3.

Nun breche ich hier in Thüringen meine Zelte ab, es ist eigentlich nur ein kleinwinziges Zelt im Dörfchen Hochheim bei Erfurt, wohin ich mich verzog, als vier Augen sich schlossen und ich nun nichts weiter vorstellte, als ein »armes Mädchen höherer Stände«. Das ist etwas unglaublich Hartes und erschrecklich Weniges, und jeder glaubt sich berufen, gute oder minderwertige Ratschläge, hie und da auch einen kleinen Fußtritt zu geben. Oder auch mit feinfeinen Nadeln just in die Stelle zu stechen, da es am wehesten tut. So wollten »gute Freunde und getreue Nachbarn« mir durchaus meinen Urväterhausrat über den Kopf weg verkaufen, und meine Aufwärterin nennt mich »kumplett verrückt«, weil ich mir alles gerettet habe, da ich doch für Väterchens uraltes Zylinderbüro und Muttchens eingelegten Schreibtisch »Unsummen« bekommen hätte. – Diese Unsummen würden aber niemals die Summen der Glückesstunden aufwiegen, die ich an diesen beiden Möbelstücken erlebte, durchlitt und durchlachte. Märchenerzähler waren beide Eltern, und führte mich Vater Ernst durch selbsterdachte köstliche Geschichten, die ein unsagbar feiner, guter Humor durchsonnte, so gab mir Mutter Pauline den Reichtum von Andersens Märchen. – Nun steht »Speditör König« mit seinem Möbelwagen vor meiner Tür, und der Kutscher sagt: »Hü, alle meine Pferde« zu dem einzigen, das davorgespannt ist, genau wie es der kleine Klaus tut in Andersens Märchen. Ich habe soeben viele Hände, schwielige und weiche vornehme, gedrückt und ziehe nun mit meinem persönlichen Gepäck von dannen, als da sind: »Vaters Statur, des Lebens ernstes Führen und Mütterchens Frohnatur und Lust zum Fabulieren.«