V.

Von Lekatlong nach Wonderfontein.

Batlapinenleben.—Webervögel und ihre Nester.—Zuckerrohr-Pflanzungen.—Spitzkopf.—Mitzima's Dorf.—Schlauheit der Batlapinenweiber.—Termitenbauten.—Reisende Batlapinen.—In Lebensgefahr.—Springbockfontein.—Transvaal-Emigranten.—Gassibone und seine Residenz.—Tauschhandel.—Wanderheuschrecken.—Ein seltsamer Labetrunk.—Am Vaal-River.—Wasser- und Landleguane.—Christiana, die westlichste Transvaal-Stadt.—Einfache Rechtspflege.—Landschaftlicher Contrast der beiden Vaalufer.—Bloemhof.—Ein gefährlicher Nachtmarsch bei Gewittersturm.—Waidmann's Eldorado.—Königskraniche.—Gnu und Bläßbock.—Romberg's Farm.—Von schwarzen Gnu's überrascht.—Hühnervögel.—Klerksdrop.—Potschefstroom.—Das Moi-Riverthal.—Geognostische Entdeckungen—Wonderfontein und seine Grotten.

Die Hauptstadt des südlichsten der Batlapinenstämme, Lekatlong (der Name bedeutet Vereinigung, wohl in Bezug auf die beiden Flüsse), die Residenz des Fürsten Jantsche, bestand aus circa 160-200 Hütten, welche drei größere Gehöftgruppen bildeten, in welchen je 2-4 Hütten zu einem Gehöft vereinigt waren. Die einzelnen Gehöfte waren von einem 4-6 Fuß hohen, aus dürren Zweigen hergestellten Zaune umgeben. Die Hütten der mittleren Gehöftgruppe zeigten die emsigste Arbeit, auch reichte die Gruppe bis an den Fluß. In ihrer Mitte standen auf einem freien Platze die Ruinen eines Missionsgebäudes, welches einige Jahre zuvor abgebrannt war. Zur Zeit meines Besuches hielt sich hier kein Missionär auf, in neuerer Zeit soll jedoch von der »London Missionary-Society«, in deren Wirkungsbezirk Lekatlong gehört, ein solcher dahin delegirt worden sein. In einiger Entfernung vom Missionshause erhob sich die Kirche, ein längliches, aus ungebrannten Backsteinen aufgeführtes, unscheinbares Gebäude, dessen Giebeldach mit dürrem Grase gedeckt war.

Vom rechten Ufer aus gesehen bot die Stadt mit ihren regelmäßig aneinander gereihten Gehöftgruppen einen ganz netten Anblick. In den Straßen, d.h. den freien Räumen zwischen den einzelnen Gehöften herrschte reges Leben, hier sah man Frauen, welche, große thönerne Gefäße auf dem Kopfe tragend, zum Flusse eilten, dort wieder Frauen, die unter der Last großer schwerer Bündel dürren Grases oder Gestrüppe seufzend nach Hause gingen, während eine Schaar nackter Kinder sich spielend am Flußufer ergötzte, andere wieder mit den ihrer Obhut anvertrauten Heerden auf die Weide zogen. Zu diesem Bilde emsiger Thätigkeit der Frauen contrastirte das dolce far niente der Männer auffällig, man sah sie allerorts müßig auf der Erde liegen, sich einer gesättigten Schlange gleich im Freien sonnend und von den Anstrengungen des eingenommenen Mahles erholend.

[Tauschhandel am Wagen.]

Einige der Männer hatten aus europäischen Stoffen, andere aus weichgegerbten Fellen gearbeitete Jacken und Hosen an; ihre Köpfe bedeckten kleine, aus Gras oder Binsen gearbeitete Hütchen. Die Männer waren meist von Mittelgröße, ihr Wuchs war aber weder so schön wie jener der Zulu's, noch so kräftig wie jener der Fingo's, auffallend hell schien mir ihre Hautfarbe. Ihre Gesichtszüge waren durch eine anormale Breite der Nase nicht wenig verunstaltet—eine Mißbildung, welche durch den Gebrauch kleiner, die Stelle des Taschentuchs vertretender Eisenlöffel hervorgerufen wird. Ihr Ruf als notorische Faullenzer war wohl begründet, denn obwohl ihr Gebiet sehr fruchtbar ist, verwendeten sie sehr wenig Mühe auf den Anbau von Cerealien und waren auch auf dem Markte von Kimberley seltene Gäste.

In moralischer Hinsicht war der Ausgang des letzten Krieges zwischen den Engländern und einem Bruderstamme dieser Batlapinen, den Botlaros, von wohlthätiger Wirkung. Vor dem Kriege, besonders aber zur Zeit der Entdeckung der River-Diggings kannten Jantsche's Hochmuth und seine Prätensionen keine Grenze, seine Unterthanen verübten zahlreiche Einfälle in die Provinz und ließen die berittene englische Polizei am Vaalflusse nie zur Ruhe kommen. Diesem Allen machte der Sieg der Engländer ein schnelles Ende.

Nachdem wir das Weichbild der Stadt Jantsche's verlassen hatten, betraten wir wieder einsamere Partien des Hart-Riverthales, in welchen erst in größerer Entfernung flußaufwärts zwei bedeutendere Eingebornenstädte liegen. Es sind dies Taung (nach dem früheren Herrscher »Mahura's Stadt« genannt), circa 70 Meilen von der Mündung des Hart-River's entfernt, und Mamusa, die Residenz eines freien Korannafürsten. Zur Zeit meiner ersten Reise (auf welcher ich jedoch die Stadt nicht besuchte) regierte daselbst ein Greis, der Maschon hieß, von den Boers jedoch Tibusch, d.h. Zerbusch genannt wurde, und welcher nach einer Version 112, nach einer andern 130 Jahre alt war. Mamusa liegt gegen 40 engl. Meilen flußaufwärts von Taung entfernt, welches, nebenbei erwähnt, der Sitz des unabhängigen Batlapinenfürsten Mankuruane ist. Außer diesen beiden Städten finden wir zwischen Lekatlong und Mamusa zahlreiche Eingebornendörfer, welche zu 90 Percent von Batlapinen, zwischen Taung und Mamusa auch von Barolongen und nur ostwärts und gegenüber von Mamusa von Koranna's bewohnt werden. Diese Dörfer sind mit Ausnahme der von Koranna's bewohnten zumeist auf den Gipfeln der niedrigen, an den Hart-River herantretenden und begrasten Höhen oder unmittelbar unter dem Gipfel dieser Höhen erbaut und bestehen gewöhnlich aus zwei bis acht Gehöften. Nur wenige, darunter das größte dieser Dörfer, Mitzima genannt, liegen im Thale; dieses zählt etwa 30 Hütten. Die von den Bewohnern dieser Dörfer bebauten Felder und Gärten liegen theils im Flußthale, theils an den Abhängen. Außer Kafirkorn und Mais wird auf diesen Grundstücken auch Zuckerrohr gebaut, dessen Schaft 7-8 Fuß Höhe erreicht.

Wir setzten im Thale des Hart-Rivers unsere Reise fort; die zahlreichen, unseren Weg kreuzenden, tiefen Schluchten nöthigten uns zu zeitraubenden Umwegen und bereiteten uns mancherlei Schwierigkeit. Einige Meilen hinter Lekatlong sah ich mich genöthigt Rast zu halten; es währte nicht lange, so kamen aus dem nahen Gehöfte ein Junge und ein Greis, welche mit uns Makoa (Weißen) in Tauschhandel traten. Ich war über ihre hohen Forderungen überrascht, fand aber bald die Erklärung; die Eingebornen kannten hier bereits den Werth des englischen Geldes.

Auf der Weiterreise fanden wir in den reichbebuschten und mit hohem Gras bedeckten Thalpartien nicht minder wie in den Ufergebüschen, günstige Jagdgelegenheiten. In den letzteren trafen wir vier Arten von Trappen, darunter zwei Zwergtrappenarten und eine Art von seltener Größe, die beiden ersteren in größeren Gruppen, die beiden größeren Arten nur paarweise aus den Büschen auffliegend; in der Nähe der niedrigen Dornbüsche fanden wir das große Cap-Perlhuhn paarweise in der Erde scharrend. An sandigen Uferstellen und mit Flugsand bedeckten Partien der Thalabhänge sonnten sich Steppenhühner, die dicht beschilften Ufer des Flusses, das Versteck großer Schwärme von Wildenten, lieferten uns manche Beute. Die freieren Uferstellen waren zumeist mit den herabhängenden Aesten der Mimosen überhangen, deren dünne Endzweige von den schönen gelben, mit einem schwarzen Flecke an der Kehle geschmückten Webervögeln entblättert waren, und an welchen diese ihre kunstvollen Nester erbaut hatten, welche herabhängenden Früchten ähnelten. Sie waren platt gedrückt, hatten einen elliptischen Querdurchmesser von 6-10 und 12-15 Centimeter und eine Höhe von 12-25 Centimeter. Der Eingang befand sich an der unteren, ebenen Seite des Nestes.

[Nest des Webervogels.]

Diese Eingangsöffnungen haben eine halbmondförmige Gestalt und sind nur so groß, daß ein Thier hineinzuschlüpfen vermag. Die obere Nestfläche läuft kegelförmig zu, so zwar, daß das Nest mit der Kegelspitze an den Zweigen befestigt ist. Die Nester waren aus frischem biegsamen Grase gewoben. Die Bauart des Nestes ist eine kunstreiche zu nennen, die einzelnen Grashalme sind sehr geschickt ineinander verwoben und der Bau so fest, daß er allen Stürmen vollkommen Widerstand zu leisten vermag. Bei dem leisesten Winde fingen die schönen Nester zu schaukeln an und diese Bewegungen spiegelten sich in der ruhigen, durch zarte, in der Tiefe wuchernde Algenformen verdunkelten Fluth treu wieder, ein Bild, das dadurch noch an Anmuth gewann, daß sich einer der einfliegenden Vögel zuweilen längere Zeit an der Oeffnung festklammernd schaukelte. Dann erschien am Wasserspiegel ein sich hin- und her wiegender schön gelbgefärbter Punkt, der wie ein schimmernder Edelstein über die hellen und dunklen Grottenpartien am Grunde des Flusses zu gleiten schien. Diese Webervögel zeigten nicht die geringste Scheu, so daß wir sie namentlich gegen Abend leicht im Neste fangen konnten. Hatten wir uns von dem Neste entfernt, und waren die bei unserer Annäherung entflohenen Sänger wieder nach ihren Wohnungen zurückgeflogen, so beobachteten sie mit anmuthiger Neugierde längere Zeit hindurch jede unserer Bewegungen.

[Reisende Batlapinen.]

Am dritten Tage unserer Reise erblickten wir im Osten einen aus Süden hervortretenden, in das Thal des Hart-Rivers tief eindringenden Höhenzug, der uns als zum Gebiete des Chefs Mitzima gehörig bezeichnet wurde. Den äußersten vorgebirgsartigen Ausläufer dieses Höhenzuges nannten die Boers Spitzkopf. Die von uns durchzogene Ebene glich auf weite Strecken hin einem carminrothen Teppich, welcher bei näherer Besichtigung aus einer Unzahl mehrblüthiger Lilien bestand. An anderen Stellen der Ebene trafen wir schöne, dunkelgrüne, auf der Erde wuchernde Blätter einer anderen Liliacee, welche mit verschiedenen Rüsselkäfer-Species förmlich bedeckt waren.

In der Nähe einer Zuckerrohrpflanzung begegneten uns vier arbeitende Frauen—ich benützte diese Gelegenheit, um noch vor unserem Eintreffen in Mitzima's Stadt unsern Milchbedarf zu decken und sprach die Frauen in dieser Absicht an. Sie zeigten sich überaus gefällig, ihre Hauen im Stiche lassend, eilten sie lachend und schreiend ihren mehr denn 300 Schritte entfernten Hütten zu und es währte nicht lange, so waren sie wieder da, zwei von ihnen mit irdenen Töpfen, die dritte, ein altes hageres Weib mit einem großen Holzgefäße, gefüllt mit köstlich frischer Milch. Als Kaufpreis forderten auch sie ein Stück Tabak, mein Erstaunen wuchs, als sie mir durch Gert, meinen Dolmetscher, zu verstehen gaben, daß sie leidenschaftliche Consumenten von Schnupftabak wären. Um mir jeden Zweifel zu benehmen, machten sie die Pantomime des Zerreibens und ließen mit dem Rufe »Monati« (d.h. das ist schön) den Tabak in den breiten Höhlen ihrer Nasen verschwinden.

Am Nachmittag fuhren wir an einem aus drei Hütten bestehenden Gehöfte, dessen Sauberkeit mir sogleich auffiel, vorüber. Auch auf meiner zweiten Reise unter den verschiedenen Batlapinenstämmen fand ich kein zweites, das sich mit ihm hätte messen können. Die Hütten waren geräumig und aus starken Pfählen erbaut, auch stand in einem aus Schilfrohr gearbeiteten Schuppen ein gut erhaltener schwerer Lastwagen und im Hofe ein kleinerer, an dem eben, was mir noch mehr auffiel, der Hausherr mit einem Diener Verbesserungen vornahm. Außerdem fehlte auch ein Pflug nicht—im Batlapinenlande war dies im Jahre 1873 noch eine große Seltenheit—und ein halbes Dutzend der ledernen Milchsäcke hing an der für das Vieh bestimmten Umfriedung. Im Schatten des Wagenschuppens saßen zwei andere Batlapinen, damit beschäftigt, aus Segeltuch ein neues Wagendach zusammenzunähen; ich habe nie wieder Leute dieses Stammes so eifrig an der Arbeit gesehen als diese beiden.

Im geräumigen Hofraume des Gehöftes tummelten sich 15 muntere dunkelgefärbte Kinder umher, welche bis auf ein kaum blattgroßes Lederschürzchen splitternackt waren. Den größeren oblag es, die Heerden an den Ufern des hier eine englische Meile entfernten Hartflusses zu hüten. Alles zeigte den Segen und die Früchte der Arbeit und des Wohlstandes.

Im Laufe des Nachmittags hatten wir uns den am Morgen erblickten Höhen genähert. Sie sind die nördlichsten Ausläufer des bei Hebron am rechten Vaalufer beginnenden Höhenzuges; ich fand sie namentlich durch die Form der sie bildenden Felsen interessant. Bald sind es senkrechte Blöcke, Menschengestalten nicht unähnlich und säulenartig aneinander gereiht, bald liegen sie stufenförmig übereinander und erwecken die Vorstellung einer gigantischen Treppe.

Als wir das diesseits vom Spitzkopf liegende Mitzima erreichten, waren wir, kaum angelangt, von den Neugierigen umringt, deren größtes Contingent das schöne Geschlecht und die hoffnungsvolle zarteste Jugend des nach seinem gegenwärtigen Besitzer genannten Eingebornendorfes stellten. Sie setzten sich in der nächsten Umgebung des Wagens gemüthlich nieder und begannen zuerst die Makoa (die Weißen) selbst, dann den Wagen und unsere ganze Ausrüstung auf das lebhafteste zu kritisiren. Ihr von oft höchst komischen Gesticulationen begleitetes Gespräch erregte die Lachlust unserer Diener im höchsten Grade, während wir im Zweifel waren, ob das Mienen- und Geberdenspiel Bewunderung oder abfällige Kritik zum Ausdruck bringe. Mein Begleiter K., dem böse Zungen Eitelkeit zum Vorwurfe machten, hielt es für das erstere, wofür auch die Thatsache sprach, daß F. ihn mehrmals mit dem Pennyspiegel in der Hand überraschte.

Während F., der die Kinderschuhe noch nicht abgelegt hatte, in das Lachen und das Mienenspiel mit einstimmte, behauptete E., wie immer, sein Pfeifchen schmauchend, stoische Ruhe. Seine Miene und sein ganzes Benehmen zeigten Verachtung, deren Ausdruck ihn aber zur besonderen Zielscheibe der Spötteleien des schönen Geschlechtes machte, während manch' wohlwollender Blick auf den netten K. gerichtet war.

Die anwesenden Frauen waren sämmtlich, wahrscheinlich um den Weißen ihren Reichthum zu zeigen, in Kattunröcken erschienen und hatten Brust und Hals mit zahlreichen Perlenschnüren geschmückt. Unter ihnen stachen zwei Mädchen durch bemerkenswerthe Häßlichkeit der Gesichtszüge hervor, die durch die rothen Ockerstriche im Gesichte keineswegs gemildert wurde.[[1]]

[1] Im Allgemeinen gebrauchen die Batlapinenfrauen jedoch nicht so viel Ocker, um sich Gesicht, Hals und Brust zu beschmieren, als die Frauen der Hottentottenrace und der in der Cap-Colonie wohnenden Kaffernstämme.

Das schöne Geschlecht, der passiven Haltung müde, ging bald zum Angriff über und eine der Frauen ließ uns durch Gert bedeuten, unsere Waaren zur Schau auszulegen, da sie uns für reisende Händler hielten. Die mit ausgestreckter Hand uns entgegen gehaltenen Schnupftabakdosen waren eine stumme aber directe Aufforderung, dieselben zu füllen. Da wir keine Miene machten, ihren Wünschen nachzukommen, beschlossen einige unter den Frauen einen neuen Angriff, dessen Ziel unsere beiden Begleiter F. und K. waren, deren Lächeln sie den Frauen als die Zugänglichsten erscheinen ließ. Nach abgehaltener Berathung trat die Häßlichste und Aelteste der Frauen zu F. heran und machte ihm eine so aufrichtige und herzliche Liebeserklärung, daß es Gert, der hierbei als Dolmetsch fungirte, kaum möglich war, seine Lachmuskeln im Zaume zu halten. Die Scene rang uns Allen ein helles Lachen ab, während es F. in Wuth versetzte.

Um unseren Neckereien zu entgehen, wagte er die Behauptung, es sei Mitzima's jüngstes Weib, die hübscheste des ganzen Dorfes gewesen.

Als die Frauen bemerkt hatten, daß aller Minne Mühe vergeblich war, entfernten sie sich vom Wagen und legten den Rückweg tanzend zurück; im eigentlichen Sinne des Wortes war es kein Tanz, sie hüpften vielmehr, sie bewegten sich dabei in kleineren Gruppen zuerst in einem Halbkreise nach links, dann in einem Halbkreise nach rechts, dann machten sie einen etwa zwei Schritte langen Doppelsprung nach vorne, drehten sich um, und begannen die Bewegung von Neuem.

Wir waren froh, der lästigen Besucher los geworden zu sein—unsere Freude war aber leider nicht von Dauer, denn bald kam eine noch größere und zudringlichere Gruppe und umstellte den Wagen. Diesmal half uns eine List aus der Noth, ich erstieg den Wagen und begann das Schrotgewehr zu reinigen. Beim Anblick desselben machten die Angekommenen eine unwillkürliche Bewegung nach rückwärts, und ehe ich es vermuthete, war das Feld geräumt.

In später Nachmittagsstunde verließen wir Mitzima's Dorf, das Passiren mehrerer Schluchten nahm so viel Zeit in Anspruch und ermüdete die Zugthiere derart, daß wir noch diesseits des Spitzkopfes, in 1½ Meilen Entfernung von Mitzima, in der Nähe von drei kleinen Batlapinengehöften, Halt machen mußten.

Ein in unserem Rücken aufsteigendes Gewitter hatte uns auf dieser Straße bange Sorge gemacht, denn ein halbstündiger Platzregen hätte genügt, um jede dieser Schluchten, die zu überwinden wir große Anstrengungen machen mußten, in einen reißenden und gefahrbringenden Regenstrom zu verwandeln. Unsere Ankunft bei den erwähnten Gehöften war trotz vorgerückter Abendstunde nicht unbemerkt geblieben, es stellte sich auch bald Besuch ein.

Die Nacht, die wir hier zubrachten, war eine besonders helle und schöne, aber auch empfindlich kalte. Die Felsenbildungen am Abhange der Höhen glichen phantastischen Gestalten, deren dunkle Schatten weit in die Ebenen hinausragten. Der niedrige Spitzkopf schien einem Riesen gleich über uns Wache zu halten, aus der Nähe und Ferne klangen die hellen Töne der Batlapinengesänge zu uns herüber.

Am nächsten Morgen tauschten wir von dem Ortsvorstande der naheliegenden Gehöfte einige Kürbisse ein und brachen weiter nach Norden auf. Je weiter wir den Hart-River hinaufzogen, desto fruchtbarer schienen mir die Gefilde des Batlapinenlandes zu sein. Namentlich erregten die kleinen Zuckerrohr-Pflanzungen auf den Feldern und in den Gärtchen mein Erstaunen. Was mir aber besonders auffiel, war, daß die Eingebornen diese Zuckerrohrart nicht anders benützen, als daß sie den unteren und mittleren saftreichen Theil des Stengels in kleine Stücke schneiden und zerkauen.

Wir durchschritten zunächst eine baum- und buschlose Ebene, auf welcher mir namentlich ganz eigenthümlich geformte Termitenbauten auffielen. Diese Termitenbauten stellen statt der gewöhnlichen, manche der südafrikanischen Ebenen zu Tausenden bedeckenden halbkugel- und brodlaibförmigen bis 4 Fuß hohen Hügel, an dessem Rande zwei bis drei kleine Eingangslöcher in das Innere führen—eine aus der Erde hervorstehende bis zu 6 Fuß hohe und 3-10 Zoll im Durchmesser haltende gebrechliche, aus Thonerde und Sandkörnern mit Hilfe des Speichels der Thiere zusammengekittete Röhre dar. Wir beobachteten den Boden in einem Umkreise von 10-48 Fuß etwas wenig gehoben und meist kahl; aus der Mitte einer solchen Stelle erhoben sich in der Regel eine oder drei, doch auch mehrere nach oben zu offene Röhren, während im weiteren Umkreise die Anfänge zu solchen Röhren lagen, die oft in großer Menge als kleine kegelförmige nach oben zu geschlossene Erdaufwürfe zu Tage treten.

Gegen Mittag hielten wir in der Nähe des Flusses und mußten uns mit dem sehr trüben Wasser begnügen, das wir in einigen Lachen in seinem Bette vorfanden, welches überdies durch das Eintreiben der Heerden von Seite der Eingebornen sehr verunreinigt worden war. Auch das mit diesem trüben Wasser bereitete Mahl wollte nicht munden. Während unseres Mahles kamen hoch auf gehörnten Saumthieren einige Batlapinen von einem der nahen auf einem kleinen Höhenrücken zu unserer Rechten gelegenen Dörfchen herbeigeritten. Sie sprangen ab und machten sich's in der Nähe unseres Feuers bequem. Die Saumthiere blieben, kaum abgesattelt, wie an die Erde angewurzelt stehen. Man kann sich des Lachens nicht erwehren, wenn man eine solche Batlapinengruppe heranziehen sieht; ohne angetrieben zu werden, eilen die Ochsen dahin, wie wenn sie miteinander um die Wette liefen. Die Nasenscheidewand ist an den Nüstern durchbohrt und ein Holzpflöckchen durchgesteckt, an welches, an beiden Enden eingeschnitten, ein etwa 2 Meter langer Riemen, der Zaum, befestigt ist. Ueber den Rücken des Thieres ist in der Regel ein Sack oder eine Decke, oder ein Stück Leder geworfen, welches den Sattel vorstellen soll. Zu beiden Seiten hängen Riemen mit eisernen oder ledernen Steigbügeln. Die Ankömmlinge zeigten sich sehr freundlich und einer derselben antwortete auf meine Frage, wie weit es noch nach Springbockfontein sei, schnell gefaßt, indem er auf die über uns stehende Sonne wies: »Wenn Ihr jetzt diese Stelle mit Eurem Wagen verlaßt, so werdet Ihr zur Zeit, wenn sich jener Gebieter da droben zur Ruhe gelegt, mit der klaren Fluth des Wassers, in dem die Springböcke ihren Durst stillen, auch Eure Wassergefäße füllen können.«

Die nahen Mais- und Kürbißfelder boten mir Gelegenheit, meine Sammlungen zu bereichern, namentlich durch einige schöne Species von Sandkäfern (Cicindelidea). In meinem Eifer bemerkte ich nicht, daß ein Gewitter bereits dem Ausbruche nahe war, und erst als ein tüchtiger Regenschauer mich durchnäßte, eilte ich zum Wagen. Ein Blitzstrahl fuhr in diesem Momente einige hundert Schritte thalabwärts in einen der Maisgärten nieder; am Wagen angekommen, fand ich, daß meine Begleiter es unterlassen hatten, einige zum Trocknen an die Sonne gesetzte Pflanzenpräparate, sowie auch die an einem nahen Busche angelehnten Gewehre vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Der fremden Besucher saßen nur noch drei am halberloschenen Feuer, doch rückten sie nun, um etwas Schutz gegen den Regen zu suchen, auch näher an den Wagen heran. In den Wagen springend ersuchte ich meine Freunde, mir rasch die Pflanzen und dann die Gewehre zu geben.

[Unfall im Hart-Riverthale.]

Einer meiner Begleiter hatte mir die ersteren gereicht, und war eben daran, mir auch die Gewehre zu übergeben, als ein Blitzstrahl in unmittelbarer Nähe hinter dem Wagen zur Erde niederfuhr. Ich hatte in diesem Momente das Gewehr mit der linken Hand am Laufende erfaßt, um es im Innern des Wagens an die gehörige Stelle zu legen (die Gewehre sind stets an der Innenwand des Wagens gebrauchsbereit angeschnallt). Durch den plötzlichen nahen Donnerschlag außer Fassung gebracht, ließ mein Freund das Kolbenende fallen, dabei hatte sich der eine Hahn (es war ein Doppellauf) an der Deichsel aufgespannt und als ich eben mit der Absicht, das Gewehr im Wagen zu bergen, dasselbe an mich heranzog, entlud sich der mit Hasenschrot geladene rechte Lauf. Ich weiß mich nur noch zu erinnern, daß in dem Augenblicke, wo der Blitzstrahl die ganze Umgebung grell beleuchtete, eine heftig auflodernde, von starker Detonation begleitete Feuererscheinung unmittelbar folgte. Ich fühlte heftigen Schmerz in der linken Augengegend, und theils durch den Schreck, theils betäubt von dem Schusse, verlor ich das Gleichgewicht und fiel vom Wagen herab. Meine Freunde hielten mich im ersten Augenblicke für todt, glücklicher Weise war meine Verwundung keine tödtliche. Die Schrote waren durch die linke Hohlhand von unten nach aufwärts gegangen und hatten die linke Schläfe so gestreift, daß sie die Hutkrämpe durchbohrt und die so erzeugten Löcher in derselben mit meinen Haaren ausgefüllt hatten.

Da jedoch der Schuß in solcher Nähe der linken Gesichtshälfte abgefeuert worden war, so war auch das Aeußere des linken Auges bedeutend verletzt. Ich blieb auf zwei Tage auf diesem Auge vollkommen blind und litt noch vierzehn Tage an einer äußeren Augenentzündung. Unmittelbar nach dem Schusse waren auch die Eingebornen aus ihrem Verstecke gesprungen und wunderten sich nicht wenig über das Ereigniß, das sich vor ihren Augen abgespielt hatte. Im Momente desselben war ein Batlapinengreis zu dem Wagen herangekommen, der bei seiner Annäherung auch ein Zeuge dieser Scene gewesen. Bevor meine Freunde noch eingespannt hatten, um wenigstens noch an diesem Tage Springbockfontein zu erreichen, kamen noch einige Eingeborne zu Besuch, wovon einer, der Anrede nach zu schließen, der Sohn des alten Mannes zu sein schien, und von diesem folgende weise Ermahnung erhielt: »Sieh hinein in den Wagen, dort liegt ein todter »Bas« (Gebieter, Meister). Mein Herz sagt es mir, daß es ein sehr böser Mann gewesen sein mußte, denn als er vorne am Wagen stand, und seine Freunde, die ihm langsam die Gewehre reichten, mit lauten zornigen Worten schalt, da schlug ihn »Morena« (der Herr der Wolken) mit Donner und Blitz, so daß er vom Wagen herabrollte, und wenn er nicht schon todt ist, gewiß nicht mehr lange Mais essen und das Zuckerrohr aussaugen wird.«

Obwohl Springbockfontein nicht mehr weit entfernt war, mußten wir es mit Rücksicht auf meinen Zustand aufgeben, denselben Abend noch hinzukommen. Die Erschütterungen des Wagens verursachten mir die heftigsten Schmerzen. Nach zweistündiger Fahrt machten wir auch Halt.

Am folgenden Vormittage erreichten wir die sogenannte Ansiedelung der Weißen, welche aus mehreren Zelten und Schilfhütten bestand und von vier holländischen Familien, Flüchtlingen aus der Transvaal-Republik, bewohnt waren, die wahrscheinlich Schulden halber ihre früheren Wohnsitze verlassen hatten.

Ich fand ähnliche Ansiedelungen auch in den anderen Betschuanaländern, deren Bewohner sich meist theils durch die Jagd, theils als Gerber, Holzschläger oder als Händler ernähren. Im Allgemeinen führen diese Menschen ein elendes Dasein und gehören wohl zu dem ungebildetsten Theile der holländischen Bevölkerung in Süd-Afrika. Ihre Lage ist furchtbar, wenn sie, von Krankheiten heimgesucht, ohne Rath und Mittel darnieder liegen.

Die Springbockquellen sind sehr schwach und durchfließen einen kleinen Morast, bevor ihr Wasser den Hart-River erreicht; in dem kleinen Moraste fand ich die gewöhnliche südafrikanische Wasserschildkröte zahlreich vertreten.

Am folgenden Morgen, als ich mich etwas besser fühlte, verließen wir den Ort und zogen thalaufwärts weiter; ich hatte im Sinne, das Gebiet des damals noch unabhängigen Batlapinenfürsten Gassibone zu bereisen; leider hatten uns die an den Quellen wohnenden Holländer eine falsche Richtung angegeben, was wir erst spät Abends von zwei vorübergehenden Eingebornen erfuhren. Unsere Reise an diesem Tage war eine recht beschwerliche, wir zogen theils durch sehr dichtes Buschland, theils über sandigen Boden, und mußten sehr oft halten und den Thieren Rast gönnen. Je weiter wir nach Nordosten vordrangen, desto waldreicher schien die Gegend, d.h. das Land war mit schwachen Beständen von Kameeldornbäumen bedeckt.

Nach und nach hatten wir uns vom Hart-River entfernt und mußten, nachdem wir von den beiden vorübergehenden Eingebornen die wahre Richtung von Gassibone's Stadt erfahren, denselben Weg bis zu dem Hart-River zurückgehen; reichliche Jagdbeute entschädigte uns indeß für diesen Zeitverlust.

Wir schlugen nunmehr eine ostsüdöstliche Richtung ein und zogen quer durch den Wald nach der das Hart-Riverthal im Osten begleitenden Höhenkette, an welcher der Hauptkraal Gassibone's liegen sollte. Der Weg war einer der beschwerlichsten, die wir auf der ganzen Reise zurückzulegen hatten, und erheischte die größte Vorsicht, um Wagen und Gespann vor Schaden zu behüten. Anfangs führte derselbe durch ein monotones Buschland, später durch einen Mimosenwald, in dem uns einige Batlapinen, Unterthanen Gassibone's, begegneten, die uns in freundlicher Weise den kürzesten Weg nach des Häuptlings Kraal zeigten. Ueber eine tiefe Einsattelung im Höhenrücken gelangten wir nun in ein kesselförmiges Thalbecken; im Hintergrunde, da wo mehrere Höhenzüge sternförmig zusammenstießen, lag theilweise in dem Hauptthale, theils in einem der einmündenden Querthäler, die Stadt Gassibone's. Das Hauptthal, vor dessen Eingang wir standen, war ziemlich gut angebaut.

Der lange beschwerliche Ritt hatte uns alle ziemlich abgespannt, ich beschloß daher, da der Kraal des Häuptlings noch ziemlich entfernt lag, hier das Nachtlager aufzuschlagen.

Früh Morgens ließen wir die Thiere grasen und dann ging es aufwärts nach Gassibone's Residenz. In den Maisgärten waren schon die Frauen emsig beschäftigt und die Jungen trieben nach allen Richtungen hin die Heerden in die Berge auf die Weide. Es war ein schöner warmer Morgen und die gesammten Mitglieder der Expedition (Weiße und Farbige) im besten Humor.—Der volle Titel des Königs dieses Batlapinenlandes, der sich zwei Jahre später der Transvaal-Republik freiwillig unterwarf, gegenwärtig aber, seit der Annexion derselben durch die Engländer, ein englischer Unterthan wurde, ist Morena Botlazitse Gassibone. Seinem Charakter nach ist er ein Mann, der vielen Lastern, besonders aber dem Trunke ergeben ist. Die Häuser der Stadt zeigten denselben Charakter wie jene Lekatlongs, die Stadt mochte ungefähr 2500 Einwohner zählen. Meine Absicht war, von der Stadt aus eine südliche Richtung nach dem Vaal-River zu nehmen und dann nordöstlich nach der Transvaal-Provinz vorzudringen. Da in dieser Richtung kein Weg nach derselben führte, so sandte ich zum König um einen Wegweiser und betraute mit dieser Mission den hoffnungsvollen F., der überdies den Auftrag erhielt, vom König einige Töpfe Milch zu erstehen. Um dem Ueberbringer meiner Botschaft mehr Ansehen zu verleihen, wurde ihm ein Revolver um den Leib gehängt und ein Paar hohe Stiefel angezogen. F. fühlte sich durch die Mission so geehrt, daß sein ganzes Gesicht mit dunkler Röthe überzogen war und seine Augen leuchteten, seine imponirende Haltung flößte nicht nur den Eingebornen, die ihm begegneten, demuthsvolle Scheu ein, sondern gewann ihm auch das zuvorkommendste Benehmen Seiner schwarzen Majestät, so daß dieser nicht nur seiner Bitte um Ueberlassung einiger Töpfe Milch zu willfahren versprach, sondern sich auch noch erbot, mir für einen zweiten Shilling einen Führer zur Verfügung zu stellen, der uns durch die Schluchten auf die freie Ebene bringen sollte. Ja der Fürst ging noch so weit, um dem martialisch aussehenden Jüngling einen Ausdruck seines besonderen Wohlgefallens zu geben, daß er ihm von dem Gerichte anbot, mit dem eben eine seiner Königinnen ihren Batlapinen-Appetit stillte.

Die cylindrische, etwa 5 Meter im Durchmesser haltende und bis zum Giebel des kegelförmigen Daches etwa 3 Meter hohe Hütte war durch einen Mimosenbaum gestützt, der bis zur Höhe des Daches reichte. Am Fuße dieser Säule saß die erwähnte schwarze Schönheit in ein europäisches Kattunkleid gehüllt und auf ihrem Schooße hielt sie eine Holzschüssel, gefüllt mit einem beliebten Batlapinengerichte. Unser wackere Herold wollte, nachdem er des Königs Antwort durch meinen Diener, der ihm als Dolmetsch beigegeben war, erfahren, vom Anerbieten Gebrauch machen, und griff mit voller Hand zu. Erschreckt zog er die Hand zurück, denn die Schüssel enthielt getrocknete Heuschrecken, nach deren Genuß es unserem Freund durchaus nicht gelüstete. Zum Wagen zurückgekehrt, versicherte F., ähnliche Gesandtschaftsdienste zu anderen Betschuanakönigen nicht mehr annehmen zu wollen.

Die königliche Hütte war inwendig mit Thonerde überschmiert und der Boden glatt cementirt, an den Wänden hingen ringsum auf Pfählen aus den Fellen des Proteles, des grauen Fuchses, des Schabrakenschakals und der schwarzgefleckten Genetta gearbeitete Carossen. Dem Eingange gegenüber hing an der Säule ein amerikanischer Hinterlader; auf der Erde längs der Wand lagen Schaf- und Ziegenfelle ausgebreitet—die primitiven Ruhebetten. Während des Gespräches mit F. hatte Gassibone sich entschuldigt, daß die Kürbisse auf den Feldern noch nicht reif seien, und daß er mir auch kein Fleisch übersenden könne, weil seine Heerden der Wassernoth halber am Vaal-River weideten. Ich konnte mich auch späterhin überzeugen, daß es zu jener Jahreszeit im Jahre 1873 zwischen dem Vaal- und Hart-River kein trinkbares Wasser gab. Selbst in Gassibone's Stadt floß die Quelle so spärlich, daß sie fortwährend von Batlapinenfrauen umlagert wurde und blos eine nach der andern zum Wasser gelangen konnte. Als unser Diener zur Quelle kam, wurde er von den Frauen so angeschrieen, daß er es vorzog, sich schleunigst mit dem leeren Eimer zurückzuziehen. Uns blieb nichts übrig, als uns welches von den Eingebornenfrauen zu kaufen oder uns mit einer entsprechenden Menge einer mispelartigen, wildwachsenden Obstart zu versehen, um unseren Durst zu stillen.

Im Allgemeinen schien es mir, daß diese Batlapinen ihr Oberhaupt nicht besonders respectiren. In den letzten Jahren (seit dieser ersten meiner Reisen) kam es zwischen Gassibone einerseits und Mankuruan und Jantsche andererseits zu Reibungen, welche größtentheils auf zwei Gründen beruhten: erstens behauptete Gassibone wie Mankuruan, daß jeder der Paramontchief (oberster Fürst oder der eigentliche König) der Batlapinen sei, zweitens bewies sich Jantsche wie Mankuruan den Engländern und Missionären gewogen, während Gassibone gegen dieselben eingenommen, den Holländern stets gewogen war. Darum trat er auch sein Land an die Transvaal-Republik ab, als Mankuruan daran dachte, sich der englischen Regierung zu unterwerfen. Als nun die Transvaal-Republik von den Engländern annectirt wurde, belästigte er die holländischen Boers, die er nunmehr als englische Unterthanen haßte, derart, daß gegen ihn ein Commando abgesendet werden mußte, dem gegenüber er sich ebenso feig als vorher prahlerisch bewies.

[Mein Gesandter bei König Gassibone.]

[Batlapinen bei der Arbeit.]

Wie in allen Eingebornendörfern hatten wir auch hier eine Belagerung von Seite der Eingebornen auszuhalten, die an Lärm nichts zu wünschen übrig ließ; es wurde geschrieen, gesungen und gelacht, dabei Tauschhandel getrieben, alte und frische Raubthierfelle, Ziegen- und Ochsenhäute, Holzlöffel und stumpfe unbrauchbare Assagayen, Mais und unreife Kürbisse, geröstete Heuschrecken und Honig zum Kaufe angetragen. Der Eine bettelte, der Andere bat, ein Dritter klagte, daß ihm alles mögliche fehle, dazwischen kreischte eine weibliche Stimme, ob ich auch ein Medicinmann sei, wie ihr einer meiner Diener berichtet, sie wolle eine Medicin kaufen, welche ihr zu einem Kinde verhelfen würde; sie hätte weder Sohn noch Tochter. »Ich habe aber einen Mann und mehrere andere Frauen wohnen in demselben Gehöfte und die haben Kinder, aber ich keine.« Je bereitwilliger man sich aber diesen Leuten gegenüber zeigt, desto ärger und unverschämter werden sie in ihren Forderungen; je zurückhaltender man ist, ohne jedoch barsch mit den Leuten zu verfahren, desto bessere Resultate erzielt man.

Nachdem wir etwas Mais von den Leuten erstanden, machten wir uns auf den Weg. Unsere Frage, ob wir unsere Fässer mit Wasser füllen sollten, verneinte der uns vom Könige mitgegebene Führer mit der Bemerkung, wir würden an vielen Stellen des Wegs hinreichend Wasser antreffen. Da wir den Mann als Führer erhielten, glaubten wir ihm vollkommen trauen zu dürfen, allein wir wurden bitter enttäuscht. Wir fanden auf der ganzen Strecke zum Vaalflusse kein Wasser, und hatten, da wir diesen und den folgenden Tag in brennender Sonnenhitze reisen mußten, viel Durst zu leiden. Das Land zwischen Gassibone's Stadt und dem Vaalflusse ist eine einzige Hochebene, theilweise bewaldet und bebuscht, theilweise, und namentlich in feuchten Jahren, hochbegrast.

Auf dieser Ebene dahinziehend, fiel uns ein eigenthümlicher grauer sich rasch nähernder Wolkenstreifen auf, der den westlichen Horizont bedeckte. Je näher er kam, desto mehr ähnelte er von der Erde aufsteigenden, stellenweise dichteren Rauchsäulen. Es war eine Heuschreckenwolke. Diese Wanderheuschrecken erscheinen oft während der südafrikanischen Sommerszeit in meilenlangen Schwärmen, alles Grün in der Vegetation vernichtend, wo sie einfallen. Ihr Flug ist aber ein ununterbrochenes Einfallen, d.h. während sich der eine Theil zum Fraße niederläßt, fliegen die bereits gesättigten Thiere über die Ersteren hinweg, so lange, bis sie der Hunger zum abermaligen Niederlassen zwingt.

Unser Führer bezeichnete uns in der grasreichen Ebene, in der ich zehn Monate später durch einen Brand beinahe eine aeronautische Excursion unternommen hätte, eine binsenreiche, durch einen hohen Kameeldornbaum gekennzeichnete Stelle in genau südlicher Richtung, wohin wir gegen Sonnenuntergang kommen und Wasser finden sollten. Als wir jedoch am Nachmittag an Ort und Stelle waren, fanden wir eine sehr seichte, bis auf einige wenige, kaum je einen Becher Wasser enthaltende Stellen, vollkommen ausgetrocknete Regenlache. Wasser konnte man es eigentlich nicht nennen; es war vielmehr ein grünlich-dickes reichlich mit Kaulquappen, Insectenlarven und Infusorien versetztes und stark nach Ammoniak riechendes, wässeriges Fluid. Es bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, daß uns bei dem bloßen Gedanken an den Genuß dieses Fluids anfänglich Ekel erfaßte, allein der Durst besiegte schließlich alle Bedenken. Die Flüssigkeit wurde aus einigen der Löcher mit einem Löffel geschöpft und damit eine Serviette gefüllt, in der sicher Millionen von, dem bloßen Auge unsichtbaren und eine Unzahl von handgreiflichen thierischen Gebilden herumtummelte, und das Wasser mühselig durchfiltrirt. Das ganze Experiment ergab etwa 1½ Becher einer dicklichen Flüssigkeit, welche Menge in fünf gleiche Theile getheilt wurde.

Nach einer zweistündigen Rast, während welcher wir trotz brennenden Durstes keinen zweiten Filtrirungsversuch machten, brachen wir wieder auf. Im selben Maße als wir uns dem Vaalflusse näherten, schwanden die Büsche und Bäume, das Gras wurde niedriger—ein ausgezeichneter Weideplatz für große Heerden. Wir sahen nichts von den Gnu's und Gazellen, die wir nach der Angabe der Bewohner von Gassibone's Residenz auf der genannten Strecke hätten finden sollen; wir begegneten nur wenigen Batlapinen, welche blos mit Stöcken bewaffnet und von mehreren afrikanischen Windhunden begleitet, auf Niederwild jagten.

Tags darauf, als sich die Sonne bereits hinter dem bewaldeten Freistaatufer des Vaalflusses zu bergen begann, wurden wir von einem kleinen Batlapinenjungen, der auf der weiten Grasebene Ziegen hütete, auf die bewaldeten Hügel aufmerksam gemacht, hinter welchen sich der Fluß hinschlängelte. In der angegebenen Richtung sahen wir einige Hütten, wo Gassibone's Viehhüter wohnten, welche Früh und Abends die auf der Ebene weidenden Rinder nach dem Flusse zur Tränke zu führen hatten.

Der Vaal-River gehört unstreitig zu einem der trügerischesten Flüsse Süd-Afrika's. Seine Ufer, weniger sein Bett, sind so schlammig, daß die zur Tränke gehenden Zugthiere einsinken und eines elenden Hungertodes sterben; und dies namentlich ältere Thiere, welche der längs des Flusses fahrende Gespann- und Wageninhaber (Rider) wegen Abmattung an einer oder der anderen Stelle bis zu seiner Rückkehr von der eben unternommenen Geschäftsreise oder bis zu einem vielleicht mehrere Monate später erfolgenden Besuche zurücklassen muß. Auch ich machte mehrmals bittere Erfahrungen in dieser Hinsicht.

Während sich meine Begleiter daran machten, die Tränkestelle der Batlapinenrinder aufzusuchen, wandte ich mich mit dem Gewehre stromabwärts, um einige Wildenten für unsern Nachtimbiß zu erhaschen. Es wurde allmälich dunkel. Ich trat so leise wie nur möglich, auf den härteren Bodenstellen blos mit den Fußspitzen auf, und wo ich vor mir trockene Büsche an dem steilen Uferabhange zu berühren glaubte, da beugte ich mich nieder, um sie zu beseitigen und so jedes Geräusch durch ein Zertreten derselben zu vermeiden. Da, ein lautes Geschnatter—mir schon bekannt—zu meiner Linken, dann ein schwerer Flügelschlag und über das Wasser stromabwärts bewegten sich zwei der ersehnten Wildgänse (Chenalopa). Unwillkürlich knieete ich nieder, um desto besser sehen und dem Flügelschlage lauschen zu können; die tiefe über dem schönen hier so ruhig, so langsam dahinfließenden Strome herrschende Stille durch einen Schuß zu unterbrechen, schien mir ein Frevel zu sein. Der breite Fluß schimmerte matt vor mir nach dem Westen zu, wie ein riesiges, glänzendes Band; und in der Seele tauchte—unbewußt und ungesucht—ein ähnlich Bild aus weiter, weiter Ferne auf! Ein schönes, fast ähnliches Band, das den Fuß des Mittelgebirgs umsäumt, und an dem ich so manchen Abend und manche Nacht fischend durchgeträumt! In seiner Nähe, aus einem kleinen bescheidenen Häuschen, pflegte ein Licht in die dunkle Nacht mir entgegen zu schimmern!—Schimmert es nun auch jetzt,—wo ich hier in der Abendstille am Ufer eines afrikanischen Stromes weile? O, theures Vaterherz, o, liebe Mutter denkt ihr meiner?—Zürnet nicht, daß ich euch verlassen, ich komme wieder und dann ist ja Alles gut!—Und so saß ich stundenlang unter den hohen Weiden am Ufer des Garip. Nur undeutlich hoben sich die schattigen Bäume am Horizonte des jenseitigen Ufers ab.

Ich machte mich endlich auf den Heimweg. Die Dunkelheit erschwerte mir diesen Versuch mehr als ich dachte. Oft stieß ich mit dem Kopfe an einen quer gegen den Fluß reichenden Ast der Trauerweide oder ich stolperte über ihre Wurzeln. Einige Eulen schienen wohl am jenseitigen Ufer eine Meerkatzenheerde aufgeschreckt zu haben, denn zuerst plötzlich und mehrstimmig, dann nur in Pausen scholl das kurze, schwache Geschrei der Meerkatzen zu mir herüber, welche die Gipfel der höheren Bäume zu ihrem Nachtlager gewählt haben mußten. Mehrmals überraschte mich auch ein plötzlicher Fall in's Wasser, es waren flüchtende Wasserleguane (Polydaedalus), riesige, fünf Fuß und darüber lange Eidechsen, welche die Uferlehnen nach Mäusen, Kerbthieren etc. durchsuchend, geräuschlos bei meiner Annäherung bis an das Wasser geschlichen und dann plötzlich untergetaucht waren. Diese Riesenechsen wählen sich meist ein stetig oder wenigstens periodisch fließendes Gewässer zu ihrem Aufenthaltsorte, sowohl in der Nähe menschlicher Wohnungen als auch in der Wildniß. Ihr Gebiß ist für Thiere, die größer als ihr Schlund sind, ungefährlich, allein sie haben eine gewaltige Kraft in ihren Kiefern und eine noch bedeutendere in ihrem langen Ruderschwanze, der ihnen namentlich beim Fange von Wasserthieren von sehr großem Nutzen ist. Ein solcher Leguan wartet in der Regel am Rande eines Baches, flach auf der Erde oder auf einem überhängenden Baumstamme platt liegend, wie ein Stück Holz, so daß man ihn kaum bemerkt, und oft stundenlang unbeweglich auf Beute. Nichts verräth in dem dunkelbraunen Thiere, dessen Schuppenleib von zahlreichen grünen und gelblichen Querstreifen bedeckt ist, Leben, als die winzigen Augen, die sich ununterbrochen öffnen und schließen, bis sie eine nahende Beute erspäht und dieser ihre Aufmerksamkeit zollen. Mäuse, Frösche und Kerbthiere und alles was er bewältigen kann—also was unter Säugethieren die Größe einer Ratte, unter Vögeln die Größe eines Huhnes etc. erreicht—wird seine Beute. Eine besondere Vorliebe scheint er für Krabben und Eier zu haben. Doch glaube ich, daß jene Vorliebe für das Krabbenessen, die wir häufig beobachten konnten, eigentlich nur ein Gebot der Nothwendigkeit ist und daß die Echse nur aus Mangel an anderer Beute dieses durch ganz Süd-Afrika und auch weit nach dem Norden zu vorkommende Krustenthier aus seinen Löchern herausholt. An solchen Bächen und Flüssen werden wir eine Menge der zerkauten Schalenüberreste gewahr, so daß wohl eine beträchtliche Zahl von Krabben für die täglichen Mahlzeiten des schuppigen Wasserbewohners nothwendig sein mag. An fließenden Gewässern mit hochbegrasten Ufern liegende Gehöfte haben von den Leguanen viel zu leiden, weil sie nur zu gerne die Hühnerställe besuchen und dem Menschen das Einsammeln der Eier ersparen. Ja, sie gehen in dieser Vorliebe auch so weit, daß sie sogar hohe Bäume erklettern, um nach Vogelnestern zu fahnden, wie ich dies in der Missionsstation Limkana am Matebe-Flüßchen beobachtete. Doch werden sie im Baumklettern von ihren nahen Verwandten, den Landleguanen, bedeutend übertroffen. Ich fand die Wasserleguanen von der südlichen Meeresküste bis in das Marutse-Reich verbreitet. In Flüssen, wo sich Krokodile vorfinden, bewohnen sie die Stromschnellen, weil diese von den ersteren gemieden werden.

Nächst dem Wasserleguan finden wir auch in Süd-Afrika eine ähnliche, doch nie im Wasser lebende Species, den schon nebenbei erwähnten Landleguan. Diese Art ist breiter gebaut, unbeholfener, hat einen bedeutend kürzeren Schwanz als jene und wird im Ganzen 4-5 Fuß lang. Man findet sie auf grasarmen wie auf hochbegrasten Ebenen, in Felsenpartien, in Gebüschen, wie auch in Wäldern. Sie suchen kleine Vögel, Mäuse, Ratten, Asseln und Insecten zu ihrer Nahrung auf, auch das Nestausnehmen ist ihnen eine beliebte Sache und die Bäume sind für sie das, was für die Polydaedalus das flüssige Element ist. Wittern sie Gefahr, so klettern sie rasch auf ihren luftigen Wohnsitz und legen sich dann flach auf einen der Queräste nieder; sind sie jedoch am Boden, so verkriechen sie sich rasch in ein verlassenes Erdthierloch, oder wenn sie diese Zufluchtsstätte nicht finden, versuchen sie es, sich an den Boden anzuschmiegen und bewegungslos zu verharren. So wie man sie jedoch berührt, kommt plötzlich Leben in die anscheinend schlafenden Thiere. Sich aufrichtend, strecken sie sich, fauchen laut, und schreiten langsam und gravitätisch—man möchte sagen, blos auf ihren Nagelspitzen einher; ebenso dick als sie uns früher, auf der Erde liegend, erschienen, ebenso dünn und zu wahren Gerippegestalten werden sie nunmehr. Im Unterleibe dieses Pachysauriers trifft man eine reiche lappige Fettansammlung, welche von mehreren südafrikanischen Eingebornenstämmen als Heilmittel für verschiedene Krankheiten gebraucht wird.

Erst gegen Mitternacht war ich wieder zu meinen Begleitern am Wagen zurückgekehrt, welche durch mein langes Fernbleiben beunruhigt, wachgeblieben waren.

Am folgenden Morgen brachen wir, nachdem wir uns die Wohlthat eines Bades im Vaalflusse gegönnt, in ostnordöstlicher Richtung nach der Transvaal-Republik auf. Eher als ich es erwartet, stießen wir schon nach zweistündiger Fahrt auf einige Gebäude am rechten Vaalufer. Näher kommend fanden wir ein längliches Ziegelhaus mit Eisenblech bedeckt, einen zweiten aus Erde und Pfählen aufgeführten Kunstbau, der jeden Augenblick einzustürzen drohte und ein drittes aus gebrannten Backsteinen erbautes Häuschen mit flachem Dache. Diese an drei verschiedenen Enden der ausgemessenen, zukünftigen Stadt aufgeführten »Gebäude«, 2 Zelte und 13 Korannahütten, bildeten im Jahre 1872 das Häusermeer der westlichsten der Städte der Republik, das später durch die Unruhen im Lande Gassibone's und unter den nahe anwohnenden Koranna's in Süd-Afrika ziemlich bekannt gewordene Christiana. Das erstgenannte Haus war die Wohnung des Landdrostes und zugleich das Comptoir der höchsten Civil- und Militärgewalt des Districtes Bloemhof, in dem zweiten kleinen, mit flachem Ziegeldach bedeckten war ein Kaufmannsladen und in dem baufälligen Hause wohnten, wenn ich nicht irre, der Sheriff, ein Notar etc. In dem einen Zelte die dem Sheriff unterstehende Polizeiarmee für die Städte Christiana und Bloemhof und für den ganzen District—in Summa ein Schwarzer. In dem zweiten Zelt hatten sich ein paar Maurer einlogirt, welche ein öffentliches Gebäude, ich glaube ein fensterloses Gefängniß, errichten sollten.

Seit jener Zeit meines ersten Besuches der Transvaal-Provinz hat sich auch in Christiana viel und zum Bessern verändert, so daß das Städtchen gegenwärtig an Bedeutung mit Bloemhof rivalisirt, welches im Jahre 1876 etwa 30 Häuser zählte. Die rasche Entwickelung Christiana's ist, abgesehen von der günstigen Lage der Stadt auf der aus Griqualand nach der Transvaal-Provinz führenden Straße, wesentlich ein Verdienst seines Landdrostes, dessen Bekanntschaft ich zu machen später das Vergnügen hatte, und ich kann nur sagen, daß er unter der Republik seiner schwierigen Stellung als Grenznachbar mehrerer unruhiger Eingebornenstämme in der besten Weise gerecht wurde, so daß er selbst nach der Annexion von Seite der Engländer in seinem Amte belassen wurde.

Als ich damals, im Jahre 1873, dem mich am Wagen besuchenden Kaufmann (Kaufmann, Großhändler, Waffenschmied, Hotelbesitzer, Fleischer und Bäcker zugleich) mein Erstaunen an den Tag legte, daß sich in Christiana die Gesetzeskraft blos auf einen Polizisten stützen könne und man auch kein »Arrestlocal für gemeingefährliche Individuen« besäße, antwortete mir der Mann (der Nationalität nach ein Deutscher), daß man kein Gefängniß brauche, da es keinen Sträfling gebe. Die Einnahmen des Landdrostamtes von Christiana waren damals noch so klein, daß man schon an und für sich nicht darauf erpicht war, »Gefangene« zu machen; aber hätte man auch einen »Vogel« ertappt, wo hin mit ihm? Der Herr Notar konnte ihn unmöglich zu sich in sein Zimmer nehmen, er theilte es ja mit dem Sheriff, aus dem Zelte wäre er mühelos entwischt, ihn im Hause des Kaufmannes unterzubringen, ging auch nicht an, hier wäre ihm die Versuchung zu nahe gelegen, sich für die Flucht noch mit Proviant gratis zu versehen. Das waren alles wichtige Momente, die man berücksichtigen mußte, zudem hatten die Boers es gewöhnlich dem Herrn Landdrost erleichtert, daß sie den Schuldigen unter ihrem »Volke« (schwarzen Dienern) den Schambock (Hippopotamos-Peitsche) zu verkosten gaben, sobald sich einer eines Diebstahls etc. zu Schulden kommen ließ, und wobei jede Mühe (das Transportiren des Diebes zum Gerichte und die Tagfahrten) sowie Geld (all' die mit dem gerichtlichen Verfahren verbundenen Kosten) erspart wurden.

Wir hatten unser Lager unmittelbar am Ufer des Vaal aufgeschlagen, das hier ziemlich hoch ist und einen guten Einblick in die zahlreichen Inseln und Stromschnellen des Flusses gewährt. Unstreitig ist die Flußscenerie bei Christiana recht interessant und für den Ornithologen ein Besuch der Inseln sehr lohnend. Ich habe hier die prachtvollen, langschwänzigen Mandelkrähen an ihrer südlichsten Verbreitungsgrenze beobachtet.

Auch in Christiana wurden Diamanten gesucht, doch nur spärlich gefunden.

Am nächsten Tage (13. März 1873) verließen wir die »Stadt« und zogen weiter flußaufwärts nach Bloemhof. Die zwischen beiden Städten sich erstreckende Gegend gehört zu den kahlsten und ödesten des Transvaal-Gebietes und trägt ganz den Charakter einer Karoo-Ebene. Zu dem trostlosen Anblicke des Transvaalufers bildet das jenseitige Freistaatufer einen scharfen Contrast. Dichte Kameeldornbäume bedecken das Ufer auf weite Strecken hin und in den Fluthen des Vaal spiegeln sich zahlreiche Farmen ab, welche seine Gelände säumen.

[Gefährlicher Nachtmarsch.]

Von Wild sahen wir blos drei flüchtige Springbockgazellen, einige der kleinsten Zwergtrappen und an den kahleren, felsigen Stellen Erdeichhörnchen und Scharrthiere (Rhyzaena), die letzteren in großer Menge, 15-20 je einen Bau bewohnend. Kaum hatten sie das Wagengerassel gehört, eilten sie schon von ihren nicht weit vom Baue unternommenen Ausflügen, die ersteren um nach Wurzeln, die letzteren um nach Käfern, Larven, Scorpionen etc. zu graben, zu ihrem Baue zurück. Sie sind nicht besonders behend im Laufen und können leicht von einem Hunde, wenn sie auch vor ihm einen bedeutenden Vorsprung haben, eingeholt werden. Beim Laufen halten sie in der Regel den Schweif hochgehoben, die Eichhörnchen ihre Fahne entfaltet: letztere kehren sich nicht eher um, als bis sie über ihren Löchern sitzend, noch einmal nach dem Störenfried ausschauen, während die Scharrthiere sich oftmals umsehen, stehen bleiben und dabei verdrießlich knurren. Während die ersteren scheue und furchtsame Thiere, sind die Rhyzaena als Raubthiere muthig und vorsichtig. Von jenen beobachtete ich nur eine, von den letzteren mehrere Arten. Da, wo ich die Erdeichhörnchen auf der Reise nach Norden zu vermissen begann und wo die prairienartigen Ebenen dem Walde wichen, wurden diese Thierchen durch eine kleine, gelbbräunliche, auf Bäumen lebende Art ersetzt. Die Eingebornen, mit Ausnahme der Hottentotten, essen das Fleisch beider Thiere.

Am Nachmittag des 15. März gelangten wir nach Bloemhof, welches damals blos aus einer Straße bestand und das uns zu keinem Aufenthalte einladend erschien; die Scenerie ringsum bot ein dürftig-trauriges Bild, seitdem jedoch hat das Städtchen zusehends gewonnen.

Seitdem wir Klipdrift verlassen hatten, war uns fast ausnahmslos heiteres schönes Wetter hold gewesen, doch kaum hatten wir Bloemhof im Rücken, als sich der Horizont immer mehr zu umwölken begann. Mit der zunehmenden Dunkelheit wurde es durch das inzwischen losgebrochene Unwetter rings um uns so schwarz, daß wir auf 20 Schritte nicht sehen konnten und ich bedauern mußte, nicht im Weichbilde der Stadt übernachtet zu haben. Anfangs gingen wir vor dem Gespann, da der das Leitpaar am Riemen führende Koranna behauptete, den Weg vor sich von dem gleich dunkel aussehenden Boden zu beiden Seiten nicht hinreichend unterscheiden zu können. Der heftige Regen, der uns durchnäßte, im Verein mit dem kalten Winde, trieb uns jedoch in den Wagen hinein; hundert Schritte weiter und die Zugthiere blieben stehen; sie glitschten fortwährend aus, was mich auf den Gedanken brachte, daß wir vielleicht vom Wege abgekommen, auf einen Abhang gelangt waren, und dann konnte dies nur nach dem Flusse zu sein. An eine Fortsetzung des gefährlichen Nachtmarsches war unter solchen Umständen nicht zu denken, wir mußten hier das Morgengrauen abwarten.

Die Recognoscirung unseres unfreiwilligen Lagerplatzes führte zu einer Entdeckung, die mich tief erschreckte. Als ich den Wagen im strömenden Regen zum zweiten Male, diesmal in einem etwas größeren Radius umging, schien es mir, als wenn sich etwa 20 Schritte vor den Zugthieren eine dunkle Stelle befände. Mir däuchte es ein Erdloch, und so holte ich den »Triber« (sprich Trajbr) herbei, um gemeinschaftlich bei der Helle des nächsten Blitzes die Stelle zu untersuchen. Das erwünschte natürliche, elektrische Licht blieb auch nicht lange aus und wir sahen zu unserer Ueberraschung eine Regenschlucht, die zu dem Flusse führen mußte. Wären wir noch 20 Schritte weiter gegangen, wir hätten es theuer gebüßt. Am Morgen zeigte sich eine Schlucht mit schroff abfallenden, etwa 16 Fuß hohen Lehmwänden.

Es war eine äußerst ungemütliche Nacht, die wir hier zubrachten, der Regen durchdrang selbst die Leinwandhülle des Wagens, der kalte Wind ließ uns erstarren und führte uns die Thatsache zu Gemüthe, daß wir uns 4000 Fuß ober dem Meere, auf dem Plateau des südlichen Transvaalgebietes befanden. Nur David und Gert ließen sich durch das Unwetter nicht im Mindesten in ihrer Vorliebe für Morpheus stören, unbekümmert darum, daß sie förmlich in einer Regenlache schwammen, waren sie bald in tiefen Schlaf verfallen, aus dem sie nur am kommenden Morgen (das Unwetter hatte sich nach Mitternacht verzogen) die warmen Strahlen des Tagesgestirns weckten.

Das jenseitige Freistaatufer ist durch eine sandige, mit Mimosenbäumen stellenweise spärlich, stellenweise ziemlich dicht bewaldete und bebuschte Bodenerhebung gebildet. Viele der vermögenden Farmer, die südlich vom Flusse wohnen, haben sich hier Farmen, d.h. je etwa 3000 Morgen Land gekauft, um in der trockeneren Jahreszeit daselbst ihr Vieh zu halten. Sie klagten mir über bedeutende Verluste, die sie durch Hyänen (H. crocuta) erlitten, welche Fohlen, Kälber und Maulesel getödtet hätten, so daß die Farmer Strychnin zu Hilfe nehmen mußten und damit tüchtig unter den nächtlichen Räubern aufräumten. Dem Sohne des Farmers Wessel hatten die Raubthiere in einem Winter 18 Stück Hausthiere getödtet und unter seinen Notizen halte ich namentlich einen Fall nennenswerth. Sein Diener hatte, um ein leichtes Ueberwältigen der Maulesel zu verhüten, zwei derselben mit einem Riemen zusammengekoppelt; als man sie nach einiger Zeit suchte, fand man den einen neben der Leiche seines Gefährten, beide noch mit dem Riemen verbunden und nach den zahlreichen Spuren mußte man schließen, daß einer derselben von den Hyänen getödtet und halb abgenagt worden war, während sich der Ueberlebende, durch stete, jedoch fruchtlose Versuche sich loszureißen müde geworden, wohl in sein Schicksal ergeben haben mußte. Seit jener Zeit ließ man nur Rinder und erwachsene Pferde ohne Hirten auf die Weide.

Einige Stunden östlich von Bloemhof erreichten wir eine große seichte, schon aus der Ferne weiß schimmernde Salzpfanne, an der eine Farm lag. Wie immer war eine Stelle des Ufers der Pfanne von einem Hügel überragt, während die anderen, mit Gras überwachsenen, fruchtbaren und moorigen Stellen zum Ackerbau wohl geeignet sein mochten.

Ich sammelte einige, der mit Salz incrustirten Steine und vegetabilischen Stoffe, während sich meine Gefährten daran machten, die zahlreichen, am reinen Kiesgrunde der Pfanne reichlich aufliegenden, hirse- bis erbsengroßen Salzkrystalle zu sammeln. Wir betraten nunmehr das eigentliche südwestliche Wildrevier des Transvaal-Gebietes, das sich von den Ufern des Bamboesspruit bis zum Schoenspruit über eine ununterbrochene, im Süden vom Vaal-River, im Norden von den Maqwasihöhen begrenzte und von mehreren meist von Norden nach Süden oder Südosten laufenden periodisch fließenden Spruits und einem Flusse durchschnittene, hochbegraste Ebene erstreckt.

Seit meinem Besuche dieser Gegend im Jahre 1873 hat das Wild bedeutend abgenommen, doch ist zu hoffen, daß die neue Regierung zu seinem Schutze die nöthigen Maßregeln ergreifen wird. Bei einer vernünftigen Jagdweise kann sich das übrig gebliebene rasch vermehren und dennoch den Farmern einen ergiebigen Ertrag sichern.

Während meiner ersten Reise beobachtete ich das gemeine schwarze Gnu in Heerden von 5-30 Stück, Bläßböcke in Heerden von 15-300 Stück, Springböcke, Deuker und Steinböcke von 10-150 Stück, nahe an den bebuschten Partien nur paarweise; ferner eine Menge von den rothlöffeligen Hasen, eine Unzahl von Springhasen und Stachelschweinen, Schuppenthiere und Erdferkeln—doch fehlten auch Raubthiere und Hyänen, Schakale und Proteles, an den Spruits Fischottern und im hohen Ufergras Wildkatzen nicht; während mehrere Trappenarten, Wildenten und Gänse, Wachteln (eine kleine Art) und in den bebuschten Partien Perlhühner zahlreich vertreten waren.

Bevor wir noch den Bamboesspruit (18. März) erreichten, erblickten wir zuerst einige einzelne, später eine kleine Heerde von Bläßbock-Antilopen, so genannt, weil sie auf ihrer Stirne eine weiße »Bläße« zeigen, die gut zu der dunkelrothbraunen Behaarung des Körpers paßt. Die Hörner sind nach hinten geneigt, gegen die Spitzen auseinanderlaufend, weder so zierlich noch so schön wie jene der Springbock-Antilopen, wie denn auch der Bläßbock, im Ganzen stärker gebaut und eine längere Verfolgung, ohne dabei zu großen Sprüngen seine Zuflucht zu nehmen, auszuhalten im Stande ist.

Zahlreiche Kranichheerden jagten im hohen Grase nach Heuschrecken. Nahte man ihnen, so flogen sie nach einem kurzen Anlaufe auf, um knapp über dem Grase hinreichend, einige hundert Schritte weiter wieder einzufallen. So wie sie aufflogen, ließen sie ihre prächtige, weithin hörbare Stimme ertönen.

Heftige Regenschauer nöthigten uns, schon in den ersten Nachmittagsstunden an einer Regenpfütze, einige Meilen östlich vom Bamboesspruit, Halt zu machen. Dazu trat noch eine allgemeine Ermattung der ganzen Expedition ein, in Folge der letzt erlebten Nacht und des Genusses von Salz aus der vorerwähnten Salzpfanne.

Der heftige Regen und unser Unwohlsein ließ uns eine recht unangenehme Nacht zubringen, erst gegen Morgen ließ der Regen etwas nach und wir versuchten etwas Schlaf unter dem Wagen, da die Ausdünstung der in dem Wagen naß gewordenen Gegenstände nicht einladend war.

Während der Nacht ließen sich Hyänen und Schakale oft nahe am Wagen vernehmen, allein wir konnten weder in der Dunkelheit hinreichend klar sehen, noch wollten wir uns auch in dem feuchten Wetter unserer in Lederhüllen aufbewahrten Gewehre bedienen. Das Liegen auf dem feuchten Grase wurde uns jedoch bald unbehaglich und so waren wir schon vor Sonnenaufgang bereit, die Weiterreise anzutreten.

Während sich meine Gefährten nun im Feueranmachen versuchten, hielt ich eine Rundschau über die nur nach Norden in der Ferne von Höhen begrenzte Grasebene, konnte jedoch nichts erspähen; am Himmel hingen noch schwere, dunkle und tiefgehende Wolken, der Tag versprach so trübe zu werden, wie es die Nacht gewesen. Während ich noch Rundschau hielt, hörte ich vor mir—es schien von zwei, circa 600 Schritte vor mir vorüberfliegenden storch- oder kranichartigen Vögeln zu kommen—schöne, melodische, harfengleich klingende, sich mehrmals wiederholende Töne, welche auch die Aufmerksamkeit meiner Begleiter auf sich zogen. »Das ist schön!«—»o, prachtvoll!«—»hört Ihr die Aeolsharfe!«—so zollte ein Jeder von uns seine Bewunderung, kaum daß jene Töne verklungen waren.

Nur Gert, der edle Korannajüngling, schien ungerührt. Von uns Allen um Auskunft bestürmt—wobei er recht erschrocken von seinem Frühstückstöpfchen auffuhr—woher diese Laute kämen, ob von Vögeln, anderen Thieren, oder was sie sonst erzeuge, schaute er über die Ebene hin, konnte aber nichts sehen, dann beugte er sich nieder, um längs der Grasspitzen besser in die Ferne sehen zu können, plötzlich faßte er mich bei der Hand, zog mich zu sich herab und sagte:

»Siehst Du, Bas, dort fern von hier fliegen zwei Vögel, da—da setzen sie sich nieder, das sind, das mußten die Schreier gewesen sein, sie sind solche Vögel wie die »groten Springhanvogels« (graue Kraniche), allein sie haben schön weißrothe Flügel und auf dem schwarzen Kopfe tragen sie schöne gelbliche Kronen und diese Kronen«—dabei war er, als er das Erstaunen in unseren Mienen gemerkt, aufgestanden und hatte sich zur Stärkung nach seiner diesmal so ungewöhnlich wortreichen Rede mit einem neuen Stückchen Kautabak gelabt—»ja, diese Kronen sind nicht Federn, sondern lange, gelbe steife Haare. Alle Menschen kennen sie in Afrika und viele Farmer im Oranje-Freistaat und der Transvaal-Provinz halten sie zahm auf ihren Höfen.«—»Und ihr Name?« fragte ich—»Mā-hems, Sir, nennt man sie.«

Nun waren wir so klug wie zuvor. Stelzenvögel waren es wohl, allein wohin sie einreihen, wußte ich nicht, bis ich zwei Tage darauf das Glück hatte, drei davon auf einer Farm lebend zu finden. Es waren die gekrönten oder Königskraniche (Balearia regulorum), von denen ich ein Pärchen auch heimbrachte. Seine kaiserliche Hoheit, unser durchlauchtigster Kronprinz Rudolph, erwies mir die hohe Ehre, das Pärchen gütigst anzunehmen und die Vögel dem kaiserlichen Thiergarten zu Schönbrunn einverleiben zu lassen.

Auf der durch mehrere kleine, trockene Salzpfannen charakterisirten Ebene tummelten sich auch zahlreiche große Trappen. Wir überschritten den Bamboesspruit, welcher nur an sehr wenigen Stellen in seinem schlammigen Bette kleine Wasserlachen zeigte und zogen weiter ostwärts gegen den zu ihm parallel laufenden und stetig fließenden Maqwasi-River. Das Land stieg etwas nach dieser Richtung hin und war auch stellenweise mit kleinen Beständen von Mimosen, zumeist Kameeldornbäumen bedeckt.

Am Rande des ersten kleinen Gehölzes blieben wir über Mittag liegen und da meine Freunde mit dem Trocknen der durch den letzten Regen naß gewordenen Sachen die Hände voll zu thun hatten, ergriff ich ein Beil, um Holz für unsere Küche herbeizuschaffen. Da meine linke Hand noch von dem Unfall mit dem Gewehre her nicht völlig geheilt war, fiel mir die Arbeit schwer, und mein Ungeschick brachte mir nur eine neue schmerzhafte Wunde am Schienbein des rechten Fußes ein. Wenige Minuten darauf schwebte ich wieder in ernster Lebensgefahr.

Um nicht unverrichteter Dinge zu meinen Gefährten zurückkehren zu müssen, trachtete ich, wenigstens die trockene Rinde von den abgestorbenen Stämmen abzulösen. Bei diesem Beginnen sah ich plötzlich etwas vor meinen Augen glitzern und im selben Momente verspürte ich ein Gefühl von Kälte an meinem linken Unterarme. Eine Viper hatte sich, wie dies häufig vorkommt, unter der Baumrinde verkrochen und war mir nun in den linken Aermel gefallen. Mit dem Verhalten in solchen Fällen vertraut, blieb ich unbeweglich, um das Thier nicht zum Bisse zu reizen. Die Schlange hatte sich nun ausgestreckt, und dabei ragte glücklicher Weise das Schweifende aus dem Aermel heraus. Rasch entschlossen ergriff ich dieses und schleuderte das Thier weit von mir.

Die folgende Nacht war ebenso unangenehm wie die vorhergehende. Es regnete so stark, daß wir an Schlaf nicht denken konnten, wozu übrigens das Hyänen- und Schakalconcert nicht ermuntern konnte.

[Lager am Bamboesspruit.]

Am 19. März verließen wir unser Nachtlager. Nach etwa zweistündiger Fahrt hörten wir ein deutliches Brausen, wie von einem Bergstrome herrührend, welches vor uns aus einer durch einen langen von Norden nach Süden sich hinziehenden, durch einen Baumstreifen gekennzeichneten Vertiefung zu kommen schien. Wir fanden dies auch bestätigt und in jener engen 20-35 Fuß messenden Tiefe drängte sich der durch die in der gleichnamigen Hügelkette gefallene Regenmenge angeschwollene Maqwasi-River. Sein Bett ist meist steinig und steil, so auch seine Ufer, und zeigt oft, wie unterhalb der von uns benützten Furth, anmuthige Scenerie, wenn auch im beschränkten Maßstabe, wie es ein enges Flußbett und ein ebenso enges Thal nur bieten kann; der Fluß ist durch mehrere der Wintermonate bis auf einige der tieferen, felsigen Löcher trocken und ziemlich fischreich. Seine Ufer, und dies gilt namentlich von den felsigen, zerklüfteten Partien, sind von Fischottern, Wildkatzen, einer Wieselart, der Genetta und anderen kleinen Raubthieren, den Rohrrüßlern und auch von Wasserleguanen bewohnt. An der Furth, welche durch die steile Ab- und Auffahrt schwer zu passiren war, fanden wir das Wasser etwa drei Fuß hoch; am rechten Ufer trafen wir einige Transportwägen, welche Waaren im Gewichte von 6-7000 Pfund aufgeladen hatten, deren Fuhrleute den angeschwollenen Fluß nicht zu durchfahren wagten und das Fallen des Wassers in einer in der Nähe liegenden Cantine abwarteten. Ich entschloß mich jedoch, den Versuch zu wagen, der auch bis auf einen kleinen Unfall, der uns einen Theil unseres Kochgeschirres kostete, gelang.

[Rückkehr von der Gnu-Jagd.]

Noch bevor die Sonne im Zenith stand, hatten wir die hier vom Norden nach Süden vorbringenden Maqwasihöhen an ihrem südlichsten Abhange erreicht, welche nicht nur dem Botaniker, sondern auch dem Mineralogen eine höchst lohnende Ausbeute, letzterem prachtvolle Quarzit-Porphyre bieten. Hasen und Trappen fanden sich auf der Ebene nach dem Süden, während der nahe Teich des Farmers, der sich am Fuße der Höhen angesiedelt hatte, von schwarzen Blaßhühnern, von Tauchern, Wildenten, Ibissen und Fischreihern wimmelte.

Am Nachmittage machte uns der Sohn des Farmers einen Besuch und ich staunte über die Fertigkeit, mit welcher dieser Mann meinen Revolver zu handhaben wußte. Schuß auf Schuß traf das Ziel. Gegen Abend verließen wir die Farm und zogen über eine weite Ebene, welche von zwei Fuß hohem, üppigem Graswuchs bedeckt, zahlreiches Wild beherbergte. Etwa sechs englische Meilen von unserem mittägigen Lagerplatze entfernt, am Abhange der Höhen, mußten wir anhalten, strömender Regen hinderte uns an der Weiterfahrt. Wir befanden uns in einem kleinen isolirten Mimosenwäldchen, das eine Farm umgab. Der außerordentliche Reichthum der Ebene an mancherlei Wild gab uns Veranlassung, hier einen ganzen Tag zu verweilen.

Bei Tagesanbruch wurde ich durch einige in der Nähe gefallene Schüsse aus meinem kurzen Schlummer gerissen. Die Schüsse schienen auf der Ebene nach Süden abgefeuert worden zu sein. Später, als wir beim Frühstücke um unsere Eisentöpfe saßen, wurde uns die Erklärung dazu geboten. Zwei Holländer kamen auf unscheinbaren, allein sehr ausdauernden Ponies herbeigeritten, und nachdem sie uns gefragt, ob der »Bas« (Hausherr) daheim sei, eine Frage, auf die wir keine Antwort hatten, ritten sie auf das mit Stroh gedeckte Häuschen zu, um sich hier vom Nachbarn, »Ohm« (gewöhnlicher Titel eines holländischen Farmers), einen Wagen zu entlehnen, mit dem sie die zwölf diesen Morgen auf seiner Farm erlegten Antilopen (Spring- und Bläßböcke) nach ihren, einige Meilen abliegenden Farmen schaffen konnten.

Jene holländischen Bauern, welche nahe an Städten wohnen, bringen die erlegten Thiere, meist nachdem sie dieselben ausgeweidet, und ihnen die Köpfe abgeschnitten, die sie draußen im Felde den Schakalen und Geiern überlassen, aufgeschnitten zu Markte. Jene, die entfernter wohnen, zerstückeln ihre Beute, nachdem sie selbe abgehäutet und die Häute zum Trocknen auf der Erde ausgespannt haben. Von Springböcken werden die Felle von den Farmern blos getrocknet, viereckig zugeschnitten und 8-12 solcher Häute zu Fußdecken zusammengenäht, eine Arbeit, in welcher sie von den Eingebornen weitaus übertroffen werden.

Die Felle des Bläßbockes und des in den Wäldern oder auf den bebuschten Höhen wohnenden Kudu werden in ähnlicher Weise ausgearbeitet und zu dem hinteren stärkeren Vorschlag (dem Achterschlag) der aus Giraffenhaut verfertigten Peitsche benützt. Auch gerben sie in sehr primitiver Weise die Bläßbock-, Gnu- und Quaggafelle, und verkaufen das so gewonnene Leder den in Städten ansäßigen oder herumziehenden Kaufleuten. Zum Gerben benützt man die Rinde mehrerer auf Höhen wachsenden Bäume, so z.B. des Waggonhout-Baumes und anderer, und wo diese mangeln, einiger der gewöhnlichen, doch größeren, meist an Flußufern wachsenden Mimosenarten. Solche, die das Gerben als Nebengewerbe betreiben, kaufen gewöhnlich die ungegerbten Felle den Jägern ab, bezahlen in der Regel 3-4 Shillinge für ein Bläßbockfell und verkaufen es gegerbt um 10 Shilling.

Aermere Farmer, die bei Freunden oder Verwandten wohnen, bereiten aus den halbgegerbten Gnufellen die Sohlen, aus Bläßbock-, Kudu-, Hartebeest-Fellen etc. das Oberleder zu einer unscheinbaren, allein auf Reisen in Süd-Afrika sehr bequemen Fußbekleidung, den sogenannten Feldshoen, welche an Ort und Stelle mit 6-8, bei den städtischen Kaufleuten mit 10-14 Shillingen verkauft werden.

Das Fleisch des Wildes wird in lange Stückchen geschnitten, etwas eingesalzen oder bei mäßiger Tageshitze auf Riemen aufgehangen getrocknet und als Beltong steinhart auf den Tisch gebracht. Zubereitet, d. h. abgerieben und dann in Butter gesotten, gibt es einen delicaten Imbiß. Ein Pfund von diesem getrockneten Fleische wird mit 6 Pence bis 1 Shilling bezahlt und von manchem Farmer in größeren Mengen auf den Markt gebracht.

Der große Wildreichthum der Umgebung des Gehölzes verhalf auch unserer Küche zu manchem Leckerbissen und meiner Sammlung zu schönen Bälgen. Unter Anderem gewann ich einen prächtigen Uhu, einen Hühnergeier, zwei Falken, eine Zwergeule, einen Wiedehopf, kleinere Spechte u.s.w.

Mein Enthusiasmus wurde indeß plötzlich abgekühlt, als der Farmer mich plötzlich mit seiner unmelodischen und schnarrenden Stimme zur Rede stellte. Es war ein vollbärtiger Boer, der grimmigen Blickes mich und meinen Gefährten F. frug, wo wir »del manier« gelernt hätten, »Finks, Falke, Eule und mar all det Vogels dot to skeuten« ohne daß man erst »will Mynheer permittiere« angesucht hätte. Die Entrüstung des Farmers hatte sich jedoch bald gelegt, als er erfuhr, daß ich ein Doctor sei, denn ein solcher ist dem holländischen Farmer stets ein willkommener Gast; ja er wurde später sogar noch so liebenswürdig, uns für einen Shilling eine reichliche Quantität frischer Milch zu überlassen.

Am folgenden Tage verließ ich das Gehölz und zog weiter nach Osten. Die Strecke von diesem Gehölze bis zum Estherspruit ist durch außerordentlichen Wildreichthum ausgezeichnet. Ich zählte zu beiden Seiten des Weges nicht weniger als zwanzig Antilopenheerden (Springböcke und Bläßböcke). Zahlreiche Aasgeier hatten sich in geringer Entfernung unseres Weges über einen angeschossenen Bläßbock zum Fraße niedergelassen; daß es an solchen Gelegenheiten auf dieser weitläufigen Ebene nicht fehle, bewies uns ihre große Zahl.

Wir kamen nach einiger Zeit zu einem nach Süden sich hinziehenden grabenartigen Spruit, an welchem aus dem Dickicht eines kleinen Mimosengehölzes in der Ferne ein weißgetünchtes Farmhaus uns entgegenschimmerte. Hier wohnte ein Holländer, Namens Rensburg, ein freundlicher, ältlicher Mann, den wir später kennen lernten.

Am Ufer der Spruit machten wir Halt. Während wir uns beim Mittagsmahle gütlich thaten, näherte sich uns ein eigenthümliches Gespann, das unsere Aufmerksamkeit für einige Zeit gänzlich in Anspruch nahm. Zwei bewaffnete Betschuana's escortirten ein Doppelgespann von Ochsen, welche eine aus Mimosenholz verfertigte schlittenartige, mit Aesten überdeckte Gabel schleppten, auf welcher ein frisch erlegter Gnu-Stier lag. Es war ein schwarzes Gnu, welches von den Eingebornen, die es erlegt hatten, ihrem Brodherrn überbracht wurde. Rensburg hielt sich mehrere Eingeborne, die mit ihren Familien in der Nähe seines Wohngebäudes in Hütten wohnten. Die Frauen halfen in der Haushaltung des Farmers, die dunklen Männer aber jagten für ihn. Diesen Stier hatte einer der Männer im Morgengrauen, nachdem er die ganze Nacht hindurch hinter einem kaum 2 Fuß hohen Termitenbau gelauert, aus unmittelbarer Nähe erlegt. Da das Fell des Thieres nicht bedeutend verletzt war, gab ich ihnen den Auftrag, ihren »Bas« von mir grüßen zu lassen und ihn zu bitten, mir das Gnufell zu überlassen, um es für meine Sammlungen präpariren zu können. Sie versprachen es und zogen ab. Nach einiger Zeit kehrten die Männer mit der Botschaft zurück, der Farmer überlasse mir das Fell um den Preis von 5 Shillingen, ein Vorschlag, auf den ich bereitwillig einging.

Der Besuch eines Boers, der, in entgegensetzter Richtung reisend, in der Nähe unseres Wagens Siesta hielt, verzögerte unsere Abreise und es war bereits ziemlich dunkel, als wir Estherspruit verließen.

Die Dunkelheit machte allen Jagdversuchen ein Ende, ich wurde indessen durch den Fund eines Exemplares der Ringhalsschlange von seltener Schönheit reichlich entschädigt. So oft mich später Farmersleute besuchten, zeigten sie einen unverkennbaren Schrecken beim Anblicke dieses schwarzen giftigen Reptils.

Die Straße, deren guter Zustand mich vor dem Estherspruit überrascht hatte, nahm bald ein Ende, wir waren plötzlich auf eine morastige Ebene gerathen. Alle Mühe und Anstrengung, unseren Wagenkoloß aus dem sumpfigen Boden herauszubringen, waren vergeblich, und so mußte ich denn, wenn auch mit Widerwillen, an dieser gesundheitsschädlichen Stelle den Morgen abwarten.

Nach Mitternacht wurde es heller, so hell, daß wir die ungemein dreist gewordenen Schakale in unserer unmittelbaren Nähe sehen konnten. So gerne ich die freche Zudringlichkeit dieser argen Kläffer gezüchtigt und mich in den Besitz einiger schöner Schabrackenfelle gesetzt hätte, stand ich davon ab, da mir der Farmer am Estherspruit hievon abgerathen hatte, und durch die Schüsse das Wild verscheucht worden wäre.

Am folgenden Morgen ging es weiter; schon nach 200 Schritten kamen wir zum Klipspruit, einem kleinen, damals fließenden, doch bald nach der Regenzeit bis auf einige Tümpel austrocknenden Flüßchen, welches nach heftigen Regengüssen zu einem 50-100 Schritte sich ausbreitenden Strom anschwillt. Wir überschritten es und schlugen auf einige Tage am gegenüberliegenden Ufer unser Lager auf.

Es war ein herrlicher, des Waidmann's Herz entzückender Anblick, als der anbrechende Tag uns einen Ausblick in die Ferne nach allen Richtungen hin vergönnte. Wohin wir auch das Auge wenden mochten, überall erfreute uns der Anblick kleinerer und größerer Gazellen- und Gnuheerden, die nächsten etwa 400 Schritte vor uns, und manche wieder nur als dunkle Punkte am Horizonte, der nach Westen, Süden und Osten unbegrenzten Ebene erkennbar. Während die Springböcke gruppenweise grasten, hielten sich die Bläßböcke in langen Ketten hinter- oder neben einander grasend. Von mehreren Seiten klang der langgezogene Ton des Trappengeschreies zu uns herüber; jedes Plätzchen um uns athmete Leben. Als ich an jenem Morgen des 23. März 1873 die mir unvergeßliche Rundschau von meinem Wagen aus hielt, da kam es mir in den Sinn, mir einen größeren Landbesitz in diesen Gegenden zu wünschen, der umzäunt, dem von allen Seiten verfolgten Wilde als Hort dienen könnte; doch leider, dieser Wunsch wird sich wohl nie erfüllen! Nicht das Klima, der beschränkte Raum in den zoologischen Gärten ist einer der Hauptgründe, daß so viele Thiere der Gefangenschaft erliegen. Jene wandernden Menagerien werden mit der Zeit aufhören müssen, je mehr stabile entstehen, die sich rasch mehren, denn der notorischen Thierquälerei der ersteren, dem sogenannten Gefängnißsystem, muß einmal die sich mehr und mehr entwickelnde Veredelung des menschlichen Geistes ein Veto gebieten.

Am Klipspruit wollte ich einen mehrtägigen Aufenthalt nehmen, nicht um eine Razzia unter dem Wilde zu halten, sondern, wenn möglich, zu beobachten und von den hervorragenden Wildspecies je ein Fell für meine Sammlung zu gewinnen. Leider war der Zufall selbst diesem bescheidenen Wunsche nicht hold und heute bin ich zufrieden, daß es so geschah. Wir blieben bis zum 27. März. Den ersten Tag beschäftigten wir uns mit dem Präpariren des erkauften Gnufelles—eine mühevolle Arbeit. Am zweiten verfolgten wir den Lauf des Spruit, der sich grubenartig durch die Ebene wand und nur stellenweise in Tümpeln Wasser aufwies, um ein geeignetes Versteck in seinem Bette zu finden und das Wild aufscheuchen zu können.

Mehrere Wägen, die Transvaal-Farmern angehörten, welche mit Getreide theils nach den Diamantenfeldern zogen, theils von daselbst kamen, und die uns begegneten, hatten bis drei Stück Wild unter und an dem Wagen befestigt. Das Wild ließ denselben oft bis auf 300 Schritte Nähe vorüberfahren, was dann von den vortrefflichen holländischen Schützen benützt wurde, um auf der anderen Seite vom Wagen zu springen, sich in's nahe Gras zu werfen und auf die arglosen Thiere anzuschlagen. Von je drei Schützen traf in der Regel einer tödtlich und so bot man uns Springbockgazellen mit Fleisch und Haar für 1 Shilling bis 1 Shilling 6 Pence, Bläßböcke für 2-3 Shillinge und Gnus für 7-8 Shillinge an. Ich erstand zwei der ersteren Thiere.

[Von schwarzen Gnu's überrascht.]

Doch weder mir noch meinen weißen Gefährten war Waidmannsglück jetzt hold; schon waren drei Tage resultatlos verflossen, den letzten Tag (27. März) beschloß ich noch einmal, mein Glück zu versuchen, und unternahm einen Ausflug, am Spruit abwärts.

Auf meinen an den früheren Tagen nach dieser Richtung hin unternommenen Ausflügen war mir eine Stelle in dem etwas verbreiterten Flußbette aufgefallen, die von dem Wilde als Tränkstelle benutzt zu sein schien. Neben ihr führte quer durch das sonst trockene Bett ein zu beiden Seiten von einem Tümpel (der Tränkstelle) umsäumter Pfad, den das Wild und namentlich nach den Spuren zu urtheilen, Gnu's zum Ueberschreiten des Bettes zu wählen schienen. Ich hielt es für das Beste, an diesem Pfade im Anstand zu liegen und das Herannahen des Wildes zu erwarten.

Ich verließ den Wagen nach Sonnenaufgang und legte kriechend die etwa zwei englische Meilen entfernte Strecke zurück. Es mochte jedoch schon 11 Uhr gewesen sein, bevor ich es zu Stande gebracht, denn stellenweise war das eigentliche Bett sehr seicht und ein sich in demselben vorwärts bewegender Mensch konnte leicht vom Wilde von der Ebene aus beobachtet werden. Der Pfad war eng, zu einer Seite Tümpel mit Schilf umsäumt. Der Fluß war, wie ich schon erwähnt, ziemlich breiter, flacher und seichter, als es sonst am Laufe des Klipspruit zu beobachten war. Ich mochte eine Stunde an dem Pfade gelegen haben, die Sonne brannte heiß und machte mir meine Lage recht unbequem, als von Nordosten her in weiter Entfernung einige Schüsse fielen; theilweise durch einen Grasbusch gedeckt, lugte ich nach Osten zu aus, sah jedoch nichts, außer mehreren ruhig grasenden Heerden von Springböcken, Bläßböcken und Gnu's. Von den letzteren fiel mir die eine dadurch auf, daß die Thiere, eines hinter dem andern trottend, eine bestimmte Richtung, und zwar gerade nach mir zu, eingeschlagen zu haben schienen. Ich wandte mich deshalb auch gegen dieses Ufer und machte mein Gewehr schußbereit. Da jedoch die Gnu's noch weit entfernt waren und sich langsam vorwärtsbewegten, kehrte ich meinen Kopf nach der entgegengesetzten Seite, wohin ich zuvor ausgelugt, und staunte nicht wenig, eine zahlreiche Bläßbockheerde im schnellen Laufe aus derselben Richtung, aus welcher die Schüsse gefallen waren, herannahen zu sehen. Die Thiere waren mir näher als die langsam schreitenden Gnu's, und da sie dieselbe Richtung, d.h. nach dem Pfade eingeschlagen zu haben schienen, wurde ich den letzteren untreu, kroch, mich flach auf den Boden legend, bis zur Mitte des Bettes; bis zum gegenüberliegenden flachen Rande zu gelangen war mir keine Zeit mehr geblieben.

Nach einigen Sekunden erhebe ich ein wenig den Kopf, die Thiere mußten nun schon in unmittelbarer Nähe sein. Doch welche Enttäuschung! Die Bläßböcke mußten mich bemerkt haben, denn etwa 200 Schritte vor mir hatten sie sich zur Flucht gewendet. Die letzten Thiere der Heerde waren eine Gais und ein kleines Böcklein, das lebend zu erlangen, mein lebhaftester Wunsch war; ich wollte es daher versuchen, die Gais zu verwunden und mich dann des Böckleins zu bemächtigen. In den rechten Lauf geschossen, bäumte die Gais auf, hinkte anfangs, allein bald war sie wieder in vollem Lauf, unmittelbar von dem Böcklein gefolgt und hatte die enteilende Heerde eingeholt.

Ich kroch nach meiner früheren Stelle zu, an den westlichen Rand, bückte mich nieder, um rasch noch einmal laden und einen der schönen Böcke erlegen zu können. Ich führte eben die Kugel ein, als ich über mir ein Pusten und Fauchen vernahm. Aufblickend, erschrak ich wie selten zuvor. Ohne mich zu bemerken, war die von mir beobachtete Gnuheerde im vollen Laufe nach dem Durchgangspfade herangeraunt gekommen, die bemähnten Köpfe tiefgesenkt, den weißen Schwanz hochgehoben, kamen sie wie ein Sturmwind herangebraust. Noch einige Momente und ich lag unter ihren Hufen. Da ich mich nach der näheren Bekanntschaft mit ihren Hörnern und spitzen Hufen durchaus nicht sehnte, sprang ich rasch auf, um mit lautem Geschrei und durch das Abfeuern des Gewehres, die Thiere zu erschrecken, zum Stillstand, wo möglich zur Rückkehr zu zwingen.

Gesagt, gethan. Aufspringend und das Gewehr schwingend schrie ich laut auf. Da stutzten die Thiere. Die struppigen Köpfe richteten sich auf mich—ein Schuß und der vorderste Stier wandte sich, den Kopf tiefgesenkt und laut aufbrüllend, zweimal im Kreise herum, dann nach rechts, gefolgt von der Heerde, nach etwa 10 Schritten drehte er sich wieder um, beschrieb einen Kreis, abermals von der ganzen Heerde gefolgt, und dieses Manier von Zeit zu Zeit wiederholend, entfernte sich die Heerde mit hochgehobenen Schwänzen und laut brummend.

Bevor jedoch die Thiere zum zweiten Male sich im Kreise gewendet hatten, sandte ich ihnen eine wohlgezielte Kugel nach, mir ein halberwachsenes Thier der Heerde auswählend. Trotzdem, daß ich das Geschoß einschlagen hörte, schien sich das Thier, ohne Schaden gelitten zu haben, zu entfernen. Da ich meines Schusses auf's Blatt, wie ich glaubte, sicher war, folgte ich den Thieren im Schweiße meines Angesichts in der brennenden Sonne etwa vier englische Meilen nach—doch vergebens; das Thier blieb wohl das letzte in der Heerde, allein die Entfernung zwischen mir und den Thieren wurde immer größer, auch war ich derart ermüdet, daß ich endlich die Verfolgung aufgeben und enttäuscht zum Wagen zurückkehren mußte.

Nachdem ich mich etwas gestärkt, machte ich mich mit Gert auf, um der Spur des angeschossenen Gnu zu folgen; es war nicht schwer, sie zu finden, wir folgten der Spur der Heerde von der Stelle, die ich bei dem Anpralle der Gnu's innehatte und wohl bis zwei Meilen weiter als ich früher die Verfolgung aufgegeben—es waren im Ganzen fünf Stunden seit dieser Zeit verflossen—fanden wir, schon halb abgenagt, den Cadaver eines jungen Gnu-Stieres, den wir den zahlreich versammelten Geiern als Beute überlassen mußten. Ich wurde jedoch durch diesen Mißerfolg so verstimmt, daß ich am selben Tage das Lager abbrach und unsere Reise nach dem Innern der Transvaal-Republik fortsetzte.

Als Ziel meiner Reise hatte ich mir die am oberen Moi-River gelegenen Wonderfonteiner Felsenhöhlen gewählt, von wo ich den Rückweg nach den Diamantenfeldern anzutreten gedachte. Als wissenschaftliche Ausbeute brachte mir der Aufenthalt am Klipspruit einen hübschen jungen Wasserleguan, einige Fischottern, Insecten, Skolopender und Pflanzen, namentlich Gramineen, und einige Grünsteinvarietäten ein.—Wir fuhren spät in die Nacht hinein und hielten an einer Ebene etwa vier Meilen nordöstlich von der Klipspruit-Furth an. Die Nacht war schön, ziemlich hell und während wir beim Abendfeuer sitzend unsere Erlebnisse an den Ufern des genannten Spruit besprachen, hörten wir wiederholt in einer mäßige Entfernung das Brummen der Gnu-Stiere, manchmal auch einen dumpfen Schlag, der sich dann einige Male wiederholte, ein Schall, der von den Anpralle der übermüthigen, sich mit ihren breiten Hörnern anrennenden Thiere herrührte. Das am Abende von allen Seiten beginnende, dann sich von Mitternacht an bis gegen Morgen wiederholende Schakalgebell und jenes langgezogene häßliche Hyänengeschrei zeigten, daß die wildreichen Gegenden auch zahlreiche hundeartige Raubthiere beherbergten.

Auch die Reise am 27. März führte uns durch wildreiche Gegenden, nur daß jetzt die Senken, in denen sich die Spruits wanden, tiefer wurden und stellenweise mit Buschwerk bestanden waren. Manche der letzteren beherbergten die von der südlichen Meeresküste bis über den Zambesi hinaus verbreiteten Perlhühner.

Dieser wild lebende Hühnervogel gehört unstreitig zu den interessantesten Erscheinungen der afrikanischen Vogelwelt und da er in den bewaldeten Gegenden ziemlich häufig vorkommt, mehrt er sich rasch, trotzdem er vielfach gejagt wird. Der liebste Aufenthalt des Vogels, der in Ketten zu 10-40 Stück haust, sind bebuschte und bewaldete Gegenden in der Nähe von Flüssen oder nie versiegenden stehenden Gewässern. Von unserem Perlhuhn unterscheidet er sich namentlich durch seinen hornartigen Auswuchs auf der Stirn. Ich will vorläufig nur der Jagdweise Erwähnung thun, die ihn uns bekannt machte.

Am Vaal-, Hart-River und den anderen Nebenflüssen des ersteren jagt man diese Vögel mit dem besten Erfolge 1½-2 Stunden vor Sonnenuntergang, zur Zeit wo die Thiere von der Weide aus der hie und da bebuschten Ebene, in anderen Gegenden aus den Büschen und Wäldern zur Tränke eilen, woselbst sie dann gewöhnlich auf den höheren Uferbäumen übernachten. Es läßt sich fast mit Sicherheit die Tränkstunde auf 4 Uhr Nachmittags für alle Jahreszeiten feststellen. Gewöhnlich wählen die Thiere einen und denselben Pfad; hat man sich nahe an diesem Pfade versteckt und blickt man etwa um ½ 4 Uhr von dem Gewässer landeinwärts, so wird man, wenn es die Witterung gestattet, eine Staubwolke sich herannahen sehen, einige Minuten später vernimmt man die ersten Gackerlaute, ohne die Vögel selbst noch zu erblicken. Die Staubwolke wird dadurch erzeugt, daß die zur Tränke eilenden Thiere noch auf ihrem Wege unausgesetzt im Sand oder Thonboden nach Insecten und Samen scharren. In dichtem Grase erleichtern die übrigen Vögel den Hühnern die Arbeit dadurch, daß sie alle zeitweilig ihr Köpfchen erheben und für einige Sekunden Rundschau halten; ist das Gras 3 und über 3 Fuß hoch, so beobachtete ich, daß die Führer 10-15 Schritte weit voraus eilten und von Zeit zu Zeit aufflogen, richtiger gesagt aufsprangen, um sich umsehen zu können. Hatten sie etwas Verdächtiges gesehen, oder näherte sich ein Mensch oder ein Raubthier von vorne her, so ergriffen sie mit lautem Gackern die Flucht, und leisteten darin wahrhaft Unglaubliches. Ich kenne wenig Vögel, welche so schnell laufen können; es geht so rasch im Wildpfade vorwärts, daß der mit den Gewohnheiten dieser Thiere wenig vertraute Jäger sie während des ganzen Tages nicht mehr zu Gesicht bekommt. Kennt man jedoch ihre schnelle Flucht und sendet man ihnen Hunde nach, oder hat man sich versteckt gehalten und tritt man plötzlich ihnen entgegen, so fliegen sie auf und da sie einen schweren Flug haben, so ist es für einen halbwegs guten Schützen leicht, mit jedem Schusse eines der Thiere herunterzuholen. Von den Eingebornen droht ihnen, wie auch dem übrigen Wildgeflügel, keine große Gefahr. Ich beobachtete, daß blos die Koranna's den Vögeln einigermaßen nachzustellen pflegten, sie mit Hilfe ihrer Hunde aufstöberten und dann—ohne Schrot—mit den harten Körnern des »Blue-bushes« (eine eßbare kleine Frucht) niederschossen.

Am Nachmittage des 27. März gelangten wir zum Matheusspruit. Trotz der regenreichen Jahreszeit war der Spruit ziemlich ausgetrocknet und neben dem Wege ein kleiner Damm quer über sein Bett errichtet und dadurch ein Teich gebildet. An einem nahen Abhange breitete sich ein dichtes Gebüsch aus, in dem einige verarmte Boers-Familien wohnten, welche über die Vorüberreisenden wie Raubvögel herfielen und sie in folgender schlauer Weise auszubeuten suchten.

Zog ein Boer aus dem Transvaal-Gebiete nach den Diamantenfeldern, um seine Producte auf den Markt zu bringen, oder kehrte er zurück, oder waren es—damals begann schon die Auswanderung—Unzufriedene aus den Diamantenfeldern, welche die Leydenburger Goldfelder aufzusuchen im Begriffe waren, so kamen wie zufällig einer oder zwei dieser Boer's aus dem Gebüsche heraus und auf den Wagen zu, knüpften ein Gespräch an, und gaben sich den Anschein, in Tauschhandel treten zu wollen, worauf sie dann auf die gute Weide und auf das schöne Dammwasser hinzuweisen nicht vergaßen und zum »Utspannen« (ausspannen) einluden; half dies nichts, so wußten sie die Wasserarmuth der nächsten Strecke bis Klerksdorp in den düstersten Farben zu schildern. Gaben die Reisenden nach, so waren sie bald darauf von drei und mehreren Ohmen, ihren Frauen und einem Rudel schmutziger Kinder umringt und ihre Vorräthe gebrandschatzt. Auch ich ging ahnungslos in die Falle.

Als wir ausgespannt hatten, fanden sich nicht weniger als 17 Köpfe an meinem Wagen ein. Zuerst wurde um Tabak gebettelt, leider willfahrte ich ihrem Ansuchen und so kam dann rasch Zucker, Kaffee, Thee, Blei, Schießpulver etc. an die Reihe. Bevor wir noch abzogen, wurden wir noch daran gemahnt, daß für das Tränken unserer Thiere am Teiche ein Shilling zu bezahlen sei. Kaum war dies geschehen, da kam der ganze Troß zum zweiten Male wieder und zwar um sich ärztlichen Rath von mir einzuholen, nachdem sie zuvor im Laufe des Gesprächs erfahren hatten, daß ich ein Arzt sei. Da hatte einer kranke Augen, jenem that der Kopf weh u.s.w. Ich hörte sie an, ertheilte den ärztlichen Rath während wir einspannten, und pries den Augenblick glücklich, als Gert, der »Wagentriber«, ohne sich um die uns Umlagernden zu kümmern, mit einem lauten »Fatt mer« (fasset nun, ziehet an) das Gespann in Bewegung setzte.

Vom Mattheusspruit gegen den Estherspruit war der Zustand des Fahrweges ein wahrhaft erbärmlicher. Theils führte er über felsigen Grund, theils durch derart aufgeweichten Boden, daß wir alle Augenblicke stecken blieben. Am 29. März erreichten wir den Estherspruit, ruhten hier in der Nähe einer gastlichen Farm etwas aus und erreichten am Abend desselben Tages den Jagdspruit. Die landschaftliche Szenerie vom Mattheusspruit (auch Matjesspruit genannt) bis hieher glich anfangs jener vom Maqwasi-River bis zu diesem Spruit, rechts und links von uns meilenweite Grasebenen, im Norden von den Maqwasihöhen, im Süden vom Vaalflusse begrenzt, von dem wir uns jedoch nach und nach so weit entfernt hatten, daß wir sein eigentliches Thal nicht mehr wahrnehmen konnten. Gegen den Jagd- (der Holländer spricht »Jach-«) Spruit zu änderte sich die Scenerie insofern, als die Höhen zur Linken näher Herantraten, sich sogar zwischen diesem Spruit und Klerksdorp (Klerksdorf) quer über den Weg nach dem Vaal-River ziehen und bei Klerksdorp einige interessante Höhengruppen bilden.

Der folgende Morgen war schön und warm. Die aufgehende Sonne beleuchtete die Ostabhänge der felsigen Klerksdorper Höhen, welche theilweise kahl, theilweise mit Büschen überwachsen, die einen kegel- oder brodlaibförmig am Ufer des Schoenspruit isolirt, die anderen zu Hügelketten mit scharfen Felsenkämmen gruppirt sind. Zwischen uns und diesen Höhen breitete sich eine mäßige Niederung, ein etwa zwei Meilen breites offenes Thal aus, welches einige Meilen nach abwärts in das enge Thal des Schoenspruit einzumünden schien. Jenseits einer quer über den Weg sich hinziehenden Felsenkette sollte Klerksdorp, die älteste Niederlassung in der Transvaal-Provinz, liegen. Der angenehme schöne Morgen lud mich zu einem Spaziergange auf der Ebene ein, wobei mich unwillkürlich die artenreichen Kinder Flora's zum Botanisiren aufforderten.

Schon am Wege fand ich mehrere sammelnswerth, unter diesen eine in Unmasse, förmlich als Unkraut wachsende Cinna mit dunkelziegelrothen oder rosafarbigen Blüthen; sie bildet dichte, doch kleine, 12-40 Zentimeter hohe, meist zwei- doch auch hie und da mehrblüthige Stöcke.

In einem nahen Gebüsche zur Linken fand ich reichliche Ausbeute an kleinen Prachtkäfern (Buprestidae), Blattkäfern (Chrysomelidae) und mittelgroßen Bockkäfern (Capricornia), auch an zahlreichen großen, gelb- und schwarzgescheckten Spinnen, welche große, unseren Kreuzspinnen ähnliche Gewebe zwischen den Bäumchen und Büschen ausgespannt hatten. Zwei Deukergazellen sprangen durch den Eindringling erschreckt auf, und verschwanden ebenso rasch in dem Dickicht.

Von diesem kleinen Morgenausfluge zurückgekehrt, machte mich Freund E. auf einen großen Vogel aufmerksam, der auf unseren Wagen loszulaufen schien. Es war eine große Trappe; ich legte an, ziele nach dem Halse, der Schuß kracht und der Vogel stürzt zur Erde. Es war ein prächtiges Thier, und zwar eines der größten seiner Art. Kaum 30 Fuß von der Rohrmündung entfernt, hatte sie den ganzen Schuß in die vordere Brusthöhle bekommen, so zwar, daß der Balg für meine Sammlung ganz unbrauchbar war, hingegen war das Fleisch eine werthvolle Acquisition für die Küche. Außer einem noch größeren Trappenpärchen derselben Art, welches ich auf der dritten Reise am linken Limpopo-Ufer beobachtete, sah ich nie wieder ein so großes Exemplar in Süd-Afrika.

Einen Gebirgssattel übersetzend kamen wir in das eigentliche Thal des Schoenspruit, den man füglich River nennen könnte, weil er in gewöhnlichen Jahren meist fortwährend fließt, nur in sehr trockenen den Charakter eines Spruit zeigt. Im Allgemeinen gehört dieses Flußthal zu den interessanteren Thälern des südafrikanischen Hochplateau's und auch zu einem der fruchtbarsten und bestbebauten. Im Thale des Schoenspruit reiht sich Farm an Farm; prachtvolle Weideplätze für das Hornvieh, längs den Höhen und den Abhängen zum Flusse, erhöhen noch den Werth des Landbesitzes am Schoenspruit und im Moi-Riverthale. Bei Entfaltung einiger Energie und einer rationellen Bearbeitung des Bodens könnte leicht das Zehnfache des gegenwärtigen Ertrages an Cerealien erzielt werden.

Klerksdorp oder Klerksdorf bestand im Jahre 1873 aus einer Hauptstraße, in der ich, wenn ich nicht irre, 25 Häuser zählte; seitdem hat es sich vergrößert und verspricht unstreitig neben Potschefstroom die bedeutendste Stadt des südwestlichen Transvaal-Gebietes zu werden. An jedem Hause fand ich einen Garten mit Obstbäumen, namentlich Pfirsichen, Orangen etc. und die Zäune aus Quitten und Granatbäumchen gebildet. Jener Theil des Schoen-Riverthales, in dem Klerksdorp erbaut ist, gehört überdies zu den günstigsten, namentlich in Bezug auf Wasserfülle des Flusses. Das Thal ist bei Klerksdorp von beiderseits aufzeigenden Höhen eingeengt, und durch einen isolirt stehenden Höhenzug flußaufwärts nach dieser Seite hin ziemlich geschützt.

Da wir mit dem Ueberschreiten des Schoenspruit eine andere Bodenformation betreten, welche sich bis Wonderfontein im centralen Transvaal-Gebiete verfolgen läßt, so will ich noch mit wenigen Worten der geologischen Struktur der Strecke vom Bamboesspruit bis zum Schoenspruit gedenken. Die Hauptmasse des sichtbaren Gesteins auf der Ebene bilden in Bezug auf Farbe, Consistenz und die schon in den Gegenden weiter vaalabwärts beobachteten mandelartigen Einschlüsse, verschiedene Varietäten des Grünsteins. An manchen Stellen finden wir ihn sehr hart und fest, riesige Platten bildend, an anderen ist er bröcklich und dann zeigt die Oberfläche viele quarz- (Milch- und Rosenquarz) und chalcedonartige Einschlüsse. Hie und da finden wir Thonschiefer, an andere eisenhaltige Schiefergeschiebe aufgelagert und manche der die Wildebene umsäumenden Höhen werden von Porphyr gebildet.

Ich durchstreifte die nächste Umgebung von Klerksdorp und war namentlich mit der Pflanzenausbeute zufrieden. In einigen der brach liegenden Gärten fand ich eine Malvacee, welche in veschiedenen Varietäten vorkommt, deren Verbreitungsbezirk von der südlichen Meeresküste bis über den Zambesi hinaus reicht und schöne, große, schwefelgelbe Blüthen besitzt.

Schon den folgenden Tag nach unserer Ankunft brach ich wieder auf, um meine Reise gegen Potschefstroom, der bevölkertsten Stadt der Transvaal-Republik, fortzusetzen. Auf dieser 34 Meilen langen Strecke überschritt ich drei trockene Spruits, den Kockemoer, den Matchavis und den Bakenspruit, welche gleich den vorhergenannten so ziemlich parallel von Norden nach Süden dem Vaal-River zuströmen. Das Land ist mehr hügelig als jenes zwischen Bloemhof und Klerksdorp; die flacheren wie die tieferen Thäler scheinen sehr fruchtbar zu sein. Zwischen Klerksdorp und den Kockemoerspruit überschritten wir eine stellenweise morastige Hochebene, welche unserem raschen Vorwärtskommen Schwierigkeiten bereitete. Zwei tief in den Modder (Morast) eingefahrene Wägen mahnten uns zu größter Vorsicht. An manchen Stellen mußten wir den Schlamm ausschaufeln, dann Steine in die so erzeugte Mulde werfen, um einen harten Untergrund zu gewinnen und dann rasch mit lautem Peitschengeknall und Geschrei die Zugthiere zum Anspannen ihrer ganzen Kräfte aufmuntern. An anderen Stellen hieß es, die unliebsamen Strecken zu umfahren; dies gelang zuweilen an einer, jedoch fanden wir an anderen den Wiesengrund so aufgeweicht, daß sich die Räder tief einschnitten, als wenn die breiten Eisenbänder mit scharfen Schneiden versehen gewesen wären.

Zur Zeit meines Besuches geschah für die Communicationswege in der Transvaal-Republik fast nichts. In der unmittelbaren Nähe von Potschefstroom fand ich die Wege im schlechtesten Zustande.

Am nächsten Tage führte uns der Weg am Fuße eines höheren Felsenhügels vorüber; die Scenerie der Landschaft auf diesem Punkte war nebst jener bei Klerksdorp die anziehendste auf der Gesammtstrecke meiner ersten Reise. In dem flachen hochbegrasten Thale des Bakenspruit war eine zahlreiche Heerde von grauen Kranichen mit der Heuschreckenjagd beschäftigt, auch einige ruhig zwischen den Vögeln grasende Springbockantilopen fielen uns auf. Nimrod F. versuchte sein Müthchen an den arglos weidenden Thieren zu kühlen, doch wie bisher ohne anderen Erfolg, als ob seiner staunenswerthen Ungeschicklichkeit von uns herzlich ausgelacht zu werden.

An der etwas morastigen Furth fanden wir Tausende von Schwalben, welche sich auf dem nassen Grunde niedergelassen hatten. In höherem Grade als unsere Hausschwalben sind die südafrikanischen Species wahre Menschenfreunde und so zutraulich, daß sie sich nicht nur in den Gängen eines Hauses, die eine stets offene Communication mit Außen verbinden, sondern auch in bewohnten Zimmern, in denen die Fenster durch längere Zeit offen gelassen waren, anzubauen versuchen. Ich habe mehrere derartiger Fälle beobachtet. Die Nester der südafrikanischen Schwalben sind auch kunstvoller als jene der europäischen Hirundo erbaut, indem sie frei an einer horizontalen Decke angeheftet, mit einem bis zwei Fuß langen geraden oder unbedeutend geschlängelten bedeckten Gange versehen sind, so zwar, daß Gang und Nest ein Ganzes darstellen. Die südafrikanischen Schwalben-Arten, sowie die Ziegenmelker- (Caprimulgus) Species sind zahlreicher als die europäischen vertreten, allein ich beobachtete bei keiner der ersteren eine so starke und doch so melodische Stimme, wie sie die europäische Hausschwalbe auszeichnet.

Vom Bakenspruit fuhren wir über eine Felsenstraße und hatten einen Bergsattel zu überschreiten, von dem wir in ein Seitenthal des Moi-Rivers einfuhren, welch' letzteres über der Einmündungsstelle zu einer weiten Ebene sich ausbreitend, zum Aufbaue einer Niederlassung hinreichenden Raum bot, auf dem sich gegenwärtig Potschefstroom oder das neue Moi-Riverdorp erhebt. Die Abhänge, an denen entlang der Felsenweg führte, lohnten reichlich die Mühe des Botanikers und nach den zahlreichen in den Höhen zur Linken, von denen die höchste etwa 4000 Fuß über dem Meere sich erhebt, theils Vieh- und Ziegenheerden hütenden, theils Holz sammelnden Eingebornen dachte ich auf eine Eingebornenstadt in diesen westlichen Potschefstroomhöhen schließen zu müssen. Als ich darüber fragte, theilte man mir mit, daß daselbst eine Stadt der Mohavis, eines Betschuana- (Barolong?) Stammes liege.

Aus dem hochbegrasten Seitenthale in das geräumige, an beiden Ufern in der Entfernung einiger englischen Meilen von Höhenketten und isolirt stehenden Höhenkuppen begrenzte Thal des Moi-Rivers—eines stets fließenden Gewässers—einbiegend, sahen wir Potschefstroom vor uns liegen. Aus der Entfernung erscheint es dem Besucher bedeutend kleiner als es wirklich ist, was sich wohl dadurch erklärt, daß sich die Stadt in einer Ebene ausbreitet, ein Parallelogramm bildet und die Straßen so wie die Gärten an den Häusern mit dichtbelaubten Bäumen bepflanzt sind. Schon zur Zeit meines Besuches im Jahre 1873 war Potschefstroom eine der bedeutendsten Städte Süd-Afrika's, seither hat sie sich noch bedeutend entwickelt und gehoben.

Sie war die Gartenstadt der Republik und wird diesen Rang auch in der Transvaal-Colonie behaupten, so wie sie bis heutigen Tages die bedeutendste Handelsstadt des Landes ist und nur durch den Bau der Delagoa-Middleburg-Bahn von Pretoria überflügelt werden würde. Zur Zeit meines Besuches schätzte ich die Einwohnerzahl auf etwas über 4000 Seelen, welche Zahl sich jedoch höher herausstellt, wenn wir das sogenannte alte Moi-Riverdorp, d.h. die dicht aneinander liegenden, am nördlichen Stadtende beginnenden und flußaufwärts im Thale des Moi-Rivers an beiden Ufern meilenweit sich hinziehenden Farmen in Betracht ziehen. Der Fluß, ziemlich stark strömend und viele dichtbeschilfte Sümpfe bildend, umfließt die Stadt an ihrer östlichen Seite. Sein Wasser ist die meiste Zeit hindurch klar und beherbergt zahlreiche Vaal-Riverfische und Krabben, seine Ufer Fischottern, Wildkatzen und Leguane. Von dem Flusse aus, und auch, wenn ich nicht irre, von den Höhen von Westen her versieht eine Wasserleitung die Gärten der Stadt, sie an ihrer westlichen Seite umfließend, von welchem Hauptstrome kleine Bächlein zu den zahlreichen Häusergruppen geleitet sind.

In der Sommerszeit wuchert in den weniger bewohnten Straßen üppiges Gras, allein selbst in der Trockenzeit gleicht die Stadt, ob der vielen immergrünen, meist ausländischen und hier eingeführten Bäume, Cupressineen, Eucalyptusarten, Epheu etc., welche im Moi-Riverthale sehr gut gedeihen, mit ihren reinlich angetünchten, schmuck aus dem dunklen Grün hervorblickenden, theils flachdachigen, theils begiebelten Häusern, einem Garten, der sich namentlich aus der gelblichen Grundfarbe des ringsum auf dem weiten Thalboden vertrockneten Grases ausdrucksvoll hervorhebt. Sind jedoch—wie es zur Zeit meines ersten und zweiten Besuches (1873 und 1874) der Fall war—die entfernten, mäßig hohen Hügel und die breite Thalebene mit hohem, üppigem Gras bedeckt und haben sich die Ufer des Flusses in zwei, mit weißen, feuerrothen und gelben Blüthen bedeckte Blumenbeete verwandelt, dann ist die wahre Zeit gekommen, wo Potschefstroom, im schönsten Schmucke prangend, den Ehrentitel der Blumenstadt des Transvaal-Gebietes verdient.

Die Straßen sind gerade—die Stadt ist in »Blocks« ausgemessen—mehrere geräumige Plätze, von denen der bedeutendste theilweise als Markt und Auctionsstätte dient, finden sich an der Bereinigung mehrerer Straßen. Unter den Kirchen bietet das englische, epheuumringte Kirchlein ein schönes idyllisches Bild. Sonst finden wir an öffentlichen Gebäuden nicht eines, das über das Niveau der gewöhnlichen, neueren südafrikanischen Städtebauten hervorragen würde. Die Stadt ist der Sitz eines Magistrats, des portugiesischen Consuls, einiger Volksschulen, und treibt regen Handel mit Natal; mehrere Mühlen und Lohgerbereien sind außerhalb der Stadt angelegt. Die Haupt-Ausfuhrartikel sind Mehl, Getreide, Tabak und Schlachtvieh nach den Diamantenfeldern, nach Natal Tabak, Vieh, Häute und Carossen, auch etwas Straußenfedern und gegenwärtig nur wenig Elfenbein. Ein guter Theil der Handelswaren aus Natal, dem Oranje-Freistaat und den Diamantenfeldern hat auf seinem Wege in das Innere des Landes Potschefstroom zu passiren.

Ohne daß die Gebäude der Stadt durch architektonischen Schmuck hervorragen, sind doch sowohl die Geschäftslocale feste, ihren Zwecken vollkommen entsprechende, geräumige Bauten, als auch die Wohngebäude nett und niedlich, viele gleich eleganten Villen eingerichtet. Was speciell oft jedem einzelnen, ja sogar einfachen Häuschen besonderen und der Stadt einen allgemeinen Reiz verleiht, das sind die sie umschließenden Obst- und Gemüsegärten und Gärtchen, sowie die vielen, mit Hunderten und Tausenden, hier hellen, dort dunkelrothen Blüthen geschmückten dichten Rosenhecken und Zäune aus hohem Feigengebüsch oder solche von der in einem schönen, glänzenden, dunklen Blattkleide und mit feuerrothen Blüthen prangenden, späterhin mit faustgroßen Früchten überladenen Granatäpfelstaude gebildet. Ueberall grünt, blüht und duftet es und mehrere Monate hindurch winken reife Früchte an den Hecken, Büschen und Bäumen. Ohne große Mühe können die Gehöftbesitzer ihren jährlichen Bedarf an Grünzeug und Obst ziehen, ohne dabei ihrem Ländchen den Reiz des Blumengartens zu benehmen.

An den meist von stetig fließenden Bächlein durchrieselten Straßengräben stehen riesige, in heißer Sonnenhitze erquickenden Schatten spendende Trauerweiden, welche mit dem lichteren Grün ihrer Blätter und den schwermüthig herabhängenden, dünnen, doch mit dichtem Blattwuchs beladenen Zweigen deutlich und um so anmuthiger von den dunkel nüancirten Kronen der Obstbäume, den noch dunkleren Eucalyptusblättern, den spitz zulaufenden Blättern des Lebensbaumes und dem dunklen Grün der Cypressenbäume abstechen.

Wir hatten nicht weit von den Friedhöfen in unmittelbarer Nähe der Stadt ausgespannt und wechselten uns bei dem Besuche derselben ab, um den Wagen nicht ohne Aufsicht zu lassen. Unsere Ankunft war nicht unbemerkt geblieben, bald hatte sich einer der dunkelfarbigen Konstabler eingestellt, um sich über unsere Absichten und den Inhalt des Wagens zu informiren. Ihn folgte bald der Clerk (Gehilfe) des Marktmeisters, der auch öffentlicher Auctionär war, um nachzusehen, da er eben des Weges vorbeiging, ob der Besitzer des hier ausgespannten Wagens nicht vielleicht Schlachtochsen oder sonst andere Artikel mit sich führe, deren er gerne los werden wolle. »Sein Chef,« meinte er, »wäre a capital Auctionar und er bringe die Sachen, die er verkaufen solle, so gut an den Mann, daß die Leute weit und breit seine Hilfe in Anspruch nahmen.—»Kommt wohl von den Diamantenfeldern und wollt es nun in den Goldfeldern versuchen?« war seine Frage. Die Goldfelder im Leydenburger District fingen im Jahre 1873 an, sich merklich in der öffentlichen Meinung zu heben, im selben Maße, als die Diamantenfelder zu sinken begannen; gegen das Ende des Jahres 1873 und im folgenden Jahre fand ein Massenauszug von den letzteren nach den Goldfeldern statt.

Am Nachmittage bekamen wir neue Besucher, einige Deutsche, von denen einer bei der Polizei angestellt, einer ein Maurer und die anderen Gärtner waren. Freund E. war mit ihnen in der Stadt zusammengetroffen. Sie hatten in jener, in der Mitte der Fünfziger Jahre von der englischen Regierung in Süd-Afrika nach der östlichen Provinz des Caplandes eingeführten »deutschen Legion« gedient, deren Mitglieder unter dem Namen der Legionäre ziemlich bekannt sind. Viele derselben haben sich in den Districten East-London, King-Williams-Town und Queens-Town angesiedelt und leben daselbst als Farmer. Diese waren die ruhigeren Elemente der Legion. Die energischeren traten in Geschäfte als Handlanger, als Storekeeper ein, avancirten zu Klerks (Buchhaltern und Geschäftsführern) und einige haben sich zu wohlhabenden Kaufleuten emporgeschwungen. Eine gute Anzahl, denen das Ansiedlerleben nicht gefiel, und die eine vagirende Lebensweise vorzogen, zerstreuten sich über die Cap-Colonie, Natal, den Freistaat und die Transvaal-Provinz, um hier als Maurer, dort als Zimmerleute etc. zu arbeiten, wobei sie in der Regel den Erlös noch im Orte verjubeln, um dann wieder weiter zu ziehen, eine neue Arbeit aufzunehmen, wochenlang hart und anstrengend bei zurückgezogener Lebensweise zu arbeiten, und kaum, daß sie mit dem Accord fertig geworden und die 20-40 £ St. empfangen haben, diese ebenso wie die frühere Summe in Saus und Braus aufgehen zu lassen. Daß es bei solchen Trinkgelagen oft allzu lustig und lärmend herging und man sich zuweilen auch dabei brutal betrug, ist nicht zu verwundern; so kam es, daß namentlich im Freistaat und in der Transvaal-Provinz die Legionäre, trotzdem sie als gute Arbeiter gepriesen werden, sich sonst keines guten Rufes erfreuen. Wir müssen hier jedoch eine scharfe Grenze zwischen den in der Colonie ansäßigen, Ackerbau oder Geschäfte betreibenden und den herumwandernden Legionären ziehen.

[Nachtlager.]

Einige mit ihren Wägen vorüberziehende Boers blieben kurze Zeit an unserem Wagen stehen, um der althergebrachten Sitte gemäß uns Weißen die Hand zu schütteln und mit einfachen Worten nach dem Ziele unserer Reise zu fragen. »Uns chat nach Wonderfontein to um det wonderljike chate to kiek« (Wir gehen nach Wonderfontein um die wunderlichen Höhlen zu sehen) war die Antwort in unserem gebrochenen Holländisch. Die sich Verabschiedenden meinten, die Erdhöhlen wären es werth, besichtigt zu werden. Je mehr ich von diesen Wonderfonteiner Felsenhöhlen hörte, desto begieriger war ich, sie zu sehen, und um so größer meine Enttäuschung, als ich sie später sah.

Bevor ich mich auf diese erste Versuchsreise begab, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß sich in Potschefstroom ein Herr dem Insectenstudium widme und der portugiesische Consul, Herr Foßmann, sein Möglichstes zu der geologischen Erforschung des südlichen Transvaal-Gebietes beitrage, ich solle sie gewiß besuchen. Doch ich hatte mich auf diese erste Reise so einfach ausgerüstet, daß ich mich nicht im Stande fühlte Staatsvisiten zu machen. Und so hieß es, nachdem wir uns mit Proviant versorgt, der Stadt Valet zu sagen.

Wir brachen Abends auf und schlugen eine ostnordöstliche Richtung nach dem Moi-River zu ein. Es war ein hartes Stück Arbeit, um—nachdem wir die Stadt durchfahren—die kurze, blos einige hundert Schritte lange vom Nordende der Stadt bis zu der damals noch sehr primitiven Moibrücke reichende Strecke zurückzulegen. Obwohl die Stelle ziemlich breit, war sie doch durch die Feuchtigkeit des Bodens und in Folge der letzten Regen sowie durch die Sorglosigkeit der Bürger von Potschefstroom in einen einzigen, stellenweise bis 1½ Fuß tiefen Morast verwandelt worden. Mit geringen Unterbrechungen hatten wir die nächsten Stunden hindurch mit immer wiederkehrenden Passage-Schwierigkeiten zu kämpfen; die Erschöpfung der Thiere zwang mich endlich, an einer keineswegs einladenden, sumpfigen Stelle Rast zu halten.

Der nächste Morgen führte uns durch ein breites, nach mehreren Seiten hin offenes Thal, in dem eine aus mehreren Häusern bestehende und in gutem Zustande gehaltene, von Aeckern und Gärten umgebene Farm lag. Wir erstanden hier einige Kürbisse und fuhren weiter nach Osten, gelangten auch bald auf eine Hochebene, die gegen Süden von einer theilweise von Bäumen bedeckten Höhenkette umsäumt, nach Osten, Norden und Nordwest einen freien Einblick in das Moi-Riverthal mit seinen zahlreichen Farmen und den sie umgebenden dunklen Gärten gestattete. Es war einer der herrlichsten Anblicke die ich genoß, in weiter Ferm zeigten sich einzelne Höhen und Höhenrücken, der Abfall des Blue-Bank-Hochplateaus und am fernen Nord-Horizonte die Umrisse der Magalies-Berge.

Auf der Hochebene, nach der wir unseren Weg nahmen, fielen mir trichterförmige, von Weitem schon durch dichten Baumwuchs auf den Grasebenen gekennzeichnete 25-60 Fuß tiefe Bodenvertiefungen auf. Ich fand später, daß solche Bodentrichter im Transvaal-Gebiete in manchen Strichen zwischen dem Hart-River und dem Molapo und zwischen dem unteren Molapo und dem Vaal-River, im Barolong- und Batlapinen-Gebiete und im Bereiche von Griqualand-West (im westlichen Theile der Division of Hay) ziemlich zahlreich verbreitet sind und ein Charakteristicum des Riesenbettes eines oberflächlich liegenden, seltener in dünnen Lagen aufliegenden, oft jedoch mächtig bis Hunderte von Fuß tief in die Erde eingreifenden, stellenweise von Sand und weißen, schäligem Kalksteinen, an anderen Punkten von Granitblöcken und Schieferlagen überdeckten Kalksteins bilden. Sie sind die weiten Oeffnungen von mehreren sich vereinigenden, den Felsen in der Tiefe spaltenden Rissen. Dieses Riesenbett des Kalksteins, welches deutliche, oft prachtvolle, wellenartige Lagerung und Schichtung besitzt, zeigt meist von außen den Einfluß der Einwirkung des Wassers und ist in seiner Hunderte von Meilen Fläche bedeckenden Masse geborsten und gesprengt, doch mußte das Gestein ob seiner Härte und Massen-Ausdehnung den Erdrevolutionen einen großen Widerstand entgegengesetzt haben, so daß 90 Percent der geborstenen Theile, mit Ausnahme der entstandenen Klüftungen und der daraus erfolgten verhältnißmäßig geringen Verschiebungen, keine nennenswerten Umwälzungen erlitten haben.

Diese unterirdischen Risse und meilenlangen Spalten dienen unterirdischen Gewässern zum Abfluß, welche sich dann in kleinen Spalten an den Abhängen tiefer, steiler Thäler, wie am oberen Molapo, nach außen Bahn brechen. Ein Theil des Moi-Rivers fließt in dieser Weise unter der Erde fort, ja er verschwindet theilweise an manchen Stellen ganz und kommt weiter thalabwärts wieder zum Vorschein. Diese Spalten vereinigen sich und an diesen Vereinigungsstellen finden sich dann jene auch schon erwähnten (in tieferen und höheren Partien des Hochplateaus liegenden) nach oben trichterförmig sich erweiternden Oeffnungen, welche an ihrer oberen Mündung einen Umfang von 24-180, selbst bis zu 240 Meter erreichen. Sie erscheinen rundlich, weil die Wand oft mit Geröll und Erde bedeckt ist, doch bei näherer Untersuchung zeigen sie sich viereckig, die Mehrzahl jedoch dreieckig. Manche dieser Felsentrichter besitzen kahle Felsenwände, selten sind dieselben steil, häufiger mit Geröll überlagert oder durch Felsenblöcke gebildet; meist sind diese Blöcke mit Erde bedeckt, oder die Fugen und die Zwischenräume damit ausgefüllt, so daß diese von einer ziemlich üppigen Vegetation, namentlich aber Bäumen und Sträuchern überwuchert werden und da die höheren Bäume dann über diese Vertiefungen auf der begrasten, wenig oder gar nicht bebuschten Ebene hervorragen, weithin erkennbar sind.

[Felsentrichter.]

Da wo die am Boden solcher Felsentrichter sich vereinigenden oder von hier austrahlenden Risse entsprechend breit sind, kann man einige Fuß, bei manchen tief senkrecht hinabsteigen und dann oft Hunderte von Metern weit, die Risse als niedrige, mehr oder minder hohe und geräumige Spalten verfolgen. Manche der trichterförmigen Oeffnungen sind mit krystallklarem Wasser gefüllt und ich konnte nicht umhin, eine derselben, welche eine Wassertiefe von über 140 Fuß zeigte und die ich auf der Rückkehr von meiner dritten Reise am linken Ufer des Molapo untersuchte, einen Miniatur-Felsensee zu nennen.—Ohne sie gesehen zu haben, glaube ich, daß Herrn Hübner's Klipdachs-Schlucht in die Kategorie dieser eigentümlichen Bodenbildungen gehört. So fand ich, daß viele Flüßchen im Gebiete des Vaal, Hart-River, Molapo und Marico (wohl auch des oberen Limpopo) ihren Ursprung in solchen engen Felsenlöchern nehmen, also da, wo das unterirdische Wasser nicht abfließen konnte und sich durch eine der trichterförmigen Oeffnungen nach oben Bahn brach. Wenn wir zu Farmen kommen, in deren Nähe sich solche Quellbächlein befinden, so wird unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß diese Bächlein oft meilenweit, oft aber nur einige hundert Schritte weiter aufwärts, an einer marschigen Stelle entspringen und sich in deren Mitte neben anderen aufsprudelnden Quellen ein umschriebenes, 50 und mehr Fuß tiefes Loch wie im Felsen eingebohrt befindet. An allen diesen Stellen, selbst an solchen, welche blos unterirdischen Abfluß hatten, fand ich stets dieselben Fischspecies vor. Auf den wildreichen Ebenen zwischen dem Hart-River und dem Molapo lernte ich einen beschilften Sumpf kennen, der nach keiner Seite hin Abfluß zeigte und äußerst fisch- und vogelreich war; nach der beinahe die Mitte desselben einnehmenden größte Tiefe desselben zu schließen, hielt ich auch diesen für eine ähnliche Felsenöffnung. Der diese Felsenformation bedingende Kalkstein zeigt außer Quarzadern und anderen quarzhaltigen Mineralien Einschüsse von Blei, Kupfer, Eisen und Silber.

Am dritten Tage nach unserem Aufbruche von Potschefstroom erreichten wir Wonderfontein, mit welchem Namen die Boers die »wonderlichen« Grotten und Höhlen in den Felsen bezeichnen. Es ist nicht, wie in der Regel, der Name einer Farm, sondern der Sammelname für eine Anzahl solcher, welche nahe aneinander in ausgezeichneten Weidetriften im Thale des Moi-Rivers liegen. Es sind meist steinerne, ebenerdige, doch hohe, luftige Wohngebäude mit einem angebauten Wagenschuppen und in der Regel einer oder zwei meist aus Schilfrohr verfertigten zum Trocknen des hier eifrig cultivirten Tabaks gebrauchten Hütten. Von diesen Farmen wird jene, auf die wir zusteuerten, d.h. in deren Nähe sich der Eingang zu den Höhlen befindet, das eigentliche Wonderfontein genannt.

Die Ufer des Moi-Rivers, der hier einen breiten Bach darstellt und dem von beiden Seiten zahlreiche Quellen zuströmen, sind stellenweise sehr sumpfig und von Schilfrohrdickicht umsäumt, die für den Ornithologen ein förmlich unerschöpfliches Arbeitsfeld abgeben. Ein tausendstimmiges Pfeifen und Singen, Gezwitscher und Gackern tönt an unsere Ohren und versetzt uns in Verlegenheit, wohin zuerst unsere Schritte lenken.

Mit der Erlaubniß des Farmers schlugen wir unseren Lagerplatz unter hohen und schattigen seinen Pfirsichgarten umsäumenden Trauerweiden auf. Als wir jedoch nach dem Eingange der Höhle fragten, gab man uns zu verstehen, daß der Eingang wohl zu finden sei, daß man sich aber leicht in den Höhlen verirren könnte und es darum gerathen sei, den Besuch der Höhlen nur mit einem Führer zu unternehmen, wozu sich uns die Söhne des Farmers gegen ein Honorar von 1 £ St. per Person anboten. Da ich ja hauptsächlich der Höhlen halber nach Wonderfontein gekommen war, ließen wir uns diese Erpressung gefallen und nachdem sich auch einige bei dem Farmer zu Besuche weilende Verwandte desselben uns angeschlossen, machten wir uns auf den Weg.

Zwei Söhne des Farmers, die sich mit einem Bündelchen von Talglichtern versehen hatten, waren unsere Wegweiser. Wir überschritten das Flüßchen an seiner breiten, sehr seichten Furth, und hatten das rechte, felsige und bewaldete Ufer zu erklimmen. Nach einer Viertelstunde kamen wir zu einem uns entgegen gähnenden, senkrecht nach abwärts führenden Felsenloche, eine der engeren, doch tieferen trichterförmigen, vorher beschriebenen Felsenklüfte. Obgleich mir der Eintritt in die unterirdischen Höhlen theilweise die Berstungen im Felsen deutlich vor Augen führte, muß ich doch gestehen, daß ich mich schon durch diesen Eingang zur Höhle sehr enttäuscht fühlte. Ich dachte eine jener Höhlen zu finden, in welcher ich Knochenablagerungen von Thieren, der letzten geologischen Periode finden und so diese Lücke in der Geologie Süd-Afrika's ausfüllen hätte können.

Aus den Wänden des Trichters hervorragende Felsenblöcke ermöglichten es uns, den Boden der sich nach unten bis zu einer schmalen Spalte nach Nordnordwest verengenden und in schräger Richtung nach abwärts gegen (und untere) das Flußbett fortsetzenden Felsenöffnung zu gewinnen. Wir drangen in das Spaltengewirre ein; anfänglich waren es enge, niedrige Gänge, kaum so hoch, daß wir Einer nach dem Andern auf allen Vieren durchkriechen konnten, später verbreiterten sich dieselben bis zu 4 und 8 Fuß und erreichten dabei bis zu 10 Fuß Höhe. Beinahe alle verengten sich nach oben zu dünnen Spalten, aus denen das Wasser herabrieselnd und sickernd Stalaktiten erzeugte, ohne daß sich diese durch auffallende oder große Formen ausgezeichnet hätten. Leider hatten frühere Besucher schon die meisten abgeschlagen oder beschädigt, deren Bruchstücke bedeckten den Boden. An jenen Stellen—und deren gab es viele, denn die unterirdischen Felsenspalten, in denen wir uns bewegten, zeigten die Felsenmasse nach allen Richtungen gesprengt—wo sich zwei kreuzend begegneten, erhob sich über dem Beschauer eine Art Kuppe, etwas höher als die Zerklüftungen, doch auch nichts Bemerkenswertes bietend. Die Wände waren dunkelgrau, meist kahl und ziemlich glatt. Die Hälfte unserer unterirdischen Wanderung legten wir barfuß zurück, denn das von Osten nach Westen durch die Grotten strömende und plätschernde Bächlein floß in der Gesammtbreite des Ganges und wir konnten sein Murmeln schon beim Eintritte in die unterirdischen Spalten vernehmen. Je weiter wir nach Westen und Norden vordrangen, um so tiefer wurde das Wasser und gerade von jenen Gängen her schimmerten schöne, unbeschädigte Stalaktiten herüber, doch wir mußten das weitere Vordringen, der Weigerung unserer Führer wegen, aufgeben.

Ohne allzugroße Mühe, könnte man die engen Stellen zwischen den breiteren Zerklüftungen und dem Eingange, die schräg nach abwärts führende Partie des unterirdischen Ganges erweitern und ein kleines, kurzes Boot einführen und auf diese Art möglicher Weise das Ende der Gänge oder vielleicht größere Höhlenräume erreichen. Mir schien es, als ob auf der vom Flusse abgewandten Seite weniger gangbare und meist nur dünne, spaltenförmig sich fortsetzende Gänge liegen, die breiteren dagegen nach dem Flusse zu führen würden, so daß hier das eingeströmte Wasser die an und für sich engen Spalten vielleicht weiter und breiter ausgewaschen haben mußte.

[Grotte von Wonderfontein.]

Trotz unseres kurzen Aufenthaltes hatten wir in den Höhlen so manchen Begleiter gefunden, denn als wir sie verließen, da gaben uns diese in Unzahl bis zum Felsenausgang hinauf ihr treues Geleite und als Andenken sowohl an die Wonderfonteiner Höhlen, wie um meine Sammlung der Mamalia zu mehren, nahm ich zwei derselben zum nicht geringen Staunen unserer Führer mit, welche die flatternden Fledermäuse (Vespertiliones) nicht anzurühren wagten.

Wonderfontein ist einer jener Orte in Süd-Afrika, an welchen der Forscher getrost längere Zeit verweilen kann; seine Mühe wird hier reichlich belohnt. Thiere, Pflanzen wie Mineralien sind hier des Sammelns werth. Leider war mein Aufenthalt wegen der schon erwähnten Gründe nur auf drei Tage beschränkt und so konnte ich nur einen Einblick in die Natur der nächsten Umgebung gewinnen. Große wilde Vierfüßler gab es hier nicht mehr, sie waren seit etwa 15 Jahren ausgerottet, doch fanden sich noch Caloblepas Gorgon, Antilope albifrons und Euchore in Menge auf den nördlich sich erstreckenden Ebenen, während im hohen Ufergras, in seinen Binsen und den beschilften, doch trocken liegenden Partien einzeln oder paarweise, die schön gelblichbraune, mit ihren nach vorwärts gerichteten, kurzen, etwas hakenförmig gebogenen Hörnern versehene Rietbockgazelle ziemlich häufig anzutreffen war.

Unser Farmer bewies sich die Zeit unseres Aufenthaltes hindurch äußerst freundlich und lud uns mehrmals ein, seine auf die Jagd gehenden Söhne zu begleiten. Auf den Ebenen zur Rechten und Linken zeigten nicht selten frisch »eingefahrene« Löcher die Gegenwart der Schabrakenschakale, des Proteles und der gestreiften Hyäne, häufig waren Stachelschweine, Springhasen und kurzschwänzige Schuppenthiere zu finden. Zwischen dem Gestein bemerkte ich Genetta's und eine schwarz gestreifte Wieselart. Auf einem meiner mit Freund E. am jenseitigen Ufer unternommenen Ausflüge, als wir beide unsere Gewehre abgelegt, dem Treiben einiger großer Finkenarten im Röhricht unsere Aufmerksamkeit schenkten, hörte ich einige Schritte vor mir, dort wo eine Oeffnung im Schilfe den Blick auf eine Flußstelle freigab, ein Plätschern in dem klaren, murmelnden Gewässer. Es rührte von vier sich rasch stromaufwärts bewegenden, neben und hintereinander schwimmenden Fischottern her. Bevor wir unsere etwas hinter uns an einem Felsen angelehnten Gewehre ergreifen und benützen konnten, waren die Thiere im dichten Schilfe vor uns verschwunden. Die braunen Fischottern der südafrikanischen Flüsse sind gedrungener und kürzer als die europäische Art, haben ein weniger werthvolles Fell und halten sich an allen beschilften, fließenden Gewässern oder auch in den Tümpeln der Spruits auf. An den zahlreichen Stromschnellen, sowie in den tiefen Lachen, welche nach der Austrocknung der Flüßchen in ihrem Bette zurückbleiben und sehr zahlreiche Fische bergen, ist ihnen Gelegenheit geboten, feist zu werden, indem ihnen fast nie nachgestellt wird, außer wenn sie zufällig am Flusse angetroffen oder durch das Geschrei der Hähne zu einem Besuche menschlicher Wohnungen angelockt, von den Hunden angegriffen und getödtet werden, letzteres jedoch ein seltener Fall. Nur wo Eingeborne etwas dichter das Flußufer bewohnen, scheinen sie seltener zu sein, da ihnen diese, sowie deren Hunde (letztere des Fraßes halber) eifrig nachstellen. In den Flüssen des südlichen mittleren, westlichen und nördlichen Transvaal, wo selbst die Thäler der Flüsse marschig, und von ausgedehntem Röhricht bedeckt sind, finden die Thiere ihre besten Schlupfwinkel. Selten beobachtete ich sie in stabilen Wohnplätzen, meist jagen sie über größere Strecken, wobei ihre Jagd in den seichten Sümpfen nach Fischen und Crustaceen, auf dem hochbegrasten Ufer nach Mäusen und Ratten und in den mit Schilf dicht bestandenen tieferen Morast- und Flußpartien nach Vögeln äußerst lohnend sein muß.

In den Schilfdickichten beobachteten wir hängende Nester von Rohrfängern, von zinnoberrothen, schwarz gefleckten Feuer- und von dem schönen langschwänzigen Königsfinken (Vidua capensis). Diese schöne und wohl eine der größten Finkenarten besitzt ein bräunliches Winterkleid und ein schön sammtschwarzes Sommergewand. Die Schultern tragen je einen orangefarbenen Fleck, der sich namentlich auf dem dunkelfärbigen glänzenden Sommergewande prachtvoll ausnimmt. Doch außer dieser Auszeichnung, mit der die Natur den schmucken Vogel für die Periode des üppigen Lebens in der südlichen Hemisphäre bedacht, hat sie ihm noch eine andere zukommen lassen. Während im Winter der Schwanz des Vogels von normaler Länge ist, wächst er mit der zunehmenden Schwärze des Federgewandes im Sommer zu einem Busche von bis zu 18 Zoll langen Federn, welche den Vogel im Fluge hindern, ihm namentlich beim windigen Wetter den Flug so erschweren, daß er sich windabwärts tragen lassen muß. Dieser schöne Finke ist wie alle die im Röhricht lebenden Finkenarten ein sehr munterer Vogel, oft sieht man ihn sich im oberen Drittel der Schilfstengel wiegen und ausäugeln oder über den Morästen flattern; sowie er sich unbeachtet wähnt, läßt er sich in die unteren Schilfpartien herab, aus denen sein Gezwitscher ertönt. Wird er durch etwas in Aufregung versetzt, ist es ein anderer Finke, der sich an sein Nest wagt, oder eine plötzlich vor ihm sich aufrichtende Schlange, oder wird er als Gefangener von den Menschen geneckt, so bläst er seinen Hals auf, faucht, richtet die schönen, melirten Halsfedern zu einer Krause auf und trachtet mit seinem scharfen Schnabel Hiebe auszutheilen. Unstreitig gehört er zu den interessantesten Erscheinungen der südafrikanischen Vogelwelt.

Langohrige Eulen—echte Sumpfeulen fliegen auf, um sich nach kurzem Fluge am Rande des Sumpfes niederzulassen. Am meisten sind jedoch Wasservögel, Schwimm- wie Stelzenvögel, vertreten. Wir finden mehrere Arten der Strandläufer, Rohrdommel, kleine Silber- und gewöhnliche graue, doch auch Purpurreiher, eine Species Kampfhähne, ferner Blaßhühner, mehrere Wildentenarten und Taucher. Während der Forscher im Kahne nach Nestern und Eiern dieser Thiere fahnden kann, ist es den ihm längs der Ufer Folgenden möglich, die auffliegenden Thiere zu beobachten, oder die von ihm bezeichneten zu erlegen. Der reiche Blumenflor an den feuchteren Thalpartien begünstigt auch die Entwickelung einer vielartigen Insectenwelt und so sind denn die kleine Insecten wie Körner fressenden Vögel, Kolibris, Bienensauger und Schwalben zahlreich vertreten, die hier über den schönblüthigen Blumen, dort im Gebüsche, in den Gärten und bewaldeten Partien sich herumtummeln.

Als der Farmer meinen Eifer bemerkte, mit dem ich den gesuchteren der hier lebenden Vögelspecies nachstellte, gab er mir den Rath, mich hinter seinem Wagenschuppen zu bergen, weil sich auf dem über diesen erhebenden, theilweise verdorrten Baum ein »besonderlik Vogel« zu sonnen pflege. Ich folgte seinem Rathe und hatte die Freude denselben, einer kleinen Schlangenhalsvogelart angehörend, zu erlegen.

Die feuchten Wiesen bargen eine reiche Fülle verschiedenartigster Insecten, doch hatte das Sammeln derselben manche Schwierigkeit und Gefahr. Erstlich wimmelten diese Wiesen von Mosquitos, welche uns nicht nur Abends belästigten, sondern selbst in der Sonnenhitze Gesicht und Hände wund stachen; außerdem waren dieselben reich an Schlangen, unter denen ich eine noch nie beobachtete schwarzgraue, fast gleichmäßig fingerdicke, unten schwefelgelbe und etwa zwei Fuß lange Art erhaschte.

Aus einem Gespräche mit dem Farmer entnahm ich, daß auch mein College Mauch diese Höhlen aufgesucht und sich hier eine Zeit lang aufgehalten hatte und im Ganzen schien der Besitzer sehr stolz auf die »wondeljike chate« (Höhlen) zu sein. So oft Jemand von uns im Hause vorsprach, wurde er sofort mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Zwieback bewirthet und unser freundliche Wirth bedauerte nur, daß wir zu viel det slechte Chut (Reptilien u.s.w.) sammelten, unsere Zeit unnützer Weise verschleuderten, während wir bei ihm sitzen und über die Diamantenfelder, Duits-land und Osteriek sprechen sollten.

Manche der Farmer destilliren aus den Pfirsichen eine Art Branntwein, welcher namentlich im Transvaal-Gebiete als Perschke-Branntwein »verrufen« und bedeutend schwächer und billiger ist als jener unter dem Namen Cango in der westlichen Cap-Colonie aus Weintrauben bereitete.