ACHTZEHNTES KAPITEL

ERSTEIGUNG DES YRIGA UND DES MAZARAGA. — SEE- UND STRASSENRÄUBER. — WASSERPFLANZEN VON BERLIN NACH DEN PHILIPPINEN. — MEIN DIENER PEPE.

Vom Ysaróg kehrte ich über Naga und Nábua zum Yriga zurück, den es mir endlich zu ersteigen gelang.

Der Häuptling der Montesinos hatte täglich Rationen für zweiundzwanzig Mann erhalten, mit denen er angeblich einen Weg zum Gipfel bahnte. Als er aber am Abend des dritten Tages selbst nach Yriga kam, um neue Vorräthe zu holen, da die Arbeit noch einige Zeit erfordere, erklärte ich, dass ich am folgenden Morgen versuchen würde den Berg zu besteigen und forderte ihn zum Führen auf. Er willigte ein, verschwand aber Nachts sammt seinem Begleiter, da die Indier im Tribunal sich das Vergnügen gemacht hatten, ihnen schwere Strafen in Aussicht zu stellen falls die Leistung nicht den Arbeitstagen entspräche. Nach vergeblichem Bemühn um einen andern Führer, verliessen wir Buhi Nachmittags, und übernachteten im Rancho, wo man uns früher so freundlich aufgenommen hatte. Die Feuer brannten noch, aber die Bewohner waren bei unserer Annäherung geflüchtet. Am folgenden Morgen um 6 Uhr begann die Besteigung. Nachdem wir mit Benutzung der früher von uns gebahnten Pfade den Wald durchschritten, ging es durch 3 bis 4 Fuss hohes Gras mit scharfschneidenden Blättern, dann folgte 7 bis 8′ hohes Rohr, vom Habitus unseres Arundo phragmites (es stand aber nicht in Blüthe), das den ganzen oberen Theil des Berges bis zum Rande einnimmt; nur in den Schluchten reichten die Bäume hoch hinauf. In den untern Gehängen waren sie mit Aroideen und Farnen, gegen den Gipfel zu mit Flechten und Moosen bedeckt. Ich fand hier eine schöne neue eigenthümlich gestaltete Orchidee.[1] Die Cimarronen hatten etwas Rohr umgehauen, weiter bahnten wir uns mit Waldmessern den Weg und erreichten schon um 10 Uhr die Spitze. Es war sehr trübe. Auf einen klaren Abend oder Morgen hoffend, liess ich eine Hütte bauen, wozu das Rohr sehr geeignet war. Für sich selbst ein Obdach zu errichten und Brennholz zum Wachtfeuer herbeizuschaffen, waren die Indier zu faul. Sie kauerten, um sich zu erwärmen, dicht an einander gedrückt auf dem Boden, assen kalten Reis und dursteten dazu, da keiner Wasser holen wollte. Von zwei Wasserträgern, die ich mitgenommen, hatte der Eine sein Wasser unterwegs »aus Versehn« verschüttet, der Andre es unten ausgegossen, »weil er geglaubt, dass wir es nicht brauchen würden«.

Ich fand die höchste Spitze des Yriga 1212 Meter, 1120 Meter über dem Spiegel des Buhi-See’s. Von Buhi ging ich nach Bátu.

Der Batu-See (111 Meter Meereshöhe) war seit meinem letzten Besuch im Februar noch tiefer gesunken, der Algenteppich hatte an Breite beträchtlich zugenommen, sein oberer Rand war an vielen Stellen zerfetzt, der untere ging allmälig in einen dicken Wulst faulender Wasserpflanzen über (Charen, Algen, Pontederien, Valisnerien, Pistien u. s. w.), der den Wasserspiegel ringsum einfasste und nur durch einzelne Lücken an das Ufer zu gelangen gestattete. Queer vor der Mündung des Quinali in den See lag eine Barre von schwarzem Moder, in welcher einige schmale Wasserrinnen die weichsten Stellen anzeigten. Da wir mit einem grösseren Boote nicht über die Barre gelangen konnten, so wurden zwei kleine schmale Nachen durch einen Bambusrost verbunden, und mit einem Sonnendach versehn. Vermittelst dieser Vorrichtung, die von 3 kräftigen Büffeln gezogen wurde, während die Mannschaft mit sichtlichem Behagen und lautem Jubel knietief im schwarzen Schlamm watend, schieben half, gelangten wir, wie auf einem Schlitten über das Hinderniss in den Fluss, der bei meinem ersten Besuch an vielen Stellen die Felder überfluthete, so dass die Hütten der Eingeborenen wie Schiffe aus dem Wasser ragten und jetzt (im Juni) nicht einmal sein Bett ausfüllte. Wir mussten daher die Schlittenfahrt bis dicht vor Quinali fortsetzen.

Mazaraga von NNO.

Fuss des Malinao.

In Ligáo stieg ich bei einem befreundeten Spanier ab, da seit meinem letzten Besuch ein grosser Theil der Ortschaft sammt Tribunal und Convento abgebrannt war. Nachdem die nöthigen Vorbereitungen getroffen, ging ich Abends nach Barayong, einem kleinen Cimarronen-Rancho, am Fuss des Mazarága, mit dessen Insassen ich am folgenden Morgen den Berg bestieg. Auch die Frauen begleiteten uns eine gute Strecke und erhielten die Gesellschaft in munterer Laune. Unterwegs wurde einem zu dem Zweck mitgenommenen Indier eine Bambuse voll Wasser zum Tragen übergeben, er warf sie fort, und lief davon, eine Alte trat für ihn ein und schleppte das Wasser unverdrossen bis auf den Gipfel. Dieser Berg war feuchter, als alle die ich je bestiegen, den Semeru in Java etwa ausgenommen. Auf halbem Wege fand ich einige angefaulte Rafflesien.[2] Zwei elend aussehende Cimarronenhunde jagten uns einen jungen Hirsch zu, den einer der Leute durch einen Schlag mit dem Waldmesser erlegte. Im Drittel der Höhe hörte der Pfad auf, doch war es nicht schwierig durch den Wald zu gelangen, der mit Rohr dicht bewachsene obere Theil des Berges verursachte wiederum grosse Schwierigkeiten. Gegen zwölf erreichten wir die Gipfelplatte, die von keinem Krater durchbohrt, flach gewölbt, fast horizontal, und dicht mit Rohr bestanden ist. Ihre Höhe ergab sich = 1354 Meter. In kurzer Zeit bauten die unermüdlichen Cimarronen eine schöne grosse Rohrhütte: ein Zimmer für mich und das Gepäck, einen grossen Vorsaal für die Leute, ein besonderes Haus für die Küche. Leider war das Rohr so nass, dass es nicht brannte. Um etwas Brennholz zum Reiskochen zu haben, wurden dicke Aeste aus dem Walde geholt, und ihr verhältnissmässig trockner Kern mühsam herausgeschält. Die Schwefelhölzer waren so feucht, dass der Phosphor sich beim Reiben ablöste; auf Löschpapier gesammelt, mit dem geschwefeltem Ende des Zündholzes geknetet, ward er trocken, und entzündete sich durch die Reibung. Von anstehendem festem Gestein war nicht eine Spur zu sehn. Alles, von da ab wo der Pfad aufhörte, war dicht bewachsen, der Boden mit einer hohen Schicht feuchter Walderde bedeckt. Der folgende Morgen war hell und gestattete eine weite Rundsicht, aber noch ehe ich sie fertig gezeichnet, ward es wieder trübe, und als nach mehrstündigem Warten der Himmel sich mit dichten Regenwolken bezog, traten wir den Rückweg an.

Rundsicht von Mazaraga.

Lith. Institut v. Wilh. Greve, Berlin.

Auf dem Gipfel schwärmten viele Schmetterlinge umher. Wir konnten aber nur wenige fangen, da das Gehn zwischen den hohen Rohrstoppeln für nackte Füsse sehr beschwerlich war: von zwei Paar, aus Manila bezogenen neuen Schuhen hatten sich, noch ehe ich die Spitze erreichte, die nur leicht angehefteten Sohlen abgelöst, so dass ich den Weg nach Ligao barfuss zurücklegen musste.

Am folgenden Tage ging mein spanischer Gastfreund zweimal nach dem Tribunal, um mir die zur Beförderung meiner Sammlungen nöthigen Büffelkarren zu verschaffen. Seine höflichen Bitten blieben ohne Erfolg; dem Befehl des Cura, der den Gobernadorcillo zu sich in’s Haus beschied, wurde sogleich gehorcht. Für spanische Privatleute haben die einheimischen Behörden in der Regel wenig Rücksichten, sie begegnen ihnen nicht selten mit deutlicher Geringschätzung. Eine amtliche Empfehlung des Alkalden ist gewöhnlich wirksam, aber nicht in allen Provinzen, denn manche Alkalden schaden ihrem Ansehn, indem sie zur Förderung ihrer persönlichen Interessen die Mithülfe oder Verschwiegenheit der einheimischen Behörden in Anspruch nehmen.

Ich schoss hier einige Paníkes, grosse Fledermäuse, mit Flügeln von fast fünf Fuss Spannweite, die im Tagesschlaf an den Aesten eines Baumes hingen (s. Reisesk. S. 216), darunter zwei Mütter mit unversehrten säugenden Jungen. Es sah rührend aus, wie sich die Thierchen fester und fester an den Körper der sterbenden Alten klammerten und auch noch nach erfolgtem Tode sie zärtlich zu herzen schienen; der anscheinenden Innigkeit lag aber nur Selbstsucht zu Grunde, denn als ihr Milchvorrath erschöpft, wurden die Alten rücksichtslos, wie leere Schläuche behandelt. Sobald die Jungen abgenommen wurden, frassen sie Bananen und lebten mehrere Tage lang bis ich sie in Spiritus steckte.

Früh Morgens ritt ich auf dem Gaule des Pfarrers nach Legaspi, und Abends durch tiefen Schlamm zum Alkalden nach Albay. Wir befanden uns jetzt (Juni) mitten in der sogenannten trocknen Jahreszeit, es regnet aber fast täglich. Der Weg zwischen Albay und Legaspi war schlechter als je. Während meines Besuches ging vom Kommandanten der Falúas an der Südküste die Meldung ein, dass er zwei Seeräuberboote verfolgte als plötzlich sechs andre erschienen, um ihm den Rückweg abzuschneiden, weshalb er schleunig umkehrte. Die Falúas sind zwar stark bemannt, und mit Kanonen versehn, aber die von den Ortschaften der Küste gestellte Mannschaft ist gänzlich ungeübt im Gebrauch der Feuerwaffen, und hat solche Furcht vor den Moros, dass sie, wenn nur die geringste Hoffnung zur Flucht vorhanden, mit allen Kräften das Land zu erreichen sucht um davon zu laufen. Die Küstenorte, ohne andre Waffen als hölzerne Piken, waren den Seeräubern völlig preisgegeben, die in Catanduánes, Biri, und mehreren kleinen Inseln festen Stand gefasst hatten und ungestraft Schiffe kaperten oder am Lande Menschen raubten. Fast täglich wurden neue Räubereien und Mordthaten aus den Stranddörfern gemeldet. Die während des Raubzuges zum Rudern verwendeten Gefangenen werden schliesslich als Sklaven verkauft. Bei der Theilung sollen je zwei dem Dato, der die Schiffe ausgerüstet, einer der Mannschaft zufallen.[3] Zwar sind die Küstenfahrer in diesen Gewässern grösstentheils mit Geschützen versehn, doch liegen diese gewöhnlich im Schiffsraum, da Niemand an Bord damit umzugehn weiss. Sind die Kanonen auf Deck befestigt, so fehlen die Kugeln oder das Pulver, aber der Kapitän verspricht es das nächste Mal besser einzurichten.[4] Der Alkalde berichtete die Thaten der Seeräuber mit jeder Post nach Manila, wies auf die grossen dem Handel zugefügten Verluste, und auf die Pflicht der Regierung ihre Unterthanen zu schützen, um so mehr, als diesen keine Feuerwaffen gestattet sind.[5] Von den Bisaya-Inseln ertönten dieselben Hülferufe. Die Regierung war aber machtlos gegen das Uebel. Wurden die Klagen gar zu laut, so sandte sie in die am meisten heimgesuchten Gewässer ein Dampfboot, das fast nie einen Seeräuber zu sehn bekam, obgleich diese dicht vor und hinter ihm ihr Wesen trieben.

In der Hauptstadt Samars traf ich später einen Regierungsdampfer, der seit vierzehn Tagen vergeblich gegen Piraten kreuzte; denn diese, gewöhnlich schon durch ihre Spione gewarnt, sehn den Rauch des Dampfbootes früh genug, um mit ihren flachen Kähnen zu entschlüpfen. Die Offiziere wussten von vornherein, dass ihre Fahrt schwerlich andern Erfolg haben würde, als den geschädigten Provinzen zu zeigen, dass ihr Nothschrei nicht unbeachtet blieb.[6]

Es waren indessen damals schon 20 kleine Dampfkanonenboote von geringem Tiefgang in England bestellt und ihrer Vollendung nahe, sie wurden in Stücken um das Kap transportirt, die ersten beiden trafen bald darauf in Manila ein, die übrigen folgten, und es gelang ihnen den Archipel auf einige Zeit von dieser schweren Plage fast zu befreien[7], wenigstens von den ächten Moros, die jährlich aus der Solosee meist von der Insel Tavi-tavi kamen, im Mai nach den Bisayas gelangten, und dann ihre Raubzüge im Archipel fortsetzten, bis der Wechsel des Monsun im Oktober oder November sie zur Rückkehr zwang.[8] In den Philippinen erhielten sie neuen Zuwachs durch Vagabunden, Desertöre, entlassene Sträflinge, ruinirte Spieler. Aus denselben Elementen werden auch die Banden von Strassenräubern (Tulisánes) gespeist, die zuweilen sehr zahlreich auftreten und Streiche von ausserordentlicher Keckheit ausführen. Nicht lange vor meiner Ankunft waren sie in eine Vorstadt Manila’s eingefallen und hatten in den Strassen mit dem Militär gekämpft. Ein Theil des letzteren pflegt regelmässig durch den Dienst gegen Tulisanes in Anspruch genommen zu werden. Die Räuber sollen in der Regel gegen ihre Opfer nicht grausam sein, wenn kein Widerstand geleistet wird.[9]

In Legaspi fand ich mehrere Kisten mit Blechfuttern, die mit der Ueberlandpost nach 16 Monaten, statt nach 7 Wochen, für mich angekommen waren, da sie von Berlin über Triest versandt, wegen des italienischen Krieges dort liegen geblieben. Ihr fast ausschliesslich zum Gebrauch in den Philippinen bestimmter Inhalt war mir jetzt zum grössten Theil überflüssig. In einer Kiste befanden sich zwei mit Glasstöpseln verschlossene Fläschchen, die eine mit feuchtem Kohlenpulver, die andre mit feuchtem Lehm gefüllt, beide enthielten Samen von Victoria regia und Knollen rother und blauer Nymphäen. Die in der ersten Flasche waren verdorben — wie sich erwarten liess; aber in der mit feuchtem Lehm gefüllten hatten zwei Knollen ½ Zoll lange Keime getrieben und sahen ganz gesund aus. Ich pflanzte sie sogleich; in einigen Tagen entwickelten sie kräftige Blätter. Eine dieser schönen, ursprünglich für den Buitenzorger Garten in Java bestimmten Pflanzen blieb in Legaspi, die andre sandte ich nach Manila, wo ich sie später in voller Blüthe wieder sah. Im Kohlenpulver hatten zwei Victoriakerne über einen Zoll lange Wurzeln gemacht, die aber abgefault, vielleicht auch bei der Zollrevision abgerissen und dann gefault waren, denn der Hals des Fläschchens war zerbrochen; das Kohlenpulver sah aus als wäre darin gerührt worden. Ich theilte dem Inspektor des Berliner botanischen Gartens den glänzenden Erfolg seiner Verpackungsart mit; er machte eine zweite Sendung direkt nach Java, die im besten Zustande ankam, so dass nicht nur die Victoria, sondern auch die von einem afrikanischen Vater und einer asiatischen Mutter in Berlin erzeugten rothen Teichrosen jetzt die Wasserbecken Java’s (letztere Pflanzen vielleicht auch die der Philippinen) schmücken.

Wegen der anhaltenden Regen benutzte ich zwei Backöfen, um meine Sammlungen vor dem Einpacken zu trocknen. Mein Diener verbrannte den grössten Theil, so dass der Rest in einer geräumigen Kiste Platz fand, die ich für einen Dollar erstand. Leider fehlte der Deckel. Um diesen zu beschaffen, musste ich zuerst einen Zimmermann, der wegen einer kleinen Schuld gefangen sass, frei machen, dann Vorschuss geben, um ein Brett zu kaufen und Vorschuss um das versetzte Handwerkzeug auszulösen; die endlich begonnene Arbeit wurde mehrere Male unterbrochen, weil ältere Vorschüsse ungestümer Gläubiger durch Arbeit getilgt werden mussten. Nach fünf Tagen war der Deckel fertig; er kostete drei Dollar, hielt aber nicht lange, denn schon in Manila musste er durch einen neuen ersetzt werden.

In Legaspi fand ich Gelegenheit einen kleinen Schoner nach der Insel Samar zu benutzen, die SO. von Luzon, jenseits der 3 Leguas breiten S. Bernardino-Strasse liegt. Im Augenblick der Abreise verliess mich mein Diener »um ein wenig von den Strapazen auszuruhn« — zu meinem grossen Bedauern, — denn Pepe war gutmüthig, sehr anstellig und immer guter Laune. Er hatte in seinem Geburtsorte Cavite, wo viele spanische Soldaten und Seeleute leben, diesen manches abgesehn, und wurde scherzweis Español de Cavite genannt. Das Herumstreichen von einer Ortschaft zur andern gefiel ihm sehr, er machte schnell Bekanntschaft, und wusste sich bei den Frauen beliebt zu machen; denn er besass viele gesellige Talente, verstand auch Guitarre zu spielen und Büffelkühe zu melken. Kamen wir in ein Pueblo, wo eine Mestizin oder gar eine »Landestochter« (Kreolin) wohnte, so requirirte er, wenn es anging, sogleich eine milchende Büffelkuh, molk sie, brachte der Señora einen Theil der Milch und hielt, unter dem Vorgeben der Dolmetscher meiner Gesinnungen zu sein, eine so höfliche wohlgesetzte Rede, pries die Schönheit und Anmuth der Dame und liess sich mit demüthigster Miene so ungeheuerliche Reiseabenteuer abfragen, dass Ritter und Knappe in hellem Glanze strahlten. Das Geschenk war immer willkommen, (und brachte uns manch Körbchen Orangen ein); denn Büffelmilch ist zur Chocolade sehr beliebt, es kommt aber, wie es scheint, nur selten jemand auf den Einfall eine Kuh zu melken. Leider mochte Pepe nicht Berge steigen, und bekam Bauchweh, wenn er mich begleiten sollte, oder er verschenkte meine starken Schuhe oder liess sie stehlen; die einheimischen aber blieben unangetastet; denn er wusste wohl, dass sie fast nur zum Reiten taugen, woran auch er Freude hatte. In meiner Gesellschaft arbeitete er schnell und gern, aber allein langweilte es ihn, er fand überall Freunde, die ihn abhielten; dann liess er bei dem Abbalgen der Vögel das Fleisch in den Beinen sitzen, so dass sie verfaulten und fortgeworfen werden mussten. Noch unangenehmer war ihm das Packen, darum that er es so schnell als möglich, doch nicht immer mit genügender Sorgfalt, wie einmal, wo er Schuhe, Arsenikseife, Zeichnungen und Chocolade in ein Tuch zusammenband. Trotz solcher kleinen Mängel war er mir sehr nützlich und angenehm. Nach einer so unzivilisirten Insel, wie Samar, ging er aber nicht gern, und als er gar seinen Lohn für acht Monate auf einmal erhielt, und plötzlich ein kleiner Kapitalist war, konnte er der Versuchung nicht widerstehn, ein wenig von den Strapazen auszuruhn.

Spanisch-tagalische Mestizin.


[1] Dendrobium ceraula n. sp. Reichenbach fil. [↑]

[2] Rafflesia Cumingii R. Brown nach Dr. Kuhn. [↑]

[3] Nach E. Bernaldez (Guerra al Sur) betrug die Zahl der innerhalb 30 Jahren geraubten und getödteten Spanier und Indier 20,000. [↑]

[4] Die reichbeladene Nao machte es eben so. s. S. 16. [↑]

[5] Auszug aus einem Brief des Alkalden an den Generalkapitän 20. Juni 60:

Seit 10 Tagen liegen zehn Seeräuberboote ungestört auf der Insel S. Miguel, 2 Leguas von Tabaco, und unterbrechen den Verkehr mit der Insel Catanduanes und dem östlichen Theil von Albay .. sie haben viele Räubereien begangen, 6 Menschen fortgeschleppt .. Es ist ihnen nichts anzuhaben, da es den Dörfern gänzlich an Feuerwaffen fehlt; die beiden einzigen Falúas sind in der San Bernardino-Strasse durch Stürme zurückgehalten.

Brief vom 25. Juni: Ausser den obigen Seeräuberbooten sind 4 grosse Pancos und 4 kleine Vintas in der Bernardino-Strasse erschienen ... ihre Besatzung beträgt 450 bis 500 Mann, sie haben ... zusammen 16 Menschen getödtet, 10 geraubt, 1 Schiff gekapert. [↑]

[6] Zu Chamissos Zeit war es schlimmer: »Die Expeditionen auf bewaffneten Booten, die von Manila aus geschickt werden um gegen den Feind (die Seeräuber) zu kreuzen, ... fröhnen nur dem Schleichhandel und Christen und Mauren weichen dabei einander aus mit gleichem Fleiss (v. Ch. Bemerkungen und Ansichten S. 73). Mas (I. IV. 43) berichtet dasselbe nach Notizen aus dem General-Sekretariat in Manila und fügt hinzu, dass die Kreuzer sogar die ihnen anvertrauten königl. Waffen und Munitionen verkauften, wovon viel in die Hände der Mohren gelangte. Die Alkalden sollten die Befehlshaber der Kreuzer, diese die Alkalden überwachen, sie machten aber gewöhnlich gemeinschaftliche Sache. — Lapérouse erzählt sogar (II. S. 357), dass die Alkalden eine sehr grosse Anzahl der von den Seeräubern (in den Philippinen) gemachten Sklaven kauften, so dass diese nicht nach Batavia gebracht zu werden brauchten, wo sie viel weniger galten. [↑]

[7] Nach dem Diario de Manila 14. März 1866 hat die Seeräuberei zwar abgenommen, aber nicht aufgehört. Paragua, Calamiánes, Mindoro, Mindanao, die Bisayas, haben noch darunter zu leiden. Häufig werden auch Räubereien und Menschenraub von Handelsprauen ausgeführt, wenn die Gelegenheit günstig. Solche Gelegenheitspiraten sind am schwersten auszurotten. Nach meinen neuesten Berichten ist die Seeräuberei wieder im Zunehmen. [↑]

[8] Die Spanier versuchten die Eroberung der Suluinseln 1628, 1629, 1637, 1731, 1746. Später haben häufig Expeditionen stattgefunden, um Repressalien zu üben. Auch im Oktober 1871 wurde eine grosse Expedition gegen Sulu ausgesandt, um die in neuer Zeit wieder sehr überhand nehmende Seeräuberei zu bändigen, ein oder zwei Jahre vorher hatten sich die Piraten bis in die Nähe von Manila gewagt. Im April dieses Jahres (1872) kehrte die Flotte aber wiederum unverrichteter Sache nach Manila zurück. Die Spanier hatten zu dieser Unternehmung fast die ganze Seemacht der Kolonie, vierzehn Schiffe, meist Kanonendampfer, aufgeboten; sie bombardirten die Hauptstadt, ohne besonderen Schaden anzurichten, die Moros zogen sich in’s Innere zurück und erwarteten die Spanier, die indessen nicht zu landen wagten, mit einem wohl ausgerüsteten Heer von 5000 Mann. Nach monatelanger Unthätigkeit brannten die Spanier einen wehrlosen Küstenplatz nieder, verübten dabei viele Grausamkeiten, zogen sich aber zurück, als die Krieger zum Kampfe heranrückten. Die Häfen des Suluarchipels sind jetzt durch Dekret dem Handel verschlossen, doch ist es fraglich ob alle Schiffer dies berücksichtigen werden. Vor nicht langer Zeit hat der Sultan von Sulu dem Könige von Preussen die Oberherrschaft über sein Gebiet angetragen, sein Anerbieten ist abgelehnt worden. [↑]

[9] Das Diario de Manila vom 9. Juni 1866 berichtet: Gestern hat die durch Verordnung vom 3. August 1865 eingesetzte Militärkommission ihre Thätigkeit eingestellt. Es funktioniren wieder die ordentlichen Gerichte. Die zahlreichen Banden von 30, 40 und mehr, bis an die Zähne bewaffneten Individuen, die ihre Spuren von Blut und Feuer an den Thoren von Manila und an so vielen andern Orten zurückgelassen, sind vernichtet ... Mehr als 50 Räuber haben ihr Verbrechen am Galgen gebüsst, 140 sind zum Presidio (Zwangsarbeit) oder zu andern Strafen verurtheilt worden. [↑]