Eines alten Lehrers Stimme im Traum

Durch einen Traum der Straße oder gar

Durch eine Straße im Traum . . . . . . . .

Von fern kam Deine Stimme wunderbar.

Ich hörte kaum, groß zogen durch den Raum

Die goldenen Begräbnisse, Turm und Baum

Traten im Himmel ein — und tiefer Schaum

Von Winter, Blum’ und Damen regnete mich ein.

In einem Traum der Straße hörte ich Dich sein,

Im Straßentraum die Stimme aus begrabnem Jahr,

Die Stimme, die einmal in einer alten Wohnung war.

Ich hörte Deine Stimm’ und wie Du heißt,

Und dachte an des Vaters Gestalt,

Der mit Dir sprach, und dachte an der Ahne Geist.

Die unter Sternen reisen, mild und kalt,

Und daß auch mich der Wind in Kreise reißt,

Im Traum der Straße, die mein Vater vor mir wallt,

Im Straßentraum dacht ich an einen Bart,

An eine Hand, vereist und brauner Art.

An ungeheure Worte dacht ich: war und alt.

Im Straßentraum, da Gold vorüberfuhr,

Und liebend ein Sonntagswind,

Von fern erfuhr ich Deine Spur,

Und drehte mich nicht um, vom Träumen blind.

Ich weiß nicht, wo Du wandelst, weiß und nicht geschwind.

Und ob Du bist, oder im Traume nur.

Doch von den Kerzen lind, die in mir sind,

Hub eine in der Kirche an und ist entbrannt,

Und ein Gefühl, verloren und noch unbenannt,

Begann, o Straßentraum, im Wind unterm Azur.

Zwiegespräch an der Mauer des Paradieses

Adam

Müde in den schmerzensreichen Schuhn,

Durch den Tag der Straßenqual gegangen . . .

Fang mich, Abend, auf, in Dir zu ruhn,

Süßer Ort, aus dem ich angefangen!

Meinen Pack von alten Schultern nun

Werf ich ab mit einem langen, langen

Atem, um mich ganz in Dich zu tun.

Ja ich tauche auf aus allem Staub,

Süße Mauer, traumwärts hergebaute,

Tiefer Wind, der sich ins Haar mir staute,

Als der Engel loderte im Laub!

Ja ich komme mit den schweren Rinnen,

Scharfen Tränenschluchten im Gesicht.

Gärtner mit dem Bart, verstoß mich nicht,

Höre auf, mich zu beginnen!

Laß zum Tor verstürzen das Gemäuer.

Schlage eine kleine Bresche ein,

Daß ich sanft in einem Weidenfeuer,

Oder kräuselnd mich am Bach ein scheuer

Windgefährte hebe an zu sein.

Stimme aus dem Garten

Ich darf Dich nicht lassen ein,

Und darf mich nicht lassen aus,

Ich muß mich fassen ein,

Und gieße Dich in Gassen aus.

Mein Haus ist wüst,

Meinen Garten hast Du versandet,

Ich bins, der für Dich büßt.

Kein Schwan mehr landet

In meinem See, der hohlgeht und brandet.

Die alten Bäume sind verbrannt,

Die schönen Tiere starben in Gesträuchen,

Und ich vermag die Würmer nicht zu scheuchen,

Aus meinem Beet und Rebenstand.

Im Herbst, wie eine alte Frau

Wall ich vorbei an eingesunkenen Malen,

So bettelhaft.

Dein ist die Kraft.

Mach, daß ich möge neu erstrahlen,

Aus dieser Wüste weggeworfener Schalen,

Den guten Garten wieder auferbau!

Adam

Durch tausend abgespannte Stunden

Hab ich zu Dir mich hergefunden,

Du wirfst mich fort.

Stimme auf dem Garten

Wir sind, mein Sohn, so sehr verbunden,

Daß Du Dich triffst mit Deinem eigenen Wort.

Adam

Erbarm Dich mein!

Stimme aus dem Garten

Erbarm Dich mein!

Adam

Mir Abgebückten mit zerrissenen Füßen,

Willst Du die Tür des Schlafengehns verschließen?

Ist Gnade nicht Dein Gut zuhöchst erlaucht?

Stimme aus dem Garten

Ich habe meine Gnade ausgegeben,

Sie waltet unerschöpft in Deinem Leben,

Für Dich hab ich sie ganz,

Du nie für mich gebraucht.

Adam

So wird dies Altern nimmer enden,

Und keine Heimat macht mich wieder klein?

Stimme aus dem Garten

Bestelle mich mit Deinen Händen,

Und Heimat werden wir uns beide sein,

Und kehren ein!

Adam

Weh, daß kein andres Wort mich tröste,

Und dies zurücke mich in Städte stößt!

Stimme aus dem Garten

Kind, wie ich Dich mit meinem Blut erlöste,

So wart’ ich weinend, daß Du mich erlöst.