JOHANN LAUREMBERG.
[Scherer D. 364, E. 368.]
Geboren 1590 zu Rostock, war daselbst 1618–1623 Professor der Poesie und dann bis an seinen Tod (1658) Professor der Mathematik an der Universität Soroe in Seeland. Er schrieb vier Scherzgedichte in plattdeutscher Sprache, die sich in derb realistischer Weise gegen die gelehrten und modischen Thorheiten richten. Herausgegeben von Lappenberg (Stuttgart 1861); Braune (Halle 1879).
AUS DEM RÜDDEN SCHERTZGEDICHTE.
Ein hübscher junger Kerl gebahren in Westfalen,
Sick vörgenamen had, he wolde Wyssheit halen[1041]:
He hedde wol gehört, dat men in keinem Land,
Als in Franckrick alleen fünd Wyssheit und Verstand.
Vernufft de lege dar, als Dreck licht up der Straten,
Ein jeder kond darvan einn groten Sack vul vaten[1042]:
Dar konde men discours und Complementen lehren,
Dörch welke men nu kömt in ansehn, und tho ehren.
Als he was tho Parys gewesen achtein[1043] Weken,
Kond he so wol Frantzösch als ein Frantzose spreken,
He wüste cermoni, he konde caresse driven,
Darmit kam he tho Hus, willkamn van Man und Wyven.
Vnd wyl he altidt hed der Hocheit nagejaget,
Ward he dörch GOttes Gnad up einem Huse Vaget[1044]. 10
Vaget up einem Huse, und Schriver up dem Schlate,
Sehr hoge Ampter sind, van grœt profit und bate[1045]:
Der Buer se früchten[1046] mœt, und dantzn na ere Pipen,
Idt drüppet[1047] all van Geld, wor se man henne gripen.
Se bilden sick vel in, und willen grötter syn,
Als am Frantzöschen Hoff Cardinal Mazarin.
In sodanem respect was de darvan ick rede.
Einmals reep[1048] he den Kock, und also tho em sede:
‘Escoute Cuisinier, von meinen Cameraden
Hab ich zwei oder drei zum desieuner geladen, 20
Mach myr ein gut potage, mit alle appertenance,
Wie man es à la Cour dressiren pflegt en France,
à la nouvelle mode, du solt incontinent
Für dieses dein travail haben ein gut present.
Ich wil à la pareille dein Freund sein en effait,
Mach mir die Suppe nur so wie ich hab geredt.’
De Kock sprack, ‘ja Her Vagt, als gy hebben[1049] gespraken,
So wil ick juw de Supp up goden gloven kaken[1050].’
He lachde bi sick sülvst, und rönde[1051] na der Köken[1052],
Begünd uth allen winkeln de Pötte[1053] uth to stöken[1054], 30
Koel, Arfften[1055], Grütt[1056], Warmbeer[1057], ded he tosamen schrapen[1058],
Vnd goet idt altohoep[1059] in einen groten Grapen[1060],
Dartho dede he, dat idt schold schmecken desto schmucker,
Eine hand vul stötten Peper, und anderthalff lot Zucker.
Dat muste kaken dick, als Weitenmehlen Brie[1061],
Nümmer heb ick gesehen ein solke companie.
Als idt nu was bereit, und ferdig altomahle[1062],
Gaff idt de Meister up in eine sülvern Skale,
He bröcht[1063] idt tho den Heern, de alle darna töffden[1064].
Men[1065] do de goden Lüd de kakeratze[1066] pröffden,
De Ogen würdn en groet, vul runtzeln kam de Stern,
Ein jeder hedd de Supp weddr uth gespiet gern. 10
De ein seed, ‘fi diabl, par ma foy dat schmeckt brösig[1067],
De Kock de dat gekaeckt, de moet syn dum und dösig[1068].’...
De ander sprack: ‘fi, fi, bö, bö, potz veltes[1069] Wunden,
Man schold mit sülker Supp vergeven[1070] Kattn und Hunden,’
Ein inventarium recht nu ick maken moet,
Van allem wat my waant[1071] im Lyve bös und goet.
Hyrmit so toch he loes: ein Wort twe Ellen lanck,
Bald twischen sine Tene herfloet under de Banck,
Se müsten de dar wern sünt Olrick all anropen.
Mit einem Spanschen Reed[1072] de Vaget quam gelopen, 20
‘Coqvin,’ sed he, ‘Cojon, Vidase[1073], loser Tropff,
Itzunder wil ich dir eins langen auff den Kopff,
Cuisinier de Houdan[1074]: was ist das für ein fressen?
Hastu noch nicht gelernt potage recht zu dressen?
Was pesle mesle ist das? was sinds für dolle sachen
Darmit du uns in sampt darffst solchen eckel machen?
Ich wolt dich setzen lahn auffs newe holtzern Pferd,
Wenn ich dich, Maqvereau[1075], achtet meines Zornes werth.’
‘I Heer Vagt,’ sed de Kock, ‘wil gy mi so betalen?
De Supp is thogericht als gy mi hebt befahlen, 30
Gy seden my, ick schold juw[1076] eine Suppe kaken
Even up sülck maneer als gy hadden gespraken.
Idt was jo althomahl verplümpert[1077] wat gy spreken,
Idt was tho samen schrapt uth Düdschland, Franckrick, Greken,
So is de Suppe ock, se is van velen stücken,
Ein jede vör sick sülffst hed sick wol könen schicken,
Men nu is se vermengt, nu is se nicht vel werth,
Schmeckt nicht na Fisch noch Flesch, hefft wedder Kop noch Stert[1078].’
Also wen gy Frantzösch und Düdsch thosamen rören[1079],
So kant kein Düdsch verstahn, schold he idt schon anhören,
Men weet nicht wat idt is, und moet so wat narahmen[1080],
Ehr ment[1081] vernehmen kan, und up de Mening[1082] kahmen. 10
Darüm gnedig Heer Vagt, wen gy wilt Suppe eten,
So spreket Düdisch mit Frantzöschem nicht besmeten[1083].