DREIZEHNTES KAPITEL
REISEN IN SÜD-CAMARINES, FORTSETZUNG. — BATU-SEE. — INDISCHE PRIESTER. — NIEDERLASSUNG VON WILDEN. — FEIER DER KREUZBULLE. — BUHI-SEE. — VULKAN YRIGA. — ANANASFASERN. — PFEILGIFT. — BLUTEGEL. — SOLFATARE YGABO. — KIESELSPRUDEL VON TIBI.
Anderthalb Stunden nach der Abfahrt von Polángui erreichten wir den Ort Bátu, in der NW. Ecke des gleichnamigen Sees. Die Leute, besonders die Frauen fielen mir wegen ihrer Hässlichkeit und geringen Reinlichkeit auf. Obgleich sie unmittelbar am See wohnen und täglich ihr Trinkwasser daraus schöpfen, scheinen sie nur selten darin zu baden. Die Strassen des Dorfes sind gleichfalls schmutzig und vernachlässigt, was zum Theil wohl daran liegt, dass der Geistliche ein Eingeborner ist.
Der Bátu-See nimmt im November, zu Ende des Regenmonsun, einen viel grösseren Raum ein als in der trockenen Jahreszeit und ist dann, besonders in der SW. Ecke, weit über seine flachen Ufer getreten. Eine grosse Menge von Wasserpflanzen wächst an den seichteren Stellen, namentlich aber ist eine zierliche Alge[1], nicht dicker als Pferdehaar, aber sehr verästelt und endlos durch einander fortwachsend, in so ungeheurer Fülle vorhanden, dass sie eine hinreichend starke Decke bildet, um grosse Wasservögel zu tragen. Zu hunderten gehn sie darauf spazieren und fressen kleine Fische und Garnelen, welche zwischen den Maschen dieses Netzwerkes wimmeln und ihnen bequem zur Beute fallen. Auch von den Eingeborenen werden letztere massenhaft mit gestielten Netzen aus dem Wasser geschöpft und theils frisch, theils wie alter Käse durch Fäulniss pikanter gemacht, zum Reis gegessen. Diese kleinen Krebse sind durchaus nicht auf den Bátu-See beschränkt. Im Süss- und Brackwasser des philippinischen und indischen Archipels und hinterindischen Festlandes werden sie (oder verwandte Arten) in zahllosen Mengen gefangen und bilden gesalzen, gedörrt, in Salz- oder Gewürzbrühen eingemacht, auch in Form von Pasten wichtige Nahrungsmittel oder Kondimente. Sie fehlen auf keinem Markte und sind Gegenstand nicht unbedeutender Ausfuhr nach China.[2] Es gelang mir nicht von den Wasservögeln zu schiessen, da das dichte Pflanzengewirr den Nachen nicht hinreichend nahe kommen liess.
Als ich denselben See im Februar wieder besuchte, fand ich sein Wasser so bedeutend gefallen, dass ringsum ein breiter Saum trocken lag, der an manchen Stellen über 100′ maass. Das Algengewirr war bei dem allmäligen Zurücktreten des Wassers zu einem dichten, zolldicken, von der Sonne völlig gebleichten Filzteppich zusammengesunken, der sich als ein einziges grosses Tuch rings um den Rand des Sees ausspannte und über die Sträucher fort hing, die bei meinem ersten Besuch unter Wasser standen. Nie habe ich etwas ähnliches gesehn oder erwähnt gefunden. Der Stoff, der in Streifen von beliebiger Länge umsonst zu haben war, erwies sich so vortrefflich zu Flintenpfropfen, zum Ausstopfen von Vogelbälgen und zum Verpacken, dass ich eine grosse Menge davon mitnahm. Diesmal war auch die Vogeljagd ergiebig.
Der eingeborene Priester von Bátu klagt sehr über seine Pfarrkinder, die ihm nichts zu verdienen geben: »Keine Messen Herr; ja dies ist ein so elendes Nest, dass kaum Todesfälle vorkommen. In D. wo ich Coadjutor war, hatten wir täglich unsere zwei Beerdigungen zu drei Dollar das Stück, und Messen zu einem Dollar, mehr als wir lesen konnten; — ausserdem Taufen und Trauungen, die doch auch etwas einbringen; hier aber ist nichts, gar nichts zu verdienen.« Er hatte sich daher mit Eifer auf den Handel gelegt. Die eingeborenen Geistlichen machen ihrem Stande in der Regel wenig Ehre. Unglaublich unwissend, sehr liederlich, nur in den Aeusserlichkeiten ihres Dienstes unterrichtet, bringen sie einen grossen Theil ihrer Zeit mit Spielen, Trinken und andern sündhaften Dingen zu. Sie bemühen sich nicht einmal den äussern Anstand zu wahren, ausgenommen bei der Messe, die sie mit drolliger Würde lesen, ohne ein Wort davon zu verstehn. Häufig sind Mädchen und kleine Kinder im Convento, Alles isst mit den Fingern gemeinschaftlich aus einer Schüssel. Der hiesige Priester stellte mir unaufgefordert zwei hübsche Mädchen als seine beiden armen Schwestern vor, die er trotz seiner grossen Dürftigkeit unterhielte; ihre Töchter wurden aber von den Dienern ohne Scheu Töchter des Cura genannt.
Der Grundsatz der spanischen Kolonialpolitik, eine Kaste durch die andere in Schranken zu halten, damit keine zu mächtig werde, scheint die Ursache, warum ein grosser Theil der Pfarrstellen mit Eingeborenen besetzt wird (angeblich die Hälfte, nach einer gesetzlichen Bestimmung die ich vergeblich gesucht habe). Die Klugheit dieser Maassregel mag wohl zweifelhaft erscheinen. Der spanische Cura hat grossen Einfluss in seiner Gemeinde und bildet vielleicht das einzige feste Band zwischen der Kolonie und dem Mutterlande; in beiden Punkten gewährt der einheimische Priester keinen Ersatz; er geniesst gewöhnlich selbst bei seinen Landsleuten nur wenig Achtung; Anhänglichkeit an Spanien hat er nicht, namentlich hasst und beneidet er seine spanischen Amtsbrüder, die ihm die schlechtesten Stellen übrig lassen und ihn verachten.
Von Bátu reitet man auf guter Strasse N. b. O. in einer halben Stunde im Schritt nach Nábua. Das Land ist flach, zu beiden Seiten Reisfelder; während aber in Bátu der Reis damals gepflanzt wurde, war er in Nábua fast reif. Ich habe über diesen auffallenden Umstand keine genügende Auskunft erhalten können und weiss den dadurch angedeuteten schroffen klimatischen Unterschied zwischen zwei so nahe gelegenen, durch keine hohe Bergwand getrennten Orten nicht zu erklären. Die Menschen sind hässlich und schmutzig und unterscheiden sich darin merklich von den Tagalen. Nábua (10,875 E.) wird von mehreren kleinen Flüssen durchschnitten, die aus den Bergen in Osten kommend hier einen kleinen See bilden, dessen Ausfluss bei Báo durch Aufnahme von Bächen abermals zu einem See anschwillt und sich dann in den Bícol ergiesst. Dicht vor der zweiten Brücke in Nábua wendet sich die Strasse ostwärts und führt in gerader Linie nach Yriga, im Südwesten des gleichnamigen Vulkanes belegen.
Auf dem Abhange des letzteren besuchte ich eine kleine Niederlassung heidnischer Eingeborenen. Von den Bewohnern der Ebene werden sie abwechselnd Ygorroten, Cimarronen, Remontados, Infieles oder Montesinos (Waldbewohner) genannt, keiner dieser Namen, mit Ausnahme der beiden letzten passt aber recht auf sie; der erste kommt eigentlich Stämmen im Norden der Insel zu, die für Mischlinge von Chinesen und Indiern gelten.[3] Cimarron, französisch Marron, den amerikanischen Sklavenkolonien entlehnt, bezeichnet dort einen entsprungenen in Freiheit lebenden Negersklaven, hier einen Eingeborenen, welcher die Bequemlichkeiten des Dorfes sammt seinen Steuern und Frohnden gegen die Entbehrungen und die Unabhängigkeit des Lebens in der Wildniss vertauscht hat. Die Bezeichnung Remontado (remonté) erklärt sich selbst und ist gleichbedeutend mit Cimarron. Da der Gegensatz zwischen jenen beiden Zuständen wegen der Milde des Klimas und der Bedürfnisslosigkeit der Eingeborenen nicht entfernt so gross ist, als er bei uns sein würde, so kommen solche Rücktritte öfter vor, als man glauben sollte, gewöhnlich in Folge eines Vergehens oder einer unbequemen Schuld, zuweilen aus blossem Widerwillen gegen Kopfsteuer und Frohndienste. Der Indier hat eine ausgesprochene Neigung, sich aus den Puéblos in die Einsamkeit zurückzuziehn, auf seinem Felde zu wohnen; und nur dem vereinten Eifer der für die Kopfsteuer haftbaren Dorfältesten und der Geistlichen, die, abgesehn von andern Interessen, auch ihre nach der Kopfzahl berechneten Stipendien zu berücksichtigen haben, gelingt es zu verhindern, dass sich die Puéblos in Visitas, diese in Ranchos auflösen. Nachdem der Verkehr in andern Ranchos desselben Berges meine ersten Eindrücke bekräftigt, möchte ich die unabhängigen Bewohner des Yriga für Mischlinge von Indiern und Negrítos halten. Die Hautfarbe ist dunkelbraun, nicht schwarz, wohl nicht dunkler als bei Indianern, die sich der Sonne sehr aussetzen. Einige, aber durchaus nicht Alle, haben krauses Haar. Während sowohl die in grösseren Truppen zusammenlebenden Negrítos wie die von mir vereinzelt bei Angat und Marivéles angetroffenen keinen Ackerbau treiben, fast ohne Obdach im Freien hausen, sich von spontanen Naturerzeugnissen nähren[4], wohnen die Halbwilden des Yriga in bequemen Hütten und bauen verschiedene Knollengewächse und etwas Zuckerrohr. Reine Negrítos kommen, so weit meine Erkundigungen reichen, in Camarines nicht vor. Ein zum grossen Theil dicht bevölkertes Gebiet, aus dem sich die höheren Berge nur in einzelnen Kuppen erheben, dürfte wohl kaum für ein herumschweifendes Jägerleben ohne Feldbau die erforderlichen Bedingungen darbieten.
Rancho auf dem Abhange des Yriga.
Die wenigen Ranchos des Yriga sind sehr zugänglich, sie stehn im freundschaftlichsten Verkehr mit den Indiern; andern Falls wären ihre Bewohner wohl längst ausgerottet. Trotz dieser nachbarlichen Beziehungen hatten sie doch noch viel von ihrem ursprünglichen Wesen bewahrt. Die Männer waren nackt bis auf ein Schamband, die Weiber gleichfalls oder trugen einen Schurz, von der Hüfte bis zum Knie reichend.[5] In dem grössten Rancho waren die Frauen sehr dezent, nach Art der Indianerinnen bekleidet. Ihr Hausrath bestand aus Bambusgeräth, Kokosschalen, einem irdenen Kochtopf, Bogen und Pfeilen. Bei letzteren, die sehr sorgfältig gearbeitet, war der Schaft aus Rohr, die Spitze aus einem scharfen Bambusschnitt oder aus Palmenholz, dreispitzig oder einspitzig; im letzteren Fall war um die Spitze oft eine spirale Rinne eingeschnitten; zur Schweinejagd werden vergiftete Pfeile mit eiserner Spitze benutzt. Obgleich die Ygorroten nicht Christen sind, hatten sie ihre Hütten mit Kreuzen verziert, die ihnen als Talismane dienen. Wenn sie nichts nützten, meinte eine Alte, würden die Castilas sie nicht überall anbringen.[6] Die grösste der von mir besuchten Rancherien stand unter einem Kapitän, der aber nur wenig Macht hatte. Auf meinen Wunsch rief er einige nackte Bursche herbei, die müssig auf Baumstämmen hockten. Sie gehorchten ihm erst nach langen Erörterungen. Kleine Geschenke, messingene Ohrringe und Kämme für die Frauen, Zigarren für die Männer gewannen leicht ihre Gunst.
Nach einem vergeblichen Versuch den Yriga von hier aus bis zum Gipfel zu besteigen, ging ich um seinen Südwestrand nach Buhi im Südwinkel des Buhi-See’s. Zehn Minuten nach der Abreise von Yriga kommt man an eine Stelle, wo der Boden unter dem Hufschlag hohl klingt. Unzählige kleine, im Mittel 50 Fuss hohe Hügel erheben sich aus der Ebene. Im Norden erblickt man den grossen Krater des Yriga, dessen dem See zugewendete Ostseite eingestürzt ist. Von Yriga her erscheint der Vulkan als ein geschlossener Kegel. Der See hat etwa 1½ Meilen Umfang. Die Hügel bestehn an dieser Stelle aus Basalt, bei Buhi aus grobgeschichteten Rapilli, die Schichten fallen gegen den Yriga ein, der NW. davon liegt. Von einem der höchsten der Basalthügel betrachtet, sieht es aus als wären diese kleinen Anhöhen Ueberreste eines grossen ehemaligen Kraters, der, vielleicht durch Erdbeben zertrümmert, später durch Erosion in diese zahlreichen kleinen Kuppen umgestaltet wurde.
In Buhi liess der freundliche Pfarrer durch Trommelschlag verkünden, dass der eben angekommene Fremde allerlei Thiere zu haben wünsche, Thiere der Erde, der Luft und des Wassers, Thiere der Berge, der Wälder und Felder, und alles baar bezahlen würde. Es wurden aber von den zahlreich herbeiströmenden Neugierigen nur Thiere der Häuser und der Leiber, Schaben, Tausendfüsse und andres Ungeziefer gebracht, die, nachdem sie zu Einlasskarten gedient, als seltene Waare verwerthet werden sollten.
Am folgenden Tage sah ich einen bunten Aufzug: Voran die spanische Fahne, welcher die Dorfpauke, 7×4 Reiter in kurzen Jacken und flatternden Hemden, ein Dutzend Musikanten und schliesslich als Hauptfigur der Träger einer rothseidenen Standarte folgten; eine Ehre, die den Bevorzugten nicht wenig stolz macht und zu einem Schmaus mit reichlichen Spenden von Kokoswein verpflichtet. Er sass zu Pferde, affenartig aufgeputzt, auf dem Kopf einen Dreimaster, der statt goldener Tressen, mit buntem Papier beklebt war, über dem Frack eine papierene Weiberpelerine, kurze enge gelbe Hosen, lange weisse Strümpfe und Schuhe. Rock und Hose waren gleichfalls statt der Tressen mit Papier benäht. Auf ähnliche Weise war das von zwei Cabezas geführte Pferd verziert. Nachdem der Zug sich durch die Strassen des Dorfes bewegt, machte er vor der Kirche Halt.
Dieses Fest wird alljährlich gefeiert zum Gedächtniss der von den Päpsten dem Könige von Spanien gemachten Konzession, die Erträge der Kreuzbulle für sich zu verwenden. Die spanische Krone besitzt in Folge davon das Recht, verschiedene Ablässe, auch für schwere Verbrechen, im Namen des Papstes zu ertheilen. Sie hat dieses Recht gewissermassen im Grossen erworben und verschleisst ihren Kunden die Indulte im Wege des Kleinhandels, früher durch die Pfarrer, seit 1851 im Estanco, zugleich mit andern von ihr monopolisirten Artikeln: Tabak, Branntwein, Loterieloosen, Stempelpapier etc.; jedoch »unter Mithülfe der Pfarrer«.[7] Ohne letztere würde das Geschäft wohl wenig abwerfen. Die Einnahmen daraus haben immer sehr geschwankt; sie betrugen 1819: 15,930 Doll., 1839: 36,390 Doll., und waren für 1860 auf 58,954 veranschlagt; in den beiden Jahren 1844/45 aber stiegen sie auf 292,115 Doll., weil die Ablassscheine damals den Familien zwangsweise aufgenöthigt wurden, indem sie von den Barangayhäuptern »unter Beihülfe und Ueberwachung der Pfarrer und Untersteuerbeamten«, die dafür, bezüglich, 8% und 5% Prämie erhielten, in die einzelnen Häuser vertheilt wurden; — wohl eine der schamlosesten Anwendungen des Repartimiento Systems.[8]
Der Buhi-See (92 Meter Meereshöhe) ist malerisch schön, fast auf allen Seiten von über tausend Fuss hohen Bergen umgeben; sein Westrand wird von dem noch vorhandenen Theil des Yriga-Kraters gebildet. Wie mir die Pfarrer der umliegenden Ortschaften mittheilten, soll der Vulkan bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts ein geschlossener Kesselberg gewesen, und als er bei einem grossen Ausbruch zur Hälfte einstürzte der See entstanden sein. Uebereinstimmend damit heisst es im Estado geogr. S. 247 (der wahrscheinlichen Quelle jener Mittheilungen): Am 4. Januar 1641, einem denkwürdigen Tage, weil zur selben Stunde alle damals in diesem Archipel bekannten Vulkane ausbrachen, stürzte in der Provinz Camarínes ein grosser, von Ungläubigen bewohnter Berg ein, und an seiner Stelle erschien ein schöner See, an welchen die Bewohner des (damaligen) Dorfes Buhi übersiedelten, weshalb er fortan Buhi-See genannt ward.
A. Perrey (S. 48) führt einen Ausbruch vom Jahre 1628 in Camarínes an, der gleichfalls auf jenes Ereigniss bezogen werden könnte:
»1628 bebte die Erde; nach glaubwürdigen Zeugnissen, an einem Tage vierzehnmal in Camarínes; viele Gebäude stürzten ein, ein grosser Berg barst und es brach aus demselben eine solche Menge Wasser hervor, dass in den überschwemmten Gefilden die Bäume ausgerissen, und eine Stunde vom Meer (die direkte Entfernung zum Meer beträgt 2½ Leguas), die Ebene ganz mit Wasser bedeckt war.«[9] Sonderbarer Weise aber stimmt der in einer Note gegebene Originaltext nicht zu A. Perrey’s Uebersetzung. Jener erwähnt nichts vom Hervorbrechen des Wassers aus dem Berge und sagt im Gegentheil, dass die von der ungeheuren Gewalt umgestürzten Bäume am Strande auf eine Stunde weit die Stelle des Meeres einnahmen, so dass auf dieser Strecke kein Wasser zu sehn war.[10]
Vulkan Yriga von Ost-Süd-Ost.
Die Angabe im Estado geogr. muss deshalb Misstrauen erregen, weil in dem amtlichen Bericht über das grosse Erdbeben von 1641 die gleichzeitigen Ausbrüche dreier Vulkane, zweier im Süden des Archipels, einer in Nord-Luzon ausführlich geschildert werden, Camarínes aber ganz unerwähnt bleibt. Das Misstrauen wird durch den Umstand vergrössert, dass derselbe Autor (Nierembergius), dem obige Angabe über den Ausbruch von 1628 in Camarínes entlehnt ist, in einem andern Werke einen ausführlichen Bericht über das Ereigniss von 1641 giebt, ohne dabei dieser Provinz zu gedenken.[11] Bei der grossen Gleichgültigkeit, mit welcher die Mönche Naturereignisse behandeln (waren doch selbst die am Fuss des Albay wohnenden Pfarrer nicht einmal über die Daten seiner letzten Ausbrüche einig), ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Ausbruch von 1641, bei welchem in Nord-Luzon ein Berg einstürzte und ein See an die Stelle trat, im Lauf der Zeit auf den Yriga übertragen wurde.
Vulkan Yriga von Südwest.
Auch von Tambong aus, einer kleinen zu Buhi gehörigen Visita am Seeufer, glückte es mir diesmal nicht die höchste Spitze zu erreichen. Wir gelangten Abends auf den südlichen Zacken des Kraterrandes (1041 Meter nach meiner Bar. Beob.), wo uns eine tiefe Schlucht am weiteren Vordringen hinderte. Die Ygorroten verliessen mich, die Indier weigerten sich zu bivuakiren um am folgenden Tage die Reise fortzusetzen; ich musste umkehren. Spät Abends kamen wir durch eine Kokospflanzung am Fuss des Berges und fanden Obdach gegen ein Gewitter bei einer freundlichen Alten, der meine Diener so viel vorlogen, dass wir trotz unseres Misserfolges, als der Regen nachgelassen, mit Fackeln nach Tambong geleitet wurden und den Palmenhain um den kleinen Weiler mit hellstrahlenden Freudenfeuern von trocknen Kokosblättern zauberhaft schön erleuchtet fanden, zu Ehren der »Conquistadores del Yriga«. Ich musste die Nacht in Tambong bleiben, weil die Leute zu zaghaft oder zu faul waren über den bewegten See zu fahren.
Hier sah ich Ananasfasern für Gewebe bereiten. Den zu diesem Zweck bestimmten Pflanzen wird gewöhnlich der Fruchttrieb ausgebrochen, wodurch die Blätter an Länge und Breite beträchtlich zunehmen. Eine Frau legt ein Brett auf den Boden, darauf ein Ananasblatt, die hohle Seite nach Oben gekehrt; sie hockt an einem Ende des Brettes, hält das Blatt mit den Zehen fest, und schabt mit einem Tellerscherben, nicht mit der scharfen Bruchkante, sondern mit dem stumpfen Rande des Umfangs die oberste Schicht des Blattes ab, die sich in Fetzen löst; dadurch wird eine Lage grober Längsfasern entblöst, die Arbeiterin fährt mit dem Nagel des Daumens darunter, hebt sie auf, zieht sie in einem zusammenhängenden Streifen ab und schabt abermals bis eine zweite feine Faserschicht blosgelegt ist; dann dreht sie das Blatt um, schabt etwa eine Handbreit vom untern Ende der jetzt oben liegenden Rückseite des Blattes bis zur Faserschicht ab, fasst diese mit der Hand und zieht sie der ganzen Länge nach auf einmal vom Blattrücken ab. Nachdem die Fasern gewaschen, um sie von dem noch daran haftenden Parenchym zu reinigen, trocknet man sie an der Sonne. Später werden sie mit einem gewöhnlichen Kamm wie Frauenhaar gekämmt, nach ihrer Feinheit in vier Klassen sortirt, an einander geknüpft und ebenso behandelt wie Lupifasern.[12] Auf diese rohe Weise gewinnt man die Fäden für die berühmten Gewebe, Nipis de Piña, die von Kennern für die feinsten der Welt gehalten werden. Zwei Hemden aus diesem Stoff sind im Berliner ethnographischen Museum (unter 291 und 292), feinere Gewebe im Gewerbe-Museum ausgestellt. In den Philippinen, wo man die Feinheit der Arbeit am besten zu würdigen versteht, sind reich gestickte Piñakleider mit mehr als 2000 Thaler das Stück bezahlt worden.[13]
In Buhi, das nicht hinreichend gegen den NO. gedeckt ist, regnete es fast so viel wie in Darága. Ich hatte mit den Ygorroten ausgemacht, dass sie einen Pfad durch das hohe Rohr bis zum Gipfel durchschlagen sollten, es unterblieb aber wegen des anhaltenden Regens, und ich entschloss mich über den Malinao zu steigen, längs der Küste in mein Standquartier zurückzukehren und neu ausgerüstet den Bicolfluss bis Naga hinabzufahren.
Bevor wir uns trennten bereiteten die Ygorroten noch Pfeilgift für mich, aus zwei Baumrinden, von denen sich Proben unter B. 103 und B. 104 in der botanischen Sammlung der Berl. Universität befinden. Ich bekam nur die Rinden zu sehn, weder Blätter noch Blüthen. Die Bastschicht der Rinde B. 103 wurde zerklopft, ausgedrückt, angefeuchtet und noch einmal ausgedrückt. Dies geschah mit der blossen Hand, die aber nicht verletzt sein darf. Der Saft sieht wie dünne Erbsensuppe aus, er wird in einem Topfscherben über schwachem Feuer eingedampft, wobei er an den Rändern gerinnt. Das Coagulum löst sich durch Umrühren wieder in der kochenden Flüssigkeit. Ist diese zu Syrupsdicke eingedampft, so wird von der innern Oberfläche der Bastschicht B. 104 eine geringe Menge, etwa 1⁄10 so viel als B. 103, abgeschabt und über dem Topf ausgedrückt; dieser Saft ist dunkelbraun. Wenn das Gemenge die Konsistenz einer zähen Salbe hat, so wird es mit einem Span aus dem Scherben herausgekratzt und in einem mit Asche bestreuten Blatt aufbewahrt. Zum Vergiften eines Pfeils verwendet man ein Stück von der Grösse einer Haselnuss, das durch Erwärmen gleichmässig über die breite eiserne Spitze vertheilt wird. Ein vergifteter Pfeil dient viele Male.
Ende November verliess ich den schönen Buhi-See und fuhr, von seinem östlichsten Winkel aus, eine kurze Strecke den kleinen Sapafluss hinauf[14], dessen Anschwemmungen einen beträchtlichen Vorsprung im Umriss des Sees bilden. Ueber eine feuchte Wiese gelangt man an den Abhang des Malinao oder Buhi, der schlüpfrige Thon des untern Abhanges geht weiter oben in vulkanischen Sand über. In dem sehr feuchten Wald wimmelte es von kleinen Blutegeln; ich hatte sie nie zuvor in solcher Menge angetroffen. Die Thierchen, ausgestreckt nicht dicker als Zwirnsfäden, sind ausserordentlich behende, setzen sich an alle Stellen des Körpers fest, dringen selbst in die Nase, in die Ohren, in die Augenlider und saugen sich, wenn man sie nicht bemerkt, so voll, dass sie kugelrund werden und wie kleine Kirschen aussehn. Während sie saugen empfindet man keinen Schmerz, aber später jucken die angegriffenen Stellen oft noch tagelang.[15] An einer Stelle bestand der Wald überwiegend aus Feigenbäumen mit sechs Fuss langen, an dem Stamm und den dickeren Aesten hängenden Fruchttrauben. Die Früchte von Kirschengrösse sassen vereinzelt an den sparrigen holzigen Stielen. Zwischen den Bäumen wucherten kletternde Farne, Aroideen, Orchideen. Nach fast sechs Stunden erreichten wir um 12½ Uhr die Passhöhe (841 Meter) und stiegen am östlichen Abhang hinab. Der Wald ist auf der Ostseite des Berges noch prächtiger als auf der westlichen. Von einer Lichtung hatten wir eine Aussicht auf das Meer, die Insel Catanduanes und die Ebene von Tabaco. Mit Sonnenuntergang langten wir in Tibi an, wo ich mich in dem saubern, von starken Bambusen eingefassten Gefängniss einquartierte, dem wohnlichsten Raum eines langen Schuppens, der die Stelle des vor zwei Jahren durch Sturm zerstörten Tribunals vertrat. Von Tibi hatte ich Gelegenheit den Malinao (auch Buhi und Takít genannt,) zu zeichnen: der von dieser Seite als ein grosser Vulkan mit deutlichem Krater erscheint, vom Buhi-See aus ist er als ein solcher nicht mit voller Sicherheit zu erkennen.
Die Spitze a liegt von Tibi gesehn S. 49°7; b 54°8; d 64°2; e 67° W.; die Einsenkung c S. 59°5 W.
Nicht weit von Tibi, genau NO. vom Malinao, liegt eine schwache Solfatara, Igabó genannt: in der Mitte einer rings von Bäumen umgebenen Rasenfläche ist eine kahle Stelle von ovaler Form, nahe hundert Schritt lang, 70 breit. Der ganze Raum ist mit kopfgrossen und grösseren, durch Zersetzung abgerundeten Steinen bedeckt, beim Zerschlagen lösen sich von der Oberfläche dünne konzentrische Schalen, der Kern ist grau und besteht aus Trachyt. An einigen Stellen sprudelt aus dem Boden heisses Wasser, das sich zu einem kleinen Bach sammelt, einige Weiber waren beschäftigt ihre Mahlzeit zu kochen, indem sie mittelst eines Netzes Caladiumschnitte in das dem Siedepunkt nahe Wasser hingen. An der untern Fläche einiger Steine war ein wenig Schwefel sublimirt, von Alaun kaum Spuren wahrnehmbar; in einer Vertiefung hatte sich Kaolin angesammelt; es wird gelegentlich zum Anstrich benutzt.
Kieselsprudel bei Tibi.
Rother Kegel. Weisser Kegel.
Der weisse Kegel.
Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen von Naglĕgbĕng.[16] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten Aggregatzuständen, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache Kegel mit zylindrischen Aufsätzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bäumen entblösste Stelle zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist, wenige mit Rasen bewachsene Lücken ausgenommen, mit einer Kruste von Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhängende Flächen bildet, gewöhnlich aber durch vertikale Sprünge in fliesenartige Platten zerborsten ist. An unzähligen Stellen dringt siedend heisses, kieselsäurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich über die Fläche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung allmälig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt regelmässig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel, mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es läuft weniger Wasser über, das schon in unmittelbarer Nähe des Beckenrandes verdampft und in jedem Tropfen ein feines Körnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen äussere Seite, weil das Wasser nicht völlig gleichmässig überfliesst, stalaktitisch gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer ist als die Verdampfung, so läuft kein Wasser mehr über den Rand; der Sinter setzt sich dann bei der allmäligen Abkühlung des Wassers mit der grössten Gleichmässigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hört die Sinterbildung im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke zu, und wenn der Kanal gänzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist, so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes, umgekehrt glockenförmiges Becken zurück. In der Abbildung des weissen Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend dargestellt, ein noch schönerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten Widerstand findet, ohne den schönen von ihm aufgebauten Kegel zu zerstören. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grössten Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen Teiche entstanden, erlangen die Dämpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist, solche Spannkraft, dass sie die oberflächliche Kruste in konzentrisch strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Höhe; so entstehen ringförmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst allmälig durch neue Absätze aus dem überströmenden Wasser bildet. An den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem »weissen« und dem »rothen«, sieht man diese Stufenbildung vollendet, an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht, nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in der Vollendung. In der Nähe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen, weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bändern wie bunte Mergel einander überlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens gefärbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen, aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering, sie liegen nicht an ihrer ursprünglichen Lagerstätte und würden nur einen kleinen Theil der ursprünglichen Masse darstellen. Ganz ähnliche Verhältnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel mannichfaltiger, schöner, reiner als die Produkte der isländischen Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter überzogen, dass alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik könnte nicht zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dünne Schichten undurchsichtig weissen oder sehr schwach röthlichen Sinters mit Bändern durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zähe Masse dringenden Gasblasen Reihen dünnwandiger Zellen gebildet, so dicht und regelmäsig, als wären sie organischen Ursprungs, die Zellen sind leer oder mit Hyalith erfüllt, der zuweilen in ununterbrochenen Strahlen die Sintermassen durchdringt.[17] An andren Stellen hat sich der Sinter in dünnen konzentrischen Schalen um feste Körperchen abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schön wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels, der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben dürfte.
Der rothe Kegel.
[1] Nach Grunow, der sie bestimmt hat, Cladophora anisogona Kützing. = Conferva anisogona Montagne. [↑]
[2] Giebel und Siewert Ztschrft. f.d. ges. Naturw. 1870 Bd. 1, 377 enthält einen interessanten Aufsatz von Rob. Pott über Javanische Fleisch-, Fisch- und Krebsextrakte. [↑]
[3] Dr. Semper, der sie nach eigner Anschauung schildert (Skizzen 57), scheint bei den Ygorroten eine solche Mischung nicht anzunehmen. [↑]
[5] Genau eben so fand Pigafetta die Musikmädchen des Königs von Cebu ganz nackt oder mit einem Schurz aus Baumrinde bekleidet (S. 82). Die Hofdamen trugen ausser Hut und kurzem Schleier nur ein kleines Schamband. (S. 89.) [↑]
[6] Aus denselben Gründen haben vielleicht die Chinesen bei ihrem ersten Verkehr mit den Portugiesen den später wieder aufgegebenen Gebrauch der Kreuze angenommen. Pigafetta (187) bemerkt: Die Chinesen sind weiss und tragen Kleider, sie essen von Tischen, wie wir. Sie haben Kreuze, man weiss aber nicht wozu. [↑]
[7] »Die Kirchenprälaten sollen ihren Untergebenen ausdrücklich vorschreiben, den Indiern häufig zu predigen, und sie zu überreden ... dass es Pflicht der Gerechtigkeit und des Gewissens sei, ihren Tribut zu zahlen, und dass sie eine Fülle von Ablass gewinnen, indem sie die heilige Kreuz-Bulle kaufen, ... wegen der geringen Aufklärung und Wissenschaft besagter Indier über diese beiden, für ihre Erlösung eben so wichtigen, als dem Sinne unseres katholischen Monarchen entsprechenden Punkte.« Leg. ult. I, 266 §. 90. [↑]
[8] Der Ursprung dieser Bullen liegt in den von den Päpsten des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts zu Gunsten derjenigen Personen erlassenen geistlichen Gnaden, die sich persönlich oder durch Spenden an den Kreuzzügen betheiligten. Julius II. überliess die Einnahmen daraus auf drei Jahre den spanischen Königen, spätere Päpste verlängerten den Termin; 1750 erhielt Ferdinand VI. für sich und seine Nachfolger das Recht die Erträge der Kreuzbulle selbstständig zu erheben und zu verausgaben. Die Kreuzbulle besteht in einer Bulle für Lebende (de vivos), deren Besitzer durch jeden Priester sogar wegen verheimlichter Verbrechen frei gesprochen werden können; einer Bulle für Todte (de difuntos) zur schnelleren Erlösung aus dem Fegefeuer; einer Bulle den Genuss von Milch, Eiern und Fleisch an Fasttagen gestattend (de lacticinios), Abfindungsbullen (de composicion), wodurch u. a. Diebe, Betrüger, Erbschleicher, Alle, die fremdes Gut nehmen oder behalten, wenn ihnen der eigentliche Besitzer unbekannt ist, Buhler, solche die um Geld falsches Urtheil sprechen, Frauen, die für Geld Ehebruch treiben, falsche Zeugen u.s.w. vollkommenen Ablass erhalten, und das schlecht erlangte Gut in gutem Glauben und mit ruhigem Gewissen als rechtmässig erworbenes Eigenthum behalten dürfen. Doch dürfen jene Verbrechen nicht begangen sein mit der Absicht, sich durch den Kauf der Bulle von der Schuld frei zu machen; denn in solchem Falle müsste der Kasse der heiligen Kreuzbulle das Ganze herausgegeben werden. Nach dem ersten amplifizirten spanischen Text des päpstlichen Kommissars genügte ein Ablasschein von 2 r. für Veruntreuungen bis zur Höhe von 2000 Maravedis. Für solche von über 100,000 Maravedis war mit dem Kommissar zu akkordiren. (R. P. And. Mendo Bullae Sanctae Crucis Elucidatio.). Seit 1801 gilt in den Philippinen ein bedeutend höherer Tarif. [↑]
[9] En 1628, d’après des rapports dignes de foi, la terre trembla 14 fois le même jour dans les Camarínes; beaucoup d’édifices furent renversés, une grande montagne se fendit et il en sortit une telle quantité d’eau, que dans les campagnes inondées les arbres furent arrachés et qu’à une lieue de la mer la plaine était toute couverte d’eau. [↑]
[10] Apud Camarines quoque terram eodem die quatuor decies contremuisse, fide dignis testimoniis renuntiatum est: multa interim aedificia diruta. Ingentem montem medium crepuisse immani hiatu, ex immensa vi excussisse arbores per oras pelagi, ita ut leucam occuparent aequoris, nec humor per illud intervallum appareret. Accidit hoc anno 1638. S. Eusebius Nierembergius, Historia Naturae lib. XVI, 383. Antwerpiae 1635 Fol. (1638 ist bei Perrey, nicht aber im Original verdruckt für 1628). [↑]
[11] Siehe Anhang: Succeso raro. [↑]
[12] Siehe weiter unten bei Abacá. [↑]
[13] Im Fort William, Calcutta, angestellte Versuche haben die ausserordentliche Festigkeit der Ananasfaser dargethan. Ein Kabel von 8 Cm. Umfang zerriss erst bei einem Gewicht von 2850 Kilogr. (Rappt. Exp. Lond. II. 62.) [↑]
[15] Hooker (Himalayan Journ. I, 167) schreibt der ausserordentlichen Häufigkeit dieser Annulaten in Sikkim den Tod vieler Thiere zu, auch das für Rinderpest geltende Viehsterben, wenn es nach einer sehr nassen Jahreszeit eintritt, in deren Folge die Blutegel in unglaublichen Mengen erscheinen . . . Es ist eine bekannte Thatsache, dass diese Würmer Tage lang in den Nasenlöchern, im Schlund und Magen von Menschen gelebt, unsägliche Schmerzen und den Tod veranlasst haben. [↑]
[16] Gemelli Careri erwähnt sie schon. [↑]
[17] In ausserordentlicher Schönheit und Ausdehnung fand ich diese Aggregationsform bei den grossen Kieselablagerungen von Steamboat Springs, Nevada Territory. [↑]
Pavavá
Gestell und Kasten von Bambus, Verbände und Nasenseil des Büffels von Stuhlrohr, Dach von Pandanusblättern.