Tannenberg-Kaltenberg (3¾ Std.).
Zum Abstiege vom Tannenberge benützen wir einen Teil des Aufstiegweges, bis zur Wegteilung nämlich (4 Min.), wo man einen herrlichen Blick auf die zu Füßen liegende, waldumschlossene Station Tannenberg hat. Hier biegen wir r. ab und wandern einen anfangs fast ebenen und erst später mehr sich senkenden Weg abwärts, an dessen bebuschten Gehängen zahlreiche, weit umher kriechende Stengel von doppelährigem Bärlapp (Lycopodium clavatum L.) auffallen und auch Exemplare des selteneren Haller'schen Reitgrases (Calamagrostis Halleriana DC.) zu finden sind. Nach 10 Min. mündet von rechts der steilere Abstieg vom Berge ein; nach weiteren 5 Min. kommen wir zu einer Wegkreuzung vor einem Kruzifix; wir wandern geradeaus weiter und nach 2 Min. links ab. Gleich darauf treten wir aus dem Walde und haben einen prachtvollen Blick auf die betürmte Wolfsbergspitze, die sich in einer Ausbuchtung des Georgentaler Galgenberges (593 m) scharf abzeichnet, symmetrisch flankiert vom Zeidler Plissenberge l. und dem Pirsken r., während der Valtenberg (Turm) den Hintergrund bildet.
Gleich hinter dem erwähnten Kruzifix, wo auch von dem r. liegenden Dorfe Tollenstein ein Weg einmündet, kann man, den Kleinsemmeringer Weg l. lassend, geradeaus einen Abstecher auf den 12 Min. entfernten Georgentaler Kreuzberg (Granit, 563 m), machen. Der Name hängt mit einer Kapelle »zum hl. Kreuz« zusammen, welche 1764 erbaut, 1817 eingeweiht und 1882 durch einen Turm an der Hauptfront erweitert wurde. Sie ist das Wanderziel zahlreicher frommer Waller. Aber auch die Aussicht ist eine bemerkenswerte; an ihr erfreute sich auch am 21. Sept. 1779 Kaiser Josef II. Besonders schön ist der Überblick nördlich über die 138 m niedriger liegende, freundliche Stadt Georgental; dahinter tief im Tale Ober- und Niedergrund, darüber Schönborn r. vom Lichtenberger Teich; westlich liegt der Galgenberg, r. daneben Teichstatt, der Bernsdorfer Teich, dahinter die Wolfsbergspitze; östlich jenseits des Häusermeeres von Warnsdorf und Großschönau die Stadt Zittau. Zur Bequemlichkeit der Besucher hat die Abteilung Georgental des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen 1895 an den schönsten Aussichtspunkten nach allen 4 Weltgegenden Ruhebänke aufgestellt, – Auf dem Kreuzberge stehen wir auf einem geologisch höchst interessanten Boden. In dem Granite, der sich hier – wie schon früher auf unserem Wege am Ziegenrücken bei Innozenzendorf ([S. 44]) – gegen den Sandstein abgrenzt, findet sich nämlich eine ziemlich ausgedehnte Partie von Gneis und eingezwängt zwischen ihr und dem Granit eine Grauwackenscholle, welche sw. von St. Georgental den Wein- und Galgenberg bis zu Hampel's Bleiche einnimmt. Diese Grauwacke nun ist von Erzgängen durchzogen, welche Kupferkies, silberhältigen Bleiglanz und Zinkblende enthalten und wiederholt seit der Mitte des 15. Jahrh. bergmännisch abgebaut wurden, in ausgedehntestem Maße aber unter dem Grundherrn Georg v. Schleinitz, dem St. Georgental als Bergstadt ihre Gründung (1548–1553) verdankt. Der letzte Abbauversuch geschah Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrh.
Wer den Umweg über Georgental machen will, steigt über Stufen, an den Kreuzwegstationen vorüber durch eine schöne Allee hinab. Die auch von Sommerfrischlern aufgesuchte Stadt hat 250 Häuser, namhafte Sammtfabrikation, ein Kriegerdenkmal (seit 2. Okt. 1904), eine Studentenherberge und ist Sitz einer Abteilung des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Aus Georgental stammt außer anderen der berühmte Gesangsmeister Joh. Alois Miksch, geb. 1765, gest. 1845 in Dresden. Beachtenswert sind die an der Außenseite der 1612 erbauten Kirche eingemauerten Sandsteinkugeln mit Löwen- und Menschengesichtern, die vielleicht einst Säulenknäufe oder Wandzierraten im Rittersale der Burg Tollenstein gewesen sein mögen. Der Weg zur Station Grund-Georgental (15 Min.) führt nördlich weiter. Um aber den Kammweg wieder zu erreichen, wendet man sich westlich auf die Kreibitzer Straße und schlägt sodann die südlich von dieser abzweigende, am Schmelzewasser aufwärts führende Straße nach Tannendorf (30 Min.) ein.
Der Kamm-Weg führt vom Waldrande ab, während dem man r. über die Wiesenflächen hinweg einen hübschen Blick auf Obergrund mit Sofienhain, auf die Lichtenberger Windmühle und die Schönborner Kirche darüber und auf den betürmten Kottmar im Hintergrunde hat, in 10 Min. hinunter auf die Straße in Tannendorf (22 H.), auch Telle genannt, eine in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. entstandene Ansiedlung, die sich seit einer Reihe von Jahren, Dank der herrlichen Waldlage und des vorzüglichen Wassers, der vollkommensten Ruhe und Abgeschiedenheit zur Sommerfrische aufgeschwungen hat. In 4 Gast- und 2 Privathäusern findet man gute Unterkunft, in den Gasthäusern »Wildner« und »zum Tannenwald« auch volle Verpflegung zu mäßigen Preisen. Die Nahrungsmittel werden aus Sankt Georgental (30 Min.) beschafft, von wo am West-Ende des Dorfes die Straße einmündet.
Beim Gasthause »zum Tannenwald« verlassen wir das Dorf, lassen nach 2 Min. die Straße nach St. Georgental r. und schneiden, nun wieder im Walde, nach 8 Min. einen Fahrweg, der in 5 Min. zu der r. Hand auf einer Waldlichtung gelegenen, zu Tannendorf und Obergrund gehörigen, aber erst später zur Ansicht kommenden Einschicht »Hampels Bleiche«, auch »Neue Welt« genannt, hinaufführt, senken uns dann allmählich nach l. zu über zwei Ursprungsäderchen des Fischbaches, eines Zuflusses des Grund- bzw. Lausebaches, hinweg – Fundort von üppigem Waldhabichtskraut (Hieracium vulgatum Fries) – und umgehen sodann, allmählich wieder ansteigend, den r. gelegenen Fladenberg (543 m), der seinen Namen von einem Ritter von Flade haben soll, der hier einst eine Glashütte leitete, wobei wir l. des kl. Schöbers (676 m) mit seinen wild sich häufenden Klingsteinblöcken ansichtig werden, die auf dem Gipfel unregelmäßig anstehen und ein liegendes Gesicht vortäuschen, weshalb der Berg auch Gesichtsberg oder Riesenkopf genannt wird. In 20 Min. stehen wir am Bahndamme der Böhm. Nordbahn, dem entlang wir uns nach rechts wenden, zunächst in 4 Min. zum Bahnviadukt und dann in weiteren 4 Min. auf der Oberkreibitzer Straße zu der einschichtig ziemlich hoch (489 m), mitten im Walde zwischen Plissen- (599 m) und Fladenberg auf der Hauptwasserscheide zwischen Elbe und Oder, an der von Oberkreibitz-Schönfeld nach Teichstatt führenden Straße gelegenen Station Schönfeld gelangen, dem Knotenpunkte der Linien Prag-Leipa-Georgswalde-Ebersbach und Warnsdorf-Bodenbach der Böhm. Nordbahn.
Unmittelbar neben derselben befindet sich die Kuranstalt Kleinsemmering, die samt den Stationsgebäuden zur Gemeinde Teichstatt gehören. Den Grund zu dieser Kuranstalt, deren Benennung durch die Steigungsverhältnisse der Bahn und den kleinalpinen Charakter der umgebenden Gebirgslandschaft gerechtfertigt erscheint, legte der Schönfelder Industrielle Emanuel Tschinkel, indem er gleich nach Eröffnung der Böhm. Nordbahn 1869 vom Grundherrn Fürsten Ferd. Kinsky eine größere Waldparzelle erwarb und daselbst eine große Restauration mit zwei Glasveranden nebst Stallungen, Speisegarten, Musikpavillon, Zierpark, Wasserleitung, (Raimundsbrunnen) und einen nahezu 11 ha großen Tiergarten anlegte, wozu dann 1873 und 1874 der Bau der Villa Raimund mit 12 Fremdenzimmern und 1882 ein von eisenhältigen Quellen des Plissenberges gespeistes Badehaus mit 4 bequemen Zellen kam. Seit 1885 gehörte die Anstalt den Brüdern C. G. und F. Hermann, Fabriksbesitzern in Warnsdorf und Isertal. Unter ihnen schwang sich Kleinsemmering infolge mannigfacher Verbesserungen und Erweiterungen zu einem trefflich geleiteten Luft- und Terrainkurorte empor. Seit 1904 ist Ernst Seibt, Kaufmann in Reichenberg, Besitzer, der den Kurort den Fortschritten der Neuzeit entsprechend umgestaltet hat. Es stehen 30 heizbare Zimmer in 5 Logierhäusern zum Wochenpreise von 6–30 K zur Verfügung; Leihbibliothek, Konzertsaal, Briefablage u. a. sind vorhanden; der auf einer nach SO. abfallenden Lehne sich hinziehende Wildpark bietet mit seinem dichten Wald, seinen Wiesenplätzen, Felspartien und seinem Teiche mannigfache Abwechslung und Zerstreuung. Die Kursaison dauert von Mai bis September.
Wir verlassen, dem Kammzeichen weiter folgend, die gastliche Stätte auf einem Fußwege, der hinter den Stallungen der Kuranstalt am Wildparkzaune entlang, anfangs durch einen schattigen Hohlweg am Gehänge des Plissenberges hin, dann über die liebliche Pilzwiese in 20 Min. abwärts ins Kreibitzbachtal nach Oberkreibitz führt. Oberhalb der ersten Häuser des 170 Nummern zählenden Industrialortes, noch besser von dem in der Nähe sich erhebenden Tomelsberge (463 m, Basalt, Totenstein), hat man einen prächtigen Überblick über die zusammenhängenden Orte Oberkreibitz und Schönfeld auf die im Halbkreis angeordneten Bergkuppen des Kreibitzer Gebirges: den kl. Schöber l., dann den gr. Eibenberg, den kl. Eibenberg, den Schindelhengst (dahinter die Spitze des gr. Ahrenberges) und die beiden Himpelsberge (dahinter den Buchhübel); neben Schönfeld l. die Juliushöhe im Vordergrunde.
Im Weiterschreiten durch den schon 1457 urkundlich genannten Ort bemerkt man als vorherrschende Erwerbszweige Zwirnerei und Glasverfeinerung. Letztere Industrie ist sehr alt, da schon im 15. Jahrh., vermutlich schon vor den Hussitenkriegen, daselbst eine Glashütte im Betriebe stand, welche mit dem anschließenden Gute bis 1612 der Familie Friedrich gehörte und im Jahre 1847 dem Neubaue der jetzigen Glasfabrik Platz machte, die 1867 an die Kittel'schen Erben (Franz Zahn) gelangte, seit 1882 Eigentum der Firma Michel und Mayer war, derselben, die auch die Glasfabriken in Teichstatt und Haida besaß, und seit 1904 »A. Mayer & Sohn« firmiert. Sie steht rechts an der Straße, die von der Station Schönfeld herab nach Kreibitz führt und gerade bei ihr kommt der Fußweg von Kleinsemmering herab. Der »Hof«, gegenüber dem Gasthause »zum Herrenhause« – von dessen Terrasse man einen hübschen Blick über den Mühlteich (bei der Rittermühle, jetzigen Glasschleiferei) auf den Tannenberg und den kl. Schöber hat – ist so ziemlich das älteste Gebäude im ganzen Kreibitzer Kessel.
Ein Umweg über Kreibitz, die Perle des Kreibitztales, beansprucht keinen besonderen Zeitverlust. Man erreicht die Stadt auf der Straße weiter längs des Kreibitzbaches in 20 Min.; sie liegt am Kreuzungspunkte der Warnsdorf-Kamnitzer Reichsstraße mit der Oberkreibitz-Niederkreibitzer, zu beiden Seiten des Kreibitzbaches, über den hier eine altertümliche, hochgewölbte Steinbrücke mit zwei Barock-Heiligenstatuen aus dem Jahre 1751 führt, hat 250 Häuser, eine reiche Industrie (vorherrschend Zwirnerei und Baumwollwaren-Erzeugung, auch ein schon 1500 bestandenes Bräuhaus), eine Gedenktafel am Hause Nr. 135 zur Erinnerung an Kaiser Josef II., der hier als Gast des Viehhändlers Kasimir Eschler am 21. Sept. 1779 übernachtete, eine andere am Hause neben dem schönen, gothischen Rathause zur Erinnerung an den berühmten Naturforscher Thaddäus Haenke, der daselbst 1761 geboren wurde, eine zum Teil noch aus dem 16. Jahrhunderte stammende Kirche mit uralten Glocken, und ist Sitz der Abteilung Kreibitztal des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Ihr ältestes Privilegium stammt aus dem Jahre 1383. Man folgt sodann von Kreibitz der südlich nach B. Kamnitz führenden Ärarialstraße, in die nach 45 Min. l. die Schönfelder Straße, und mit ihr der Kamm-Weg einmündet. Auf dem Wege dahin kommt man nach wenigen Min. am Lindenhübel (398 m) l. der Straße vorüber, von dem man sich des Anblickes des Gebirges östlich gegen den Talschluß hin erfreuen und zugleich ein interessantes Naturspiel wahrnehmen kann, nämlich »die schlafende Jungfrau«, gebildet von dem gesichtsähnlichen Umrisse des kl. Schöbers mit dem anschließenden Tannenberge und dessen Ausläufern.
Bei der Glasfabrik grenzt Oberkreibitz an Schönfeld. Nun auf der Kreibitzer Straße einige hundert Schritte nach rechts, bis uns das Kammzeichen auf die Straße verweist, die links durch Schönfeld abbiegt. Währenddem kommt rechts die Stadt Kreibitz zu Gesicht und über sie hinaus zwischen den Himpelbergen (l.) und dem Irig bei Daubitz (r.) die Dittersbacher Felsenwelt, während l. Tannenberg und kl. Schöber mit der Juliushöhe im Vordergrunde im Gesichtsfelde bleiben. Die Bewohner von Schönfeld, das 1709 auf Gründen, die ehemals zur Oberkreibitzer Glashütte gehörten, angelegt wurde, über 100 Häuser zählt, Post- und Telegraphenamt, eine schöne Turnhalle (seit 1903), auch eine Studentenherberge (in der einladenden Schröter'schen Restauration l. an der Straße, die zugleich Auskunftsstelle der Gebirgsvereins-Abteilung Kreibitztal ist) aufweist, haben im Allgemeinen dieselben Erwerbszweige wie die von Oberkreibitz. Vor der Restauration befindet sich die Schröter'sche Zwirnfabrik (mit 6000 Spindeln), weiter die 1840 gegründete Strick- und Häkelgarnfabrik der Firma Ig. Schröter's Sohn, deren Erzeugnisse als Schönfelder Strickwolle eine Spezialität bilden. Unweit der Restauration befindet sich auch die Stammfabrik der bis 1903 bestandenen Firma Aug. Tschinkel Söhne und zugleich der Ausgangspunkt der österreichischen Zichorienfabrikation, die hier von Aug. Tschinkel 1806 zur Zeit der Kontinentalsperre eingeführt wurde. Die seit dem Jahre 1862 daneben bestandene Chokoladenfabrik wurde 1889 nach Lobositz verlegt und mit der dortigen Zuckerwaren- und Kaffeesurrogatfabrik verbunden, wo sie heute noch als Eigentum einer Aktiengesellschaft im Betriebe steht. Auch eine Leimfabrik wurde vor einigen Jahren in Schönfeld errichtet.
Ganz nahe ö. beim Orte (15 Min.) erhebt sich die Juliushöhe, ein zierlicher Basalthügel (514 m), von welchem sich das ganze Kreibitztal mit seinen Waldbergen überblicken läßt; besonders w. und nw., wo sich das Tal zwischen den Himpelbergen (l.) und dem Plissenberge (r.) öffnet, ist der Ausblick fesselnd. Die Stadt Kreibitz jenseits Schönfeld hält die Mitte; l. derselben hat man die Dittersbacher Felsen, dahinter die Zschirnsteine, den Zirkelstein (gerade hinter dem spitzen Marienfelsen), den Pfaffen- und Pabststein und den gr. Winterberg (hinter dem Rudolfstein); r. von Kreibitz trifft der Blick auf den Irig, hinter ihm auf den betürmten Tanzplan b. Nixdorf, weiter r. über Oberkreibitz im Vordergrunde auf den Pickelstein vor dem Rücken des Steingeschüttes, im Hintergrunde auf den betürmten Valtenberg.
In der Nähe der Schröter'schen Strickwollefabrik, dort wo sich der Eisenhübel mit hübschem Blick auf das bachdurchflossene und teichglitzernde Tal zwischen ihm und den. kl. Himpelberge erhebt, teilt sich die den Ort durchziehende Straße. Links führt sie zwischen dem kl. Eibenberge (598 m) und dem, eine liebliche Aussicht bietenden Aschenstein (605 m, r.) über den 527 m hohen Sattel im westlichen Flügel des zentralen Teiles des nordböhmischen Sandsteingebirges in 1 Std. zur Bahnstation Falkenau im Kamnitzbachtale; unsere Straße aber führt r. weiter. Am Ende der letzten Häuser von Schönfeld haben wir vor uns r. die beiden Himpelberge, geradeaus den Schindelhengst, rückwärts den Tannenberg und daneben den gr. und kl. Eibenberg. Hier steht an der Straße der Hochbehälter der am 19. Juli 1904 eröffneten Wasserleitung für die Gemeinden des Kreibitztales aus vier am nö. Abhange des Schindelhengstberges entspringenden Quellen. Die Straße quert dann den 486 m h. Sattel zwischen Schindelhengst (650 m, l.), und dem höheren der beiden Himpelberge, dem sog. »kleinen« oder schwarzen Himpelberge (633 m, r.), und trifft in 30 Min. auf die Kaiserstraße, die von Kreibitz her nach B. Kamnitz führt, wo wir nahe vor uns den kl. Ahrenberg oder Breitenberg (613 m) – interessant wegen der knolligen Form des Basalts inmitten frischgrüner Waldpartien und als Kampfstätte im Gefechte am 19. Juli 1757 – und rechter Hand etwas entfernter den als Aussichtspunkt bekannten Buchhübel (554 m) haben.
Wem harmlose Kletterei und ein kurzer Kampf mit sparrigem Strauchwerk die Wanderfreuden erhöhen, dem ist der Aufstieg auf den schwarzen Himpelberg anzuraten, einen wilden Gesellen mit steilen Abstürzen und ungeheuren Blockhalden basaltischen Gesteins, vor deren mächtigem Druck die Vegetation bescheiden zurückgewichen ist. Die freien Gipfelfelsen lohnen die Mühe durch eine Fülle mannigfaltiger malerischer Ausblicke. W.: An dem greifbar vorliegenden Kaltenberge r. vorüber der betürmte Rosenberg, l. hinter ihm der gleichfalls betürmte hohe Schneeberg und r. hinter diesem der Schönwalder Spitzberg; r. vom Rosenberge die Kirchdörfer Rosendorf und Arnsdorf hintereinander. NW.: Über dem vorgelagerten niedrigeren Himpelberg hinweg der Buchhübel, zwischen beiden hindurch der gr. Winterberg (Turm), l. von diesem Königstein, Pabst- und Pfaffenstein, über den Buchhübel hinaus der gr. Zschirnstein, dahinter der Geisingberg im Erzgebirge; r. vom Buchhübel im Hintergrunde hinter einander Saupsdorf (Kirche), Tanzplan und Valtenberg (Türme). N.: Kreibitz, dahinter die betürmte Wolfsbergspitze zwischen Irig (l.) und Steingeschütte. NO.: Oberkreibitz vor dem Plissenberge, l. dahinter der Czornebog (Turm), r. der ebenfalls betürmte Kottmar und r. vor diesem die Kirche von Schönborn bei Rumburg. O.: Die Juliushöhe hinter Schönfeld, dann der betürmte Tannenberg mit seinem wilden Trabanten, dem kl. Schöber; weiter r. der gr. und der kl. Eibenberg, zwischendurch der Mittelberg. SO.: Der Schindelhengst in nächster Nähe, l. an ihm vorüber rückwärts der gr. Buchberg bei Falkenau und l. hinter ihm die Jeschkenkoppe. S.: Der gr. Ahrenberg r. hinter dem Schindelhengst.
Wir folgen der Kaiserstraße nach l. und haben nach 5 Min. auf einer Waldlichtung l. der Straße das Forsthaus Kreuzbuche, zugleich »Gasthaus zur Kreuzbuche«, vor uns auf der Sattelhöhe (535 m) zwischen dem kl. und gr. Ahrenberge. Der Name der Örtlichkeit hängt mit dem Gefechte zusammen, welches am 19. Juli 1757 die Preußen auf ihrem Rückzuge gegen österreichische Truppen daselbst zu bestehen hatten. Die damals Gefallenen wurden an der alten Straße in der Nähe des jetzigen Forsthauses, das aber erst später gelegentlich der Anlage der heutigen Straße erbaut wurde, beerdigt; man brachte daselbst an einer Buche ein Bildnis des Gekreuzigten an und nannte die Lichtung im Walde mit den Soldatengräbern »bei der Kreuzbuche«; so heißt sie noch heute, wenn auch das Kreuz nicht mehr an einer Buche, sondern gegenüber dem Forsthause an der r. Seite der Straße, wo beschattete Bänke und Tische zum Ausruhen einladen, an einem Lärchenbaume hängt. Die Örtlichkeit ist aber nicht bloß kriegsgeschichtlich, sondern auch volksgeschichtlich von Interesse; hier zog sich gegen den Schöber und weiterhin in der Richtung des Kammweges zum Jeschken der uralte Markwald, die Grenzscheide zwischen den Wenden oder Sorben und den Tschechen, und heute noch gilt diese Richtungslinie als Grenze des sogenannten Niederlandes, des nördlichsten Böhmens. Die Einschicht »Kreuzbuche« gehört zu dem 30 Min. s. entfernten Dorfe Hillemühl (Bahnstation) im Kamnitzbachtale, wohin eine Waldstraße längs des Wiesenwassers von der Kaiserstraße kurz vor dem Forsthause l. abzweigt.
Auf halbem Wege dahin führt l. 50 Schritte seitab ein Weg zu dem vom Lokalklub Hillemühl des Nordb. Exkursions-Klubs erschlossenen Wasserfall mitten in prächtiger Waldung. Er wird vom Wiesenwasser gebildet, das unter der Kreuzbuche entspringt und auch Fallwasser heißt, weil es wenigstens zehnmal gezwungen ist, ganz beträchtliche Sprünge über hohe Felsen zu machen. Der Hauptfall ist ungefähr 10 m hoch und setzt sich unterhalb noch ebenso weit in Abstufungen fort; er verdient deshalb hohe Beachtung, weil er nicht bloß so ziemlich der einzige in dieser Gegend ist, sondern auch mit manchem vielgenannten in den deutschen Mittelgebirgen den Vergleich aushalten kann. – Der gr. Ahrenberg (Ahornberg), an dessen Westabhange der Wasserfall sich befindet, ist eine 705 m hohe, bewaldete Basaltkuppe, die man von der Kreuzbuche aus in 35 Min. besteigen kann. Wenn auch an absoluter Höhe dem Kaltenberge um 26 m nachstehend, ist der gr. Ahrenberg nach räumlicher Ausdehnung und nach seiner zentralen Lage als der König des Kreibitzer Berglandes anzusehen. Die Aussicht beschränkt sich nur auf N. und O., vom Rande des Steilabfalles aus, der den Berg in die Ferne hin wie abgehackt erscheinen läßt, ist aber immerhin lohnenswert. W.: Kaltenberg. NW.: Buchhübel; zwischen beiden die Kuppen der sächsischen Schweiz, ganz hinten der Borsberg bei Pillnitz (in der Einsenkung zwischen gr. und kl. Winterberg); l. vom Buchhübel der Tanzplanberg (Turm), r. der Irig. N.: Kreibitz hinter den beiden Himpelbergen, r. davon Kleinsemmering, weiter die Kirche von Schönborn und dahinter der betürmte Kottmar. NO.: Der gr. Eibenberg, dah. Schöber, Tannenberg, Ruine Tollenstein, Warnsdorfer Spitzberg; r. vom Tannenberge die Lausche hinter dem Friedrichsberge. O.: Hochwald (Turm) hinter dem Hackelsberge, r. davon die Jeschkenkoppe. SO.: Über Falkenau der Kleis, r. davon die beiden Bösige. Am n. Fuße des gr. Ahrenberges, in dem dort anstehenden Sandsteine, findet sich ein verbrochener Stollen, die sog. »Silbergrube«, in der man wahrscheinlich nach Eisenerzen gesucht hat.
Der Kammweg folgt, am Fuße des kl. Ahrenberges hin, während die dunklen Kuppen des Schindelhengst- und gr. Ahrenberges l. verschwinden, der nach B. Kamnitz weiter führenden Waldstraße noch 6 Min. und biegt dann r. ab auf einen steinigen Fahrweg, der zwischen hohem Mischwald zumeist eben verläuft. Durch das goldgrüne Laubdach der Buchen irren einzelne Sonnenstrahlen nieder auf den feuchten Boden und werden vom lichthungrigen Völkchen der mannigfaltigsten Kräuter begierig aufgesogen, die hier auf der Verwitterungserde des Basaltes mit besonderer Vorliebe gedeihen und die Gastfreundschaft mit einer Fülle kleiner Reize entgelten: Christophskraut (Actaea spicata L.), Bingelkraut (Mercurialis perennis L.), Zahnwurz (Dentaria bulbifera L. und Dentaria enneaphylla L.), weiße Pestwurz (Petasites albus Gärtn.), Süße Wolfsmilch (Euphorbia dulcis L.), Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum All.), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora Retz.), Sauerklee (Oxalis acetosella L.) u. s. w., vor allem aber Freund Waldmeister (Asperula odorata L.).
Mittlerweile haben wir den südl. Fuß des Auberges (688 m) umgangen und werden seiner nach 13 Min., nach Überschreiten zweier Wasseradern, die dem Wiesenbache zufließen, r. ganz nahe über einer Wiese ansichtig. Noch 1 Min. und auch l. wird der Ausblick frei auf den schroff aufsteigenden Goldberg, l. an ihm vorüber auf die vor dem Forstberge sich weit hindehnende Stadt Steinschönau. Am Südabhange des Auberges zwischen Wiesen weiterschreitend, treten nach und nach l. von Steinschönau andere Kuppen ins Gesichtsfeld: vorn der schroffe Mittenberg bei Preschkau, dahinter der Steinschönauer Berg, noch weiter der Sonnebergrücken; dann l. vom Mittenberg vorn der Schäferberg, dahinter der Bildstein, an den sich nach l. der Blottendorfer Kamm, das Breitfeld und der gr. Buchberg anschließen; zwischen den letzteren beiden zeigt sich hinter den Häusern von Falkenau-Kittlitz die Spitze des Kleis; der gr. Ahrenberg schließt am weitesten l. das Bild ab.
Nach 5 Min. kommt r. am Auberge vorüber der Kaltenberg zum Vorschein, vor uns der Himmertschberg, zwischen beiden hinten der prächtige Rosenberg.
Hier zweigt l. ein Fahrweg in 10 Min. zum Goldberge (654 m) ab, dessen Besuch jedem klettergeübten Wanderer anzuraten ist. Der Gipfel wird von einem durch zwei Scharten unterbrochenen, ziemlich scharfen Grat gebildet; nach Süd fällt der durch eine starke Polarität sich auszeichnende Fels senkrecht zu mächtigen Schutthalden ab; die Westseite zeigt schöne Absonderungsrisse des basaltischen Gesteins; ein Bruch auf der uns zugekehrten Nordostseite zeigt vorzüglich abgesonderte, gleich stark in einer Länge von mindestens 20 m verlaufende Basaltsäulen. Der höchste Punkt ist besetzt mit einem Strauch der Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum L.); nach Südost verdecken Buchen die Aussicht; die anderen Richtungen gewähren höchst malerische Ausblicke.
Zwischen Wiesen, auf denen Wohlverleih (Arnica montana L.) in kräftigen Exemplaren wächst, eben weiter wandernd, sind wir nach 3 Min. beim ersten Hause von Hasel; unter uns zieht sich l. das Dorf, darüber zeigt sich l. vom Himmertschberge der Huttenberg, noch weiter l. der Lotterberg und hinter ihm die Doberner Höhe mit Parlosa. Am Auberg-Walde (r.) entlang, an den die Häuser grenzen, wenden wir uns l. auf die Dorfstraße, die wir in 3 Min. erreichen, unmittelbar bei Franz Büchse's Gasthause »zum Kaltenberg«, wo man ganz gut aufgehoben ist. Dorf Hasel, das sich eines sehr hohen Alters rühmen kann, zieht sich mit seinen 150 Häusern zu beiden Seiten des Haselbaches, der oberhalb des Dorfes am Kaltenberge entspringt, lang hingestreckt in steiler Talschlucht sö. abwärts von 550 m bis 400 m Seehöhe gegen das Kamnitztal und eignet sich vermöge seiner echt alpinen, zwischen Waldbergen geschützten Lage vorzüglich zum Sommeraufenthalte, wozu in 3 Gast- und 6 Privathäusern Wohnungen verfügbar sind zum Wochenpreise von 4 K aufwärts für eine Person. Es besteht hier eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge, eine Zwirnfabrik, mehrere Bleichen, ferner ein schönes Schulhaus, zu dessen Bau der als eines Bauern Sohn in Hasel 1810 geborene und in B. Kamnitz am 28. Aug. 1889 verstorbene Fabriks- und Herrschaftsbesitzer Franz Preidl Edler v. Hassenbrunn 20000 K beitrug.
Bei Hasel wurde am 19. Juli 1757, nach der Schlacht bei Kolin, ein Teil der auf dem Rückzug von Leipa über B. Kamnitz und Kreibitz nach Zittau befindlichen preußischen Armee, gegen 45000 Mann unter den Generälen v. Schmettau, Winterfeld, v. Seydlitz und dem Prinzen von Bayern, von österreichischen Kroaten und Hußaren unter General Beck, welche die Waldungen am Kaltenberg zur Sicherung der Paßstraße B. Kamnitz-Hasel-Kreibitz, sowie der Straße nach Niederkreibitz, welche über Kunersdorf den Westfuß des Berges umzieht, besetzt hielten, überfallen, und mußte nach langem, den ganzen Tag währendem, blutigem Gefechte einen großen Teil seiner Bagage- und Munitionswägen, sowie die mitgeführten Pontons im Stiche lassen. Der heftigste Kampf fand in der sog. »Dreh« zwischen Hasel und Kunersdorf, dann beim »grünen Kreuz« nächst Unterhasel, auf den Hasler »Felgen«, am Breitenberge, im blauen Meere, auf dem Klötzerplane, bei der Judenbrücke, in den Tschakert'schen Gräbern bei Kaltenbach und an noch andern Stellen, die von daher ihren Namen führen (Kriegerwiese, Preußenhau), statt. Beim Streurechen und Holzmachen fand man bis in die neueste Zeit Kugeln, Rüstzeug und Waffen, die zum Teil noch von Hasler Insassen verwahrt werden.
Noch eine kurze Wegstrecke und wir betreten den freien, mit Äckern und Wiesen bedeckten Sattel oberhalb des Dorfes; r. schaut der Auberg auf uns herab, l. erhebt sich noch beiläufig 150 m hoch der Kaltenberg; vom S. her grüßt aus dem Kamnitztale der steile, ruinengekrönte Schloßberg, dahinter erblicken wir die Steinschönauer Hochfläche, weiterhin den Geltsch und Berge des Mittelgebirges. Zur Spitze des Kaltenberges leitet eine originelle, von der Gebirgsvereinssektion Hasel 1887 bis 1890 geschaffene Weganlage, S-förmig, gepflastert, 2 m breit, deren Unbequemlichkeit, die besonders beim Abwärtsgehen trotz des an der steilsten Stelle angebrachten Geländers große Vorsicht erheischt, durch den prächtigen Laubwald ausgeglichen wird. Jedem Naturfreund, zumal dem Botaniker, muß das Herz aufgehen angesichts der Üppigkeit und Mannigfaltigkeit des Pflanzengewühls, womit der Boden des herrlichen Bergwaldes geziert ist. Abgesehen von verschiedenen seltenen Pflanzen, wie Cineraria sudetica Koch (Sudeten-Aschenkraut), Poa sudetica Haenke (Riesengebirgs-Rispengras), Veronica montana L. (Berg-Ehrenpreis), Arum maculatum L. (Geflecktblättrige Zehrwurz), Lunaria rediviva L. (Mondviole), Circaea alpina L. (Alpen-Hexenkraut), Ribes alpinum L. (Alpen-Johannisbeere), Lilium martagon L. (Türkenbund), Lycopodium annotinum L. (Sprossender Bärlapp) u. a., erscheinen viele bekannte Pflanzen, Vergißmeinnicht, Anemonen, Lungenkraut, Primel und Sauerklee in ganz auffälliger Größe und Farbenpracht. Unter dem Gestein finden sich zierliche Schnecken (Helix personata Lk., Clausilia laciniata). Ohne große Anstrengung ist die Spitze des Berges in 25 Min. von der Hochmatte ab erreicht. Seine aus olivinreichem Basalt bestehende Kuppe bildet den Endpunkt und zugleich die höchste Erhebung (731 m) im Kreibitzer Gebirge, wie der westliche Flügel der zentralen Gruppe des Nordböhmischen Sandsteingebirges gewöhnlich genannt wird. Seiner hervorragenden Lage wegen diente der Berg, im Volksmunde »Kalenberg« geheißen, bei der einstigen Triangulierung Böhmens als Dreieckspunkt, wie ein noch vorhandener Stein mit der Inschrift: »Monumentum astronomico-geometricum« beweist. Auch zum Nummerngucken diente er. Im J. 1854 ließ der Grundherr Fürst Ferd. Kinsky auf dem Gipfel, damals nach ihm »Fürst Ferdinand-Stein« benannt, einen hölzernen Aussichtsturm und eine fliegende Schankwirtschaft daneben errichten und einen Weg von Kaltenbach, bzw. von Dittersbach her, der nahe dem Gipfel in den Kammweg einmündet und um 1890 von der Gebirgsvereinssektion Kaltenbach um- und ausgebaut wurde, anlegen. Im J. 1865 mußte der baufällige Turm wieder abgetragen werden; es war dies, abgesehen von dem 1825 errichteten Josefsturm auf dem Schöninger im Böhmerwalde, der erste Aussichtsturm in Böhmen. Am 15. Juli 1888 wurde dann neuerdings ein Aussichtsturm (Eintritt 20 h) der öffentlichen Benützung übergeben, den der Gebirgsverein für die böhmische Schweiz um den Kostenbetrag von mehr als 6000 K aufstellen ließ. Er stellt ein pyramidenförmiges Eisengerüst dar, ruht auf 80 cm hohem Steinsockel, hat eine Höhe von 16·3 m und ist über eine Wendeltreppe in 7 Windungen mit 92 Stufen ersteiglich; die Plattform faßt 25 Personen. Neben dem Turme wurde durch den Fürsten Ferdinand Kinsky ein schönes Blockhaus für Gastwirtschaft und Fremdenbeherbergung mit einem Kostenaufwande von mehr als 4000 K errichtet und am 14. Mai 1893 eröffnet. Einer der im Freien stehenden, aus einem einzigen Baumdurchschnitte bestehenden Tische läßt auf die Mächtigkeit der hier gedeihenden Riesenbäume, von denen schon mancher berühmt geworden ist, schließen. Prächtig schmeckt ein Trunk kühlen Kamnitzer Bieres im Schatten des rauschenden Bergwaldes, an den sich so manche Sage knüpft: vom Bier aus einer angebohrten Buche, mit dem ein reisender Handwerksbursche die Holzarbeiter labte; von dem Holzhauer, der im Walde immer trockenes Brod aß und sich dann aus seiner Axt, die er in einen Stock schlug, Milch in einen darunter stehenden Topf laufen ließ; von dem Nachtjäger, der einem gewissen Prauschke erschien und ins Gesicht pfauchte, als sich dieser ein »Stiefkind« – den schwächeren von zwei Stämmen, die auf einem Stocke gewachsen sind – holen wollte; vom Salzborn, wo sich die Hasler ihren Salzbedarf geholt haben sollen, bis sich die Obrigkeit ins Mittel legte, u. a. m.
Die Aussicht vom Turme, auf welchem 1895 von der Sektion Hasel ein Panorama angebracht wurde, ist eine vielgerühmte; sie wetteifert mit der vom Hochwald, Lausche und Tannenberg. Während gegen O. und NW. große Waldgebiete sich ausbreiten, blickt man gegen N. und S. über zahlreiche zusammenhängende Ortschaften in schier unbegrenzte Weiten. Aus dem prächtigen Waldmeere der näheren und weiteren Umgebung erheben sich Dutzende von Bergen, in mehrfachen Reihen hinter einander malerisch gruppiert, jeder in seiner Form eigenartig, die meisten bewaldet, viele als kahle dunkle Felsen und Zacken hineingereckt in den blauen Himmel.
N.: Über Niederkreibitz zeigt sich l. vom Irig hinter der Daubitzer Kirche die betürmte Wolfsbergspitze und l. hinter ihr der Zeidler Plissenberg, Pirsken und Botzen hinter einander; über den Irig hinaus der Czornebog. An Niederkreibitz r. anschließend Stadt Kreibitz, dahinter Teichstatt mit dem Bernsdorfer Teiche und darüber hinaus der betürmte Kottmar, hinter welchem r. die Landeskrone den Horizont besäumt. NO.: Vorn die beiden Himpelberge, dahinter Oberkreibitz vor dem Plissenberge, r. hinter diesem die Schönborner Höhe mit der Lichtenberger Windmühle, noch weiter zurück die Burgsbergwarte bei Warnsdorf, der Warnsdorfer und Oderwitzer Spitzberg; r. hinter dem schwarzen Himpelberge der betürmte Tannenberg über dem kl. Schöber. O.: Vorn der kl. Ahrenberg, l. dahinter der Schindelhengst, l. hinter diesem der kl. und gr. Eibenberg, über letzterem die Finkenkoppe und ober dieser der Gipfel der Lausche mit der Bergwirtschaft; r. am kl. Ahrenberge der Auberg, zwischen beiden hindurch der gr. Ahrenberg, l. hinter diesem der Hackelsberg und hinter diesem, über dem Sattel von Antonienhöhe der betürmte Hochwald; draußen im Hintergrunde l. das Isergebirge mit der Tafelfichte, r. Höhen des Riesengebirges (Kesselkoppe, hohes Rad), davor die Jeschkenkoppe. SO.: Vorn der Goldberg, zwischen ihm und dem Auberge das Hillemühltal, darüber die Falkenauer Berge mit dem spitzen Kleis vor dem Roll, und den Bösigen, zwischen welchen beiden im Hintergrunde die zweizackige Trosky-Ruine erscheint; gerade über dem Goldberge, im Sattel von Parchen, der betürmte Spitzberg bei Leipa; r. vom Goldberge der Mittenberg bei Preschkau und der Steinschönauer Berg, r. hinter diesem Steinschönau und in derselben Richtung Ruine Altperstein hinter dem Maschwitzer Berge. S.: Der Koselrücken, dahinter der Wilsch und r. an ihm in weiter Ferne der Prager Laurenzibergturm; r. vom Wilsch der ruinengekrönte Ronberg hinter dem Kamnitzer Schloßberge. SW.: der Geltsch (Richtung Nolde-B. Kamnitz-Sattelberg), Hasenburg bei Lobositz, Zinkenstein, Lobosch (hinter dem Ziegenrücken bei Bensen), hohe Wostrai und die Höhen bei Nemschen (jenseits der Hortauer Höhen), im Hintergrunde der Donnersberg, näher die Doberner Höhe mit Parlosa (über dem Rabsteiner Stationsgebäude jenseits des Himmertschberges) und die betürmte Kolmer Scheibe, im Vordergrunde der Ottenberg, hinter ihm draußen die Wand des Erzgebirges bis zum Schönwalder Spitzberg, der hinter dem vorliegenden Schneeberge (Turm) noch sichtbar ist. Diesem ist im W. vorgeschoben der betürmte Rosenberg; hinter diesem zeigen sich die Höhen von Gottleuba, näher und hinter einander gestellt Zirkelstein, Kuppelberge, Pabststein und Königstein, sodann Kaiserkrone und Lilienstein, anschließend der gr. Winterberg (Turm). NW.: Zu Füßen Dorf Kaltenbach, darüber Rennersdorf mit dem Kreuzberge, dahinter der Dittersbacher Felsenkessel; hinter der Kirche von Dittersbach der Rauschenberg, das Prebischtor und noch weiter das alte Schloß Stolpen r. vom Waizdorfer und Gickelsberge jenseits Schandau, weiter r. der betürmte Unger, Tanzplan (Turm), Valtenberg (Turm), Botzen, Zeidler Plissenberg und Pirsken.
Höchst lehrreich ist die Rundsicht für den Gesteinskundigen. Nach N., O. und S. überlagern den Sandstein mächtige Decken aus Basalt und Klingstein mit zahlreich aufsitzenden Domen, Kuppen und Hörnern. Sie schützen den leicht zerstörbaren Sandstein vor dem Einflusse der Erosionskräfte und bewahren ihn vor der Abtragung, so daß er nur an den Talseiten angeschnitten werden konnte und diese mit den charakteristischen Wollsackformen ziert. Im W. fehlte das vulkanische Riesenkonservierungsmittel, und der Quader mußte bis auf den Rest, der gegenwärtig die böhmisch-sächsische Schweiz bildet, der Erosion und Denutation anheimfallen.
So lehrreich aber in der Regel Rundsichten für die topographischen Verhältnisse sind, so selten geben sie eine derartige ästhetische Befriedigung, wie vereinzelte malerische Ausblicke. Wer letztere am Kaltenberge sucht, muß sich beim Abstiege nach einigen Schritten r. dem oberen Rande der vom Wege aus sichtbaren Brockhalde zuwenden. Von hier aus, wie von verschiedenen anderen Punkten der riesigen Schutthalden am Südhang des Berges findet der Wanderer herrliche Ausblicke, zu denen das wirre Steinmeer mit uralten, zerzausten Wettertannen einen recht wirksamen Vordergrund bildet.
Wer hier die Kammtour unterbrechen will, hat die Wahl zwischen den Bahnstationen Hillemühl (1¼ Std.) und B. Kamnitz (1¾ Std.). In letzterer Stadt, die des Sehenswerten viel bietet, befindet sich eine Sektion des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge.