Neunzehnter Brief.
Reise nach Cincinnati.
Im November 1839.
Buffalo, jetzt eine Stadt mit 20,000 Einwohnern, wurde im Jahre 1814 von den Engländern zerstört, und dieser Ort, zu jener Zeit noch ein Dorf, bis auf ein einziges Haus niedergebrannt. Wie ein Phönix hat es sich aus seiner Asche erhoben, und in diesem kurzen Zeitraume seine Größe erhalten, welche im fortwährenden Zunehmen ist. Die Stadt ist gut gebaut, und alle Häuser, in den Hauptstraßen mit schönen Gewölben verziert, sind aus Ziegelsteinen oder Granit aufgeführt. Sie besitzt sechs Kirchen und mehrere Bethäuser, ein Theater, Rathhaus, Markthallen und große Hôtels. Dazu kommt noch ein Leuchtthurm und ein vortrefflicher steinerner Hafendamm, welcher immer voller Schiffe und prächtiger Dampfboote ist. „Man erstaunt“, sagt Kapitän Marryat in seinem Tagebuche über Amerika, „wenn man bedenkt, daß Alles, was Bezug auf Buffalo hat, seit 1814 entstanden ist; doch findet man in Amerika überall ähnliche Wunder der menschlichen Betriebsamkeit. — „Ueber Hals und Kopf!“ ist das wahre Motto dieses Landes. Jedermann eilt, seinem Nachbar zuvorzukommen. Der Amerikaner lebt zweimal so lange als andere Menschen, da er zweimal so viel vollbringt als Andere. Er beginnt sein Leben schon früher; mit 15 Jahren gilt er für einen Mann, stürzt sich in den Strom der Unternehmungen und schwimmt und kämpft mit seines Gleichen. In jeder Kleinigkeit zeigt der Amerikaner, wie kostbar ihm die Zeit ist. Er steht früh auf, verschlingt sein Essen mit der Hast eines Wolfes und ist den ganzen Tag über hinter seinen Geschäften. Ist er Kaufmann, so hat er selten einen Heller von seinem Gelde in Papieren oder liegenden Gründen stecken, es läuft vielmehr immerfort umher, sein Reichthum ist und bleibt stets produktiv, und wenn er stirbt, muß sein Vermögen aus allen vier Weltgegenden zusammengetrieben werden.“
Meine deutschen Begleiter zum Niagara setzten von hier aus ihre Reise nach Pittsburg fort, ich hingegen beabsichtigte mit dem Dampfschiffe auf dem Erie-See nach Cleveland abzugehen.
Von der Fußparthie am Wasserfalle sehr erschöpft, hielt ich für räthlich, abermals einige Tage hier zu verweilen, um die Gesundheit zu befestigen, der Gebrauch von Tropfen, auf Zucker genommen, welche mir von einem in unserer Herberge einkehrenden Indianer gereicht wurden, und was, wie ich später erfuhr, weißes Terpentin gewesen seyn soll, befreiten mich vom kalten Fieber.
Diese mit den Bewohnern Buffalo’s in friedlichem Verkehr lebenden Indianer vom Seneca-Stamme, haben ihre Niederlassung drei Meilen von hier gewählt, nachdem ihre wilden Väter aus dem Geburtslande vertrieben worden waren.
Schon war das Dampfschiff Erie am 14. November zur Abfahrt bereit, als es ein stark wehender konträrer Wind am Auslaufen hinderte, da die vielen Klippen im Erie-See diese Fahrt äußerst gefährlich machen und jährlich mehre Schiffe als Opfer dort fallen sollen.
Am 15. wurde die Reise bei Windstille angetreten. Das Fahrzeug war außer verschiedenen Waaren, dem Gepäck der Reisenden, auch noch mit über 200 Passagieren befrachtet, woraus man schließen kann, wie viel in Amerika gereist wird, da gewöhnlich ein solches Fahrzeug täglich diese Tour unternimmt.
Bei der Stadt Tonkrik sollten Waaren und Passagiere ausgesetzt werden, weshalb der Steuermann, mehr nach dem Ufer zu, dem Schiffe die Richtung gab, dabei aber die richtige Passage verfehlte, so daß das Schiff auf eine Sandbank fest zu sitzen kam. — Unter verschiedenen Manövern, das Fahrzeug wieder flott zu machen, nahm der Kapitän auch die Hülfe der Passagiere in Anspruch, indem sich die sämmtliche Mannschaft auf der einen Seite des Verdecks versammelte, während die Dampfmaschine mit voller Gewalt in Thätigkeit war. — Auf das Kommando des Steuermannes mußten Alle im Trabe nach der entgegengesetzten Seitenblanke springen und eben so schnell zurückkehren, wodurch das Boot schaukelnd, sich leichter ablösen sollte. Lange blieb auch dieser Versuch ohne Wirkung, bis endlich der sandige Boden nachgab und wir retour von Neuem das Fahrwasser erreichten.
Am Abend wurde zum zweiten Male bei dem Orte Erie Halt gemacht, und frisches Holz zur Heitzung der Dampfmaschine eingenommen. — Nach Mitternacht ging der sich erhebende Wind in Sturm über, wodurch die Fahrt bei der Nähe felsiger Ufer äußerst gefährlich wurde, und sich bei mir durch das Schaukeln des Schiffes die Seekrankheit von Neuem einstellte. Zum Glück legte sich am Morgen der Orkan eben so schnell wie er entstanden, wodurch wir ohne weitern Unfall am 16. dieses Mittags in Cleveland ankamen.
Diese Stadt, von dem Flusse in zwei Theile getheilt, ist noch wenig von Bedeutung, und wird von dicht daranstoßenden Bergen begrenzt.
Ist auch hier, wie überall in Amerika, die englische Sprache vorherrschend, so wird dennoch von den Landsleuten die Muttersprache beibehalten.
Zum Glück kam ich hier zur rechten Zeit noch an, da morgen den 17. November das letzte Kanalboot in diesem Jahre nach Portsmouth, wo der große Erie-Kanal in den Ohio-Fluß einmündet, abgehen sollte.
Der Kapitän (wie sich auch die Führer von Kanalbooten nennen, obgleich jeder Laie einen solchen Posten bekleiden kann), war das richtige Konterfei eines Räuberhauptmanns, und seine Physiognomie flößte mir eine solche Aversion, oder war es Ahndung meines bösen Geschicks auf dieser Reise, ein, daß ich nur mit Widerwillen dieses Fahrzeug bestieg, weil keine andere Gelegenheit sich darbot, da bei vorgerückter Jahreszeit zu befürchten stand, daß man noch vor beendigter Reise unterwegs einfrieren könne, welches letztere uns auch leider widerfuhr.
Die ungünstige Witterung der ersten Tage erlaubte den Aufenthalt auf dem Verdeck nicht, und machte die Fahrt äußerst lästig, zumal da mehre Familien mit kränklichen und ungezogenen Kindern in dem engen Raume sich befanden, welche meine Geduld auf eine harte Probe stellten, da ich vor Allem ein Feind des Kindergeschreies bin. —
Am 19. erreichten wir die Stadt Medina, welche, wie so viele Städte in Amerika, äußerst unbedeutend ist, da ein Wirthshaus, ein Kaufladen mit Spezereien, Tüchern und gebrannten Wassern und noch ein halbes Dutzend Häuser, von Schuhmachern, Schneidern, Schmieden und Wagnern bewohnt, sich den Namen einer Stadt beizulegen pflegen. — Dörfer, wie bei uns, giebt es gar nicht, da jeder Farmer seinen Grundbesitz um die Wohnung herum hat, und die mitunter nicht unbedeutenden Holzflächen die Nachbarhäuser weit entfernen. Aller gesellschaftliche Verkehr hört dadurch auf und jede Familie bleibt nur auf sich selbst beschränkt. Ihr Reichthum ist der Wald, ihre Nachbarn sind die Bäume, das Schulhaus, ihr eigenes Gebäude. Die Kirche ist groß, sie steht frei da und ladet täglich zum Gebet ein. Doch nicht ein Jeder findet darin, was zu des Menschen Heil genüget, drum sucht er oft in weiter Ferne ein gottgeweihtes Haus. In der Mitte des dichtesten Gehölzes steht solches da, und dieses ist der Ort, wo man des Sonntags sich begrüßt, nicht aber wie bei uns durch Tanz und freudige Gelage. Nicht Sturm und Wetter werden gescheut, und ringsum Meilenweit kömmt Jung und Alt, des Predigers Worte zu hören.
Von der Gegend war an diesem Tage nicht viel zu sehen, da der Kanal zwischen holzbewachsenen Bergen durchführt, wo nur dann und wann ein Blockhaus zum Vorschein kommt, welches dem Aeußern nach, nur ärmlichen Bewohnern zum Aufenthalte dient.
Am 20. kamen wir bei der Bergstadt Acrem an, wo sämmtliche Passagiere das Boot verließen, um theils im Orte die nöthigen Einkäufe zu besorgen, theils den Schleusenbau besser zu besehen, durch welchen die Boote mittels 17maliger Steigung 160–170 Fuß hoch auf den Berg gehoben und jenseits nach und nach bis zur frühern Tiefe hinabgelassen werden.
Meine Aufmerksamkeit nahm besonders das in der Nähe befindliche Eisenstein-Bergwerk, mit Anwendung von Dampfmaschinen, in Anspruch.
Eine englische, vornehmthuende Familie von unserm Boote, welche in der Kajüte sich plaçirt hatte, war mir gefolgt, und in dem Wahne, eine des Weges kundige Person in mir zu sehen, da ich nicht zurückging nach dem Stege, auf welchem wir das Wasser passirt waren, sondern in gerader Richtung vorwärts dem Boote nachzukommen suchte, verfolgte sie auch hier meine Fersen. Der Bach gestattete an einer seichten Stelle das Durchwaden, so daß nur die Stiefeln etwas naß wurden.
Der Graf, und selbst sein kleiner Sohn entschlossen sich, gleich mir, das Wasser zu durchgehen, doch die arme Lady blieb zurück, da nach dem Stege, worüber wir gekommen, zurückzugehen, der Weg zu weit war, um zeitig noch das Fahrzeug zu erreichen. Da der Mann zu schwach war, um selbst das Lastthier abzugeben, die liebe Frau hindurchzutragen, so entschloß ich mich, theils aus Mitleid, theils um zu zeigen, daß der Deutsche, wenn er will, auch galant seyn kann, den Träger einer angenehmen Last hier zu machen. Schon war ich glücklich durch den Bach, und nur der Erdwall noch zu ersteigen, um auf festem Boden erst der Last mich zu entledigen, und muthig hatte ich schon die Hälfte des Weges erstiegen, als, o höllisches Geschick! die Füße mir auf dem nassen Boden entglitten und, wer kann vor Unglück! da lag unter mir die stolze Britin im Moraste. Der lose Mann, gleich Vielen seines Gleichen, freute sich des Unfalls seiner Frau, und gab durch Händeklatschen seinen Beifall zu erkennen. Das Söhnchen weinte und die beschmutzte Frau suchte möglichst ihren Unmuth zu verbergen. Als aber beim Aufstehen die Schuhe den ferneren Dienst versagten und in Schmuz zurückbleiben wollten, da konnte sich die Weibernatur nicht länger verleugnen und, Gott sey’s gedankt! in englischer Sprache nur, da sie kein deutsch verstand, erhielt ich meinen Lohn, obgleich nicht ich, sondern der nasse Boden nur die Schuld alles Unglücks trug.
In der Nacht auf den 21. passieren wir die Stadt Massilon, und desselben Tages den kleinen Ort Bethlehem, welcher, der Angabe nach, das beste Trinkwasser haben soll.
Die schöne Witterung an diesem Tage veranlaßte uns, das Boot zu verlassen, welches im letzten Orte auf die nöthigen Zugpferde warten mußte, und wir verfolgten den Pfad, welcher fort und fort durch Felsenschluchten in verschiedenen Krümmungen sich windet. Die Berge, mit Tannen bewachsen, waren nur wenig gelichtet, eben so verriethen nur wenig angebaute Stellen die Nähe von Menschen.
Gegen Abend, bei dem Orte Bolivar, wurde mir eine besondere Freude zu Theil, da uns ein Reisender begegnete, welcher, bei Nennung meines Namens, mir freudig die Hand drückte und die Zeit ins Gedächtniß rief, in der er in Weimar bei mir als Kupferschmidt gearbeitet, und dort glückliche Tage verlebt habe. Auch er, vom Schwindel der Auswanderung ergriffen, unternahm die Reise, landete in New-Orleans, erhielt aber, aus Mangel der Sprachkenntnisse in seinem Geschäfte keine Arbeit und suchte deshalb mit Holzfällen sich so viel zu verdienen, um nach den nördlichen Staaten reisen zu können, wobei er vorzüglich auf die Gastfreundschaft der Farmer rechnete. Das Glück begünstigte sein Unternehmen, da er auf einem Dampfboote, welches den Missisippi und Ohio befährt, eine Stelle als Feuermann erhielt und so nach Cincinnati gelangte, von wo aus er die Weiterreise zu Fuß unternahm.
Die Nacht zum 22. wurde abermals, wegen Mangel an Pferden, gehalten. Den 22. war es empfindlich kalt. Die Gegend war bergig und mit vielem Holz bestanden, welches theilweise umgehauen, zum Faulen die Erde bedeckte, oder niedergebrannt war, weshalb die Gegend nahe am Kanal noch wenig urbar und eben so wenig von Menschen bewohnt ist. — Mittags erreichten wir Newankom-Stadt, wo sich ein mir ewig denkwürdig bleibender höchst trauriger Fall ereignete. Das Boot fuhr unter einer Brücke durch, als ein junger hoffnungsvoller Mensch, auf einem Stuhle auf dem Verdeck sitzend, den späten Ruf des Steuermanns nicht beachtete, welcher durch das Wort: „Bridge!“ (Brücke) den Durchgang unter derselben anzeigte. Ersterer, mit dem Rücken der Brücke zugekehrt, bemerkte die Annäherung derselben und die Gefahr nicht. Der Raum des Durchgangs war nur gering und man konnte nur mit dem Körper flach auf dem Verdeck des Bootes liegend, unter einer solchen gewöhnlichen Brücke wegfahren, ohne sich zu beschädigen. Während des Falles vom Stuhl kam der Kopf des Unglücklichen mit dem Stuhle in Berührung, und in demselben Augenblicke war der Beklagenswerthe eine Leiche, da ihm Kopf und Brust zerquetscht waren.
In der Nacht vom 23/24. gab es viel Schnee, welcher aber bis Mittag des 24. von den warmen Sonnenstrahlen eines der schönsten Herbsttage wieder geschmolzen wurde. Der Kanal führte am 23. ebenfalls durch die mit Mühe und großem Geldaufwand gesprengten Felsenklüfte, welche mit Eichen und Tannen bewachsen sind. Hier in dieser Gegend traf ich eine höchst romantisch gelegene Farmer-Wohnung, von welcher die stattlichen Gebäude den begüterten Besitzer verriethen, und es war das erste Mal auf dieser Reise, daß ich einen solchen um sein Loos beneidete.
Nachmittag wurde bei der Stadt Newark Halt gemacht, wo die Passagiere sich mit dem Nöthigsten versahen, und ich in gleicher Absicht das Boot verließ, um Brod einzukaufen, wobei ich mir eine leichte Erkältung zuzog, welche mich später nöthigte, das Fahrzeug zu verlassen, um ein Bedürfniß zu verrichten. Eben im Begriff vom Boot ans Land zu springen, stieß der Schurke von Steuermann, mein Vorhaben bemerkend, das Boot vom Lande ab, wodurch die Kluft des Wassers sich erweiterte, und ich bei zu kurzem Sprung bis an den Unterleib in dasselbe fiel. Alle Personen auf dem Verdeck brachen in ein Gelächter aus, nicht ahnend, welche traurige Folgen dieser Vorfall für mich haben sollte, da die nassen Kleider nicht sofort mit trockenen vertauscht werden konnten, und eine passende Stelle das Fahrzeug wieder zu besteigen, erst nach Verlauf einer halben Stunde sich darbot. Mein altes Uebel stellte sich ein, und die Schmerzen der Kolik wurden, um größeres Unglück zu vermeiden, durch das möglichste Zusammenschnallen der Leib-Bandage noch vermehrt. Ohne Hülfe, nichts was mir Linderung gewährte, lag ich besinnungslos oder raste wie unsinnig, mich selbst nicht mehr kennend. Erst spät am Abend erreichten wir Schelekatie, wo ein herbeigerufener Arzt Magenpflaster und Fußumschläge verordnete, auch zum innerlichen Gebrauche mir Quecksilber eingab. Was übrigens Alles diese Nacht mit mir vorgenommen wurde, wußte ich nicht, da meine Lebensgeister zu sehr abgespannt waren. Erst am Morgen, als das Magenpflaster erneuert werden sollte, wurde ich gewahr, daß man mir die, der Sicherheit wegen um den Leib getragene Baarschaft entwendet hatte, und solche, aller Nachforschung ohngeachtet, nicht wieder erlangt werden konnte, schon deshalb nicht, weil der Kapitän, welcher mich entkleidet hatte, den Diebstahl selbst vollbracht haben mußte. — Was nun anfangen, da mir nur zwei Dollars in Papier, welche in der Brieftafel und in der Seitentasche des Rockes, schlecht verwahrt, geblieben waren? — Das Ziel der Reise war nicht mehr fern, und ließen auch die großen Schmerzen mich wenig an die Zukunft denken, so glaubte mein stets reger Geist doch wieder Mittel zum Erwerb auffinden zu können.
In der Nacht zum 26. hatte es stark gefroren, so daß es nur vier Pferden möglich wurde, das Boot durch das mit einer Eisdecke belegte Wasser fortzuziehen; bei zunehmender Kälte in der folgenden Nacht fror das Fahrzeug förmlich ein und wir saßen, noch 14 Meilen von Portsmouth entfernt, förmlich fest.
Die Passagiere sahen sich am Morgen des 27. genöthigt, auf Bauernwagen oder per pedes diesen Ort zu erreichen; ich selbst war durch den an mir verübten Raub gezwungen, mich der Zahl der Fußgänger anzuschließen, nachdem ich wegen Mangel des Fahrgeldes, mein gutes Gewehr dem Schurken von Kapitän überlassen mußte. —
Portsmouth, die vornehmste Stadt des Scioto-Landes, am Ohio-Ufer, besitzt eine Bank, einen Gerichtshof und die gewöhnliche Zahl öffentlicher Gebäude mit ungefähr 1000 Einwohnern. —
Am 28. Mittags ging auf dem Ohio-River (Fluß) ein Dampfschiff nach dem 114 Meilen entfernt gelegenen Cincinnati ab, und meine Kasse reichte eben noch zu, das Fahrgeld dahin zu bestreiten, da der Platz im Deck nur einen Dollar betrug. — Die Passagiere im Zwischendeck bildeten auch hier wie auf den Seeschiffen ein Gegenstück zu den Kajüten-Passagieren. Nirgends Ordnung, Jeder treibt nach Wohlgefallen, wie es ihm gutdünkt, und nur den Frauenzimmern wird der Vorrang gelassen. Die Bequemlichkeiten, welche den Kajüten-Passagieren zu Gute kommen, fehlten hier ganz, selbst die vorhandenen Schlafstellen reichten nicht aus für die vielen Reisenden, und deshalb lag Mann an Mann auf dem Fußboden rings um den rothglühenden Ofen, welcher in der Mitte des Raumes angebracht, seine Wärme, da die Nacht sehr kalt war, wohlthuend mittheilte. Mir selbst kam jedoch dieser Genuß nicht lange zu Gute, da ich nur auf einen Augenblick mein Lager verlassen, es von einem Anderen sogleich eingenommen sah und mir daher nichts übrig blieb, als im Mantel gehüllt, entfernt vom Feuer, die Nacht auf einem Baumwollen-Ballen zuzubringen. Das kalte Fieber stellte sich wieder ein, und von Allem entblößt, ging die dunkle Zukunft in traurigen Bildern an mir vorüber.
Nachdem das Dampfboot an mehren kleinen Ortschaften vorbeigefahren, hielt es bei Maysville am Kentucky-Ufer an, wo Passagiere und Waaren ausgesetzt, und andere eingenommen wurden. Diese Stadt auf einem engen Grund und Boden in der Mitte grauer Hügel, welche sich gerade hinter ihr und dem Ohio erheben, erbaut, hat drei Straßen, welche parallel mit dem Flusse laufen und von vier andern im rechten Winkel durchschnitten werden; sie zählt über 2000 Einwohner und ist das Magazin der Güter und Waaren, welche bestimmt sind, den östlichen Theil des Kentucky-Staates zu versehen.
Bis Cincinnati wurde von hieraus die Fahrt ununterbrochen fortgesetzt, wo wir an manchem aber unbedeutenden Orte vorbeifuhren, und den 28. Mittags erstere Stadt erreichten.