DER ACKERMANN AUS BÖHMEN.
[Scherer D. 268, E. 263.]
Dialog zwischen einem Wittwer und dem Tode. Verfasst von Johannes Ackermann aus Saaz in Böhmen 1399 nach dem Tode seiner Frau Margarethe. Herausgegeben von Knieschek (Prag 1877).
Hie bitt der ackerman fur seiner frauwen sele. Die roten buchstaben, die grossen, nennent den clager. Disz capitel stet eines betes weise und ist das vier und dreisigest capitel.
Immerwachender wachter aller welte, gott aller gotter, wunderhaftiger her aller herren, almechtiger geist aller geiste, fürst aller fürstentum, brun, ausz dem alle gutheit fleusset, kroner und die kron, loner und der lon, kurfürst, in des kurfürstentum alle kure! wol im wart, wer manschaft[597] von dir empfahet. Der engel freud unde wunne, indruck der allerhosten formen, alter greiser jungeling, {10} erhore mich!
O liecht, das nicht emphahet ander liecht, liecht, das vervinstert unde verplendet alle auszwendige liecht, schein, vor dem verswindet aller ander schein, schein, zu des achtung alle lieht sint vinsternusz, zu dem alles schatt erscheinet, liecht, das in der beginnusz gesprochen hat: werde liecht, fewr, das unverloschen ewig prinnet, anefang unde ende, erhore mich!
Heil unde selde uber alles heil unde selde, weg an allen irrsal zu deme ewigen leben, bessers, ane das dann nicht bessers ist, leben, in dem alle ding leben, warheit uber alle warheit, weiszheit, die {20} umb fleusset alle weiszheit, aller sterk gewaltiger, recht und gerecht hantbeschawer[598] und widerbringer, aller bruch gantz vermugender, satung der durftigen, labung der krancken, sigel der allerhochsten majestat, besliesung des himels armonei, einiger erkenner aller menschengedenke, ungleicher bilder aller menschenantlitz, gewaltiger planete aller planeten, gantz wurkender einflusz alles gestirnes, des himelhofes gewaltiger unde wunsamer hofmeister, zwang, von dem alle himelische ordenung ausz irem geewigten angel nimmer treten mag, liehte sonne, erhore mich! Ewige lucern[599], ewiges imerliecht, recht varender marner[600], dein koke[601] unterget nimer, panerfurer, unter des paner niemant siglos wirt, der helle stifter, des erdenkloses pauwer, des meres termer[602], der luft unstetikeit mischer, des fewers hitz kreftiger, aller element tirmer[603], doners, bliczen, nebels, schauwers, snes, regens, regenbogens, miltawes[604], windes und aller irer mitprauchung einiger essemeister[605], alles himelschen heres gewaltiger hertzog, unversagenlicher keiser, allersenftigclichster, allersterkster, allerbarmhertzigister schopfer, erparme dich unde erhore mich! Schatz, von dem alle schetz {10} entsprissen, ursprung, ausz dem alle reine auszflusz fliesen, leiter, nach dem niemant ververt[606] in allen wegen, nothaft, zu dem alle gute ding als zu dem weisel der pin[607] nehen und halten, ursach aller sach, erhore mich!
Aller seuchen widerpringender artzt, meister aller meister, allein vater aller schopfung, allweg unde an allen enden gegenwertiger zuseher, ausz der muter in der erden gruft selbmugender geleiter, bilder aller formen, gruntfest aller guten werke, alte weltwarheit, hasser aller unfletigkeit, loner aller guten ding, allein rechter richter, einig ausz dem anfang aller sachen, ewigclicher nimmerweicher, {20} erhore mich!
Nothelfer in allen engsten, vester knode, den niemant aufgebinden mag, volkomens wesen, das aller volkomenheit mechtig ist, aller heimlichen niemant gewissener sachen warhaftiger erkenner, ewiger freuden spender, irdischer wunnen storer, wirt, ingesinde unde hauszgenoss aller guten leute, jeger, dem alle spur unverborgen sein, aller sinnen ein feiner ingusz, rechter und zusammenhalter aller mittel und zirkelmasz, genediger erhorer aller zu dir rufender, erhore mich!
Nahender beistendiger aller bedurftigen, traurenwender aller in {30} dich hoffender, der hungerigen widerfuller, ausz nichts icht, ausz icht nichts allein vermugender wurker, aller wesen zeitwesen unde immerwesen, gantz mechtiger erquicker, aufhalter unde vernichter des wesens, aller ding aussrichter, visirer, entwerfer und abenemer, gut uber alle gut, wurdigster ewiger herre Jesu, empfahe gutlichen die sele meiner aller liebsten frauwen! Die ewige ruwe gib ir, mit deinen gnadentawe labe sie, unter den schatten deiner flugel behalte sie, nim sie, herre, in die volkomen genuge, do genugt den minsten als den grosten; la sie, herre, von dannen sie komen ist, wonen in deinem reich bei den uberseligen geisten!
Mich rewet Margaretha, mein auszerweltes weip. Gunne ir, genadenreicher herre, in deiner almechtigen unde ewigen gotheit spigel sich ewigclichen besehen, beschawen unde erfrewen, darin sich alle engelischen kor erleuchten!
{10} Alles, das unter des ewigen fanentragers fanen gehoret, es sei welicherlei creature es sei, helfe mir ausz hertzengrunde seligclichen mit innigkeit sprechen: Amen!