2.

Heute erhielt ich einen Brief von einem der übergangenen Erben. Er lebt in Holland in überreichen Verhältnissen und scheint glücklich zu sein, den grauen Alltag nicht geerbt zu haben. Er redet mich »Verehrte Regenschirmbase!« an, ist also auf dem laufenden. – Von Herzen wünscht er mir Glück zu der Erbschaft, teilt mir mit, daß er nur noch von zwei alten Lages wüßte, einem Spitalweibchen Fernande Lage, die bei Minden wohne, und einem Matthias Lage aus Paderborn, beide in kümmerlichen Verhältnissen. Er, der Holländer, habe sie unterstützt, aber nie eine Antwort erhalten. Das Spitalweibchen sei eine störrische Lutheranerin, der Matthias Lage hingegen gläubiger Katholik. Von der damaligen Jugend vor ungefähr 25 Jahren sei merkwürdigerweise außer ihm alles verstorben, teils in Wochenbetten, teils in Duellen und sonstigen Raufhändeln, die Lages seien ja allesamt eine närrische Art von Homo sapiens Linné. Dies zur Vervollkommnung der Familiengeschichte. Es sei recht erfreulich, daß Muhme Jesuliebe mit echt Lagescher Spürnase noch etwas Junges aufgestöbert habe. Zum Schluß hofft er, daß der Clemens nicht im grauen Alltag spuke. Diese Bemerkung ist mir vollkommen unverständlich, aber ich werde schon noch dahinterkommen. –