X.

Von Moschaneng nach Molopolole.

König Montsua und das Christenthum.—Die Wesleyan-Mission in Moschaneng.—Besuch am Wagen.—Meine ärztliche Praxis in Moschaneng.—Merkwürdige Termitenbauten.—Ein Intermezzo bei unserer Abreise.—Das Banquaketse-Hochland.—Anzeichen tropischer Vegetation.—Hyänenhunde.—Pittoreske Landschaftsscenerien an den Naprstek-Höhen.—Beleuchtungseffecte auf der Hochebene.—Ruinen von Mosilili's Stadt.—Klippdachsjagd.—Grasbäume.—Ein Thari.—Molopolole.

Der südliche Theil von Moschaneng war von Molema und seinen Barolongen bewohnt, und mit Ausnahme der schon verfallenen Kirche und dem Häuschen, in dem Herr M. wohnte, besaß es kein im europäischen Style aufgeführtes Wohnhaus. Die Häuschen der Eingebornen zeigten den, den Betschuana's eigenthümlichen Typus, nur waren sie ob des beschränkten Raumes sehr dicht nebeneinander erbaut, dagegen waren die Gehöfte des durch einen Bach und sein kleines Thälchen geschiedenen Stadttheils der Baharutse geräumiger. Ich schätzte die Einwohnerzahl beider Städte auf 7000, welche Zahl um circa 1000 auf- und abschwankt, da einestheils viele Bewohner längere Zeit in den Diamantenfeldern arbeiten, andere wieder die entfernten Felder bestellen. Des Königs Behausung, je ein Gehöft mit zwei Wohnungen für jede seiner fünf Frauen und sein eigenes stand in der westlichen Hälfte der Stadt nahe am Ufer des Bächleins.

Die Verfassung unter den Barolongen und Banquaketsen ist eine im gewissen Sinne constitutionelle, wenn auch etwas beschränkter als unter den Bakwena's und östlichen Bamanquato's. Unter den Betschuanakönigen steht nach Khama, dem nunmehrigen Könige der östlichen Bamanquato, Montsua obenan. Er ist ein Heide, doch besser als der christliche Seschele, obwohl er anfangs, als das Christenthum in's Land drang, aus Unkenntniß seiner Satzungen es lebhaft bekämpfte, da er befürchtete, daß dasselbe seine Unterthanen von ihm abwendig machen und seine königliche Macht schwächen könnte und daher alles aufbot, es wieder aus dem Lande zu verdrängen.

Wie bei den meisten Betschuanastämmen, unter denen Missionäre zu wirken begannen, waren es auch hier meist die jungen Leute, welche an den neuen Lehren Gefallen fanden, während die alten fest an ihren heidnischen Satzungen hielten. Montsua fiel dies auf und dies um so mehr, als sich die jungen Männer und Mädchen nicht in der entsprechenden Anzahl zur Circumcision einstellten, an den Hochzeitsorgien nicht theilnehmen wollten und viele andere heidnische Feste spärlich besucht waren. Unter den Betschuana's ist ein Tanz gebräuchlich, welcher Rohrtanz heißt, einem alten, heidnischen Gebrauche zu Grunde liegt und der von durch die Städte ziehenden, auf Schilfrohrpfeifen unaufhörlich blasenden Männern getanzt wird (zuweilen stirbt einer oder mehrere während des Tanzes oder kurz darnach an acutem Emphysem der Lungen durch das unaufhörliche Pfeifen hervorgerufen). Montsua stellte daher das Verlangen, daß die jungen Leute der herkömmlichen heidnischen Sitte gerecht werden sollten, und hatte unter dieser Bedingung nichts gegen die Taufe (bathu ba lehuku: nach Rev. Mackenzie das Volk des Wortes, oder das Volk, welches das Wort Gottes aufnimmt) einzuwenden. Durch seinen eigenen Bruder Molema, der das Christenthum mit vollem Herzen aufgenommen, angespornt und ermuntert, verweigerten es die Neubekehrten, dem Wunsche des Königs nachzukommen. Molema fand an Jan, dem nunmehrigen dunklen Barolongen-Prediger einen treuen Helfer.

Von seinen Regendoctoren aufgestachelt, forderte Montsua, daß sich die Bekenner des neuen Glaubens an zwei mit der Regenzauberei zusammenhängenden Ceremonien betheiligen sollten, d.h. an der Letschulojagd, welche von den Regendoctoren veranstaltet wird, um von gewissen Wildarten bestimmte, zu ihren abergläubischen Handlungen gebrauchte Theile zu erlangen, sowie an dem Umgraben einer Ackerstelle, welche von den Regendoctoren benutzt und als geweiht angesehen, und tsimo ea pulta, d.h. Garten, dem Regen geweiht, genannt wird. Auch dies wurde von den Bekehrten verweigert, sie ließen jedoch dem Könige wissen, daß sie ihm jeden anderen Beweis ihrer Treue und ihres Gehorsams als Unterthanen geben wollten, allein die Gebräuche ihrer Vorväter, seitdem sie bathu ba lehuku geworden, nicht mehr ausüben könnten.

In Folge des constitutionellen Regimes und der Zahl der Anhänger des neuen Glaubens konnte er die sich Weigernden nicht so leicht bestrafen, allein er sann auf andere Mittel und fand auch bald Gelegenheit, solche in Anwendung zu bringen, als sich am nächsten Sonnabend Molema und Jan auf das Land begaben. Er ließ in der Stadt bekannt machen, daß sich am folgenden Tage kein Mensch in der Kirche blicken lassen dürfe. Allein ohne sich um diesen Befehl zu kümmern und von zwei Frauen (denn diese erkannten zu wohl, daß das Christenthum sie aus der Stellung der »Sclavinnen« in eine dem Manne ebenbürtige hob) angefeuert, fehlte auch nicht Einer, als die Zeit des Gottesdienstes kam, in dem kleinen Gebäude. Des Königs Getreue brachten ihm bald die Kunde von dem Geschehenen, auch konnte er aus seinem Häuschen den Gesang der Hymnen hören. Aufgebracht über diesen offenen Widerstand bewaffnete sich Montsua mit einem langen, dolchartigen Messer und eilte nach der Kirche, in welche er eintrat, als eben einer der Männer (in Molema's Abwesenheit) das Dankgebet vorlas. Sein Erscheinen brachte natürlich Schrecken unter die Versammelten und diese Verwirrung benutzend, befahl ihnen der König, sich sofort zu entfernen. Da war es eine der Frauen, die ihm mit den Worten entgegentrat, daß sie (die Versammelten) als bathu ha lehuku erst ihre Andacht beenden würden. Diese Worte brachten den König derart in Zorn, daß er auf die Frau losstürzte und es ihm nur durch die Drohung, von seiner Waffe Gebrauch zu machen, gelang, die Anwesenden aus der Kirche zu treiben. Unter den Bekehrten befand sich auch eine seiner Töchter und ihr Mann. Der König verbot ihr aus dem Hause zu gehen, als sie jedoch von einem der Unterrichteten aus der neuen Gemeinde besucht wurde und mit diesem in einem Hymnenbüchlein las, schied sie ihr Vater von ihrem Manne, nahm sie zu sich in's Haus und zwang sie, der alten heidnischen Sitte gemäß sich blos mit dem Lederschürzchen zu bekleiden.

Doch alles dies half Montsua nichts und so wurde er endlich seines strengen Verfahrens müde und nachdem er eingesehen, daß die Bekehrten sonst ebenso treue Unterthanen waren und überdies arbeitsamer und wohlhabender wurden, ließ er nicht allein von den Verfolgungen ab, sondern beförderte (ohne selbst die neuen Lehren anzunehmen) die Verbreitung des Christenthums in seinem Lande als Jener und Molema später von einander schieden, ordnete er an, daß Jan, der Barolonge, den um ihn Wohnenden und Molema den in Molema's Town am Molapo Weilenden predigen sollte.[[1]]

[1] Das Christenthum wurde unter die Barolongen durch die Weslyanische Missionsgesellschaft gebracht, deren nördlichste Station zur Zeit meines Besuches im Jahre 1875 Moschaneng, gegenwärtig, nach der Uebersiedlung Montsua's nach Lothlakane, Molema's Town ist. Hier wirkt noch immer Molema, während Herr Webb seitdem die Stadt verließ und in Lothlakane Rev. Harris (statt Rev. Webb) fungiert. Das Wirken der Missionsgesellschaft hat insofern gute Früchte getragen, als es viele der Barolongen veredelte, den Herrscher zu weisen Maßregeln brachte, und dadurch, daß die Missionäre auch Ackerbau einführten, den Wohlstand der Eingeborenen hob.

Einer der ersten Besucher am Wagen war ein alter Regendoctor, der mich, als er von Montsua hörte, daß ich ein Naka (Doctor) sei, als Kollegen zu begrüßen kam. Der alte Mann fand großen Gefallen an Monkey und bat mich wiederholt, ihm das Thier zu verkaufen, da er es zu seinem pula-jana (Regenzauberei) gebrauche, und wunderte sich, daß ich, trotzdem ich auch ein Naka sei, es nicht glauben wolle. Auch Montsua kam mit Einigen seines Haushaltes, ein Diener trug ihm ein Stühlchen nach, worauf sich Seine königliche Hoheit niederließ; er erzählte mir von dem die Manupi beherrschenden, über 100 Jahre (105) alten Häuptling und von der Weise, wie die Matabele Moselikatse's Begräbniß gefeiert hatten.

Was ich schon während der Reise bis hierher wiederholt befürchtet, trat ein, von meinen Zugthieren erkrankten nicht weniger als vier, von denen ich drei, Dank eines mir von Herrn Martin anempfohlenen Heilmittels noch retten konnte, ihre Leistung konnte aber für die nächste Zeit kaum in Betracht kommen. Ich stand nunmehr der absoluten Nothwendigkeit gegenüber, mir Ersatz zu schaffen; glücklicher Weise gelang mir dies leichter, als ich es je gehofft. Am nächsten Tage ließ mich Montsua zu sich rufen und erbat sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für drei seiner Frauen, von welchen er eine mir als sterbenskrank schilderte, meinen ärztlichen Beistand. Die von mir verabreichten Arzneien hatten Wunder gewirkt, alle meine Patienten fühlten sich schon in den nächsten Tagen bedeutend wohler. Ich sah mich in Folge dessen bald von Hilfsbedürftigen umlagert, des Königs Bruder, der Chef Chatsitsive, der Barolong-Prediger Jan Leschumo, seine Frau und sein Sohn und zahlreiche andere Eingeborne, darunter besonders Frauen mit ihren Säuglingen, drängten sich zu meinem improvisirten, unter freiem Himmel errichteten Ordinationssalon. Meinen ärztlichen Erfolgen hatte ich es zu danken, daß ich Moschaneng mit einem frischen, zugkräftigen Gespann verlassen konnte.

Die von Molema (des Königs Bruder) vom Molapo gesandte und durch zwei Boten abermals bestätigte Nachricht von seiner Besserung hatte mir nicht allein als Empfehlung gedient, sondern mir auch das Vertrauen der Leute in Moschaneng im Sturm gewonnen.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 18].

Montsua bewies seine Erkenntlichkeit, indem er mir 1 £ St. für die verabreichten Arzneien nebst vier weißen und ebensovielen schwarzen Straußenfedern von seltener Schönheit überreichte, von welchen er die weißen für meine Frau bestimmte; meine Entgegnung, daß ich noch keine Frau hätte, nahm er mit ungläubiger Miene auf, rieth mir aber schließlich, die Federn für meine zukünftige Gattin aufzubewahren. Dem Wohlwollen des Königs verdankte ich auch fünf kräftige Zugthiere, die er mir für mein Snidergewehr überließ, während Herr Martin und der Händler Mr. T. mir zu weiteren fünf Thieren verhalfen, so daß ich nunmehr über 14 Zugthiere verfügen konnte und frohen, leichten Muthes der Weiterreise entgegensah.

[Barolongfrauen aus Moschaneng.]

Ich muß hier einer interessanten Beobachtung gedenken. An der Lehmwand von Mr. Martin's Wohn- und Verkaufslocale sah ich Termiten von einem unter der Mauer, in der Erde befindlichen Baue einen Gang nach auswärts an der Außenseite der Wand, aus dem Anwurf mit Hilfe der Speichelsecretion kneten und formen. Dieser bedeckte Gang war so weit, daß man etwa einen Bleistift hätte einführen kennen, zeigte viel Abzweigungen nach rechts und links und auch Gabelungen nach oben. Aus einem zweiten Souterrainbau führten mehrere solcher Kanäle nach auswärts, aus der Ferne betrachtet schien es, als hätten Menschenhände an Herrn Martin's Hauswand Strauchformen durch Ankneten von röthlicher Thonerde nachzuahmen versucht.

Der Aufenthalt in Moschaneng war auch der Vermehrung meiner ethnographischen und etymologischen Sammlungen sehr förderlich. In Bezug auf erstere erwarb ich mehrere Carossen, Kiri's, Waffen, Stöcke mit eingebrannten Verzierungen, zu Wassergefäßen hergerichtete Straußeneier, hölzerne Löffel, eine Holzschüssel, Schnupftabakdosen aus Kürbisschalen und Horn gearbeitet und viele Insecten. Unter den letzteren eine neue Cerambyx und eine dieser Familie verwandte, schwarzgelb gebänderte Species, zwei stahlgrüne und eine kupferfarbige Scarabidenart, sowie andere neue Stücke und Duplicate, im Ganzen etwa 350 Stück. Die trockenen Mimosenzäune waren die Rendezvousstellen zweier schöner Bockkäferarten.

Am 17. wollte ich endlich abreisen, doch Montsua ließ es nicht zu. Ich müsse noch bleiben, hätte ich kein Fleisch, würde er mir welches senden und um Mittag wurde ich thatsächlich mit einem Ziegenbock als Geschenk des guten Mannes überrascht. Dann kam er selbst wieder und bat mich noch einen seiner Leute, einen wohlhabenden Mann, besuchen zu wollen. Als ich einwilligte, wurde ich sofort zu dem letzteren geführt und hatte hier Gelegenheit, Einblick in das Familienleben eines Betschuana's zu thun.

In einem etwa 40 Schritte im Durchmesser zählenden Höfchen standen drei der gewöhnlichen Betschuanahütten oder Häuschen. Eine Schaar nackter Kinder spielte lustig umher. Ich hatte kaum Zeit, mich in dem Höfchen umzusehen und die riesigen aus Gras geflochtenen Körbe zu betrachten, in denen das Kafirkorn aufbewahrt wird, als der Bote aus dem Häuschen heraustrat und mir mit den Worten Bapila, Sir (Warte, Herr) ein primitives Stühlchen zum Sitze anbot. Dann lief er in die nächste Hütte und holte ein junges Weib heraus, sowie eine alte Frau, welche die Kinder zur Ruhe verwies. Die Frauen begaben sich sodann in das Häuschen, in dem der Kranke lag, brachten zuerst ein gegerbtes Ochsenfell heraus und dann mit Hilfe des Führers den kranken Mann, der es nicht zugeben wollte, daß sich der weiße Doctor in das Innere der kleinen Wohnung bemühen solle. Ich hatte vor mir einen noch jungen Mann. Er betrachtete mich mit neugierigen, etwas ängstlichen Mienen und schien seit Langem ein Lazarus zu sein. Um den Hals trug er ein aus Gras geflochtenes Schnürchen und an diesem im Abstande von 1¼-1½ Zoll kleine, gekerbte, Schwärzliche Holzpflöckchen, etwas ähnliches über der Wade—Beschwörungsmittel die ihm, um seine Krankheit zu heilen, von den Regendoctoren angelegt worden waren. So ängstlich wie der Kranke, sahen mich auch die beiden Weiber, seine Frau und seine Mutter, an. Ich fand den Fuß in sehr schlechtem Zustande und die meisten der Tarsusknochen cariös entartet. Als ich die Sonde in die Wunde einführte, schloß ihm die junge Frau mit ihrer rechten Hohlhand die Augen und ich sah deutlich, wie sich die Stirne des Mannes über der vorgehaltenen Hand und seine Schläfe mit dichten Schweißtropfen bedeckten.

Als ich die Untersuchung der Wunde beendet hatte, sprach ich dem Kranken gegenüber die Hoffnung aus, ihn bei meinem nächsten Besuche Moschanengs besser zu finden. Er war des Holländischen nicht mächtig und richtete einen fragenden Blick auf den Boten. Sofort übersetzte dieser mein Gutachten, wobei er dreimal so viel Worte gebrauchte. Nun folgten meine Rathschläge, welche zwei- und dreimal so lang, meist in umschriebener, mit Gesticulationen verbundener Form wiedergegeben wurden. Als der Mann das Einspritzen von lauwarmem Wasser in die Wunden, dann jenes einer Lösung von Medicamenten erklärte, mußte ich alles aufbieten, um nicht in lautes Lachen auszubrechen. Ich hatte eine kleine Glasspritze mitgenommen, deren Wirkung von allen offenen Mundes angestaunt wurde; höchst verwundert nahm jeder der Anwesenden die Spritze zur Hand.

War schon die Gebrauchsanweisung derselben von meinen Zuhörern schwer begriffen worden, so war dies noch im höheren Grade der Fall, als ich das Vorgehen bei dem Loslösen zerstörter Knochenstücke und das Herauf- und Herausheben der so zur Oberfläche durch die Wundkanäle getretenen zu erklären hatte; doch auch dies gelang, ebenso die Belehrung, täglich häufige Waschungen zu halten und ihm eine Medicin (Eisen und Chinin) dreimal und ein Pulver (Kalk-Phosphate) zweimal des Tages zu verabreichen. Hier mußte ein Holzlöffel geholt, Wasser eingeschüttet, dann das Pulver mit etwas Mehl nachgeahmt und das ganze von dem Führer verschluckt werden, um alles dies im Höfchen wohl begreiflich zu machen und dem Kranken selbst Vertrauen einzuflößen. Als ich beendet, ersuchte mich der Kranke, ihm meine Hand zu reichen und unter einem allseitigen Rumela verließ ich das Höfchen, um die Medicamente zu präpariren; mein Führer jedoch eilte zu dem Könige, um hier (wie ich später erfuhr) die ganze Scene, mein Betragen etc. haarklein zu beschreiben.

Während unseres Aufenthaltes in Moschaneng wurde Pit häufig von einer Landsmännin besucht, welche von ihrem Vater (einem Griqua) an einen hiesigen Barolongen verkauft, d.h. verheirathet worden war. Sie schien sich vollkommen glücklich zu fühlen, ebenso daß sie einen »Stammesbruder« fand, mit dem sie, einen Säugling im Tuche am Rücken gehüllt und ein Kind an der Hand führend, stundenlang im Tage Pfeifchen um Pfeifchen ausschmauchen konnte. Sie schien ein weniger hartes Los zu haben, als es sonst die Frauen der Betschuana's ertragen müssen.

Montsua machte mir den Vorschlag, mich in Moschaneng häuslich niederzulassen, und meinte, an Praxis würde es mir hier nie fehlen können, da die Leute von Kanja, Molema's Town, von Manupi u.s.w. alle um Molemo (Medicin) zu mir kommen und diese mit Straußenfedern, Fellen, Ochsen und Ziegen bezahlen würden. So wohlwollend die Einladung auch war, ich hatte eine andere Aufgabe vor mir.

Am Morgen des 18. machte ich mich zur Abreise bereit. Alle Notabilitäten von Moschaneng fanden sich ein, Montsua und Herr Martin brachten noch je eine schöne, weiße Feder und ich mußte wiederholt dem Könige die Hände schütteln. Als letzten Beweis seiner Huld bot mir der König einen Führer nach Molopolole zu dem Könige der Bakwena's an, den ich, obwohl er nicht kräftig schien, mitnahm. Ein Intermezzo, das unsere Lachlust auf's Höchste in Anspruch nahm, beschloß unseren Aufenthalt in Moschaneng. Unser neuer Führer nahm Freund Boly bei seite und frug ihn, ob der Baß es wohl erlauben würde, daß er seine Frau und Nichte mit auf die Reise nehmen könne. Da Boly es verneinte, wandte er sich darauf an mich und über den Grund dieses seines Ansuchens befragt, gestand er, daß dieser Makoa (Weiße), auf B. weisend, seiner Frau und dem Kinde (Nichte) tata, tata (viel, viel) gefiele und sie deshalb mitreisen wollten.

[Klippdachsjagd.]

Wir schlugen eine nordwestliche, dann eine nördliche Richtung ein und hatten zwischen der verlassenen Stadt und dem zweitnächsten Flusse, den Koluany, den wir zu überschreiten hatten, ein Hochland zu durchziehen, welches an Schönheit der Gebirgsscenerien en miniature nur von dem großartiger geformten Makalaka-Höhenlande (Westmatabele) übertroffen wird. Das Hochplateau ist theilweise Busch-, theilweise freies Grasland, doch hie und da auch dünn bewaldet und von einer Unzahl bis an 80 Fuß hohen meist pyramidenförmig geformten, aus riesigen Granitblöcken bestehenden Felsenhöhen übersäet. Da sich in ihrer Nähe der Boden in der Regel feucht erhält, sind sie von einem Mimosengürtel umsäumt und von üppigster Vegetation bedeckt, in welcher sich namentlich kleine Aloëarten und niedrige cactusförmige Euphorbiaceen, doch auch Stapelien bemerkbar machen und letztere mit ihren dunklen, sammtartigen, fein behaarten, erstere mit ihren schönen rosa- und dunkelrothen Blüthen und die Euphorbiaceen durch ihre Formbildung besonders hervorstechen und um so wirkungsvoller in das Auge fallen, als sich ihr Bild hier aus einer verwitterten Felsenritze, dort zwischen zwei eng aneinander gefügten Blöcken oder aus den grauen Felsenhöhlungen anmuthig hervorhebt. Doch das, was uns am meisten aus der Pflanzenwelt an diesen interessanten Felsenkuppen auffällt, sind die Sykomoren, welche mit hellgrauen, dicken wulstigen, bald breiten und flachen, bald netz- oder auch gabelförmigen Wurzeln senkrechte Felsenwände überziehen um in einer Höhe von 2-10 Fuß und darüber (von der Ritze, aus der diese Wurzeln gekommen) in den fleischigen, gedrungenen, mit schönen großen Blättern und einer schattigen Krone geschmückten Stamm überzugehen. Oxalis, Farrenkräuter und Moose sowie Flechten sind in artenreicher Anzahl vorhanden; auch beobachtete ich auf diesem Plateau neue Lepidopteren und Käfer, und fand von Säugethieren marder- und katzenartige Raubthiere, sowie auch den Klippdachs zahlreich vertreten. Nach Westen senkt sich das Hochplateau gegen einen nach Regen zu einem Flusse angeschwollenen und von Moschaneng von Norden bei Westen, dann Nordwesten und endlich Norden fließenden und in den Masupa-River mündenden Bach. Der Abfall ist steil, oben bewaldet, ein Lieblingsaufenthalt der Hyäna brunea und punctata, doch hauptsächlich des Caracal und des Leopard.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 19].

[Naprstek-Höhen.]

[Wolfshyänen eine Viehheerde überfallend.]

Diese ausgedehnten Hochflächen sind aber besonders durch die in großen Rudeln auftretenden, gefürchtetsten aller südafrikanischen Raubthiere verrufen. Von Gestalt zwischen Proteles und Hyäne, ist dieses Thier der grimmigste Feind aller Viehheerden, vor ihm warnte mich sowohl Herr Martin als König Montsua selbst. »Du darfst nie,« meinte Montsua, »Deine Ochsen in der Nacht grasen, nie sie allein ohne Aufsicht am Tage weiden lassen, sonst wirst Du nur wenige mehr nach Molopolole bringen.« Jenes Raubthier ist der wohlbekannte Canis pictus (auch Lycaon pictus oder venaticus, in Süd-Afrika als »the wild dog« bekannt) der zu den räuberischsten, mit einem unauslöschlichen Vernichtungstriebe und einer nicht minder gierigen Freßwuth von der Natur bedachten Geschöpfen der Erde gehört. Von der Größe eines nicht ganz erwachsenen Wolfes, doch schmächtiger, wird dieses Thier großen Säugethieren wie Rindern, Eland-, Hartebeest-Antilopen etc., dadurch gefährlich, daß es nur in Rudeln jagt, niederen Thieren dadurch, daß es, sobald es eines derselben (Ziege, Schaf, Wildschwein) getödtet, sich auf ein zweites und drittes wirft und auf diese Weise unbewachten Heerden die größten Verluste beibringen kann. Die Länder der Eingebornen und die Grenzdistricte der Transvaal-Provinz werden besonders häufig von ihnen heimgesucht.

Dieses Raubthier bewohnt unterirdische Höhlen und jagt in Rudeln in einem bestimmten Districte von seinen Höhlen aus oder über weite Strecken, um sich zur Frühjahrszeit in seinen alten Wohnsitzen einzufinden. Mit hochgehaltener Schnauze sucht es die Witterung aufzunehmen, ist es darin erfolglos, so läuft die Truppe zerstreut, doch nicht weit auseinander, durch das Gras, mit der Schnauze längs dem Boden hinfahrend. Aufgenommene frische Spuren von Wild und Hausthieren (sehr selten Pferden, die für den Canis pictus zu rasch und gefährlich sind) werden sofort verfolgt dann jagt die Meute dicht gedrängt, heulend und kläffend in der Spur, kommt ihnen außerdem die Witterung noch zu Hilfe, so geht ihr Lauf in ein solches Rasen über, daß manche oft gegen Büsche anrennen und über Gestein und Ameisenhügel kollern. Ihrer geringen Größe halber lassen größere Thiere, wie Rinder und Elandantilopen, sie oft nahe kommen, was diesen dann zum Verderben wird. Ja es geschieht sogar zuweilen, daß sich dieselben nicht eher zur Flucht wenden, als bis sie von der Meute angegriffen werden. Während sich nun das eine Rind mit den Hörnern gegen zwei oder drei der Austürmenden kehrt, haben sich deren drei bis vier andere in die Schenkel, ebenso viele in den Bauch verbissen—statt sich nun zu wehren, sucht sich das Thier durch die Flucht zu retten; manchmal gelingt dies und die Rinder kehren mit in den Unterleib gebissenen Löchern heim, doch wenn es stolpert, wenn es am Halse, oder gar an den Nüstern gefaßt wird, wenn ihm die Kniegelenke durchbissen werden und durch die Wunden im Unterleibe, die in der Regel die gefährlichsten werden, die Eingeweide herausfallen oder herausgezerrt werden, ist es verloren und geht nach stundenlanger Qual zu Grunde.

Am 18. zogen wir über das Hochplateau des Banquaketse-Landes. In Folge des vorgeschrittenen Sommers grünte alles um die Wette, ich sah nicht eine trockene Mimose. Die Perle der verschiedenen, dem Auge sich bietenden Felsenscenerien trafen wir an den Naprstekhöhen, mit denen das pittoreske Landschaftsbild auch nach Norden zu seinen Abschluß findet.

Gegen Sonnenuntergang fuhren wir in das mäßig tiefe Thal eines bis auf eine kleine Rinne trockenen Sand-Rivers, Mosupa (Masupa, Moschupa) genannt, der sich mit dem Taung, einem linken Nebenfluß des Notuany vereinigen soll. Das Bett des Flusses wie seine Ufer waren stellenweise mit riesigen Granitblöcken übersäet, welche am linken Ufer gewaltige Platten bildeten, deren ebene, etwas vertiefte, obere Flächen große von der Natur gebildete, seichte Wasserreservoirs zeigten. Einige hundert Schritte zur Rechten macht der Fluß eine plötzliche Wendung nach Nordosten; im inneren Winkel dieses Buges und am linken (nördlichen) Ufer erhebt sich ein grotesker Felsenhügel, welcher mit zwei anderen zusammenhängenden, doch niedrigeren, aus wahren Riesenblöcken bestehenden, abgeflachten Höhenkuppen durch einen Sattel zusammenhängt.

Von dem Hochplateau gegen die Thalsohle herabfahrend, verwehrte uns üppiges Baum- und Buschdickicht den Fernblick und so öffnete sich denn plötzlich vor uns eine der anmuthigsten und schönsten Scenerien. Die glühende Sonnenscheibe berührte den Rand des nahen, bebuschten Hochplateaus, aus dem sich der Masupa-River den Weg nach Osten bahnt. Die ganze Fülle der Strahlen ergoß sich in das Thal und auf die ihm zugekehrten Seiten der Höhen. Während es ihnen ob der tiefen Lage des Flußbettes, aus dem nur hie und da der weißliche Sand und die hellen Felsenblöcke undeutlich herausschimmerten, nicht möglich war, in diese Mulde zu dringen, beschienen sie hell die riesigen Felsenplatten und Massen aufgetürmter Felsenblöcke am linken, jenseitigen Ufer, aus denen an verschiedenen Stellen die erleuchteten Oberflächen der klaren, natürlichen Felsencisternen nach allen Seiten riesigen Diamanten gleich funkelten. Hob sich der Blick nach den Höhen im Norden und Nordosten (den nahen Naprstekhöhen) so erschienen die schroffen und abschüssigen, die abgerundeten und abgeflachten Felsenblöcke derselben überall da, wo sie nicht eine schattige Sykomore oder anderes, helleres oder dunkleres Grün von Bäumen oder Sträuchern deckte, wie durch innere Hitze erglühend und der Reflex dieses Purpurlichtes, sowie die unmittelbar auf das Laub der Bäume fallenden Strahlen des untergehenden Sonnenlichtes hüllten die dem Westen zugekehrten Kronen in ein goldenes Gewand, welches bei der Bewegung der Aeste, Zweiglein und Blätter, zu flimmern schien. Von den so herrlich beleuchteten Punkten der vor unseren Blicken sich ausbreitenden Scenerie vollkommen gefesselt, hatte unser Auge die weniger beleuchteten Partien, wie z.B. jenen freien geschützten Raum am Fuße der Höhen zwischen den nördlichen und den am jenseitigen Ufer sich erhebenden Felsenmassen nicht gesehen. Doch als nun das goldene Gestirn untergegangen war, als der Purpurglanz an den Höhen und den vorragenden Erhebungen und Felsenformen im Thale erbleicht war und eine gleichmäßigere Vertheilung des Lichtes platzgriff, fiel uns jene oberwähnte, anfangs nicht beachtete Strecke am südlichen Fuße der Höhen, jener zwischen denselben von pittoresken und belaubten Felsenmauern umschlossene Raum auf.

Hatten wir mehrere zufällig hingeblickt, oder war es die erwähnte gleichmäßige Lichtvertheilung, welche die Netzhaut unseres Auges in gleicher Weise afficirte, genug, E., ich und Pit der Griqua stießen unwillkürlich einen Ruf der Ueberraschung aus. Was hatten wir erblickt? War das ein Kirchhof—doch nein, wir sind ja im Centrum Süd-Afrika's unter Wilden. Ruinen sind es, Ruinen einer mit einer niedrigen Felsenmauer umgebenen Stadt. Der von Montsua uns mitgegebene Führer wußte uns darüber folgendes zu berichten: Diese Eingebornenstadt war bis in die letzten Jahre hin von einem Banquaketsestamm (Zweigstamm) bewohnt. Der Sohn des Häuptlings Mosilili, mit Namen Pilani, ein Freund Seschele's des Bakwenakönigs, verließ mit einer Anzahl seiner Anhänger seines Vaters Stadt und das Gebiet des Chatsitsive, um sich im neuen Gebiete des Königs Seschele in Molopolole niederzulassen, worauf Mosilili, ein alter Freund von Chatsitsive, die halbverlassene Stadt mit dem Reste ihrer Einwohner im Stiche ließ, um sich in der Nähe von Kanja anzusiedeln. Die Ruinenstelle ist etwa ¾ englische Meilen lang und stellenweise 2-600 Schritte breit. Die Mauer, die um den Kraal läuft, ist niedrig, blos 3 Fuß hoch, 1-2 Fuß dick und diente wohl dazu, nur das Vieh nahe an den Häusern zu halten. Zur Vertheidigung war sie nur dann von Nutzen, wenn mit Dornenbüschen 4-5 Fuß hoch überdeckt; mit einer ähnlichen, blos aus aneinander gelegten, kopfgroßen Gesteinen errichteten Mauer war auch der tiefste Einschnitt im Höhensattel versehen. Der nächste Tag wurde dem Besuche der Ruinen gewidmet und auf die zahlreichen, die Höhen bewohnenden Hyänen Jagd gemacht.

[Afrikanischer Luchs.]

An den Ruinen fielen uns vor Allem die cylindrischen Mauern, Ueberreste der Wohnungen und Gehöft-Einfriedigungen, ferner einige noch bedachte Hütten, zur Rechten die Ruinen eines Missionshauses, doch vor Allem kegelförmige gedeckte, meist aus röthlichem Thon gefertigte, noch ziemlich gut erhaltene Eingebornen-Wohnungen auf.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 20].

Auf einem längs des Flußufers unternommenen Ausfluge fand ich recht anziehende Partien sowohl in dem Flußbette selbst als auch an den beiden hohen, mit bunter Boden- und Buschvegetation dicht bewachsenen Ufern. Bald stufen- bald walzenförmig lagen die vom Wasser spiegelglatt geschliffenen Felsenblöcke übereinander und bildeten kleine Katarakte, die für den künftigen Besiedler des Ufers natürliche Wehren sind, um seine Mühle zu treiben und seine Gefilde zu bewässern. In den Dickichten am Flusse jagten sich Heerden der gehörnten Perlhühner (N. coronata) und an den lehmigen Stellen sah ich deutliche Fischotter- und Leguanspuren.

Um die Mittagszeit, als wir überall auf den vorragenden Felsenblöcken den Klippschliefer hocken und herumhuschen sahen, machten wir uns mit den Hunden auf, um einigen dieser von den Engländern Rockrabbits, von den Boer's Dossies genannten Dickhäutern nachzustellen. Wohl weil von den Eingebornen häufig verfolgt, zeigten sich diese kleinsten der lebenden Pachydermata sehr scheu; so lange wir am Wagen oder im Bereiche der Ruinenstadt blieben, wichen sie, meist in kauernder Stellung an den vorragenden Felsenblöcken—vielleicht auch als Wachen sitzend—sonst aber in den Büschen nach Wurzeln und Gras, auf den dickstämmigen Sykomoren nach Feigen suchend, nicht von der Stelle; sobald wir jedoch den Fuß der Höhen erreicht hatten, verschwanden sie in der nächsten Felsenritze.

Während Freund Eberwald und F. mit Stephan auf dem östlichen Hügel darauf losknallten, hatte ich mich von dem westlichen steilen Abhange nach dem nördlichen geschlichen, um einen auf der äußersten Felsenspitze vollkommen apatisch und melancholisch hockenden, um seine und die Sicherheit seiner Kameraden unbesorgten Klippdachs anzuschleichen. Nicht ohne Schwierigkeiten und manchen meine Lachlust erregenden Zwischenfall gelang es, den steilen Abhang emporzuklimmen und eine Stelle zu erreichen, von welcher aus das kleine Thierchen in Schußweite lag. Mein Begleiter Pit wollte durchaus noch weiter klettern, ich aber ersah den günstigen Moment und feuerte eine Schrotladung hinauf. Der Schuß hatte getroffen, der Klippdachs kollerte zum Stamm einer über den Abhang sich erhebenden Sykomore und fiel dann einige Fuß senkrecht herab. Athemlos klettern wir über die großen Felsblöcke auswärts, um die Stelle am Fuße der Sykomore zu erreichen—doch welche Enttäuschung, die Erde war vom Blute des Thieres geröthet, das Thier selbst war jedoch verschwunden. Wir durchsuchten alle Ritzen und Löcher zwischen den Felsen—vergebens.

Hyrax capensis, wohl eine und dieselbe Species oder eine sehr nahe Varietät des Hyrax abissinicus ist von der südlichen Meeresküste durch ganz Süd-Afrika über den Zambesi hinaus verbreitet und wählt sich meist felsige Höhen zum Aufenthaltsorte. Von seinem gewählten Schlupfwinkel weicht er nicht gerne und mag auch unter dem Felsen, auf den er sich eingenistet, ein Gehöft oder eine Stadt entstanden sein, er bleibt ruhig wo er war, nur daß er scheuer als in der Wildniß wird. Als kleinster der Dickhäuter ist er ein eigentümlicher Kauz, ein tiefer Denker, der seine Handlungen wohl überlegt, bevor er sie ausführt, sonst ein närrischer und bissiger Geselle. Etwas über Kaninchengröße, mit kurzen Ohren und kleinen, sehr lebendigen Aeuglein, ist er mit einem dichten, dunkel gelblich-braunen Pelze bekleidet, dessenthalben ihm von den Eingebornen eifrig nachgestellt wird. Doch auch sein Fleisch wird von vielen Weißen und von den Eingebornen genossen und manche der Stämme, wie die Makalaka's, bedienen sich mit Nägeln versehener Stöcke, um die in die Felsenritzen geflüchteten Klippschliefer aus diesen herauszuholen. Nebst dem Menschen sind es der Caracal und der südliche Luchs (Lynx pardinus) sowie der braune Adler, welche ihm nachstellen, doch ohne seiner großen und raschen Verbreitung viel Abbruch thun zu können; seiner Brut werden die Genetten gefährlich.

Die steilsten Höhen, schroffe Abfälle, in Süd-Afrika als »Kränze« bekannt, sind seine Lieblings-Aufenthaltsorte. Ein kleiner Hase bewohnt diese Höhen und ist oft sein Gesellschafter, wenn dieser auch nicht in die tiefsten Spalten herabsteigt, sondern sich mehr an der Oberfläche aufzuhalten sucht. Der Klippdachs liebt die Wärme und sich zu sonnen ist neben seinen Nahrungssorgen seine wichtigste Beschäftigung. Nasse Winter (eine Seltenheit auf den Hochebenen) und große Kälte schaden ihm sehr. Gefangene, denen man nicht vollkommen das freie Herumlaufen gestatten konnte und die in feuchten, oben geschlossenen Localen gehalten wurden, erkrankten an Augenentzündungen und siechten zusehends ab; sonst sieht man sie häufig in Behausungen gehalten und an Schnürchen, die sie nicht zerbeißen, angebunden. Man kann sie hier und da für 2-5 Shilling per Stück erstehen.

In einer der vielen trichterförmigen Kalk-Felsenhöhlen in der westlichen Transvaal-Republik beobachtete ich eine Art mit etwas zottigem, fuchsrothem Fell, ohne ihrer jedoch habhaft werden zu können und in den bewaldeten Partien des südlichen Theiles der Cap-Colonie, wie auch in Kafraria, Natal und weiter nordwärts lebt eine graue mit einem weißen Band geschmückte, etwas kleinere Art nur auf Bäumen, von der ich zwei Exemplare sah. Sie sollen ein weithin tönendes Gepfeife ausstoßen und sind sehr scheue, besser als ihre Stammesbrüder auf den Felsen, Feuchtigkeit vertragende Thierchen.

Freund E. war glücklicher als ich, er brachte Turteltauben und ein schönes großes Rebhuhn (Francolinus gariepensis), sowie einige der uns bisher fremden, palmenartigen Grasbäume heim; manche derselben waren stark angekohlt, ein Beweis, daß die Höhen zeitweilig von Bränden heimgesucht werden. Wir benutzten die aus den Stammenden und an den armleuchterartig emporsehenden Abzweigungen hervorsprießenden, viel Kieselkrystalle enthaltenden Blätter, um damit unsere Eisen- und Stahlsachen blank zu scheuern. Ich beobachtete noch eine zweite, höhere und bedeutend dünnere starkverzweigte Art an einigen (immer nur an) Höhen im Zambesithale, eine der beiden Arten soll auch im centralen Transvaal-Gebiete auf den Magalisbergen vorkommen. Die Pflanze gehört unstreitig dem wärmeren Theile Süd-Central-Afrika's an und fesselt durch ihre dunklen, aus dem Grase und zwischen den grauen oder weißlichen Felsblöcken hervorsprießenden, 2-3 Fuß hohen und armdicken Stämmchen sofort die Aufmerksamkeit des Fremden.

Nachdem ich die Häupter meiner Lieben gezählt und keines fehlte, brach ich wieder auf; unser Weg führte uns durch mehrere sandige Flußbette (Koluany und Mahatelve) und zahlreiche Regenmulden, deren Ufer von herrlich grünenden Mimosen bestanden waren. An einer dieser Regenmulden entdeckte unser Führer zahlreiche Hyänen- und Leopardenspuren, die uns zur Vorsicht mahnten. Kaum hatten wir das Schutaniflüßchen, dessen felsiges Flußbett den Zugthieren viel zu schaffen gab, überschritten, als die Hunde mit besonderer Vehemenz auf einen Busch anschlugen.

Da rief Stephan plötzlich: »Bas, Bas. Sir, pass up, een chut lup nack ye tu« (Herr, Herr, gib' acht, ein Ding läuft auf Dich zu). Ich sprang zur Erde, Pit, E. und B., wir alle wandten unsere Blicke nach der Schallrichtung, das Hundegekläffe kam näher, entfernte sich dann aber, als plötzlich einige Schritte vor den Ochsen ein gelbliches, schwarzgeflecktes Thier, ein südlicher Luchs, Thari von den Eingebornen genannt (L. pardinus) über den Weg setzte und den Anhang hinablief. Es schien uns allen so klein, und da die Hunde, namentlich Onkel, dem Thiere auf den Fersen waren, dachte Niemand nach dem Gewehre zu greifen, alles lief dem flüchtigen Thiere nach. Ueber Busch, über Stock und Stein flogen und fielen wir—doch dieses spontane Wettrennen war nur von kurzer Dauer, denn an einem Haufen tief in die Erde eingebetteter Felsblöcke, vor einer tiefen, in eine Höhle führenden etwa 16 Zoll breiten Zerklüftung hielten die Hunde mit einem Male still und kläfften in die Höhle hinab, aus der das Fauchen des Raubthieres zu hören war.

Wir hatten indeß keine Zeit zu versäumen und mußten, wenn auch ungern, zum Wagen zurückkehren. Am Lagerplatze angelangt, schärfte ich den Dienern die größte Wachsamkeit ein und ließ mehrere größere Feuer zur Abwehr der Leoparden errichten.

Durch dichten Niederwald, in dem Laubhölzer zahlreich auftraten, setzten wir am nächsten Tage unsere Reise fort. Wir begegneten zwei Frauen, deren Hals und Brust über und über mit Glasperlenschnüren und Arme und Schenkel mit aus kleinen Glasperlen gearbeiteten fingerdicken Ringen bedeckt waren; ein ihnen folgender Knabe trieb einen Ochsen, der als Packthier das Gepäck der »Schönen« trug. Mit dem Ueberschreiten des Koluanyflüßchens hatten wir das Gebiet Seschele's betreten, des Herrschers der Bakwena's, der nächst den beiden Bamanquato-Herrschern das umfangreichste Landgebiet unter den unabhängigen Betschuana-Königen besitzt.

Durch den Knall unserer Peitsche angelockt, kamen zwei Bakwenaknaben zum Wagen herbeigelaufen, und trugen mir eine Deukergazelle zum Kaufe an; ich erstand das liebe, zierliche Thierchen, das ohne Verwunderung über den Wechsel seines Gebieters so treu und traulich uns mit seinen schönen, großen Augen anblickte und sich im Wagen bald heimisch fühlte, für eine Bagatelle.

Nachdem wir das theils felsige, theils sandige Flüßchen, Malili genannt, überschritten hatten und durch einen tiefsandigen Wald reisten, erblickten wir, während des Aufstiegs durch Bäume verdeckt, eine Höhenkette im Norden, welche bebuscht zu sein schien. Näher kommend, gewahrten wir, daß sich im Osten noch andere Höhen an die erwähnte (der mittlere Theil der Bakwena-Höhen) anschlossen und auf einer derselben hoch oben einen weißen Punkt, einem europäischen, weißgetünchten Gebäude nicht unähnlich. Unser Führer machte uns auf diesen weißen Punkt aufmerksam, es war das Wahrzeichen Molopolole's, die Residenz Seschele's. Der Weg zu der am Abhange eines Höhenzuges erbauten Stadt führte uns durch ein Kesselthal, dessen Sohle von dürftigen und schlechtgepflegten Feldern eingenommen wurde.

Abends fuhren wir bis zu einem in der Mitte des Kessels sich ausbreitenden, von einer Bachschlucht durchschnitten Rasenplatz, in dessen Nähe drei Eingebornendörfer gruppenweise je an dem Fuße einer Höhe lagen und schlugen hier unser Lager auf. Gegen Osten blickend sahen wir in der Entfernung von circa 300 Schritt den Höhenrücken mit Seschele's Villa, die einige hundert Fuß hoch über dem Bette des Baches und dem südlichen Ende einer auf den Höhenrücken sich nach Norden windenden seichten Thalvertiefung, erbaut war. Diese Villa, der sieh die Gebäude des königlichen Haushaltes und die Kotla (der umzäunte Berathungsplatz der conservativen Bakwena's) wie die Gebäude der hier zeitweilig wohnenden Händler anschlossen, lag unter dem Schutze eines kleinen Felsenhügels. Unten am Rande des Thalkessels und am Fuße dieser Höhe lag ein anderer Theil Molopolole's (ein Eingebornendorf). Ein dritter Theil liegt am Fuße des isolirten südlichen Höhenrückens, der von den östlichen und von der lagen nördlichen, von Westen nach Osten sich ziehenden Höhenmasse durch eine lange Felsenenge, das von den Eingebogen Kobuque genannte Felsenthor, geschieden war. Auch am Fuße der eben erwähnten nördlichen Kette liegt ein Stadttheil neben einem in Ruinen verfallenen, doch nicht mehr im Thalkessel, sondern außerhalb desselben, an die nach der offenen Südsüdwestseite hin sich ausbreitenden Felder angrenzend. Eine zweite Schlucht, deren felsenthorartige Mündung Molopolole genannt ist und der Stadt den Namen gab, führt in nördlicher Richtung aus dem Thalkessel; durch sie tritt der Bach aus dem Bakwena-Höhennetze in den Kessel. Unter der Mündung dieser Schlucht im Thalkessel liegen die Gebäude der Missionäre und die Schule, während die Kirche oben auf dem Höhenrücken im oberen Stadttheile zu Anfang einer zum Thalkessel führenden Schlucht erbaut ist.