Madrid und Lyon, an letzterem Orte wohl zunächst in der unedlen Absicht, die Aldinen ungestört nachzudrucken. Hinsichtlich der Ausstattung stehen die Juntinen den Aldinen sehr nach und haben bei den Sammlern nie das Ansehen gehabt wie letztere.


Oriental. Druck.


Was die Aldi und die Giunta für den griechischen, lateinischen und italienischen Druck waren, war Daniel Bomberg für den hebräischen. Dieser Zweig der Typographie war bisher nur von den jüdischen Buchdruckern zu Soncino, Neapel, Pesaro und Konstantinopel geübt. Bomberg, gebürtig aus Antwerpen, war nicht Jude, gründete jedoch in Venedig eine, nur der hebräischen und rabbinischen Litteratur gewidmete Druckerei, in welcher er drei Ausgaben der Bibel mit den besten rabbinischen Kommentaren in vier Foliobänden, ausserdem noch fünf korrekte Handausgaben, einen prachtvollen babylonischen Talmud in zwölf Foliobänden nebst mehreren rabbinischen Werken druckte. Die Korrektur besorgte im Verein mit vielen tüchtigen Korrektoren der gelehrte Chaja Maier Ben David. Die hebräischen Typen Bombergs gelten bis auf die neueste Zeit für die schönsten, und ein Pergament-Abdruck seiner Bibel von 1525, der sich auf der Wolfenbütteler Bibliothek befindet, wird als ein typographisches Juwel betrachtet. Er soll zwischen 3-4 Millionen Kronen für hebräischen Druck ausgegeben, und nicht genug auf seinen eigenen Vorteil gesehen haben.

Mechitar.

Auch der sonstige orientalische Druck musste vorzugsweise in dem, mit dem Orient so lebhaft verkehrenden Venedig Pflege und Unterstützung finden. 1518 wurde hier der Koran arabisch gedruckt. 1701 gründete der Armenier Mechitar auf der Insel St. Lazaro bei Venedig ein Kloster, mit welchem eine für orientalischen, speziell armenischen Druck eingerichtete Druckerei verbunden wurde. Eine Foliobibel von 1733 mit Kupfern ist wohl das erste grössere aus ihr hervorgegangene Druckwerk.

Greg. Gregorio.


Doch auch ausserhalb Venedigs wurde der orientalische Druck in Italien geübt. Das erste gedruckte arabische Buch: Septem horæ canonicæ erschien 1514 in FANO in der auf Kosten des Papstes Julius ii. von Gregor Gregorio errichteten Buchdruckerei. Genua, Ferrara, Trient[3] lieferten manches Beachtenswerte. In ROM hatte der Papst Pius iv. schon die Vatikanische Bibliothek gegründet, welche von Sixtus v. vervollständigt wurde. Als die im Jahre 1622 gestiftete Kongregation zur Verbreitung des Glaubens (de propaganda fide) 1627 mit ihrem Missionsseminar eine für die Zwecke der Mission eingerichtete Druckerei verband, wurde die vatikanische Offizin hiermit vereinigt und durch die orientalischen Schriften des berühmten Druckers und Stempelschneiders Stefanus Paoli vermehrt. Diese Druckerei lieferte nun in vielen Sprachen Neue Testamente und Andachtsbücher, hat aber nie eine Wirksamkeit entwickelt, die im Einklang mit ihren bedeutenden Mitteln stand[4].

Genua.

In GENUA erschien 1516 die erste Polyglotte, ein Psalterium in hebräischem, griechischem, arabischem, chaldäischem Text mit drei lateinischen Übersetzungen und mit lateinischen Interpretationen. Der Verfasser war der Dominikaner Agostino Giustiniani, der Drucker Peter Paul Porrus. Justinianus hatte die Absicht, die ganze Bibel in derselben Weise herauszugeben, aber die Unterstützung, welche der Versuch fand, war eine so geringe, dass er davon absehen musste. An die Worte des xix. Ps. 5. V. „ihre Rede gehet an der Welt Ende“ hatte er eine Biographie des Columbus geknüpft, die jedoch so mangelhaft war, dass der Rat zu Genua die Verbreitung verbot.

Padua.

In PADUA[5] gründeten die zwei gelehrten Brüder Gaetano und Giovanni Antonio Volpi eine bedeutende Buchdruckerei zur Herausgabe von Klassikern und übergaben die Leitung dem Giuseppe Comino, der sich durch grosse technische Tüchtigkeit auszeichnete. Die cominischen Ausgaben der Klassiker, der Zahl nach zwanzig, sind sowohl wegen ihrer Ausstattung als Korrektheit berühmt.

Verfall.

Die Blüte der, durch die Unterstützung fein gebildeter Fürsten und Grossen, sowie einer reichen, unabhängigen Bürgerschaft geförderten litterarischen Kultur ging mit dem Ende des xvi. Jahrhunderts zurück; mit ihr verfiel, wie überall, so auch in Italien, die Buchdruckerkunst, die erst in viel späterer Zeit als anderswo, zugleich mit der, auch spät errungenen, politischen, nationalen Unabhängigkeit und damit verbundenen Press-Freiheit, sich wieder zu heben beginnen sollte.


Die
Xylographie.

DER HOLZSCHNITT entwickelte sich in Italien nicht in demselben Masse wie in Deutschland, und der Kupferstich behauptet den Vorrang. Nur Venedig macht einigermassen eine Ausnahme. Doch übte Dürers Stil seinen Einfluss auch in Italien und wir sehen sogar einen bedeutenden Künstler, Marc-Antonio Raimondi, die Holzschnitte Dürers in Kupferstich wiedergeben, weshalb ihn Dürer verklagte, wobei er jedoch nur erreichte, dass es Raimondi untersagt wurde, Dürers Monogramm mit nachzumachen.

Cesar Vecellio.

Eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete des illustrierten Druckes ist die von Aldus (1499) herausgegebene Hypnerotomachia oder der Kampf des Schlafes und der Liebe. Die reichen Illustrationen wurden gewöhnlich Benedetto Montagna zugeschrieben, von einigen sogar Raphael, wahrscheinlich gehören sie aber einem, unbekannt gebliebenen Künstler. Von Andrea Mantegna haben wir einige vorzügliche Holzschnitte, ebenso von dem erwähnten Kupferstecher Marc-Antonio Raimondi (geb. 1488, gest. 1546). Cesar Vecellio lieferte seine berühmten Habiti antichi e moderni, 420 Kostümbilder, die von Christoph Krieger (geb. 1550, gest. 1606) aus Nürnberg in Holz geschnitten wurden[6]. Vecellius war ein Neffe Tizians und es ist von Kennern behauptet worden, Tizian selbst habe die Originalzeichnungen geliefert. Jedenfalls ist Vecellius sehr durch seinen berühmten Verwandten beeinflusst worden und die Zeichnungen nähern sich dessen grossartigem Stil. Die Ausführung in Holzschnitt ist leider eine nur mittelmässige[7]. Sonst haben, besonders in Venedig, eine Anzahl tüchtiger, aber dem Namen nach unbekannter Meister der paduanisch-venetianischen Schule gearbeitet. Als Verfertiger der vielen, mit dem aus den Buchstaben J. B. zusammengesetzten Monogramm bezeichneten venetianischen Holzschnitt-Illustrationen ist nunmehr in neuester Zeit Giovanni Brito erkannt worden.

Clair-Obscur-
Druck.

In dem farbigen (Clair-obscur-)Druck behaupteten die Italiener das Übergewicht; wenn sie aber auch auf die Erfindung Anspruch machen, sind sie im Unrecht, da deutsche Clair-obscur-Drucke aus dem Jahre 1509 von Lucas Cranach existieren, während die ersten Drucke des angeblichen Erfinders Ugo da Carpi erst aus dem Jahre 1518 herrühren. Das Verfahren besteht, wie schon kurz erwähnt wurde, darin, durch mehrere Platten, in verschiedenen Farben oder Tonabstufungen gedruckt, den Effekt des mit farbigen Tuschen gezeichneten oder in Sepia ausgeführten Bildes hervorzubringen. Durch gänzliches Aussparen der lichten Stellen fügt das, an diesen Stellen zum Vorschein kommende weisse Papier noch die Wirkung hinzu, als wären weisse Lichter aufgesetzt. Öfters wurden die ersten Konturplatten in Kupfer gestochen, die Töne aber mittels Holzplatten aufgedruckt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser Arbeiten liegt darin, dass die Grenzen der verschiedenen Platten sich vollständig decken müssen, was bei dem Druck, trotz feinster Punkturen und genauester Anlage, äusserst schwer zu erzielen ist, da das Papier während des Druckes seinen Feuchtigkeitszustand, folglich seine Grösse, ändert, auch die Punkturlöcher allmählich sich erweitern, was zur Unsicherheit beiträgt.

Ausser Ugo da Carpi (gest. um 1520) besitzt Italien eine ziemliche Anzahl tüchtiger Künstler in diesem Genre, unter welchen Nicolo Boldrini aus Vicenza und Andreas Andreani (geb. 1540, gest. 1625) bedeutende Plätze einnehmen. Letzterer gab Platten von grossen Dimensionen nach den wundervollen Mosaiken Domenico Beccafumis ausgeführt. Sein „Triumphzug Cäsars“, von Andrea Mantegna gezeichnet, ist ebenfalls von grosser Bedeutung.

Graf Zanetti


Noch in später Zeit machte sich der Graf Anton Marie Zanetti, geboren in Venedig 1680, dort gestorben 1766, bekannt durch seine Bestrebungen, den Clair-obscur-Druck aufs neue zu Ehren zu bringen. In einem grossen Werke von 101 Blättern in Folio giebt er besonders Kopien nach Parmesano. Leider wurde dieses kostbare Werk nur in 30 Exemplaren gedruckt und dann die Platten vernichtet. In den Jahren 1738-1743 lebte ein Engländer John Jackson, der in Papillons Schule sich ausgebildet hatte, in Venedig, wo er eine Anzahl sehr tüchtiger Kopien von berühmten italienischen Meistern in Clair-obscur-Manier fertigte.